Rihni                                                nobilissima femina bezeugt  924-930
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um 880/85
nach 930
 

Tochter des Grafen Rudolf im Saalegau und der N.N. von Bayern; Schwester oder Nichte von Markgraf Luitpold von Bayern
Nach W. Wegener Tochter des Markgrafen Aribo I.
Nach M. Mitterauer Nichte des Markgrafen Liutpold von Bayern
 

GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Wegener Dr. Wilhelm: Seite 54
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4. Rihni
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Urk. 924-930. Da Diotmar, ein Sohn des Salzburger Erzbischofs Odalbert (924-935), als ihr Sohn bezeichnet wird (Salzb. UB 1, 109 n 45), Gattin des Erzbischofs vor dessen Erhebung auf den erzbischöflichen Stuhl. Andererseits wird der mit den Söhnen des Erzbischofs wiederholt in enger Beziehung auftretende Otakar (II.) (Salzb. UB I, 159 f. n 97,112 f. n 49,163 f. n 101,90 n 26,160 f n. 98) in den Traditionen selbst niemals ausdrücklich, dafür in der Kapitelübersicht (Salzb. UB 1, 65, 136 ff., n 77 f.) als Bruder Diotmars und Pernhards, der Söhne des Erzbischofs bezeichnet. Also war auch Otakar (II.) ein Sohn der Rihni, aber von einem anderen Vater, höchstwahrscheinlich dem 904 10/3 als Grafen im Leobental begegnenden Otakar I. Bö-Mü n 2018. Der Name ihres Sohnes Aribo (n 5) lässt vermuten, dass dieser ein Enkel, Rihni also die Tochter und Erbin Aribos I. war. Unter ihrer Witwenausstattung befindet sich Seeon (Salzb. UB 105 ff. n 44 a). Auch Wilhelm, Graf 927 (Salzb. UB 1, 87 f n 43), anscheinend der Großvater des Gründers von Traunkirchen c 1010,
29/9 Necr. 4, 426 ff., darf als Sohn der Rihni angesprochen werden.
 

  1. oo Otakar I. 904 Graf im Leobental
                
 
 

  2. oo Odalbert, später Erzbischof von Salzburg
                 

Kinder:
1. Ehe

  Aribo II.
     

  Otakar II.
     

  Wilhelm
     


HERKUNFT UND GESCHICHTE FÜHRENDER BAYERISCH-ÖSTERREICHISCHER GESCHLECHTER IM HOCHMITTELALTER
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Gewin Dr. J.P.J.: Seite 82
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5. Oadalbert
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Erzbischof von Salzburg 923-935.

Gemahlin:
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Rihni, die nach der obengenannten Urkunde d.a. 924 ihren Besitz zu Seeon übergab, wogegen der Erzbischof Oadalbert "auf Bitte und Befehl des Herzogs" auf Lebenszeit die Zelle Gars mit ihrem gesamten Besitz und allen Einkünften in 17 genannten Orten, sowie noch dazu den dritten Teil des Zehnten von genannten neuen Kirchen überließ. - In dem 2. Akt vom 1. April 927 sind die für den Erzbischof äußerst ungünstigen Bedingungen durch mildere Bedingungen ersetzt worden. - Für den Text der Urkunden und die verschiedenen Auffassungen über die verwandtschaftlichen Beziehungen der Edlen Rihni und ihr Ehebündnis mit Erzbischof Oadalbert weisen wir auf die ausführlichen Noten von Reindel a.a.O. S. 134-137,153-157 hin. Gemahlin Rihni.

Note:
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Es ist bezeichnend, dass es dem Einfluss Herzog Arnulfs zuzuschreiben ist, dass die Edle Rihni außerordentlich begünstigt wurde, was Historiker veranlasst hat, sie für eine Verwandte des Herzogs zu halten. War die "nobilissima" Rihni vielleicht eine Tochter Kaiser ARNOLFS? Dieses Benehmen Herzog Arnulfs wäre dann völlig erklärt, zumal da Kaiser ARNOLF Arnulfs Vater Markgraf Liutpold seinen nepos nennt. Die Titular "nobilissima" könnte auf königliche Abstammung hinweisen.


