Margarete von Luxemburg            Herzogin von Nieder-Bayern
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8.7.1313-11.7.1341
Prag        Prag

Begraben: Zisterzienserkloster Königsaal bei Prag
 

Älteste Tochter des Königs Johann von Luxemburg-Böhmen aus seiner 1. Ehe mit der Elisabeth von Böhmen, Tochter von König Wenzel II.
 

Schwennicke Detlev: Tafel 82
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

MARGARETE
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* 8.VI.1313, + 11.VII.1341
                       Prag

Begraben: Königsaal

  oo Straubing 12.II.1328
       HEINRICH II. Herzog von Bayern-Landhut
               + 1.IX.1339

Begraben: Seligenthal



Thiele Andreas: Tafel 69
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

MARGARETE
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* 1313, + 1341

  1328
  oo Heinrich II. (XIV.) Herzog von Nieder-Bayern-Burghausen
             + 1339



Veldtrup Dieter: Seite 232,242-249,251-253
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„Zwischen Eherecht und Familienpolitik“

Um sich gegen die bedrohliche Koalition im Osten zu sichern, näherte sich Johann wieder DEM BAYERN und nahm seine Zuflucht zu dem bewährten Mittel der dynastischen Familienpolitik: Er gab dem WITTELSBACHER am 12. April 1321 Vollmacht, die bereits früher geplante Ehe zwischen seiner Tochter Margaretha und LUDWIGS Verwandtem Heinrich III. von Nieder-Bayern nunmehr verbindlich zu verabreden. Diese Verbindung war ganz offensichtlich gegen Ungarn gerichtet, denn Heinrich war Sohn und Erbe jenes Herzogs Otto III., der als Gegenkandidat Karl Roberts von 1305 bis 1307 eine wenig glückliche Rolle als ungarischer König gespielt hatte.
Das änderte sich, als am 1. September 1339 Herzog Heinrich II. von Nieder-Bayern starb, der Ehemann von KARLS ältester Schwester Margarethe. Was lag da näher, als dass der Gedanke aufkam, die Witwe mit dem polnischen König Kasimir zu verbinden in der Hoffnung, dass aus dieser Ehe Söhne hervorgehen würden, die den Thronfolgeanspruch der Ungarn erlöschen ließen. Wir wissen aus KARLS Vita, dass er auf dem Rückweg von jener Reise, die ihn zu seinem Vater nach Frankreich und Avignon geführt hatte, etwa im März 1340 im Auftrag Johanns bei Margaretha gewesen ist um ihr, die in Auseinandersetzungen mit LUDWIG DEM BAYERN geraten war, beizustehen. Es ist wohl nicht übertrieben zu vermuten, dass es bei diesem Besuch auch darum ging, ihre Zustimmung zu einer Ehe mit Kasimir von Polen zu erhalten.
Margaretha war damals 27 Jahre alt. Sie war am 8. Juli 1313 als erstes Kind aus der Ehe Johanns von Luxemburg mit Elisabeth von Böhmen geboren worden und war nach ihrer Großmutter, der Königin Margaretha, benannt worden. Bereits mit 14 Monaten war sie in die dynastische Politik ihres Vaters einbezogen worden, als dieser am 20. September 1314 LUDWIG DEM BAYERN den Auftrag gab, sie mit Heinrich III. von Nieder-Bayern, dem Sohn Ottos III. zur Ehe zu versprechen. Am 12. April 1321 erteilte Johann DEM BAYERN erneut eine Vollmacht, die entsprechenden Verträge unter Modifizierung der vor sieben Jahren getroffenen güterrechtlichen Abmachungen abzuschließen. Damals war vorgesehen worden, dass Margaretha von ihrem Vater eine Heimsteuer in Höhe von 10.000 Mark erhalten sollte, für die die böhmischen Städte Dernis und Klattau verpfändet wurden; LUDWIG für seinen Neffen eine Mannesgabe von 11.000 Mark in Aussicht gestellt, die er gegebenenfalls durch Verpfändung der Burgen Mitterfels und Natternberg sowie der Städte Weichs und Deggendorf zu sichern versprochen hatte. Im Gegensatz zu den damals getroffenen Vereinbarungen wurde nun eine Heimsteuer von 6.000 Mark und eine Mannesgabe von 12.000 Mark festgesetzt.
