Fenske, Lutz: Seite 53,149,237,241-248,251-255
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen"

Durch Waffentüchtigkeit, vorteilhafte Eheverbindungen, Königsdienst oder auch als Folge politischer Umgestaltungen, beispielsweise beim Verfall der Herrschaftsgestaltung eines führenden Geschlechts, konnte noch zur Zeit HEINRICHS IV. ein titelloser Edelfreier Rang und Stellung, die fürstenhaftes Ansehen verliehen, für sich gewinnen. Wiprecht von Groitzsch und Graf Ludwig der Springer sind Beispiele eines solchen Aufstiegs.
Als kaiserfeindlich eingestellten Fürsten darf man sicherlich den thüringischen Grafen Ludwig ansprechen, der in Lippoldsberg gemeinsam mit seinem Sohn Hermann und seinem Bruder Graf Berengar anzutreffen ist. Diese Vermutung wird durch die engen persönlichen Beziehungen Ludwigs und seiner Familie zu Bischof Herrand und anderen Repräsentanten der kirchlichen Opposition gestützt. Auch zwischen dem Grafen und Erzbischof Ruthard, in dessen Nähe Ludwig zusammen mit dem Grafen Sizzo 1103 in Fritzlar zu finden ist, bestanden Verbindungen. Markgraf Udo III. dagegen, der 1095 gemeinsam mit seinem Schwager Ludwig bei einer Beurkundung Herrands in Ilsenburg Zeugendienste leistete, entzieht sich trotz dieser Zeugnisse einer politischen Einordnung.
Graf Ludwig hatte das Kloster Reinhardsbrunn um 1085 gegründet und es später Urban II. übertragen. Die Päpste Urban II. und Paschalis II. haben dem Kloster Ende des 11. und zu Beginn des 12. Jahrhunderts mehrere Urkunden ausgestellt, die auch Bestimmungen hinsichtlich der Vogtei enthalten. Dabei setzte Papst Urban II. in einem Privileg von 1094 fest, dass Ludwig die Vogtei innehaben sollte, nach ihm aber seine Nachkommen, sofern sie die dazu notwendige Eignung besäßen. Jedoch sei dafür als Voraussetzung die Zustimmung der Mönche erforderlich. In einer Urkunde aus dem Jahre 1102 hat Paschalis II. diese Verfügung gleichlautend wiederholt.
In unterschiedlichem Zusammenhang ist an verschiedenen Stellen der Untersuchung auf einen Repräsentanten des ostsächsisch-thüringischen Adels hingewiesen worden, den seine Beziehungen zur kirchlichen Reformbewegung wie seine beharrliche, antikaiserliche politische Haltung als Gegner HEINRICHS IV. auszeichnen. Es handelt sich um den thüringischenGrafen Ludwig, dem spätere Quellen den Beinamen "Springer" zulegen. In den Anfangsjahren der Herrschaft HEINRICHS V. unterhielt Ludwig gute Verbindungen zum königlichen Hof und betätigte sich auch im Königsdienst. Während dieser Zeit gelang ihm der Aufstieg zu reichsfürstlichem Ansehen. Als sich später das zunächst gute Verhältnis zwischen HEINRICH V. und der Mehrzahl der ostsächsischen Hochadelsgeschlechter in erbitterte Feindschaft verwandelte, gehörte Graf Ludwig schon in einem frühen Stadium dieses Gegensatzes zu den Widersachern des Kaisers und mußte seine antikaiserliche Parteistellung mit mehrjähriger Haft büßen.
Während Ludwig der Springer anscheinend den thüringischen Besitz des Vaters erhielt, erbte seine Bruder Berengar die ostsächsischen Güter um Sangershausen. Ludwig heiratete Adelheid, die Witwe Friedrichs III. von Goseck, die eine Tochter des Markgrafen Udo II. von der sächsischen Nordmark aus dem Geschlecht der Grafen von Stade war.
In einer Urkunde von 1110, durch die Graf Ludwig der Springer die Kirche in Sangerhausen dem Kloster Reinhardsbrunn übertrug, findet sich die engere Familie vereint aufgeführt, da bei dieser Handlung außer ihm selbst seine Gattin Adelheid, seine Söhne Hermann, Ludwig, Heinrich und Konrad sowie Bertrada, die Gattin seines Bruders Berengar, mit ihrem Sohn Konrad, dem Neffen Ludwigs, anwesend waren.
Mag zwar ein Unsicherheitsfaktor bezüglich der Bewertung der angeführten Quellen und ihrer hinsichtlich des Sohnes des Grafen Berengar gemachten Aussagen bleiben, so sind jedenfalls für die Existenz seines Vaters Berengar auch unabhängig von der Reinhardsbrunner Überlieferung urkundliche Quellenzeugnisse vorhanden. Es ist schon darauf hingewiesen worden, dass er gemeinsam mit seinem Bruder Ludwig und seinem Neffen Hermann zwischen 1099 und 1101 am Fürstentreffen von Lippoldsberg teilnahm. Auch bei einer anderen, ungefähr gleichzeitigen Gelegenheit sind die Brüder Ludwig und Berengar gemeinsam aufgetreten: Im Jahre 1100 erwarb das Erzstift Magdeburg von dem homo liber et ingenuus O. umfangreichen Besitz. Initiatorin und eigentlich handelnde Person bei dem damals getätigten Rechtsgeschäft war die Markgräfin Beatrix, die Witwe des Markgrafen vom bayerischen Nordgau Heinrich von Hildrizhausen. Dabei werden unter den fränkischen Zeugen an erster Stelle Beriger et Luodewic de Scowenburch, fratres atque comites aufgeführt.
