Hadwig von Lothringen
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 930um/nach 939


Älteste Tochter des Herzogs Giselbert von Lothringen aus dem Hause der REGINARE und der Gerberga von Sachsen, Tochter von König HEINRICH I.

Glocker Winfrid: Seite 33,68,79,226,281,304
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik."

So hatte König OTTO schon begonnen, sich als nächster und ältester männlicher Verwandter um das weitere Schicksal seiner Schwester zu kümmern: er machte Herzog Berthold von Bayern das Angebot, die Witwe Gerberga zur Ehe heimzuführen. Berthold wollte aber lieber auf die Tochter Herzog Giselberts und Gerbergas warten, die ihm ebenfalls von König OTTO alternativ als Braut vorgeschlagen worden war, aber das heiratsfähige Alter noch nicht erreicht hatte [20 Liutprand, Antapodosis IV c. 31, Seite 126; zur Frage, welche der Töchter Giselberts und Gerbergas die von Berthold schließlich gewünschte Braut war, vgl. im 2. Teil unter V, 11.].
Doch auch die "wohlwollende Neutralität" des Bayern-Herzogs wurde von OTTO mit dem Angebot belohnt, die Königs-Tochter Gerberga oder deren Tochter zur Gemahlin zu empfangen. Berthold entschied sich für das junge Mädchen, das jedoch bald nach der Verlobung gestorben sein dürfte [70 DO II. 141 nennt eine gewisse Biledrud als die Witwe Herzog Bertholds. Zu dem Heiratsplan und zur Frage, welche der Töchter Gerbergas als Verlobte Bertholds vorgesehen war, vgl. im 2. Teil unter V, 11.].
Dieser Sohn Bertholds muß jedenfalls 947 noch sehr jung gewesen sein, da sein Vater im Jahr 939, als ihm die Witwe Gerberga bzw. deren Tochter zur Gemahlin angeboten wurde, noch unvermählt gewesen ist [73 Reindel, Luitpoldinger Nr. 102.].
Noch rätselhafter ist die Mutter der Kaiserin Kunigunde, von der wir nur den Namen Hadwig kennen. Mehrfach wurden bereits Überlegungen angestellt, die Mutter Kunigundes mit der gleichnamigen Tochter Herzogs Giselberts von Lothringen und dessen Gemahlin Gerberga zu identifizieren. Erst vor wenigen Jahren wurde diese Identifizierung von Ferdinand Geldner wiederholt und mit einem neuen Argument, der Josephsehe zwischen Kaiser HEINRICH II. und Kunigunde, verknüpft, um so ein durchschlagendes Gegenargument zu entkräftigen. Sieht man nämlich in Kunigundes Mutter die Tochter der Herzogin Gerberga, so hätte Kaiser HEINRICH II. mit seiner Ehe gegen die kanonischen Ehehindernisse verstoßen.

V. a. 11) HADWIG
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* c 930, jung (nach 939)

? oo 939 Berthold, Herzog von Bayern

Diese Hadwig ist nur aus dem Gedenkbucheintrag Herzog Giselberts im Liber memorialis von Remiremont, fol. 6r, bekannt. Die Art, wie die Personen in diesem Eintrag angeordnet sind, läßt den Schluß zu, daß es sich bei Hadwig um eine Tochter Herzog Giselbert und der Gerberga handeln muß. Da wir diesen Eintrag mit Hlawitschka, Giselbert passim, auf die Jahre zwischen 929 und 933/35 datieren können, ist auch das Geburtsjahr Hadwigs in diesem Zeitraum zu suchen. Weil in dem angesprochenen Eintrag nur die Namen Heinrichs und Hadwigs aufgeführt sind, nicht aber diejenigen aus anderen Quellen bekannten Kinder des lothringischen Herzogspaares, Alberada und Gerberga, müssen eben Heinrich und Hadwig die beiden älteren Kinder unseres lothringischen Herzogspaares sein. In der Literatur wurde öfters vermutet, unsere Hadwig könne mit der gleichnamigen Gemahlin des Grafen Siegfried von Luxemburg identifiziert werden, die die Mutter der Kaiserin Kunigunde war. Doch wie Renn, Grafenhaus Seite 62f., zu Recht feststellt, ist diese Hypothese wegen der kanonischen Ehehindernisse, die dann bei der Ehe Kaiser HEINRICHS II. mit Kunigunde aufgetreten wären und in den Quellen einen Niederschlag hätten finden müssen, unhaltbar. Es war wohl Hadwig, die von ihrem Onkel dem bayerischen Herzog Berthold 939 als seine Braut versprochen wurde. Liutprands Antapodosis, die uns IV c. 31, Seite 126, von dem geplanten Ehebündnis unterrichtet, nennt den Namen der Tochter Herzog Giselberts, die "fere iam nubilis" sei, aber nicht; vgl. dazu im 1. Teil Seite 33. Das Wissen von der Existenz einer Giselbert-Tochter namens Hadwig war vor dem Erscheinen der MGH-Edition des Liber memorialis von Remiremont nicht weit verbreitet, und deshalb gilt in der Literatur häufig Alberada als diejenige Tochter Giselberts, die mit Berthold verlobt wurde; allerdings konnte man nicht erklären, warum Alberada dann später als Gemahlin Graf Renauds von Roucy bezeugt ist. Aus D O II. 141 kennen wir eine Biledrud als die Witwe Herzog Bertholds, die manche Genealogen (vgl. Knetsch, Brabant Seite 13, Nr. IV 7) für eine Tochter Giselberts und der Gerberga halten. Dies ist aber sicher nicht richtig. Hadwig wird in den Quellen nach 939 nicht mehr erwähnt und ist wohl bald darauf verstorben; daher mündete ihr Verlöbnis mit Herzog Berthold nicht in eine Eheschließung ein.

Seite 304
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Die Eltern der Kaiserin Kunigunde waren Graf Siegfried von Luxemburg und dessen Gemahlin Hadwig (bezeugt durch den Eintrag ihres Sterbetages XII 13 im Nekrolog von Ranshofen).



v oo Berthold Herzog von Bayern
         um 90023.11.947




Literatur:
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Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 33,68,79,226,281,304 -  Hlawitschka Eduard: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Untersuchungen zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9., 10. und 11. Jahrhundert. Kommissionsverlag: Minerva-Verlag Thinnes  Nolte OHG Saarbrücken 1969 Seite 57 -