Das symbolische Beilager der beiden fand am 12. August 1322 in Landshut statt. Johann von Böhmen setzte die Bürger von Iglau davon ausdrücklich in Kenntnis; Elisabeth hingegen begleitete ihre Tochter zu den Feierlichkeiten nach Bayern und blieb dort für mehr als zwei Jahre. Die Heimsteuer, die Margaretha erhielt, war wegen der desolaten finanziellen Lage ihres Vaters offensichtlich nicht bar ausgezahlt worden; aus der Tatsache, dass Herzog Heinrich 1331 im Besitz der böhmischen Stadt Taus ist, kann man den Schluss ziehen, dass ihm diese Stadt zur Sicherung ihrer Frauengabe verpfändet worden ist.
Am 1. September 1339 starb Heinrich II., wahrscheinlich an Aussatz. LUDWIG übernahm die Vormundschaftsregierung für den einzigen Sohn Johann, muss aber bereits jetzt begonnen haben, der Herzogin-Witwe Margarethe politische und finanzielle Schwierigkeiten zu bereiten, bei denen es hauptsächlich um die Festung Burghausen gegangen zu sein scheint, die ihr als Leibgedingestadt zugewiesen worden war. Deshalb erhielt KARL von seinem Vater den Auftrag, seine Schwester auf dem Rückweg von Frankreich nach Böhmen in Bayern aufzusuchen und ihr gegen LUDWIG beizustehen; als er eintraf, war es ihr jedoch bereits aus eigener Kraft gelungen, sich gegen den Kaiser durchzusetzen.
Gegen Ende des Jahres 1340 verschlechterte sich Margarethes Situation in Bayern dramatisch: Am 20. Dezember starb ihr 11-jähriger Sohn. Da das Land nun an den Kaiser fiel und Ober- und Nieder-Bayern nach 85-jähriger Trennung wieder vereinigt werden konnten, blieb der Verdacht nicht aus, LUDWIG habe seinen jungen Verwandten vergiften lassen.
Zwar bestätigte LUDWIG auch die Rechte Margarethas, doch gab es erneut Streitigkeiten um Burghausen: Die Leibgedingestadt der Herzogin hatte sich am 27. Februar dem Kaiser übergeben müssen. Nach erfolglosen Vermittlungsversuchen durch Herzog Rudolf von Sachsen im Juni zu Frankfurt schreibt nämlich Johann am 2. Juli 1341 dem Rat und der Gemeinde der Stadt, dass seine Tochter Burghausen laut Schreiben vom 15. Juni (ausgestellt in Prag) an den Kaiser und seine Nachkommen abgetreten habe; er, Johann, habe ihr dafür als Ersatz Güter in Böhmen angewiesen und entpflichtete die Burghausener von allen geleisteten Eiden. Tatsächlich hatte Margaretha inzwischen Nieder-Bayern verlassen und war am 20. Mai unter Freudenbekundungen der Bevölkerung in Prag eingetroffen. Benesch von Weitmühl lässt uns wissen, dass ihre Einwilligung dazu invita et renitens erteilt haben, und als kurz darauf Kasimir mit Geschmeide und kostbaren Gewändern für seine Braut in Prag eingetroffen sei, war sie nach der Schilderung des Heinrich von Rebdorf bereits ex dolore infirmatur. Indessen - bis zur Eheschließung sollte es nicht kommen. Zwei Tage vor der Heirat, die an Margarethas Namensfest, dem 13. Juli, stattfinden sollte, starb die gerade 28-jährige.

