Hoensch, Jörg K.: Seite 214,219,227,233,240,252,309
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"Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437."

Da Karl VI. wegen einer seine geistigen Fähigkeiten zeitweilig beeinträchtigenden Krankheit als Verhandlungspartner ausfiel, vereinbarte WENZEL im März 1398 in Reims mit dem Regenten Ludwig von Orleans aber bloß die Erneuerung des Freundschaftsbundes zwischen den Häusern VALOIS und LUXEMBURG sowie eine Heirat des Herzogs-Sohnes Karl mit seiner Nichte Elisabeth von Görlitz, der bislang einzigen legitimen Vertreterin der nächsten Generation und präsumtiven Erbin der Kronen von Böhmen und Ungarn, die er aber kurz zuvor schon einem WETTINER zur Gattin versprochen hatte.
Nach einem am 20. Juni 1401 in Amberg vereinbarten Waffenstillstand verlangte RUPRECHT vor einem dauerhaften Friedensschluß neben dem Thronverzicht und der Lehnsnahme WENZELS auch die Auslieferung der Reichsinsignien und des Archivs sowie die Verheiratung eines seiner Söhne mit der aussichtsreichen Erbin Elisabeth von Görlitz, die als Heiratsgut mit den oberpfälzischen Besitzungen und mehreren Schlössern in W-Böhmen ausgestattet werden sollte.
Außenpolitisch hatte WENZEL seine Ausgangslage dadurch wesentlich verbessern können, daß er am 20. August 1408 mit dem jetzt in Paris über den ausschlaggebenden Einfluß verfügenden Herzog Johann Ohneland von Burgund und dessen Bruder Anton von Brabant ein Bündnis vereinbarte, das durch die am 1. Juli 1409 geschlossene Ehe seiner Nichte Elisabeth von Görlitz mit dem Herzog von Brabant eine weitere Absicherung erfuhr. Als Heiratsgut hat ihr der König die nach der Ermordung Ludwigs von Orleans wieder an JOST VON MÄHREN gefallene Pfandherrschaft über das Herzogtum Luxemburg in Aussicht gestellt, die sich nach dessen Tod 1411 auch übertragen bekam.
Das Herzogtum Luxemburg kam nach JOSTS Tode als Pfandbesitz in die Hände der Elisabeth von Görlitz, der Gemahlin Herzog Antons von Brabant.
Gleichzeitig kam er erstmals der Verpflichtung nach, der Wiederherstellung der Reichsgewalt entlang der Westgrenze Aufmerksamkeit zu zollen. So vertrat SIGISMUND nachdrücklich die Auffassung, die Inbesitznahme von Brabant und Limburg durch Anton, den Gemahl seiner Nichte Elisabeth von Görlitz, nach dem Tod ihrer aller Tante Johanna 1406, der Witwe Herzog Wenzels von Luxemburg, sei unrechtmäßig erfolgte und die Herzogtümer seien als erledigte Lehn an das Reich heimgefallen. Nachdem er den Einwohnern Luxemburgs am 8. April 1412 verboten hatte, dem Herzogspaar zu huldigen, suchte er den Klagen über die "Fremdherrschaft" im September 1413 mit dem Aufruf zum Widerstand gegen den Usurpator Anton und der Mitteilung zu entsprechen, er habe den Ritter Hubart von Eltern zum Hauptmann bestellt und ihn beauftragt, "unser und des reichs banier upzuwerfen und zu furen"; bei Verhandlungen im August/September 1414 konnte ein Einvernehmen nicht erzielt werden.
Keine Einwände erhob SIGSMUND gegen die Verehelichung seiner Nichte Elisabeth von Görlitz mit dem als Bischof von Lüttich zurückgetretenen Johann von Bayern-Holland, dem 1419 die Hälfte Hollands als erbliches Lehnseigentum und die Mitregentschaft in Seeland und Hennegau übertragen wurden.
Bei SIGISMUNDS Tod lebte außer seiner Tochter Elisabeth nur noch ein weiteres Familienmitglied in agnatischer Deszendenz: die zweimal verwitwete Pfandinhaberin des Herzogtums Luxemburg Elisabeth von Görlitz, einziges Kind des 1396 verstorbenen dritten Sohnes KARLS IV., Johann von Görlitz. Stets in Geldverlegenheiten, hatte sie am 14. März 1427 im Vertrag von Dordrecht ihr in den wittelsbachischen Niederlanden gelegenes Witwengut an Philipp III. den Guten verkauft und ihm 1435 mit der Zusage für seine Nachfolge in der Pfandschaft Luxemburg und Chiny gegen eine stattliche Leibrente sogleich die Regierungsgeschäfte im Herzogtum übertragen. Ohne sonderlich gestört zu werden, trieb der Herzog von Burgund umsichtig die Eingliederung Luxemburgs in das sich langsam zu einem Reich ausbildende Konglomerat der von ihm kontrollierten Landschaften voran. ALBRECHT II. leitete daraufhin im Sommer 1439 über den Trierer Erzbischof Jakob von Sierck Verhandlungen mit Elisabeth über die Ablösung ihrer Pfandrechte ein. Nach dem plötzlichen Tod des Königs gab seine Witwe Elisabeth, die als Tochter Kaiser SIGISMUNDS als die rechtmäßige Erbin des Landes galt, das Herzogtum Luxemburg ihrer älteren Tochter Anna als Mitgift in die Ehe mit Herzog Wilhelm III. von Sachsen-Meißen. Der entsandte zwar einen Stathalter, zeigte sich aber bald bereit, für den Betrag von 110.000 fl. die Pfandschaft auf Erzbischof Jakob zu übertragen. Während dieser sich in Wien bei der Königin-Witwe und dem neuen Herrscher FRIEDRICH III. um die Erledigung der Formalitäten bemühte, verstand es Philipp III., am 4. Oktober 1441 eine weitere Vereinbarung zu treffen, der zufolge Elisabeth von Görlitz für eine jährliche Leibrente von 7.000 fl. zugunsten des Herzogs von Burgund, den sie zu ihrem Universalerben einsetzte, mit sofortiger Wirkung auf alle Rechte in ihrem Wittum verzichtete und ihm allle herrscherlichen Prärogativen im Herzogtum Luxemburg überließ. Danach übersiedelte Elisabeth von Görlitz, als "die Tote Frau" in die luxemburgische Volkstradition eingegangen, nach Trier, wo sie im repräsentativen Luxemburger Hof residierte und dort am 3. August 1451 als ultima familiae starb.