Es besteht kein Zweifel daran, dass es sich hier um Graf Ludwig und seinen Bruder Berengar handelt, die in dieser Urkunde ihren herkunftsangebenden Namen nach dem ältesten ludowingischen Stützpunkt in Thüringen, der Schauenburg bei Friedrichsroda, führen. Dass diese beiden thüringischen Grafen hier als Handlungszeugen fränkischen Rechts erscheinen, findet in der ursprünglich ostfränkischen Herkunft dieses Geschlechts seine Erklärung. Auch nach ihrem Ausgriff nach Thüringen und dem Aufstieg, der ihnen dort gelang, sind die LUDOWINGER noch besitzmäßig in Mainfranken präsent gewesen. Dass gerade die Brüder Ludwig und Berengar die Güterübertragung der Schweinfurterin Beatrix und ihres Sohnes Otto bezeugten, dürfte in einer älteren Besitznachbarschaft zwischen Schweinfurtern und LUDOWINGERN im Gebiet von fränkischer Saale und Streu begründet liegen. Einen aufschlußreichen Hinweis, der an dieser Stelle in weiterreichende Zusammenhänge einführt, vermittelt ein urkundliches Zeugnis von 1139, auf Grund dessen eine früher bestehende Besitzstellung der LUDOWINGER in Mainfranken erschlossen werden kann.
1139 stellte Bischof Embricho von Würzburg für das Kloster Schönrain am Main eine Schutzurkunde aus, in welcher folgender, mit der Gründung des Klosters in Verbindung stehender Vorgang festgehalten wird: Zur Zeit HEINRICHS IV. und Bischof Adalberos von Würzburg hätten Graf Ludwig und sein Bruder Berengar den Ort Schönrain mit zwei Mühlen und anderen Pertinentien und das praedium, das sie in Wiesenfeld besaßen, dem Abt Wilhelm von Hirsau übertragen unter der Bedingung, dort eine monastische Institution zu begründen. Wilhelm habe dieses Vorhaben darauf in Angriff genommen, und durch seine Nachfolger sei es vollendet worden.
Soweit eine zeitliche Einordnung der Übertragung und des Gründungsbeginns möglich sind, scheinen für die Einrichtung des Klosters am ehesten die frühen 80-er Jahre zu sprechen. Es wurde also hier auf der Grundlage von Besitzungen der LUDOWINGER im mainfränkischen Raum, die, wie Cramer gezeigt hat, Reste eines älteren Besitzkomplexes der Vorfahren Ludwigs und Berengars darstellen, das Kloster Schönrain als Priorat Hirsaus gegründet, dessen Funktion besonders einer Verbindung der süddeutschen mit den norddeutschen Gregorianern gedient haben mag.
Die Voraussetzungen, die zur Stiftung von Kloster Schönrain führten, machen es möglich, in den gräflichen Brüdern Ludwig und Berengar die ersten Vertreter des ostsächsisch-thüringischen Adels zu erkennen, deren Verbindung zu Wilhelm von Hirsau durch Quellenaussagen erschließbar wird. Die Beziehungen waren so gut, dass die beiden Grafen den Hirsauer Abt mit der Einrichtung eines mit ihren mainfränkischen Besitz fundierten Klosters zum Seelenheil ihrer Vorfahren betrauten. Bald darauf sollte sich das Verhältnis Ludwigs zur Hirsauer Reform noch enger gestalten, denn wenig später trat der Graf selbst mit der Gründung eines Eigenklosters hervor, als er um 1085 das Kloster Reinhardsbrunn bei Friedrichsroda, welches das eigentliche Hauskloster seines Geschlechts wurde, ins Leben rief.
