Leo Heinrich Dr.: Band I Seite 542-546; Band II Seite 45
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"Zwölf Bücher niederländischer Geschichten."

Im Jahre 1402 heiratete Anton, der zweite Sohn Philipps von Burgund und Margarethas von Flandern und Artois, Johannen, die einzige Tochter Walerams III. von St. Pol, Ligny und Roussy, und kam wenige Jahre nachher in den Besitz des Herzogtums Brabant. Johanna starb 1407, und nun heiratete er Elisabeth von Luxemburg-Görlitz, die Nichte König WENZELS und Tochter des Markgrafen Johann von Görlitz. Der Heiratsvertrag wurde am 27. April 1409 in Prag unterzeichnet, und in demselben Elisabeth für den Fall des Abgangs des luxemburgischen Hauses ohne weitere Nachkommenschaft ein Erbrecht auf alle Würden und Herrschaften der luxemburgischen Familie zugeschrieben: Auf jeden Fall sollte ihr die Markgrafschaft Lausitz bleiben, wie ihr Vater sie besessen hatte, und ihr Gemahl, Anton von Burgund, sollte das Recht haben, das Herzogtum Luxemburg und die Grafschaft Chiny, die WENZEL an JOBST versetzte hatte, von diesem einzulösen, und zwar so, daß selbst wenn Anton und Elisabeth keine Nachkommenschaft erhielte, das burgundische Haus doch diese Fürstentümer als Reichslehen behalten sollte, bis die LUXEMBURGER sie einlösten. Zugleich sollten diese Fürstentümer dann als Pfand für Elisabeths Mitgift gelten, bis auf die völlige Auszahlung derselben.
Die Auslösung hatte im Jahr wirklich statt; aber WENZEL schenkte 1411 die luxemburgischen Territorien unter denselben Bedingungen, wie er selbst sie besaß an Elisabeth und mittelbar an deren Gemahl. Die Verwaltung des Herzogtums für Anton von Burgund wurde dem Connetable Waleram von St. Pol übertragen, doch waren davon die vier an den Herzog von Orleans verpfändeten Städte; Montmedy, Dampvillers, Orchimont und Ivoix, eximiert. In den Kämpfen zwischen den Hause BURGUND und dem Hause ORLEANS suchte hierauf Anton diese vier Städte zu erobern, und es gelang ihm; er fand aber nun an König WENZEL, der die Pfandschaft schützte, einen Widersacher, der ihn nötigte, diese Städte zu räumen, seinen Statthalter aus Luxemburg abzuberufen und wieder das alte Verhältnis eintreten zu lassen, daß der orleanische Statthalter in den vier Pfandschaftsstädten überhaupt die Administration in Luxemburg erhielt. Anton von Burgund fiel in der Schlacht von Azincourt 1415, und seine Ansprüche auf Luxemburg wurden von seiner Witwe allein aufgenommen, welche ein so strenges, stolzes Weib war, daß die an einen internationalen Zustand gewöhnten Luxemburger, unzufrieden mit der Art wie sie ihre Rechte geltend zu machen suchte, sich empörten. Sie fand Beistand bei ihrem Schwager, dem Herzog Johann von Burgund, und unterdrückte mit dessen Hilfe den Aufstand, heiratete dann aber, um sich besser behaupten zu können, gegen Ende des Jahres 1418 Johann von Baiern, den Administrator von Holland und Zeeland. Der Heiratsvertrag mit Johann enthielt im wesentlichen dieselben Bedingungen, wie der mit Anton, und Johann, nunmehriger Regent der luxemburgischen Territorien, bestätigte am 10. Juni 1419 den Ständen die Rechte und Freiheiten des Landes.
