Patze Hans: Seite 170-178,184-193
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"Die Entstehung der Landesherrschaft in Thüringen"

Für die fernere Zukunft der LUDOWINGER war die Ehe Ludwigs des Springers mit Adelheid, der Gemahlin des Pfalzgrafen Friedrich III. von Goseck, folgenreich. Friedrich III. wurde nach kaum vierjähriger Ehe von den Gebrüdern Dietrich und Ulrich von Deidenliebe und Reinhard von Runenstide auf der Jagd beim Hof Zscheiplitz  an der Unstrut ermordet. Sein Vater Friedrich II. weilte gerade an der Elbe und kehrte erst 30 Tage nach dem Begräbnis seines Sohnes nach Goseck zurück. 1088 starb er.
Als zweite Eheschließung schlechthin stellt die Chronik von Goseck das Zusammenkommen Ludwigs und Adelheids dar. Durch Mord habe der Graf von Thüringen den Pfalzgrafen Friedrich aus dem Wege räumen lassen und dadurch erst die Frau gewonnen, sagt der Annalista Saxo. Zum grausamen Reckenmord läßt der Reinhardsbrunner Mönch Ludwig den Springer und Adelheid zusammenwirken. Adelheid liefert den Gatten dem Geliebten ans Schwert, auf Klage der Verwandten vorm König wird der Mörder auf dem Giebichenstein eingekerkert und zum Tode verurteilt; dem heiligen Ulrich gelobt er, wenn er ihn rettet, einen Kirchenbau. Der Sprung von Giebichenstein in die Saale gelingt, er löst das Gelübde durch die Gründung von St. Ulrich in Sangerhausen. Doch die Tat war so verworfen, dass erst die Stiftung des Klosters Reinhardsbrunn dem Erzähler als ausreichende Sühne erscheint, zu der Herrand, der Mönch von Isenburg, mahnt, nachdem der Täter, als er gegen das Fastengebot verstößt, die Reue ankommt.
Die Bestrebungen, die den LUDOWINGER bei diesem Eheschluß geleitet haben dürften, konnte er nur zum Teil durchsetzen. Die Hoffnung, durch seinen Stiefsohn Friedrich IV. von Bottendorf auf die Pfalzgrafschaft einzuwirken, erfüllte sich nicht; denn als Friedrich II. 1088 in Barby starb, war der Enkel, Friedrich IV., drei Jahre alt. Es gelang seinem Stiefvater nicht, die Vormundschaft über ihn zu gewinnen. Entweder ist das durch andere Große verhindert worden, oder hat Friedrich II. selbst die Erbfolge noch in der Weise geregelt, dass sein Neffe, Friedrich I. von Sommerschenburg, Pfalzgraf wurde.
Aber Ludwig der Springer fand durch diese Eheschließung Eingang in eine breite Schicht des hohen Adels. Adelheid war die Tochter des Markgrafen Udo II. von Stade.
Bei Flarchheim stießen die beiden Könige am 27. Januar 1080 aufeinander. HEINRICH IV. behielt über RUDOLF VON RHEINFELDEN und Otto von Northeim die Oberhand, verließ aber das Schlachtfeld. Bruno berichtet, "Ludwig" habe ihn auf verborgenen Pfaden über den Wald geführt. Nach seinem Abzug sei auch das königliche Heer gekommen und habe sich bei der Wartburg, die hier zum ersten Male erwähnt wird, gelagert. "Die Unsrigen aber, die die Burg besetzt hatten, schreibt Bruno, "griffen sie überraschend an und schlugen sie in die Flucht." Es scheint auf der Hand zu liegen, dass Ludwig nur Ludwig der Springer sein kann. Da der Graf als erbitterter Gegner des Königs bekannt ist, hat man ihn nicht mit Brunos Ludwig identifiziert. Man wird aber die Möglichkeit eines Parteiwechsels, an denen es im Sachsenkrieg nicht fehlte, auch für Ludwig offen lassen müssen. Sein Schwager Poppo von Henneberg war auf kaiserlicher Seite bei Mellrichstadt gefallen. Dass Bruno Ludwig den Springer, wenn er gemeint sein sollte, nicht als comes bezeichnet, würde nicht verwundern, er bringt seine Verachtung gegen HEINRICH durch Weglassen des Königstitels zum Ausdruck. Ludwig ist nicht etwa durch Zusatz eines quidam als unbekannte Person gekennzeichnet, sondern Bruno darf offensichtlich annehmen, dass jeder weiß, wen er meint. Auch aus dem Hinweis, dass die Sachsen die Burg besetzt hatten (trenebant), ist zu schließen, dass der Herr der Burg zur kaiserlichen Partei gehörte. Das sind freilich nur Erwägungen. Eine sichere Entscheidung ist kaum möglich.
