Renn, Heinz: Seite 83,101,103,104,114
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"Das erste Luxemburger Grafenhaus"

Eine weitere Schwester der Kunigunde spielt keine geringe Rolle im oberlothringischen Raum. Während wir große Bedenken hatten, Adalberts Gemahlin Judith als LUXEMBURGERIN anzunehmen, ist sein Bruder Gerhard sicher mit Eva, der Tochter Sigfrids, die Ehe eingegangen. Thietmar nennt nämlich deren Sohn Sigfrid: "nepos autem imperatricis". Dazu weist der Name Sigfrid auf die Luxemburger Familie hin. Da Gerhard mit seinen Geschwistern Adalbert und Adelheid, der Mutter König KONRADS II., blutsmäßig nicht zur luxemburgischen Familie gehört, kann nur die Mutter Sigfrids von Lothringen eine Schwester der Kaiserin Kunigunde sein. In zwei Schenkungsurkunden vom Jahre 1020, in denen das Ehepaar ein Vermächtnis macht: "pro anima filii sui Sigefridi defuncti", nennt Gerhard seine Gattein selbst Eva [11 Kimpen, Rheinische Anfänge ... Seite 7, Anmerkung 39]. Die Ehe beider ist sicher vor der Jahrtausendwende vollzogen worden; denn ihr Sohn Sigfrid, den wir 1017 bereits auf dem Schlachtfeld antreffen, kann kaum nach 1000 das Licht der Welt erblickt haben; er ist wohl spätestens 998 geboren, weil Graf Sigfrid, der offenbar sein Pate war, in diesem Jahr gestorben ist.
Die LUXEMBURGER werden sich dagegen gewehrt haben, daß das Gut ihrer Schwester und Tante der Krone anheimfällt. Kaiser HEINRICH III. hat dann ihrem Drängen nachgegeben. Er schenkt zum Beispiel 1040 Abenza, der Schwester Kunigundens, Morlingen, ein Gut im Moselgau, als Entschädigung für die Ansprüche, die sie aus der Erbschaft ihrer Schwester erhebt.
Gerhard und Eva sind durch die oberlothringischen Wirren besonders hart getroffen worden, da sie hier ihren einzigen Sohn Sigfrid verloren haben. Wann Gerhard gestorben ist, läßt sich nicht bestimmen. Können wir die Todeszeit seiner Gemahlin Eva näher bestimmen? In der erwähnten Urkunde von 1040 hörten wir von einer Schwester Kunigundens namens Abenza. Hiernach müßten wir an sich eine weitere Tochter Sigfrids und Hedwigs dieses Namens  annehmen. Dagegen setzen Kremer und nach ihm Depoin, Vannerus und Wampach Eva = Eveza = Ebeza mit Abenza gleich. Demnach hat Eva 1040 noch gelebt. Sie muß damals immerhin 60 Jahre alt gewesen sein. Ob Gerhard und Eva Töchter gehabt haben, läßt sich nicht bewesien. Witte glaubt ihnen "mit Gewißheit" eine Tochter Uda (Jutta) zuweisen zu können. Das Nekrolog von Ranshofen meldet zwar zum 19. September: "Abbatissa Uota, filia sororis Chunigundis imperatricis obiit." [77 SS. IV. Seite 791; vergl. Wampach U.Q.B., nr. 232.] Aber derselbe Kodex bringt zum 29. März: "Dietmarus, pater abbatissae Uotae obiit." Uda wird von 1019-1023 als Äbtissin zu Kaufungen erwähnt.