Ludwig II. der Springer                   Graf in Thüringen
-----------------------------
1042-   1123
         Kloster Reinhardsbrunn
 

Ältester Sohn des Grafen Ludwig I. der Bärtige in Thüringen aus dem Hause der LUDOWINGER und der Cäcilie von Sangershausen, Tochter von Graf Berthold
 

Brandenburg Erich: Tafel 13 Seite 26
****************
"Die Nachkommen Karls des Großen"

XI. 76. ADELHEID
--------------------------
* ca. 1060, + 1110 18. X. oder 17. XI.

Gemahl:
---------
a) 1081
FRIEDRICH I. VON PUTELENDORF, Pfalzgraf von Sachsen
       + 1185 25. II.

b) 1088 5. II.
LUDWIG DER SALIER, Graf von Thüringen
          + 1123 6. oder 8.V.

Anmerkungen: Seite 137
------------------
X. 72-77.

E. G. Wolters, Gfn von Stade, Stader Arch. N. 1,2.



Schwennicke Detlev: Tafel 145
*****************
"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

LUDWIG DER SPRINGER
------------------------------------
          + als Mönch zu Reinhardsbrunn 6../8.V.1123

Begraben: Reinhardsbrunn

1100 Graf von SCHAUENBURG
erbaut die Wartburg, gründet mit Graf Berenger, seinem Bruder, um 1085 Kloster Schönrain bei Langenprozelten/Main, stiftet um 1085 Kloster Reinhardsbrunn

  oo 1087
       ADELHEID
                 + 18.X. oder 17.XI.1110

Begraben: Reinhardsbrunn

Witwe von Friedrich III., Graf von Goseck
Tochter von Lothar Udo III. (II.) Graf von Stade, Markgraf der Nordmark



Thiele, Andreas: Tafel 178
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

LUDWIG II. "DER SPRINGER"
------------------------------------------
    + 1123

Ludwig II. der Springer rebellierte 1073-1075 zusammen mit seinem Bruder Beringer, unterwarf sich nach der Schlacht bei Homburg/Unstrut und folgte dem Vater. Er vermehrte seinen Besitz in vielen Fehden, besonders gegen die Erzbischöfe von Mainz, begründete rigoros die Vormacht der Familie in Thüringen und schuf sich reichsunmittelbaren Besitz. Ludwig errichtete unter anderem die Wartburg zur Sicherung des Besitzes, den er auch durch Rodungen vergrößerte. Er war nach 1104 Stütze Kaiser HEINRICHS V. Er ging später aber doch zur sächsischen Oppositiion über und war 1113 und 1114-1116 inhaftiert. Ludwig II. floh der Sage nach mit einem Sprung (mit Pferd) aus Burg Giebichenstein in die Saale (Beiname), gründete das Hauskloster Reinhardsbrunn und starb dort als Mönch.

  oo 1088
       ADELHEID VON STADE
                 + 1110

Tochter des Markgrafen Lothar Udo II. von der Nordmark, Witwe des Pfalzgrafen Friedrich III. von Sachsen (von Ludwig ermordet!)



Ludwig II. der Springer gründete die Stadt Eisenach, erbaute um 1067 die Wartburg zur Sicherung des Besitzes, den er auch durch Rodungen vergrößerte und stiftete das Hauskloster Reinhardsbrunn. Er stand anfangs auf der Seite HEINRICHS IV., rebellierte 1073-1075 mit dem Bruder und unterwarf sich nach der Schlacht bei Homburg. Er folgte dem Vater, vermehrte seinen Besitz in vielen Fehden, besonders gegen die Erzbischöfe von Mainz, begründete rigoros die Vormacht der Familie in Thüringen und schuf sich reichsunmittelbaren Besitz. 1085 ermordete er den Pfalzgrafen Friedrich von Sachsen und heiratete dessen Witwe Adelheid. Ludwig versuchte eine starke Territorialmacht zu errichten, wurde aber von HEINRICH IV. unterworfen und in Haft gehalten. Als er auf der Burg Giebichenstein bei Halle gefangengehalten wurde, soll er sich durch einen Sprung mit dem Pferd in die Saale gerettet haben. Er wurde nach 1104 Stütze des Kaisers HEINRICH V., ging später zur sächsischen Opposition über, stand im Weimarer Erbfolgestreit gegen HEINRICH V. und sein Sohn Hermannstarb 1114 in kaiserlicher Gefangenschaft auf der Burg Hammerstein, nachdem ihn der kaiserliche Feldherr Hoyer von Mansfeld am 6.6.1112 in Teuchern bei Weißenfels zur Aufgabe gezwungen hatte. Ludwig selbst befand sich 1113 und von 1114 bis 1116 in Haft und trat nach dem Friedensschluß mit dem Kaiser als Mönch in das Kloster Reinhardsbrunn ein, wo er starb.