Ein eigenes Verhältnis trat nun dadurch ein, daß Herzog Johann von Baiern dem Erben WENZELS, König SIGISMUND, mehrere bedeutende Summen Geldes lieh, wofür das Herzogtum Elisabeths in der Art als Pfandschaft dienen sollte, daß es in dieser Eigenschaft dem baierischen Hause zu verbleiben hätte, selbst wenn Johann früher als Elisabeth mit Tode abginge. Er starb wirklich früher, ohne sich viel um die luxemburgischen Verhältnisse gekümmert zu haben, am 6. Januar 1424; doch treffen wir nach seinem Tode nicht das Haus BAIERN, sondern seine Witwe als Herrin von Luxemburg. Nach SIGISMUNDS Tod dachte im Jahre 1438 König ALBRECHT, sein Erbe, daran, das Herzogtum Luxemburg von der Herzogin Elisabeth wieder an sich zu bringen, und ihr dafür die früher zugesagte Mitgift, an deren Stelle ihr Luxemburg verblieben war, auszuzahlen. Dieser Plan kam zwar nicht zur Ausführung, da ALBRECHT zu bald starb, im Oktober 1439; allein die Rechte ALBRECHTS waren vielmehr die seiner Gemahlin, welche nach seinem Tode, im Februar 1440, noch einen Sohn, Ladislaus Posthumus, gebar, aber vorher noch zu Ende 1439 ihre Rechte auf Luxemburg an Herzog Wilhelm von Sachsen abtrat. Die Luxemburger, welche die Herzogin-Regentin haßten, waren erfreut, den Herzog von Sachsen zum Herrn bekommen zu sollen, und dieser hatte bereits einen Teil der Stände auf seiner Seite, als ALBRECHTS Witwe die Abtretung am 10. August 1440 nochmals bestätigte und sie den Ständen von Luxemburg bekannt machte. Auch König FRIEDRICH, des Ladislaus Vormund, bestätigte die Abtretung, und die Herzogin-Regentin sah kein Mittel sich im Besitz zu erhalten, sobald Herzog Wilhelm ihr ihre Mitgift zahlte. In dieser Not wendete sie sich an Herzog Philipp von Burgund, und ernannte ihn durch eine zu Thionville ausgestellte Urkunde vom 5. März 1441 zu ihrem Mambour im Herzogtum. Philipp bestätigte im Mai 1442 die Rechte und Freiheiten des Landes, fand aber eine so mächtige sächsische Partei gegen sich, daß es eine Zeit lang zu offenem Kampfe kam, in Folge dessen Philipp selbst im Herbst 1443 mit einer bewaffneten Macht in das Luxemburgische kam. Alles ergab sich ihm wohin er kam, bis auf das Schloß Villy, was eine längere Belagerung aushielt und ihn hemmte, worauf von beiden Seiten Unterhandlungen begonnen wurden in Florenges. Während derselben wurde die Stadt Luxemburg in der Nacht vom 21. auf den 22. November von den Burgundern im Sturm genommen, und die Burg mußte sich nicht lange hernach ergeben, am 11. Dezember. Nach Luxemburgs Falle ergaben sich alle Städte des Herzogtums; zuletzt Thionville, und der Herzog von Sachsen erbot sich zur Abtretung seines Rechtes auf die luxemburgischen Territorien an Burgund, falls der Herzog von Burgund seiner Gemahlin Anna, ALBRECHTS Tochter, die auf diese Territorien angewiesene Mitgift von 120.000 Dukaten zahle; der Herzog von Burgund ging darauf ein, machte aber zur Bedingung, daß der Herzog von Sachsen hinlängliche Kaution für diese Summe stelle, falls später Ladislaus auf das Herzogtum Luxemburg Ansprüche erhebe. Um die Mitte Januars 1444 waren alle Schwierigkeiten beseitigt, denn auch die Herzogin Elisabeth trat an Philipp ihre Rechte im Herzogtum Luxemburg und in der Grafschaft Chiny ab für 11.000 Gulden sofort, und jährlich nachzuzahlende 8.000 Gulden.
Herzog Anton von Brabant hatte seine zweite Gemahlin, Elisabeth von Luxemburg-Görlitz, als Witwe hinterlassen, und diese, unzufrieden mit den 5.000 Goldkronen, welche ihr die brabantischen Stände boten, hatte diese nicht angenommen und Brabant verlassen.