Berthold I. von Reisensburg             Graf von Geisenfeld
-----------------------------------           Pfalzgraf von Bayern
um 935
26.8. um 999
 

Sohn des Pfalzgrafen Arnulf von Bayern aus dem Hause der LUITPOLDINGER

Schwennicke Detlev: Tafel
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

BERTOLD von REISENSBERG
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955

Thiele, Andreas: Tafel 110
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

BERCHTOLD I.
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um 999

Machte 953 die Rebellion mit, kämpfte 954 auf ungarischer Seite in der Schlacht auf dem Lechfeld mit. Er wurde später Graf von Geisenfeld un von Wasserburg und im Raum Andechs, war zeitweise Pfalzgraf von Bayern und rebellierte 973 erneut und wurde nach seiner Unterwerfung auf geringe Herrschaftsrechte beschränkt.

  oo N. VON LOTHRINGEN
           


Tochter des Herzogs Friedrich I.

GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE --------------------------------------------------------------------------------------------------
W
egener Dr. Wilhelm: Seite 78

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19. Berthold I.
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Pfalzgraf in Bayern, Graf an der oberen Isar, Stammvater der ANDECHSER, s. diese n 1.


Wegener Dr. Wilhelm: Seite 148
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1. Berthold I. (LIUTPOLDINGER n 19)
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Sohn des Pfalzgrafen Arnulf (954) und Enkel des Herzogs Arnulf ( 937)
eV 955 als Führer der Ungarn vor der Schlacht auf dem Lechfeld, Gerhardi Vita s. Udalrici SS 4, 401 f
976 21/7 Peretoldus Arnoulfi filius in kaiserlicher Ungnade DD 2, 149 f n 133
von dem Vf. Mausolaei s. Emmerami Bertholdus Palatinus genannt. Meichelbeck, Histor. Frising. 1, 182
vermutlich der Spitzenzeuge Berthold bei Gutsveränderungen an der oberen Isar in den letzten Jahrzehnten des 10. Jh. nQ 5,94 f n 1173,140 n 1231,156 n 1256,171 n 1280,183 n 1296
 
(kurz vor 1000) 26/8 Notae necrol. des Freis. Doms Eintrag des 10. Jh. Perahtoldus comes, Niedermünster: Bertholt (nicht vor 986) Necr. 3, 83, 292.

Gemahlin:
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NN, vermutlich Tochter des Herzogs Friedrich I. von Lothringen und der Beatrix, Tochter Hugos von Franzien, zu erschließen aus den Namen der Söhne.
Berthold war Nachfolger seines Vaters in der Pfalzgrafenwürde und Graf an der oberen Isar, nach 976 wahrscheinlich nie mehr ganz rehabilitiert.


GENAELOGISCHES HANDBUCH ZUR BAIRISCH-ÖSTERREICHISCHEN GESCHICHTE
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Dungern Prof. Dr. Otto: Seite 18
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7. Bertold = Perahtold I.
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977/94 (nQ. V. 1255) 1. Zeuge für Gutsvergebung in Deining.


HERKUNFT UND GESCHICHTE FÜHRENDER BAYERISCH-ÖSTERREICHISCHER GESCHLECHTER IM HOCHMITTELALTER
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Gewin Dr. J.P.J.: Seite 105
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9. Berthold
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957/72-c. 990. 957/72;972/76;977/94;977/81;981/94.
Erster Zeuge bei Traditionen der Freisinger Kirche: F. nr. 1173,1231,1256,1280,1296.

955. Verräter in der Ungarnschlacht, nachdem er sich angeblich schon 953/54 in dem Kampf gegen König OTTO I. gewickelt hat: Reindel S. 219 f.
974. Beteiligte sich an dem Aufstand Herzog Heinrichs II. von Bayern (F. 4.) gegen König OTTO II.: Reindel S. 232.
976. Juli 21. Auf Intervention des Bischofs Heinrich von Augsburg und des Markgrafen (E. II. 4.) gibt Kaiser OTTO II. dem Kloster Metten den diesem von Berthold, dem Sohne Arnulfs geschenkten Besitz in Wischlburg (G. Deggendorf) zurück: Urkunde OTTOS II. nr. 133, Reindel S. 236 f.
C. 990 i.d. 26. August. Perhtoldus comes obiit. (Eintrag des 10. Jh.): M. G. Necr. III. 83.

Gemahlin:
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Tochter des Herzogs Friedrich von Ober-Lothringen.

