Liutgard von Northeim                  Gräfin von Luxemburg
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um 1090- nach 1117
 

2. Tochter des Grafen Kuno von Northeim-Beichlingen und der Kunigunde von Beichlingen, Tochter von Markgraf Otto I. von Meißen
 

Brandenburg Erich: Tafel 26 Seite 52
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XII. 229 b. MATHILDE
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* ca. 1090, + nach 1117

Gemahl:
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1105/10
Wilhelm von Luxemburg (siehe XI 62)
         + nach 1129 17.VI., vor 1131 24.V.



Thiele, Andreas: Tafel 170
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

LIUTGARD
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    +

  oo WILHELM I. Graf von Luxemburg
                 + 1130



Lange Karl-Heinz: Seite 137-139
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"Die Grafen von Northeim 950-1144"

Die zweitälteste Tochter Kunos und Kunigundes von Beichlingen heiratete nach der Angabe des Annalista Saxo den Grafen Wilhelm von Luxemburg; ihren Namen, den der Annalist offensichtlich nicht mehr gekannt hat, erfahren wir durch die bisher wenig beachtete Aussage Alberichs von Trois-Fontaines, dass Graf Konrad von Luxemburg "peperit comitem Guilelmus de Luscelenburg, patrem Conradi, cuius pater Lutgardis...." Danach war Wilhelm ein Sohn Konrads von Luxemburg, des Bruders HERMANN VON SALM und Gegen-König HEINRICHS IV. Konrad war in 1. Ehe mit Ermesinde von Poitou (?), in 2. Ehe mit einer Gräfin Clementia unbekannter Herkunft verheiratet; es hat den Anschein, dass Wilhelm ein Sohn der Ermesinde war und etwa um 1065 geboren ist.
Durch die Ehe Liutgards und Wilhelms wurde zum ersten Male eine Verbindung des northeimischen und luxemburgischen Grafengeschlechts hergestellt. Diese Beziehungen erfuhren wenig später, wie gezeigt wird, durch die Heirat ihrer Base Gertrud, der Tochter Heinrichs des Fetten, mit Wilhelms VetterOtto von Rheineck, dem Sohne HERMANNS VON SALM, eine Erweiterung. Denn es kann kein Zweifel bestehen, dass die Ehe Liutgards und Wilhelms vorher, das heißt vor 1113, dem Todesjahr von Gertruds erstem Gemahl Siegfrieds von Ballenstedt, geschlossen worden ist. Wir erfahren nämlich aus einer Urkunde Erzbischofs Johanns von Trier vom Ende des 12. Jahrhunderts, dass Wilhelm, was bisher kaum Beachtung gefunden hat, einen Sohn Adalbero hatte, der Propst im Stift St. Paulin zu Trier war. Diese Angabe wird schon deshalb zuverlässig sein, weil der Name Adalbero im luxemburgischen Geschlecht ausnahmslos den Trägern geistlicher Würden und Ämter vorbehalten war: Bischof Adalbero von Metz (929-969), Propst Adalbero von Metz (1047-1072) und Propst Adalbero von Metz (+ 1097) waren Angehörige des LUXEMBURGER Hauses. Da nun in der Tat in einer Urkunde Erzbischof Brunos von Trier vom Jahre 1116 ein Propst Adalbert (wohl für Adalbero) von St. Paulin zu Trier begegnet, so wird man nicht umhin können, diesen für den Sohn Wilhelms von Luxemburg zu halten.
