REINHARDSBRUNN
 

Lexikon des Mittelalters:
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Reinhardsbrunn,

ehemaliges Benediktiner-Kloster südwestlich Gotha, 1085 vom thüringischen Grafen Ludwig dem Springer ( 1132) im Zusammenwirken mit den Reformäbten Giselbert von Hasungen und Herrand von Ilsenburg in Nachbarschaft seiner Stammburg Schauenburg gegründet und mit einem Konvent aus Hirsau besetzt. Reinhardsbrunn, das mit Cluny und Hirsau verbrüdert war und seit 1092 unter päpstlichen Schutz stand, stieg als hirsauisches Reformzentrum und als Hauskloster der 1131 mit der Landgrafenwürde in Thüringen betrauten Ludowinger rasch zu einem der bedeutendsten thüringischen Kloster auf. Von seiner geistigen Blüte und seiner Rolle als Traditionszentrum des Landgrafenhauses zeugen vor allem die 1156/68 entstandene Reinhardsbrunner Briefsammlung und die von 1197-1215 reichenden sogenannten »Reinhardsbrunner Historien« als ein hochrangiges Geschichtswerk von reichsgeschichtlichem Interesse. Umfangreiche, vor allem in Auseinandersetzung mit dem benachbarten Kloster SOC ist Georgenthal entstandene Fälschungen (um 1165) sollten den Besitzstand und die Rechtsstellung von Reinhardsbrunn sichern. Der im frühen 13. Jh. einsetzende Niedergang beschleunigte sich nach dem Aussterben der Ludowinger (1247) und der verheerenden Brandkatastrophe von 1292. Als Stätte ludowingischer Tradition (Landgrafengrabmäler des frühen 14. Jh.; Cronica Reinhardsbrunnensis, um 1340/49) bewahrte Reinhardsbrunn jedoch auch unter den Landgrafen aus wettinischen Hause, denen es bis in das 15. Jh. mehrfach als Grablege diente, eine herausgehobene Bedeutung. Landesherrliche Bemühungen seit 1443 um Reform und Anschluß von Reicnhardsbrunn an die Bursfelder Kongregation führten erst 1492/93 zum Erfolg. Die Plünderung und weitgehende Zerstörung von Reinhardsbrunn 1525 im Bauernkrieg brachten das Ende des klösterlichen Lebens.

M. Werner