MARGARETHA VON LUXEMBURG
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* 8.7.1313, + 11.7.1341
Prag             Prag

Begraben: Zisterzienserkloster Königsaal bei Prag

Tochter von König Johann von Luxemburg-Böhmen und seiner 1. Frau Elisabeth von Böhmen

1.) – Koblenz 20.91314, ~ Eger 12.4.1321

      HEINRICH III. DER NATTERNBERGER, HERZOG VON NIEDER-BAYERN
      * 28.8.1312, +18.6.1333
      Schloß Natternberg Schloß Natternberg
      bei Deggendorf     bei Deggendorf

Begraben: Zisterzienserinnenkloster Seligenthal bei Landshut

Sohn von Herzog Otto III. (Ex-König von Ungarn) und seiner 2. Frau Agnes von Schlesien-Glogau

2.) ~ symbolisches Beilager Landshut 12.8.1322, oo Straubing 12.2.1328

      HEINRICH II. HERZOG VON NIEDER-BAYERN
      * 29.9.1305, + 1.9.1339
      Landshut      Landshut

Begraben: Zisterzienserinnekloster Seligenthal Landshut

Sohn von Herzog Stefan I. und der Jutta von Schweidnitz

3.) ~ Prag um 20.5.1341

      KASIMIR III. DER GROSSE KÖNIG VON POLEN
      * 30.4.1310, + 5.11.1370
      Kowal/Kujawien Krakau

Begraben: Kathedrale Krakau

Sohn von König Wladislaw I. Lokietek und der Hedwig von Kalisch



Hoensch, Jörg K.: Seite 56,63,75,94
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"Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437."

Da abgesehen von der kleinen Tochter Johanns keine Angehörigen für Eheabsprachen zur Verfügung standen, fehlte zudem die Möglichkeit eines verwandtschaftlichen Unterbaus für sein Königtum.
Mit dem König LUDWIG IV. wurden von Johann 1321/22 Gespräche über eine Eheverbindung seiner ältesten Tochter Margarete mit dessen Mündel, dem Herzog Heinrich XIV. von Nieder-Bayern, angebahnt und eine Hochzeit der zweitgeborenen Tochter Guta mit dem Markgrafen Friedrich von Meißen verabredet.
Inzwischen war die 1321/22 vereinbarte Ehe von Johanns ältester Tochter Margarete mit Herzog Heinrich XIV. von Nieder-Bayern im Februar 1328 vollzogen worden, der sich als treuer Parteigänger seines Schwiegervaters erwies.
Um einen Ausbau der wittelsbachischen Hausmachtstellung in unmittelbarer Nachbarschaft des Königreichs Böhmen zu erschweren, betrieb der LUXEMBURGER die Vermählung seiner gerade verwitweten Tochter Margarete mit König Kazimierz III. von Polen, der kurz zuvor ebenfalls Witwer geworden war, doch zwei Tage vor der Hochzeit starb im Juli 1341 die Braut, die wohl nicht über den am 20. Dezember 1340 eingetretenen Tod ihres einzigen Sohnes Johann hinweggekommen war.
 
 
 
 

12.2.1328
  oo Heinrich der Ältere Herzog von Nieder-Bayern
       29.9.1305-1.9.1339
 
 
 
 

Kinder:

  Johann I. Herzog von Nieder-Bayern
  29.11.1329-20.12.1340
 
 
 

Literatur:
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Benker Gertrud: Ludwig der Bayer. Ein Wittelsbacher auf dem Kaiserthron. Eugen Diederichs Verlag München 1997 Seite 97,242 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 56,63,75,94 - Palacky Franz: Geschichte von Böhmen 1842 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 82 - Sütterlin, Klaus: König Johann. Ritter auf dem Schauplatz Europa. Verlag Markus Knecht 2003 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 69 - Veldtrup, Dieter: Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV., Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit Verlag Fahlbusch/Hölscher/Rieger Warendorf 1988  Seite 232,242-249,251-253 -