Rihni hatte engste Beziehungen wohl verwandtschaftlicher Art zu den letzten KAROLINGERN oder vielmehr zur Kaiserin Oda. 902 schenkte nämlich Ludwig das Kind dem Kloster St. Emmeran aus dem Besitz seiner Mutter den Hof Velden im Rottal unter der Bedingung, dass ihn die Witwe Rihni Zeit ihres Lebens nutzen solle.
Nach Tyroller war Rihni in 1. Ehe mit einem Grafen Otakar verheiratet. Jener Otakar, der als Bruder der Erzbischofs-Söhne Dietmar und Bernhard erscheint, sei ihr Sohn aus dieser 1. Ehe gewesen.

Störmer Wilhelm: Seite 102,105,107-109,304        ,505          
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"Früher Adel
. Studien zur politischen Führungsschicht im fränkisch-deutschen Reich vom 8. bis 11. Jahrhundert."

Auffällig sind urkundliche Zusammenhänge mit dem im Isengau amtierenden Grafen Orendili, was wiederum auf den weiteren Raum um Ampfing hinweist, außerdem mit der nobilissima femina Rihni [160 SUB I 103 nr. 41, 108 nr. 44, 113f nr. 50 (letztere für den Castalden Dietmar, der offensichtlich mit dem Sohn der Rihni identisch ist), 157f. nr. 94.], der Gattin des Erzbischofs Odalbert, und deren Nachkommen, die ja offensichtlich Kinder Odalberts sind. Ich halte es daher für nicht ausgeschlossen, daß der Handgemalsinhaber Odalhard ein Bruder des Erzbischofs ist. Außerdem zeigen sich Beziehungen zu einem vermutlichen Nachkommen der bayerischen Pfalzgrafen des 9. Jahrhunderts, nämlich zu Fritilo [161 SUB I 155f. nr. 93,163 nr. 100a.].
Bekannt ist ferner die Handgemalstelle in der sogenannten zweiten Rihni-Urkunde, eine Urkunde, die ebenso wie die erste Rihni-Urkunde die Verschleierung von Konfiskationen kirchlichen Gutes demonstrieren kann, was bisher noch nicht beachtet wurde [180 SUB 107f. nr. 44b. Vgl. nr. 44a. Die einzelnen Tauschobjekte sind nämlich überaus ungleich zu Gunsten Rihnis. Freilich handelt es sich um eine Art Leibgedingeübertragung, die sich über zwei Generationen erstreckt. Dann stellt sich erneut die Frage nach der Herausgabe dieses Kirchengutes.]. In unserem Zusammenhang aber ist wichtig, daß die nobilissa femina Rihni in dieser Urkunde unter anderem ihren Besitz in "Holzhusen" (bei Mörmossen?, nach Hauthaler nahe der Alz) an Salzburg schenkt, und zwar einmal jenes Gut, "quod Pirhtilonis fuit", zum anderen aber offensichtlich im selben "Holzhusen" "quod Uuolfberti fuit, excepta lege sua quod vulgus hatigimali vocat". Das zeigt, daß auch Frauen wenigstens theoretisch über ein Handgemal verfügen können [181 Diese Tatsache machte der bisherigen Forschung Schwierigkeiten. Freilich dürfte der Fall verständlicher sein, wenn man die kognatische Adelsstruktur jener Zeit berücksichtigt.].
Bei der Untersuchung der Herkunft unserer Rihni müssen wir notwendigerweise von den Vorbesitzern ihrer Schenkungsorte ausgehen. Wir dürfen uns nun der nobilissima femina Rihni und ihrer Nachkommen zuwenden. Der Codex Odalberti nennt als Söhne des Erzbischofs Odalbert von Salzburg, des Tauschpartners der Rihni, Dietmar und Bernhard [202 SUB I 122 nr. 60, 136 nr. 75, 141 nr. 80, 137 nr 76 (= Bernhard)]. Dietmar wird aber auch als Sohn der Rihni bezeichnet [203 SUB I 109 nr. 45.], so daß die Forschung seit langem Rihni als die ehemalige Gemahlin des Erzbischofs und die Brüder Dietmar und Bernhard als Söhne der Rihni und Odalberts betrachtet [204 Hauthaler zum Codex Odalbertii; SUB I 55f. Vgl. Dopsch, Aribonen 74f.]. Dazu kommt noch ein weiterer bezeugter Sohn der Rihni, nämlich Otachar [205 SUB I 65 nrr. 77-81.]. H. Dopsch [206 Dopsch, Aribonen 74f.] hält diesen Otachar freilich nicht für einen Sohn Erzbischof Odalberts, sondern glaubt, daß er einer früheren Ehe Rihnis entstamme. Die Namen der Söhne können unter Umständen beid er Erhelung der Vorfahren Rihnis weiterhelfen.
902 schenkte Ludwig das Kind, der Sohn Kaiser ARNULFS, dem Kloster St. Emmeram (das ARNULF zu einem meuen Pfalzsitz gemacht hatte) aus dem Besitz seiner kaiserlichen Mutter Oda den Hof Velden im Rottal unter der Bedingung, dass ihn die Witwe Rihni Zeit ihres Lebens besitzen und nutzen solle [207 MG DLK nr. 26.]. Dieser Schenkung Ludwigs des Kindes geht eine Schenkung Kaiser ARNULFS vom Jahre 899 voraus, der den Hof Velden der Capella Ötting (Altötting) übertrug, wobei ein Priester Dietrich die Nutzung haben sollte [208 MG DArn nr. 176.]. Dietrich ist aber auch der Name des Vogtes der nobilissima femina Rihni bei der Tauschaktion von 924. Man wird nicht fehlgehen, wenn man die Witwe Rihni von 902 mit der nobilissima femina von 924-927 identifiziert. Der Vogt der Rihni ist sicher ein enger Verwandter. Aus den Diplomen von 899 und 902 ergibt sich zwingend, dass Rihni engste Beziehungen wohl verwandtschaftlicher Art zu den letzten KAROLINGERN oder vielmehr zur Frau Kaiser ARNULFS, Oda, hatte. Dem Vogt Dietrich entspricht wiederum der Name von Rihnis Sohn Dietmar; der Sohn Otachar trägt einen Namensbestandteil der Kaiserin Oda. Wie bereits gezeigt, sind die Vorbesitzer der 927 vertauschten Güter der Rihni offensichtlich weitgehend Verwandte. In diesem Zusammenhang fällt auf, daß der erste dieser genannten Vorbesitzer, Machelm, seinen Besitz von König KONRAD, der ebenfalls noch karolingisches Blut hatte, als proprietas übertragen bekam. Auch hier wird wieder der karolingische Bezug sichtbar in einer Zeit, da König KONRAD überhaupt keinen Einfluß auf das Herzogtum Bayern hatte.

