Veldtrup Dieter: Seite 436-442
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„Zwischen Eherecht und Familienpolitik“

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ELISABETH VON LUXEMBURG, HERZOGIN VON GÖRLITZ
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*  11.1390, + 3.8.1451
 Horsewitz    Trier

Begraben: Franziskaner-Minoritenkirche (später Jesuitenkirche, heute Dreifaltigkeitskirche) zu Trier

1.) – Prag 3.1.1397

      FRIEDRICH DER FRIEDFERTIGE MARKGRAF VON MEISSEN
      * vor 30.11.1384, + 7.5.1440

2.) – Reims 31.3.1398

      KARL HERZOG VON ORLEANS
      * 26.5.1391, + 4.1.1465
      Paris              Amboise

3.) - ... 23.6.1401-1405

      JOHANN VON DER PFALZ
      * 1383, + 14.3.1443
      Neuburg vorm Wald Benediktinerkloster Kastel bei Mainz

Begraben: St. Georg zu Neuburg

Sohn von König RUPRECHT I. und der Elisabeth von Nürnberg

4.) – Brüx 7.8.1407

      WILHELM III. DER REICHE MARKGRAF VON MEISSEN
      * 23.4.1371, + 30.3.1425
                    Altenburg

Begraben: Kollegiatkirche Altenburg

Sohn von Markgraf Friedrich III. dem Strengen und der Catharina von Henneberg-Schleusingen

5.) – Gent 20.7.1408, ~ Prag 27.4.1409 nach Dispens wegen Verwandtschaft im 3. Grade Pisa 15.2., bestätigt Pisa 17.7.1409, sowie Perpignan 17.7.1409, 1. oo Brüssel 16.7.1409

      ANTON VON BURGUND, HERZOG VON BRABANT
      * 1.8.1384, + 25.10.1415
                         Azincourt

6.) ~ Konstanz 16.9.1417, 2. oo 6.1419

      JOHANN, HERZOG VON BAYERN-STRAUBING
      * 1374, + 6.1.14125
      im Haag  im Haag