Note:
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Berthold, der schon 953/54 bei dem Aufstand des Pfalzgrafen Arnulf gegen König OTTO I. im Kampf stand, entschloss sich öffentlich im Jahre 955 zum Verrat, den er von seiner Burg Reisensburg (bei Günzburg) leitete (Reindel S. 219 f.). Sein Hass gegen den König war tief gewurzelt, weil die LIUTPOLDINGER von der Herzogswürde ausgeschlossen worden waren.
Nach dem Bericht Ottos von Freising (E. II. 31) soll die Niederlage Bertholds von Reisensburg das Leben gekostet haben. Reindel ist - nach unserer Meinung mit Recht - der Ansicht, dass die diesbezüglichen Angaben Ottos von Freising mit großer Vorsicht aufzunehmen sind, zumal da doch die obenerwähnten Urkunde vom Jahre 976 dem Bericht, der übrigens erst aus der Mitte des 12. Jh. datiert, widerspricht.
Bekanntlich war zwischen dem LIUTPOLDINGER Bischof Otto von Freising E. II. 31. und den damaligen Vögten von Freising - den Grafen von Wittelsbach - kein gutes Verständnis. Diese Verhältnisse können sehr gut zum feindlichen Urteil über Berthold mitgewirkt haben, weil er - unserer Meinung nach irrtümlich - Berthold für den Stammvater der Scheyerner Grafen hielt.
Sind unsere Darstellungen richtig, dann entstammen die Grafen von Scheyern zwar weiblicherseits dem Grafen Berthold, doch war letzterer ein LIUTPOLDINGER und mit dem aus einer Nebenlinie entsprossene Bischof Otto von Freising stammverwandt.
In einer Note unter der Urkunde vom 21. Juli 976 Seite 236 sieht Reindel nach unserer Meinung mit Recht einen Beweis, dass Berthold nach dem Verrat von 955 beim deutschen König wieder Gnade gefunden hat, sich aber im Jahre 974 wieder an dem Aufstandsversuch Herzog Heinrichs II., beteiligt hat. Es ist bemerkenswert, dass die Rückgabe des von Berthold an das Kloster Metten geschenkten Gutes auf Intervention Bischof Heinrichs von Augsburg, eines Verwandten der LIUTPOLDINGER und des Markgrafen Liutpold E. II. 4., selbst ein LIUTPOLDINGER, stattfand.
Wir finden Berthold nach 976 wiederholt als Zeugen bei Freisinger Traditionen im Codex erwähnt. Laut einem Eintrag des 10. Jh. starb er um 990. Nach dem Nekrologium ist Berthold, der mit dem Grafentitel erscheint, am 26. August gestorben.
Wie es scheint, hat Berthold sich nach dem Verrat, den er im Jahre 955 von seiner Burg Reisensburg aus geleitet hat, nach Lothringen begeben. Dort heiratete er eine Tochter Herzog Friedrichs von Ober-Lothringen.

Gerade um diese Zeit sind seine Kinder geboren:
Berthold E. I. 10., der den Namen des Vaters trug, Friedrich E. I. 11., der wohl nach seinem Großvater mütterlicherseits Herzog Friedrich benannt wurde und eine Tochter E. I. 12., die, wie wir im Kapitel F darlegen, eine uneheliche Verbindung mit Herzog Heinrich II. von Bayern F. 4. hatte. Der aus dieser Verbindung geborene Sohn Arnolf F. 6. gab einem seiner Söhne F. 10. den Namen des ebengenannten Herzogs Friedrich. Diese Namengebung geschah genau nach dem mittelalterlichen Gebrauch, während die Geburtsjahre auch gänzlich mit den Lebenszeiten der genannten Kinder stimmen.


Berthold I., der nach seinem Stammsitz Reisenburg bei Günzburg benannt wurde, machte 953 wie alle LUITPOLDINGER den Liudolfingischen Aufstand mit, wurde nach dessen Niederwerfung aus Bayern verbannt und zog sich damals auf seine Feste Reisensburg in Schwaben zurück. Er verriet den Augsburg bestürmenden Ungarn die Nachricht vom Anmarsch des königlichen Heeres und kämpfte auf ungarischer Seite in der Schlacht auf dem Lechfeld mit (10.8.955). Dass er sich zu diesem Verrat entschloss, zeigt auch wie tief der Hass gegen die Reichsgewalt, die seine Familie von der Herzogswürde in Bayern ausgeschlossen hatte, gewesen sein muss. Er wurde später Graf von Geisenfeld und von Wasserburg und im Raum Andechs und war auch zeitweise Pfalzgraf von Bayern. Er rebellierte 973 erneut und wurde am 21. Juli 976 auf geringe Herrschaftsreste beschränkt. Anschließend verschwand er aus der Geschichte.