Ausgehend von der Tatsache, dass Herzog Arnulf die als Tauschaktion verschleierte Entfremdung kirchlichen Besitzes zugunsten Rihnis befahl, ist die Forschung immer wieder auf den Gedanken verfallen, Rihni für eine LUITPOLDINGERIN zu halten [209 So zuletzt Mitterauer, Karolingische Markgrafen 202; Reindel, Luitpoldinger 136f. mit weiterer Literatur.]. Beweise gibt es freilich nicht, ja es ist auf Grund der Namen ihrer Söhne und Verwandten sogar unwahrscheinlich. Träfe luitpoldingische Abkunft zu, so müsste man in Rihnis Handgemal zu Holzhausen logischerweise das "Stammgut" der LUITPOLDINGER suchen. Eher ist anzunehmen, dass einer der Nachkommen jener KAROLINGER-zeitlichen mächtigen potentes, die wir als Vorfahren von Rihnis Vorbesitzern betrachten, ein neues Handgemal in seinem eigenen bzw. vom König geschenkten Rodungsland schuf, das offensichtlich mit den großen Königsforsten um die Pfalz Ötting stand.
Dieselbe Engilrat, die in zweiter Ehe mit einen Pernhart verheiratet ist, vertauscht 957/72 unter anderem diesen Besitz im Gumpertsdorf wieder, und zwar an den Bischof Abraham von Freising. Es drängt sich in diesem Zusammenhang die Vermtung auf, daß Pernhard, der zweite Gemahl der Engilrat, niemand anders ist als der Sohn des Erzbischofs Odalbert und seiner Gemahlin Rihni.
Der vir nobilis Ruodperht gibt 927 einen ertauschten Besitz sofort wieder an Rihni weiter und macht deutlich, dass er irgendwie mit dem Erzbischof oder mit dessen Gemahlin in Verbindung stehen muss.