Patze, Hans/Schlesinger, Walter: Seite 11-13
***************************
"Geschichte Thüringens"

Sein SohnLudwig der Springer hat zu den vorhandenen, für die Zeit typischen Elementen adliger Herkunft ein Reformkloster, Reinhardsbrunn, hinzugefügt. Nach der Sage, welche sich im Kern bereits in der Reinhardsbrunner Chronik findet, wurde die Stiftung des Klosters durch die Beteiligung des Grafen an der Ermordung des Pfalzgrafen Friedrich III. von Sachsen aus dem Hause GOSECK verursacht. Ob die Witwe und ihr künftiger Gemahl zum Gattenmord zusammengewirkt haben, wie die Chronik erzählt, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Der zum Tode verurteilte Graf rettete sich durch einen Sprung von der Burg Giebichenstein in die Saale. Der Beiname "der Springer" haftet ihm in der Geschichte an. Ein vor dem kühnen Sprung geleistetes Gelübde an den heiligen Ulrich löste er durch die Gründung der Ulrichskirche in Sangerhausen ein, doch erlegte ihm Herrand von Ilsenburg für einen Verstoß gegen das Fastengebot noch die Gründung eines Klosters auf. Der Graf folgte dem Gebot, indem er bei seiner Burg Schauenburg 1085 das Kloster Reinhardsbrunn stiftete und es mit Mönchen aus Hirsau unter Abt Giselher besetzte. Wie in dem kurz vorher von ihm ausgestatteten Priorat Schönrain galt in Reinhardsbrunn die freie Vogtswahl.
Die kleine, für die Zeit typische, aus Burg, Kloster und Waldweilern bestehende, im nicht abgegrenzten Eremus gegründete Herrschaft kollidierte sehr bald mit einem gleichartigen Gebilde. 1143 gründete Graf Sizzo III. aus dem Raum Ohrdruf seit langen ansässigen Geschlecht der Grafen von Schwarzburg-Käfernburg bei Altenbergen ein Zisterzienserkloster, das er seinem Neffen Eberhard aus Morimund unterstellte. Gegen die Gründung prostetierte bezeichnenderweise Ludwigs des Springers Sohn Udo I. von Naumburg beim Abt von Morimund, und Abt Ernst von Reinhardsbrunn bat Papst Lucius II., die Verlegung des Klosters an einen Ort zu veranlassen. Der Abt befürchtete Grenzstreitigkeiten mit der zu nahe gelegenen Zisterze, die 1152 von ihrem Standort bei Altenbergen, wo sie archäologisch nachgewiesen werden konnte, ins Tal beim damaligen Vorwerk Radkers im heutigen Georgenthal verlegt wurde. Dies muß nicht auf Grund der Drohungen aus Reinhardsbrunn geschehen sein, aber wir dürfen als gesichert betrachten, dass mehrere der Urkundenfälschungen des Klosters Reinhardsbrunn angefertigt wurden, um diese Gründung durch die in den Fälschungen enthaltenen Grenzbeschreibungen nachträglich rechtlich gegen Georgenthal abzusichern, dessen Grenzbeschreibung von 1143 sich an die desludowingischen Hausklosters genau anlehnt.
Wichtige Erwerbungen, die in den Fälschungen genannt werden, an deren Existenz aber nicht zu zweifeln ist, machte Reinhardsbrunn im Mechterstädt, wo Bifang erworben wurde, und in den Wäldern Windefelt und Elisis, die Gebhard von Nordeck, der - was stimmen mag - mit einer Tochter Ludwigs des Bärtigen vermählt gewesen sein soll, stiftete. Auch zum Gebiet dieser Schenkung, die die Grundlage der Cella s. Blasii wurde, gehörte ein Bifang. Durch die Stiftung von Cella s. Blasii und deren Übertragung an Reinhardsbrunn beherrschten die LUDOWINGER - vermöge der Vogtei über ihr Hauskloster - den Paß, auf dem die Straßen von Meiningen und von Bamberg den Thüringer Wald überwanden: Die LUDOWINGER konnten die Straße kontrollieren, bevor sie nördlich des Gebirges das Gebiet der Grafen von Schwarzburg-Käfernburg erreichte.
Die große Ost-West-Verbindung des Reiches, die Hohe Straße von Frankfurt nach Erfurt, beherrschten die LUDOWINGER durch die Wartburg, die nach der Aufgabe der Schauenburg ihre weithin sichtbare Stammburg werden sollte. Die Erbauung dieser Burg, die zuerst 1080 genannt wird, ist zweifellos Ludwig dem Springer zu danken, doch wissen wir nicht, ob der Graf bei Eisenach Rechte besaß, die ihm die Gründung der Burg gestatteten. Die Erzählung der Reinhardsbrunner Chronik läßt auf das Gegenteil schließen: Auf der Jagd sei Ludwig auf den Wartberg gekommen, von seinem Eigengut ließ er Erde auf den Gipfel tragen, dann stießen 12 Ritter ihre Schwerter in den Boden und gelobten, das Land gehöre dem Grafen. Diese Gründungssage deutet auf Besitzergreifung durch Eroberung. Die Wartburg und ihr Zubehör trennten den im Südwesten gelegenen großen Hersfelder Wildbann von dem sich um die Mark Lupnitz im Norden lagernden Wildbann des Klosters Fulda.
Für die territoriale Ausbreitung der LUDOWINGER über das Thüringer Becken hinweg entscheidend und damit eine Voraussetzung ihres Aufstiegs war die Ehe Ludwigs des Bärtigen mit Cäcilie von Sangerhausen, die ihrem Mann 7.000 Hufen Erbgut zugebracht haben soll. Durch die Ehe seines Sohnes mit Adelheid, der Witwe des Pfalzgrafen Friedrich III., faßten die LUDOWINGER auch an der unteren Unstrut Fuß. Die beiden entfernten Besitzkomplexe territorial zu verbinden, blieb eine Aufforderung an das politische Geschick der Familie.
 
