Heinrich IV. der Blinde                  Graf von Luxemburg (1136-1196)
-----------------------------                 Graf von Namur (1139-1196)
1120/25- August 1196
(* 1113 Hoensch)

Begraben: Floreffe
 

Einziger Sohn des Grafen Gottfried von Namur aus seiner 2. Ehe mit der Ermesinde I. Gräfin von Luxemburg
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 2073
********************
Heinrich der Blinde, Graf von Namur und Luxemburg
-------------------------
     + 1196

Sohn des Grafen Gottfried von Namur und der Ermesinde von Luxemburg

Dreimal verheiratet (unter anderem mit Lauretta von Flandern, um 1154, und Agnes von Geldern, 1168); erblindet seit 1183.Heinrich der Blinde wurde nach dem Tode seines leiblichen Vetters Konrad II. (1131-1136) Graf von Luxemburg, 1139 Graf von Namur, erbte von seiner Mutter bald darauf Longwy und erlangte um 1150 die Grafschaften Durbuy und La Roche, die von nahen Verwandten, die keine direkten Erben hatten, hinterlassen worden waren. Auch war Heinrich der Blinde Vogt der großen Abteien Echternach, St. Maximin vor Trier sowie Stablo und Malmedy. Heinrichs Politik war bestimmt vom Kampf, den er um die Vogtei von St. Maximin mit Erzbischof Adalbero von Trier und dessen Verbündetem König KONRAD III. führte, und durch das Problem der Erbfolge. Um 1163 setzte Heinrich der Blinde seinen Neffen Balduin IV. von Hennegau zum Erben in Namur und Luxemburg ein; 20 Jahre später bestätigte er diese Entscheidung. Pfingsten 1184 (Mainzer Hoffest) akzeptierte FRIEDRICH BARBAROSSA den Plan, für Balduin die Markgrafschaft Namur als weiträumiges, von Luxemburg bis zum Hennegau reichendes Territorium zu konstituieren. Die Gegner des Hennegauers nahmen dessen drohenden Machtzuwachs jedoch zum Anlass, für eine Wiederannäherung Heinrichs an seine Gemahlin, von der er 15 Jahre getrennt gelebt hatte, zu sorgen; im Juli 1186 wurde eine Tochter, Ermesinde, geboren. Heinrich der Blinde versprach sie 1187 an Heinrich II. von Champagne, doch löste dieser 1191 das Verlöbnis auf. Heinrich der Blinde versuchte schließlich, die bereits dem Sohne Balduins übertragene Grafschaft Namur zurückzuerobern. Auf dem Hoftag von Schwäbisch Hall (23. September 1190) konstituierte HEINRICH VI. für den zugleich zum Reichsfürsten erhobenen Grafen Balduin V. die Markgrafschaft Namur, doch unter Ausschluss Luxemburgs. Nach Heinrichs Tod eroberte der erste Gemahl der Ermesinde, Graf Theobald I. von Bar, das Erbe (1198).



Brandenburg Erich: Tafel 28 Seite 56
****************
"Die Nachkommen Karls des Großen"

XII. 245 b. HEINRICH DER BLINDE, Graf von Namur
--------------------------------------------------
* wohl ca. 1120/25, + 1196

Gemahlinnen:
-----------------
a) nach 1152
Laurette, Tochter des Dietrich von Elsaß Graf von Flandern (siehe XIII 337)
oIo 1160

b) 1168
Agnes, Tochter des Grafen Heinrich von Geldern
        + nach 1186

Anmerkungen: Seite 144
************
239. - 245. Gislebert von Mons ed. Vanderkindere. Heyck 327. Heinrich der Blinde (245), dessen Geburt wegen des Alters der Eltern kaum viel nach 1120 angesetzt werden kann, stand schon in höherem Alter, als er seine zweite Frau heiratete. Nach Gisleb. cap. 122 trennte er sich bald wieder von ihr, nahm sie aber nach 15 Jahren, wieder zu sich und erzeugte mit ihr die Ermesinde (XIII. 459.).

Ergänzungen:
----------------
239. Gervais Graf von Rethel, siehe XI 293.
242. Clementia, + 1158 28. XII. Heyck 327.
245 (Wolf): Gemahlin: a) Laurette oIo 1163 statt 1160. (Nach Wampach, UB Luxemburg I, 653).