Einsle Hans:
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"Die Ungarnschlacht im Jahre 955 auf dem Lechfeld"

War es Verrat oder nur die Rache der Familie, die Berthold (Berchtold), einen Sohn des Pfalzgrafen Arnulf, zwang, von der Reisensburg kommend, den Ungarn zu melden, dass König OTTO von Ulm her zum Entsatz der Stadt heranziehe?
In der Reisensburg saßen die Nachkommen der vertriebenen LUITPOLDINGER Herzöge, lebten hier in der Verbannung.
Führt vom Verrat Bertholds ein geheimnisvoller "roter Faden" zur Christianisierung der Ungarn, die durch jene bayerischen Großen ermöglicht wurde, deren Familien seit Generationen in engstem Kontakt mit den Magyaren standen?
Berthold berichtete den Ungarn, dass der König mit seiner Streitmacht in der Frühe des 7. August in Ulm zum Entsatz der Stadt Augsburg aufgebrochen war.  
 

St
örmer, Wilhelm: Seite 65-66
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"Die Wittelsbacher als Pfalzgrafen von Bayern."

Auch Berthold "von Reisensburg", der Sohn Pfalzgraf Arnulfs, soll nach Angabe des Freisinger Geschichtsschreibers Meichelbeck Pfalzgraf geworden sein. Eine so späte Überlieferung ist freilich mit Vorsicht zu behandeln; hinter dem Titel "Palatinus" konnte sich der Anspruch Bertholds auf das bayerische Pfalzgrafenamt ausdrücken. Sollte Berthold wirklich königlicher Pfalzgraf in Bayern geworden sein, so wäre dies noch erstaunlicher als einst die Übertragung des Pfalzgrafenamtes an seinen Vater. Daher wurde er zunächst auch offenbar aus Bayern verbannt (er "residierte" bis 955 auf der schwäbischen Reisensburg bei Günzburg an der Donau). 955, als die Ungarn im Lande waren und Augsburg belagerten, warnte er sie vor dem Herannahen des Heeres König OTTOS. Trotzdem siegte das königliche Heer auf dem Lechfeld über die Ungarn.
Aber auch der König konnte den "Verärter" nicht beseitigen; dieser war auch später politisch aktiv, wenn nicht gar als bayerischer Pfalzgraf. 974 beteiligte er sich noch einmal an einem Aufstand gegen den König, diesmal gegen OTTO II. und zwar auf der Seite seines Neffen, Herzog Heinrichs "des Zänkers" von Bayern. Jetzt erst kam er mit den Veschwörern in Haft.




 

  oo NN von Lothringen, Tochter des Herzogs Friedrich I.
            
† 
 
 
 


Kinder:

  Dietrich I. Graf von Wasserburg
       
um 1020

  Friedrich I. Graf von Andechs
       
um 1030

  Tochter
       
† 

 oo Rapoto III.-Razo Graf von Diessen
          
19.6. um 1050



Literatur:
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Bosl, Karl: Europäischer Adel im 12./13. Jahrhundert. Die internationalen Verflechtungen des bayerischen Hochadelsgeschlechtes der Andechser-Meranier. Seite 33 - Dungern, Professor Dr. Otto, Genealogisches Handbuch zur bairisch-österreichischen Geschichte, Verlag Leuschner & Lubensky, Graz 1931 Seite 18 - Einsle, Hans: Die Ungarnschlacht im Jahre 955 auf dem Lechfeld. Ursachen und Wirkungen, Weltbild Verlag Augsburg 1993 - Gewin, Dr. J.P.J.: Herkunft und Geschichte führender bayerisch-österreichischer Geschlechter im Hochmittelalter, s-Gravenhage Druckerei H.L. Smits N.V. 1957 Seite 105 - Reindel, Kurt: Die bayerischen Luitpoldinger von 893-989, in: Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte, NF 11, 1953 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 83 - Spindler Max: Handbuch der bayerischen Geschichte. Erster Band Das alte Bayern. Das Stammesherzogtum bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts. C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München Seite 220,223 - Störmer, Wilhelm: Die Wittelsbacher als Pfalzgrafen von Bayern. in: Die Wittelsbacher im Aichacher Land, Aichach 1980 Seite 63-69 - Störmer Wilhelm: Früher Adel. Studien zur politischen Führungsschicht im fränkisch-deutschen Reich vom 8. bis 11. Jahrhundert. Teil I und II. Anton Hiersemann Stuttgart 1973 Seite 239,421- Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 110 - Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte, Heinz Reise-Verlag Göttingen 1962-1969 Seite 78,148 -