 
 
 

 1088
  oo 2. Adelheid von Stade, Tochter des Grafen Lothar Udo II.
           um 1065-18.10.1110
 
 
 
 

Kinder:

   Hermann
  1089-13.7.1114 oder 1116
 

  Ludwig I.
  um 1090-12.1.1140
 

  Heinrich Raspe I. Graf von Gudensberg
      -   1130
 

  Udo I. Bischof von Naumburg (1125-1148)
  um 1095-   1148

  Kunigunde
  um 1090-1118

  oo Wichmann Graf in Sachsen
               -

  Cäcilia
      -   1141

  oo Gerlach I. Graf von Veldenz
         - vor 1141
 

  Adelheid
   um 1090-   1146

  oo Ulrich III. Graf von Weimar-Orlamünde
       um 1065-13.5.1112

  Konrad
         - nach 26.7.1110
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Annalista Saxo: Reichschronik. Seite 69,89,96,120,122,124,128,129 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 13  Seite 26 - Bruno: Das Buch vom Sächsischen Krieg. Phaidon Verlag, Essen und Stuttgart 1986 - Chronik von St. Peter zu Erfurt - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 53,69,81,111,129,141,142,144,149,156,159 A. 324,180,186 A.467,221,229,237,241-248,251-255,262,331,334,344-346,348 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und slawischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 59,189,193 - Kaestner, Wilhelm: "Ludwig II. der Springer, Graf von Thüringen (-1123), phil. Dissertation Jena 1914 - Lampert von Hersfeld: Annales/Annalen Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 2000 - Patze, Hans: Die Entstehung der Landesherrschaft Thüringen, Böhlau Verlag Köln/Graz 1962  Seite 170-178,184-193 - Patze, Hans/Schlesinger, Walter: Geschichte Thüringens, Böhlau Verlag Köln/Graz 1967 Seite 11-13 - Schwarz, Hilmar: Die Ludowinger Aufstieg und Fall des ersten thüringischen Landgrafengeschlechts, Wartburg-Stiftung 1993 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 145 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 178 -