Thiele Andreas: Tafel 68
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

HEINRICH IV. "DER BLINDE"
------------------------------------------
    + 1196

1136 Graf von Luxemburg
1139 Graf von Namur, zu Laroche, Durbuy, Longwy, Chateau-Porcien, Vogt von St. Maximin/Trier und Echternach
Er verlagert sein Hauptinteresse nach Namur, verliert dadurch in Luxemburg bedeutende Positionen, besonders St. Maximin an die Erzbischöfe von Trier: ständig Streit mit ihnen, ohne es zurückzugewinnen; anerkennt zuerst seinen Hennegau-Neffen als Erben, arbeitet eng mit ihm zusammen; enterbt ihn 1186 zugunsten der Tochter: Erbkriege gegen ihn: Schlacht bei Noville 1194 verloren; zwingt die Herzöge von Limburg nach vielem Streit zur Huldigung für Arlon; streitet auch viel mit Brabant, Bar und den Bischöfen von Lüttich wegen sich überschneidender Interessen.

  1. oo LAURETTE VON LOTHRINGEN
                    +
1163 geschieden

 Tochter des Grafen Dietrich von Flandern

  2. oo AGNES VON GELDERN-ZÜTPHEN
                      +

Tochter des Grafen Heinrich II.



Heinrich IV. wurde 1136 Graf von Luxemburg und 1139 Graf von Namur, zu Laroche, Durbuy, Longwy, Chateau Porcien und Vogt von St. Maximin zu Trier und Echternach. Er brachte große Liegenschaften in den westlichen Ardennen und sein väterliches Erbgut an der Maas in die Grafschaft ein und strebte mit erneuter Stoßkraft durch seine Besitzungen in der Eifel mit Umgehung von Trier an die mittlere Mosel vor. Nach 7-jähriger Fehde mit dem Erzbischof von Trier musste Heinrich die Waffen strecken, zumal der König auf des letzteren Seite eingriff. Der Vertrag von Speyer 1147 verpflichtete den Grafen, die Burg Manderscheid auszuliefern, die als Durchgangspunkt zur Wittlicher Senke und ins Moseltal von größter Bedeutung war. St. Maximin, der wichtige Vorposten Heinrichs, wurde dem Erzstift unterstellt. Der erneute Versuch des LUXEMBURGERS, zur Mittelmosel durchzubrechen, war damit gescheitert. Er anerkannte zuerst seinen Hennegau-Neffen Balduin, arbeitete eng mit ihm zusammen, enterbte ihn 1186 zugunsten der Tochter, führte Erbkriege gegen ihn und verlor 1194 die Schlacht bei Noville. Er zwang die Herzöge von Limburg nach vielem Streit zur Huldigung für Arlon und stritt auch viel mit Brabant, Bar und den Bischöfen von Lüttich wegen sich überschneidender Interessen. Nach seinem Tode ging Namur an Hennegau über.
 
 
 

             -1163
  1. oo Laurette von Flandern-Lothringen, Tochter des Grafen Dietrich
           um 1125- um 1175

  2. oo N.N.
                 -

    1168
  3. oo Agnes von Geldern, Tochter des Grafen Heinrich II.
           um 1145/50-   1196
 
 
 
 

Kinder:

  Ermesinde II. Gräfin von Luxemburg
   7.1186-9.5.1246
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 28 Seite 56,144 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 45,70,71,72 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 475,489 - Engels, Odilo: Die Staufer. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1972, Seite 103,104 - Engels, Odilo: Stauferstudien. Beiträge zur Geschichte der Staufer im 12. Jahrhundert, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996, Seite 127,158,175,189-196,199 - Erbe Michael: Belgien, Niederlande, Luxemburg. Geschichte des niederländischen Raumes. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1993 Seite 46 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 17 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten. Eduard Anton Verlag Halle 1832 - Mohr Walter: Geschichte des Herzogtums Lothringen. Verlag "Die Mitte" Saarbrücken 1974 Band II Seite 98-112 - Renn, Heinz: Das erste Luxemburger Grafenhaus, Bonn 1941 - Schiffer, Peter: Die Grafen von Geldern im Hochmittelalter (1085-1229). Ein Beitrag zur Geschichte des unteren Rheingebietes, Geldern 1988 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 68 -