Dass Gregor VII. die deutschen Fürsten von ihrem Eid gegen den König entband - eine Tat, deren sich Otto von Freising nur mit Schaudern erinnerte - förderte einen Mann vom Schlage eines Ludwigs des Springers ans Licht der Geschichte. Sein Name war - soviel wir sehen - noch nicht auf das Pergament einer kaiserlichen Urkunde geschrieben, als das Schreiben des kaisertreuen Reichsbischof Walram von Naumburg den Ludewic(us) serenissim(us) princep(s) plötzlich als eine gewichtige Figur im politischen Spiel erscheinen ließ, um deren Parteiwechsel man bemüht sein mußte. Durch den Mund des Bischofs Herrand von Halberstadt, der von seinem Stuhl vertrieben, im ludowingischen Hauskloster Unterschlupf gefunden hatte, ließ der gloriosissimus princeps nur mehr vom "Herrn HEINRICH, den sie König nennen", sprechen. Der Kaiser verkörperte dem Grafen nicht mehr die potestas ordinata, der man sich zu unterwerfen habe, und er goß auf ihn die Flut der Vorwürfe, die alle Welt im Munde führte: Mirror autem, si in te vel gutta sanguinis est, quod non erubescis dominum hericum regem dicere vel orinem habere. Es beleuchtet paradigmatisch den Umsturz der Verhältnisse, wenn dieser Graf, von dem bisher keine Feder Notiz genommen hatte, sich damit seiner Zeit und der Nachwelt empfahl, dass er vom Reich, das kein Reich sei, sprechen ließ.
Das Werben des Bischofs von Naumburg um den Grafen ist das erste Zeugnis für seinen politischen Standpunkt, ohne dass wir in diesen Jahren ein bestimmte politisches Streben zu erkennen vermöchten. Wahrscheinlich hat Erzbischof Ruthard von Mainz in den Jahren 1098 bis 1105 Einfluß auf den Grafen genommen. Nicht zufällig wird es sein, dass Ludwig der Springer damals zum ersten Male als Urkundenzeuge, und zwar in Urkunden Ruthards fungierte. Der  zweite LUDOWINGER ließ die Fäden, die er aufgenommen hatte, nicht wieder fallen. Auch in den ersten Jahren HEINRICHS V. eröffneten sich ihm Möglichkeiten, in den politischen Konstellationen Boden in eigener Sache zu gewinnen. Die Erhebung des SUPPLINBURGERS zum Herzog von Sachsen wirkte sich für die thüringische Geschichte folgenreich aus. Ansatzpunkte für politische Kombinationen ergaben sich schon daraus, dass LOTHAR über das Northeimer Erbe weit nach Thüringen hineinreichte.
1107 fand Graf Ludwig den Weg zu HEINRICH V.; er begleitete den König 1108 nach Tulln und bis nach Preßburg. Auch unter den Fürsten, die zum Kreuzzuge gegen die Slawen  aufriefen, war er zu finden. Noch 1111 intervenierte er bei HEINRICH V. für St. Maximin. Schon im folgenden Jahre brachen die Spannungen zwischen dem König und den sächsischen Fürsten wieder aus. Aus privaten Streitigkeiten entwickelte sich ein Konflikt zwischen Herzog Lothar und Markgraf Rudolf von der Nordmark. Das scharfe Vorgehen HEINRICHS gegen die beiden Fürsten, ihre zeitweilige Absetzung, verscherzte HEINRICH die Sympathien der Sachsen.
Der Tod des Grafen Ulrich von Weimar am 1. Mai 1112 lud den sächsisch-thüringischen Widerstandsherd mit einem weiteren Zündstoff auf. Auch in Thüringen wurde erprobt, was der König noch gegen die erbrechtlichen Auffassungen des Adels würde ausrichten können; denn Erbansprüche an den Gütern des Grafen Ulrich, die nur schwer noch nach Lehen und Alloden gesondert werden konnten, wurden von den Nachkommen der Töchter des Markgrafen Otto I. von Meißen, erhoben.