Die Erwähnung Adalberos im Jahre 1116 gibt Veranlassung, die Altersverhältnisse von Wilhelms Gemahlin Liutgard näher zu prüfen. Als zweitälteste Tochter Kunos und Kunigundes von Beichlingen könnte sie frühestens im Jahre 1088 geboren sein, wenn man die Ehe ihrer Eltern 1087 geschlossen und ihre ältere Schwester Mathilde 1087/88 geboren sein läßt. Dazu stimmt auffällig, dass ihre nächstältere Schwester Adela, wie noch zu zeigen sein wird, im Jahre 1090 oder wenig später geboren sein muß. Liutgard könnte dann kurz nach 1100 ihre Ehe mit Wilhelm von Luxemburg geschlossen haben und im Jahre 1103 die Mutter Adalberos geworden sein, der mithin im Jahre 1116 als Propst von St. Paulin zu Trier im Alter von ca. 13 bis 14 Jahren gestanden hätte und als ältester Sohn seiner Eltern anzusprechen wäre. Man wird zugeben müssen, dass die Altersverhältnisse Liutgards und Adalberos als ungewöhnlich zu bezeichnen sind; immerhin dürften stichhaltige Einwände gegen die gegebenen Datierungen nicht erhoben werden können. Zudem käme die Annahme, dass Adalbero vielleicht einer früheren Ehe Wilhelms entstamme, einer bloßen Hypothese gleich, da wir von einer weiteren Gemahlin des LUXEMBURGERS nichts erfahren. Nimmt man hinzu, dass Wilhelms Sohn Konrad, von dem wir bestimmt wissen, dass er auch ein Sohn der Liutgard war, bereits im Jahre 1123 zusammen mit seinem Vater auftritt und daher schon großjährig gewesen sein muß, so wird man den Propst Adalbero für den ersten Sohn Liutgards und Wilhelms halten dürfen.
Wie bereits erwähnt, hatten Liutgard und Wilhelm einen weiteren Sohn, Konrad. Er trug den Namen seines Großvaters väterlicherseits und wurde der Nachfolger seines Vaters Wilhelm, der vor dem 23. April 1131 gestorben sein muß. Vor dem 2. Februar 1134 wird Konrad geheiratet haben, denn zu diesem Zeitpunkt begegnet seine Gemahlin Irmgard, die eine Tochter Ottos und Judiths von Zütphen war. Konrad starb nach dem 30. Mai 1135 in jungen Jahren, ohne Nachkommen zu hinterlassen; mit seinem Tod starb das LUXEMBURGER Grafengeschlecht im Mannesstamm aus. Konrads einzige und wohl jüngere Schwester hieß wie allgemein angenommen wird - nach ihrer Mutter Liutgard, ein Name, der sich allerdings schon vorher im Luxemburgischen Grafengeschlechtfindet. Liutgard muß vor 1117 geboren sein, da ihre Mutter zu diesem Zeitpunkt nicht unter den Töchtern Kunigundes von Beichlingen in der von ihr ausgestellten Urkunde für das Kloster Northeim begegnet und demnach vordem gestorben sein wird. Ihre Ehe mit Graf Heinrich II. von Grandpre muß spätestens im Jahre 1136 geschlossen worden  sein, da dieser als Allodialerbe ihres um diese Zeit gestorbenen Bruders Konrad nachzuweisen ist. Liutgard ist vor 1177, Heinrich nach 1188 gestorben.