Diepolder G.: Seite 80
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"Herkunft der Aribonen"

Indessen dürfte feststehen, dass Rihni den LUITPOLDINGERN sehr nahe stand, vielleicht sogar eine Schwester des Markgrafen Luitpold war.   

Reindel, Kurt:
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"Die bayerischen Luitpoldinger von 893-989"

930 Mai
Der Edle Diotmar übergibt in Gegenwart herzoglicher missi dem Erzbischof Odalbert von Salzburg im Tausch einen Ort, den er einst von Herzog Arnulf erhalten hatte.
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Der Edle Diotmar erhielt vom Salzburger Erzbischof für seine, seiner Gemahlin und seiner Kinder Lebenszeit Erharting, Tüßling, Burg(kirchen), Teising, zwei Kirchen zu Reischach mit dem Zehnten und Buchbach mit dem Zehnten von Rott. Er gab dafür den westlich Altötting gelegenen Ort Teising, den er einst zum Teil von dem Priester Winipold, in der Hauptsache aber von Herzog Arnulf erhalten hatte. - Auch diese Urkunde vermag wieder die engen Beziehungen der LUITPOLDINGER zum Erzbischof Odalbert und seiner früheren Familie zu erhellen. Ausdrücklich ist angegeben, dass Diotmar ein Sohn des Erzbischofs ist. Zugleich wissen wir, dass er der Sohn der edlen Frau Rihni war und noch zwei Brüder Bernhard und Otakar hatte. So konnte bereits Egger zu der Überzeugung kommen, dass Rihni und Adalbert vor dem Eintritt des letzteren in den geistlichen Stand verheiratet gewesen waren. Eine Zugehörigkeit der Rihni zur Familie der LUITPOLDINGER wurde bereits oben vermutet. Damals musste ihr der Erzbischof auf Befehl des Herzogs und in Gegenwart herzoglicher missi eine große Schenkung machen. Als jetzt ihr Sohn Diotmar mit dem Erzbischof tauschte, waren wieder herzogliche missi anwesend, von denen der Graf Orendil mit seiner Grafschaft nach Erben in der Gegend der unteren Vils zu suchen ist. Auch dass Herzog Arnulf dem edlen Diotmar einst den hier von ihm vertauschten Ort Teising schenkte, lässt die Sorge des Herzogs für die Familie der Rihni erkennen.


 

  oo Odalbert Erzbischof von Salzburg (932-935)
       um 890 -14.11.935
 
 
 

Kinder:

  Rihni
       

  Otachar
       

  Dietmar Vogt des Erzbistum Salzburg
       

  Bernhard
        

 931
  oo Engilrat
           

  Himiltrud
       

  Rihni Nonne
      

  Heilrat
      

  oo Dietrich
           



Literatur:
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Diepolder Gertrud: Die Herkunft der Aribonen, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 27, 1964 Seite 80 - Dopsch, Heinz: Der bayerische Adel und die Besetzung des Erzbistums Salzburg im 10. und 11. Jahrhundert, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 110/111 1970/71 Seite 125-151 - Gewin, Dr. J.P.J.: Herkunft und Geschichte führender bayerisch-österreichischer Geschlechter im Hochmittelalter, s-Gravenhage Druckerei H.L. Smits N.V. 1957 Seite 82 - Mitterauer Michael: Karolingische Markgrafen im Südosten. Archiv für österreichische Geschichte Band 123. Hermann Böhlaus Nachf./Graz-Wien-Köln 1963 Seite 184,196,202,238,241,245 - Mitterauer Michael: Slawischer und bayrischer Adel am Ausgang der Karolingerzeit. Seite 701-712 - Reindel, Kurt: Die bayerischen Luitpoldinger von 893-989, in: Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte, NF 11, 1953 - Störmer Wilhelm: Früher Adel. Studien zur politischen Führungsschicht im fränkisch-deutschen Reich vom 8. bis 11. Jahrhundert. Teil I und II. Anton Hiersemann Stuttgart 1973 Seite 102,105-109,111, 304,505 - Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte, Heinz Reise-Verlag Göttingen 1962-1969 Seite 54 -