Als Johann mit nicht einmal 26 Jahren starb, hinterließ er nur ein einziges Kind, die im November 1390 in Horsewitz geborene Tochter Elisabeth. Wegen der Kinderlosigkeit WENZELS, SIGMUNDS und ihrer mährischen Vettern war sie nahezu zwei Jahrzehnte lang die präsumptive Alleinerbin der ungeheueren luxemburgischen Ländermassen und erhielt deshalb in der dynastischen Politik eine Bedeutung, die sich auch an der Art und Anzahl der für sie geplanten Eheprojekte ablesen läßt.
Zunächst schloß ihr Oheim WENZEL am 3. Januar 1397 für sie eine Eheversprechen ab, durch das sie mit Friedrich, dem Sohn des Markgrafen Balthasar von Meißen verbunden werden sollte. Man verabredete die Vollziehung der Ehe innerhalb von fünf Jahren; Elisabeths Heimsteuer sollte 10.000 Mark oder ersatzweise jährliche Einkünfte in Höhe von 1.000 Mark aus den Städten Bautzen, Lauban, Löbau und Kamenz (also den Hauptorten des Herzogtums Görlitz) betragen, die WENZEL zur Sicherstellung bestimmte. Als er vier Wochen später mit seinem Vetter JOST VON MÄHREN Frieden schloß, überließ er ihm auf Lebenszeit das Herzogtum Görlitz mit eben den Orten, die Elisabeths Heimsteuer sichern sollten, sowie die Nieder-Lausitz. Doch die Ehe kam nicht zustande. Denn bereits Ende desselben Monats Januar, in dem das Eheversprechen mit dem MEISSENER abgeschlossen worden war, ging eine Gesandtschaft vom Hofe des Herzogs Ludwig von Orleans nach Prag ab, die wegen einer eventuell zu vereinbarenden Ehe zwischen dem ältestem Sohn Karl und Elisabeth sondieren sollte. Insgesamt vier Gesandtschaften gingen wegen dieses Projekt zwischen Orleans und Böhmen hin und her, bis der Erfolg feststand: WENZEL stieß die Vereinbarung mit den Markgrafen von Meißen um und schloß am 16. März 1398 in Ivoix einen Vertrag ab, der die Ehe seiner Nichte mit Orleans‘ Sohn vorsah.
Erstaunlicherweise wurde jedoch trotz der zwischen den beiden Kindern bestehenden Verwandtschaft im 3. berührend den 4. Grad keine Dispens beantragt oder eingeholt. Nach seiner Absetzung und der Wahl RUPRECHTS VON DER PFALZ wurde im Jahr darauf, um einen Ausgleich zwischen den beiden verfeindeten Dynastien zu erzielen, der Plan einer Ehe zwischen RUPRECHTS viertem Sohn Johann und Elisabeth erwogen. Die Verhandlungen zogen sich bis zum Beginn des Jahres 1405 hin, blieben jedoch erfolglos, da sich RUPRECHT im Reich nicht durchsetzen konnte und WENZEL sich wieder eigene Hoffnungen machte. Deshalb unternahm er im Jahre 1407 einen weiteren Versuch, die Markgrafen von Meißen auf seine Seite zu ziehen, und ließ ihnen bei einem Treffen in Brüx durch seine Abgesandten den Vorschlag unterbreiten, nunmehr Wilhelm, den jüngeren Bruder Friedrichs des Streitbaren, mit der LUXEMBURGERIN zu verheiraten. Doch wieder kam es nicht zur Eheschließung, diesmal deshalb, wie WENZEL auf ihm übertrieben erscheinende Gebietsforderungen der MEISSENER nicht eingehen wollte; so handelte er sich, nachdem er zum dritten Mal innerhalb von 25 Jahren ein Eheprojekt mit den Markgrafen zum Scheitern gebracht hatte, deren politische Gegnerschaft ein.
Das fünfte Projekt, das für Elisabeth geplant wurde, mündete nun endlich in die Ehe. Bereits 1408 hatten Verhandlungen stattgefunden, die ihre Verbindung mit dem verwitweten Herzog Anton von Burgund zum Ziel hatten - ein für die luxemburgische Dynastie höchst interessanter Plan: Denn Anton war der Großneffe und Erbe der brabantischen Besitzungen von Elisabeths Großtante Johanna von Brabant, die ihr Land ja ursprünglich den Verwandten ihres Mannes versprochen hatte, wegen des offenkundigen Desinteresses von WENZEL jedoch später zugunsten ihrer eigenen Angehörigen testiert hatte; nun schien sich die Möglichkeit abzuzeichnen, ihre Besitzungen durch ein weibliches Mitglied der Familie wieder mit den Stammlanden im Westen des Reiches zu verbinden WENZEL versprach, dass Elisabeth und ihrer Nachkommen die gesamten luxemburgischen Territorien erben sollten, falls er selbst, SIGMUND und JOST ohne Leibeserben blieben; würden jedoch weitere Erben geboren, solle Elisabeth die Besitzungen ihres Vaters erhalten und ihr ferner das Recht zustehen, die Pfandherrschaft über das Herzogtum Luxemburg von JOST zu erwerben und solange zu besitzen, bis sie von der böhmischen Krone eingelöst werde. Wegen der derzeit ungeklärten Verhältnisse auf dem päpstlichen Thron holte man von zwei Vertretern der Kardinäle, die Gregor XII. gewählt hatten, aber auch von den Gegen-Päpsten Benedikt XIII. und dem im Juni 1409 auf dem Konzil von Pisa gewählten Alexander V. die wegen der Verwandtschaft im 3. Grade erforderliche Dispens ein. Darauf erfolgte am 27. April 1409 die offizielle Verlobung in Prag, bei der ausdrücklich auf das besondere Interesse Frankreichs am Zustandekommen dieser Verbindung hingewiesen wurde. Am 11.Mai reiste Elisabeth von Prag ab und traf den 20. Juni in Löwen ein. Am 16. Juli wurde in Brüssel die Ehe vollzogen, aus der nur ein Kind hervorging, der Sohn Wilhelm, der 1410 bereits kurz nach seiner Geburt wieder verstarb.
Elisabeth hatte inzwischen durch die in der 2. Hälfte des Jahres 1409 erfolgte Geburt von SIGMUNDS Tochter, ihrer gleichnamigen Cousine, ihre Position als potentielle Erbin von Ungarn, Böhmen und Mähren eingebüßt und war in ihren Erbaussichten auf Görlitz und (nach JOSTS Tod am 18. Januar 1411) auf die uneingeschränkte Pfandherrschaft von Luxemburg beschränkt. Nachdem Anton am 25. Oktober 1415 in der Schlacht bei Azincourt sein Leben verloren hatte, schloß SIGMUND am 16. September 1417 für Elisabeth eine Ehevertrag mit Herzog Johann III. von Bayern-Holland ab, den sie wahrscheinlich im Juni 1419 heiratete. Auch dieser Verbindung blieb der erhoffte männliche Nachwuchs versagt. Nach Johanns Tod - er erlag am 6. Januar 1425 im Haag einem Giftanschlag - verschuldete Elisabeth so sehr, daß sie sich gezwungen sah, Herzog Philipp III. dem Guten von Burgund, einem Neffen ihres ersten Mannes, zunächst ihre Erbrechte auf die Pfandherrschaft von Luxemburg und schließlich die Pfandherrschaft selbst zu verkaufen. Als sie 10 Jahre später, am 3. August 1451, als Letzte des Geschlechts in Trier verstarb, befanden sich die luxemburgischen Stammlande fest in burgundischem Besitz.