Hlawitschka, Eduard: Seite 63,88-92
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"Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Studien zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9.,10. und 11. Jahrhundert"

Eine gleiche Nahehe ergäbe sich dann desgleichen für Graf Gerhard von Metz, den härtesten Gegner HEINRICHS II. in der Moselfehde, und seine Gemahlin Eva aus dem Hause LUXEMBURG [61 Graf Gerhard von Metz ist ein Enkel oder ein Urenkel Ermentruds; Eva ist eine Enkelin Kunigundes und Wigerichs durch Siegfried von Luxemburg (vgl unten Seite 88f.)].
Wenn sich Graf Gerhard von Metz in diesem Konflikt auf die Seite der LUXEMBURGER stellte und dabei mehr und mehr zum Haupt des Widerstandes wurde, so lag dies wohl vornehmlich an der Herkunft seiner Gattin Eva. Sie war nämlich eine LUXEMBURGERIN. Ihren Namen erfahren wir aus zwei Urkunden vom 3. Februar 1020, in denen Graf Gerhard mit ihrer Zustimmung (consensu suae coniugis Evae) seinen Besitz in der villa Goduncort in pago Solicensi (= Goncourt) dem Abte Wilhelm von S. Benigne in Dijon für die Michaelskirche in Moros in der Lombardei gibt und letztere wiederum pro anima filii sui Sigifredi defuncti dem Kloster Fruttuaria schenkt. Zumal der hierbei erwähnte Sohn Gerhards und Evas, Siegfried, der bereits 1017 in Gerhards großem Kampf gegen Herzog Gottfried von Nieder-Lothringen schwer verwundet in die Gefangenschaft des Gegners gefallen und bald darauf gestorben war, bei der Schilderung dieser Ereignisse durch Thietmar von Merseburg ausdrücklich als nepos autem imperatricis nostrae, das heißt Kunigundes, bezeichnet wird, läßt sich Eva schon leicht als Schwester Kunigundes und als LUXEMBURGERIN vermuten. Daß die Verwandtschaft zu den LUXEMBURGERN in der Tat nicht durch Gerhard selbst, sondern durch Eva lief, wired nämlich auch durch eine im Original überlieferte Urkunde Kaiser HEINRICHS III. deutlich, in der Eva als Schwester Kunigundes erscheint; denn unter der Namensform Abenza bei der nach ihrer Erbschaft verlangenden soror contectalis Heinrici imperatoris hat man ja nur eine Koseformvariante des Namens Eva/Ava, die in den häufiger bezeugten Formen Eveza und Ebeza findet, vor sich [40 Auch Johann von Bayon kennt Eva als Gemahlin Gerhards von Metz, doch sieht er in ihr eine Schwester, nicht Schwägerin Kaiser HEINRICHS II. So schreibt er zum Beispiel in seinem Bericht über die Moselfehde: Dissidium inter Henricum caesarem, Theodericum Metensem praesulem, qui erat caesaris levir, ac comitem Gerardum, fratrem Alberti avi ducis Gerardi, qui sororem etiam ipsius caesaris Evam nomine uxorem sortius fuerat, exortum est (A. Calmet, Hist. de Lorraine 1. Auflage II. Pr. Seite 72, 2. Aufl. III Pr. Seite 225/26 - cap. 56). Im cap. 44 (ebenda Seite 64 bzw. 215) ist die gleiche Sache nochmals berichtet, jedoch ist Gerhard von Metz dort mit seinem Neffen Gerhard, dem Sohn Adalberts und Judiths und Vater und Vater des Herzogs Gerhard, verwechselt, wenn ihm eine Gisela als Gemahlin zugeschrieben wird.].
In welchem Jahr zwischen 1020, in dem er für Abt Wilhelm von S. Benigne in Dijon urkundete, bzw. 1021, als er noch den Schutz der Töchter seines propinquus Godizo übernahm, und 1033, in welchem bereits von seinem Neffen Gerhard für das Seelenheil seines avunculus Gerhard gesorgt wird, Graf Gerhard von Metz verstarb und wie lange ihn seine Gemahlin Eva in die Zeit HEINRICHS III. hinein überlebte, wissen wir nicht. Sicher überliefert ist uns indessen, daß Graf Gerhard an einem 28. Dezember verstorben ist und seine Gemahlin Eva an einem 19. April verschied [46 G. Chevrier et M. Chaume, Chartres et documents de Saint-Benigne II Seite 63 nr. 271: V. kal. ian. Girardus comes, qui dedit nobis Godonis curtem; vgl. dazu oben Anmerkung 33 und 36. Da im gleichen Nekrolog auch Gerhards Bruder Adalbert verzeichnet ist (vgl. oben Seite 82 Anmerkung 9) und zum 27. Juli eine Juditha comitissa, die man als Adalberts Gemahlin betrachten darf, vermerkt wurde, dürfte die unter dem 19. April eingetragene Eva comitissa die Gemahlin Gerhards von Metz gewesen sein. Zwei Abschriften dieses Nekrologs liegen in Paris: Bibl. Natr. Coll. Bourgogne 12 und Ms. lat. 13872; Auszüge daraus sind gedruckt bei B. de Montfaucon, Bibliotheca bibliothecarum manuscriptorum II (1739) Seite 1162f.].
Gerhard und Eva hatten nur einen einzigen Sohn, jenen Siegfried, der an seinen ihm 1017 zugefügten Kopfwunden gestorben ist. Aber auch eine Tochter scheint aus dieser Ehe hervorgegangen zu sein. Der Touler Kapuziner Benoit Picart überliefert uns nämlich den Inhalt einer Urkunde, nach der der Vater des Herzogs Gerhard, Graf Gerhard, im Mai des Jahres 1038 eine Stiftung an das Kloster Remiremont "pour le repos des ames d'Adelbert et Juditte ses pere et mere" vornahm, wobei die Remiremonter Äbtissin Berscinda als Graf Gerhards Base, "sa cousine", hervortritt. Sie darf damit wohl als Tochter des älteren Gerhard und seine Gemahlin Eva betrachtet werden [49 H. Witte, Genealogische Untersuchungen zur Geschichte Lothringens und des Westrich, in: Jahrbuch d. Ges. f. lothr. Gesch. u. Altertumskunde 5, 2 (1893) Seite 57, führt eine Äbtissin Judith von Kaufungen als Tochter Gerhards und Evas an. Er meint hierbei ganz offensichtlich aber die abbatissa Vota, filia sororis Chunigundis imperatricis, die erste Äbtissin von Kaufungen, die in den Kaufunger Urkunden und Nekrolognotizen sowie in der Vita Cunegundis wiederholt genannt wird, die aber nach den Nekrolognotizen die Tochter eines Dietmarus gewesen ist und keinesfalls von Gerhard und Eva abstammte; Quellen und Literatur hierzu bei C. Wampach, Quellen- und Urkundenbuch I Seite 325 f. nr. 232. - W. Gisi, Haduwig, Gemahlin Eppos von Nellenburg, in: Anzeiger f. Schweizer. Geschichte (1885) Nr. 1, Seite 350, versucht schließlich, die als consobrina HEINRICHS II. gekennzeichnete Hadwig, die Eppo 1009 ehelichte, noch als Tochter Gerhards und Evas zu erweisen. Ihm folgt soeben K. Hils, Die Grafen von Nellenburg im 11. Jh. (1967) Seite 18 und 67, ohne neue Argumente beizusteuern.].