Renn, Heinz: Seite 166-168
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"Das erste Luxemburger Grafenhaus"

Wilhelm wird etwa 30 Jhare alt sein, als er seinem Bruder in der Regierung folgt; denn die Ehe seiner Eltern ist um 1065 anzusetzen, und ihn selbst haben wir als eines der jüngsten Kinder kennengelernt.
Die alten Luxemburger Historiker nennen Wilhelms Gemahlin Mathilde und machen sie zur Tochter Herzog Friedrichs von Schwaben. Belege sind für diese Behauptung nicht zu finden. Vielleicht berufen sich diese Genealogen nur auf Andeutungen einer Verwandtschaft der LUXEMBURGER mit dem Salischen Kaisergeschlecht und auf die enge persönliche Beziehung zwischen dem Herzog von Schwaben und dem Grafen von Luxemburg, die sie auf die obige Weise zu erklären glaubten. Herzog Friedrich I. hat nämlichAgnes, die Tochter Kaiser HEINRICHS IV., geheiratet. Wir aber wissen, daß die Verbundenheit mit den SALIERN und STAUFERN aus den Heiraten Friedrich I. vom Moselgau, der Imiza von Gleiberg und Konrads von Luxemburg herrühren.
Durch eine Mitteilung des Annalista Saxo sind wir in der Lage, die Herkunft der Gemahlin Wilhelms festzustellen: "Habuit ... Cono comes uxoerem nomine Cunigundam, filiam Ottonis marchionis de Orlagemunde. Hec primum nupserat regi de Ruzia. Quo defuncto reversa in patriam nupsit huic Cononi Genuit ... ex Conone quatuor filias, ex quibus unam accepit Heinricus comes de Suitfene, alteram Willehelmus comes de Lucelenburch" [SS. VI, Seite 737]. Kuno, der Vater unserer Luxemburger Gräfin, ist Graf von Beichlingen (+ 1103) und der Sohn Ottos von Nordheim. Auf einen weiteren Sproß dieses Otto habe ich bereits hingewiesen; es ist Heinrich der Fette von Sachsen, dem seine Gemahlin Gertrud von Braunschweig zwei uns schon bekannte Töchter schenkte, die spätere Kaiserin Richenza und Gertrud, die Gattin Sigfrids von Ballenstedt und Ottos I. von Rheineck. Graf Wilhelm ist also durch seine Gemahlin ein naher Verschwägerter Kaiser LOTHARS. Mütterlicherseits stammt unsere Luxemburger Gräfin aus der uns ebenfalls bekannten Familie WEIMAR-ORLAMÜNDE; denn ihre Mutter Kunigunde ist die Schwester der mehrfach genannten Adelheid von Orlamünde. Demnach ist Wilhelms Gattin auch die Nichte des luxemburgischen Pfalzgrafen Heinrich von Laach. Ihr Name ist nirgendwo sicher überliefert. Wir dürfen sie jedoch mit ziemlicher Bestimmtheit Mathilde nennen; Graf Kuno von Nordheim besitzt nämlich eine Tochter dieses Namens, wie die Origenes Guelforum bestätigen. Hinzu kommt, daß die alten Historiker ihr gerade diesen Namen geben, obwohl sie die wirkliche Abstammung von Wilhelms Gemahlin nicht kennen. Vielleicht lag ihnen noch ein Beleg mit dem Namen Mathilde vor. Die Zeit der Eheschließung des Luxemburger Grafenpaares werden wir in das erste Jahrzehnt des 12. Jahrhunderts ansetzen können, weil Mathilde in der zweiten Hälfte der 80-er Jahre des vorhergehenden Jahrhunderts geboren sein wird [9 E. Brandenburg, Seite 52 (XI, 144b)].
Das genaue Todesdatum kennen wir ebenfalls von beiden nicht. Für Wilhelm kann es annähernd bestimmt werden. Weihnachten 1128 treffen wir ihn in der Umgebung des Kaisers an. Dieses ist die letzte sicher verbürgte Nachricht des LUXEMBURGERS. Doch halte ich es durchaus für möglich, daß jener Wilhelm, der am 17. Juni 1129 zusammen mit seiner Schwester Ermesinde der Schenkung seiner Mutter Klementia betreffs Schiffenberg zugestimmt, mit unserem Grafen gleichzusetzen ist. Wilhelm muß jedoch vor dem 23. April 1131 gestorben sein, weil ein Kaiserdiplom zu diesem Tage, welches der Abtei Echternach das Schiffahrtsrecht auf der Sauer bestätigt, bereits den Sohn Wilhelms, Konrad, als Fürbitter nennt.
Dem Luxemburger Grafenpaar lassen sich bestimmt nur zwei Kinder nachweisen, Konrad und Liutgard. E. Brandenburg nimmt als ihren weiteren Sohn Adalbero an, der zu Beginn des 12. Jahrhunderts als Propst in Trier auftritt [13 Brandenburg, Seite 24 (XII, 75); M.R.U.B., nr. 422]. Mir sind keine Unterlagen bekannt, die diese Annahme rechtfertigen. Der Name Adalbero allein kann dafür nicht in Frage kommen [14 Bertels (Seite 34) erwähnt drei weitere Söhne: Siegfried, Ulrich und Friedrich, die im jugendlichen Alter verstorben seien, und zwei Töchter Agnes und Mathilde als Kinder Wilhelms. Für die Richtigkeit gibt es keine Anhaltspunkte.].
 
 
 
 

  oo Wilhelm I. Graf von Luxemburg
        um 1070 -   1130
 
 
 
 

Kinder:

  Konrad II.
         -   1136

  Liutgard
  vor 1117- vor 1170

  oo Heinrich II. Graf von Grandpre
              - um 1150
 
 
 
 

Literatur:
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Annalista Saxo: Reichschronik - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 26 Seite 52 - Lange, Karl-Heinz: Die Grafen von Northeim (950-1144). Politische Stellung, Genealogie und Herrschaftsbereich. Beiträge zur Geschichte des sächsischen Adels im Hochmittelalter Dissertation Kiel 1958 Seite 137-139 - Renn, Heinz: Das erste Luxemburger Grafenhaus, Bonn 1941 Seite 166-168 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 170 -