HEINRICH V. folgte den politischen Wegen seines Vaters, wenn er die Gelegenheit benutzte, um dem Reiche in Thüringen eine Position zu schaffen. Durch Fürstenurteil ließ er sich die Güter (allodia) des Grafen Ulrich von Weimar zusprechen. Sofort hatte er nicht einen, sondern 2, 3, 4, 5 Gegner auf sich gezogen. Pfalzgraf Siegfried kam nach Sachsen. Mit ihm standen gegen König HEINRICH V. Herzog Lothar, Markgraf Rudolf von der Nordmark, Wiprecht von Groitzsch, Pfalzgraf Friedrich von Sachsen und Graf Ludwig; er begleitete den König 1108, als er noch in Merseburg geweilt hatte. Allgemeine Erwägungen der politischen Opportunität mochten ihn ebenso wie ein vager Erbanspruch in die Arme der Opposition getrieben haben. Die Tochter Ludwigs des Springers, Adelheid, war einige Zeit mit dem Grafen Ulrich von Weimar vermählt gewesen, aber von ihm verstoßen worden.
Einer Ladung nach Erfurt, wohin sich der Kaiser begeben hatte, folgten Herzog Lothar, Markgraf Rudolf, Wiprecht der Ältere, Pfalzgraf Siegfried, Pfalzgraf Friedrich und Ludwig der Springer nicht. Darauf machte sie HEINRICH mit den Kriegsmitteln der Zeit mürbe, brandschatzte ihre Güter, belagerte und eroberte die bischöflich-halberstädtische Burg Hornburg. Dann zog er an den Rhein und überließ es Hoyer von Mansfeld, die Kämpfe in Sachsen und Thüringen zu seinen Gunsten zu beenden. Der Graf überrumpelte die Verschwörer, als sie sich zu einer Unterredung in Warnstädt (westlich Quedlinburg) zusammengefunden hatten. Pfalzgraf Siegfried starb kurze Zeit später an einer Verwundung, die er bei dieser Gelegenheit erlitten hatte. Wiprecht wurde gefaßt, zum Tode verurteilt, begnadigt und auf dem Trifels eingekerkert. Ludwig der Springer entkam, ergab sich aber dem Kaiser in Dortmund. Die Wartburg mußte er HEINRICH ausliefern. Der Hochzeit des Kaiser in Mainz 1114 wohnte er noch gefesselt bei. Gegen Gestellung von Geiseln erhielt er nach zwei Jahren und neun Monaten die Freiheit zurück. Ludwigs Sohn Hermann hatte sich mit dem Pfalzgrafen Friedrich 1112 in der Burg Teuchern Hoyer von Mansfeld ergeben müssen. Hermann starb nach mehr als zwei Jahren als Gefangener des Kaisers auf der Burg Hammerstein.
In diesen vom Lärm der Waffen erfüllten Zeitläuften hat Ludwig der Springer seine Herrschaft behauptet und weiter ausgebaut. Als Mönch ist er 1123 in seinem Hauskloster gestorben. Er hatte exemplifiziert, dass man in treuem Gefolge der Reformer, die den Laien die Gewalt über Kirchen und Klöster nehmen wollten, durch eine Klostergründung zu weltlicher Herrschaft vorwäersschreiten konnte. Das Idealbild, das Bernold von St. Blasien anläßlich der Gründung der süddeutschen Reformklöster St. Blasien, Hirsau und Schaffhausen vom neuen Typ des Fürsten zeichnet, hat der LUDOWINGER erfüllt; aber erst nachdem er seine weltlichen Geschäfte besorgt hatte, trafen Bernolds Worte auf ihn zu: "Die einst draußen in der Welt Grafen und Markgrafen gewesen waren, rechneten es sich jetzt zum höchsten Vergnügen, in der Küche oder der Bäckerei den Brüdern zu dienen oder ihre Schweine auf dem Feld zu weiden"
Ludwig der Springer hatte von seine Gemahlin Adelheid fünf Söhne, Hermann, Ludwig, Heinrich, Udo und Conrad, und die Töchter Kunigunde, Cäcilie, Adelheid. Cäcilie (gest. 1141) war mit dem Grafen Gerlach I. von Veldenz vermählt. Von der kurzen Ehe Adelheids mit Ulrich von Weimar haben wir bereits gehört. Udo hatte von 1125 bis 1148 den Bischofsstuhl von Naumburg inne. Conrad wird nur gelegentlich der Übereignung der Kirche in Sangerhausen an das Kloster Reinhardsbrunn erwähnt; er muß nach 1110 Juli 25 gestorben sein. Hermann fand den Tod 1114 in kaiserlicher Gefangenschaft. Als Erben Ludwigs des Springershinterblieben nur Ludwig und Heinrich, die ohne irgendwelche Schwierigkeiten in der Herrschaft folgten.