Bevor Ludwig sich dazu entschloß, hatte er den Rat führender geistlicher Autoritäten eingeholt, unter deren Beistand sich nun die weiteren Schritte vollzogen. Die spätere Reinhardsbrunner Geschichtsschreibung hat zwischen der Stiftung des Klosters und der Ermordung Friedrichs III. von Goseck, des Sohnes des sächsischen Pfalzgrafen Friedrich II., am 5. Februar 1085, einen ursächlichen Zusammenhang hergestellt. Bekanntlich heiratete Adelheid, die Witwe Friedrichs III., den Grafen Ludwig. In der Reinhardsbrunner Tradition wird Ludwig als Mörder Friedrichs von Goseck bezeichnet. Die gleiche Anschuldigung erhebt der Annalista Saxo, während das um 1135/36 entstandene Chronicon Gozecense, eine Quelle aus dem Kloster Goseck, das eine Stiftung des Geschlechts war, dem der Ermordete angehörte, diese Tat nicht in Verbindung mit dem Grafen Ludwig bringt. Diese Verdächtigungen lassen sich also weder beweisen noch entkräften. Die Cronica Reinhardsbrunnensis führt ein einer längeren, legendenhaften Erzählung aus, dass die Klostergründung der Reue Ludwigs über sein Verbrechen zu danken sei. Der von Gewissensbissen geplagte Graf habe sich schließlich den Äbten Herrand von Ilsenburg und Giselbert anvertraut. Von ihnen erhielt er den Rat, unter dem Patrozimium Johannes des Täufers und der Gottesmutter Maria eine geistliche Stiftung ins Leben zu rufen. Der Graf leistete dem Folge, unterstellte zu diesem Zweck den aus seiner hereditas stammenden Ort Reinhardsbrunn dem Abt Giselbert und übertrug ihm darüber hinaus weitere Besitzungen. Die ersten Mönche zur Bildung des Gründungskonvents ließ Ludwig aus Hirsau kommen, indem er von dort den Prior Ernst mit 12 Mönchen nach Reinhardsbrunn holte.
Im Jahre 1097 weihte Bischof Herrand die Reinhardsbrunner Klosterkirche. Mit der Fertigstellung dieses Baues wird der gesamte Gründungsvorgang einen ersten Abschluß erreicht haben. Während seines Romaufenthaltes Ende des Jahres 1093 lenkte der Bischof das Wohlwollen Papst Urbans II. auf die Stifter und erwirkte für den Grafen Ludwig und seine Gattin Adelheid eine päpstliche Generalabsolution. Schon kurz zuvor hatte Ludwig sein Eigenkloster dem Papst aufgetragen, denn bereits am 23. März 1092 erhielt das Kloster eine Schutzurkunde Urbans II., welche dieses gegen die Entrichtung der üblichen symbolischen Jahresabgabe dem Schutz der Römischen Kirche unterstellte und ihm die vom Papst garantierte libertas verlieh. Am 17. Februar 1094 bestätigte Urban durch eine weitere Urkunde für Reinhardsbrunn die vorangegangene Privilegierung und ergänzte sie durch eine Abtswahlbestimmung, die dem Konvent die freie Wahl des Abtes sichern sollte. Mit größter Wahrscheinlichkeit ist es Bischof Herrand gewesen, welcher für das Kloster anläßlich seines Besuchs in Rom von Papst Urban dieses zweite Privileg erbat. Urban II. verlieh damals dem Grafen die Erbvogtei, die aber an die Wahl durch Abt und Konvent gebunden bleiben sollte. In der Urkunde vom Jahre 1102 erneuerter Papst Paschalis II. die päpstlichen Privilegien des Klosters.
In den Quellen wird die Oppositionsstellung Graf Ludwigs gegenüber HEINRICH IV. ungefähr seit Mitte der 80-er Jahre an seinen persönlichen Beziehungen zu verschiedenen antikaiserlichen Reformern erkennbar. Als direktes Zeugnis für seine politische Einstellung kann seine Korrespondenz mit Walram von Naumburg, in der Herrand die Haltung des Grafen und auch das eigene Anliegen publizistisch vertrat, gelten. Aufgrund solcher Indizien wird man Ludwig für einen Repräsentanten des thüringisch-ostsächsischen Adels ansehen dürfen, der aber besonders engagierte Anhänger der reformkirchlichen Partei im nordöstlichen Deutschland hervortrat. Er war der Hirsauer Reformzentrale verbunden und unterstützte den Reformkreis Herrands in O-Sachsen. Zu Herrand scheint überhaupt eine persönlich geprägte Verbindung bestanden zu haben. Herrand beriet Ludwig bei seiner Klostergründung und beschloß sein Leben in Reinhardsbrunn, wo er im Oktober 1102 starb und von Erzbischof Ruthard von Mainz bestattet wurde. Im Einvernehmen mit dem Grafen betätigte sich der Bischof als Publizist gegen HEINRICH IV.; sein an Walram von Naumburg gerichtetes Schreiben entstand vermutlich sogar in Reinhardsbrunn, während Ludwig gemeinsam mit seinem Schwager, Markgraf Udo, für Herrand Zeugendienste leistete.
Ähnlich anderen Vertretern des hohen sächsischen Adels hatte auch Graf Ludwig die Herrschaft des jungen HEINRICHS V. zunächst gestützt und war, als dieser nach dem Tode seines Vaters die Herrschaftsgewalt vollständig in seine Verfügung gebracht, im Reichsdienst für das Königtum HEINRICHS V. eingetreten. Besonders in den Jahren 1107 und 1108 lassen sich verschiedentlich Aufenthalte Ludwigs am königlichen Hof feststellen. 1108 nahm er am Feldzug des Königs gegen die Ungarn teil. Die Entfremdung zwischen HEINRICH V. und dem sächsischen Adel machte dann auch Ludwig zu einem erbitterten Gegner des Kaisers. Dabei gehörte der Graf zu denjenigen, die seine Feindschaft am härtesten zu spüren bekamen. So starb sein Sohn Hermann in kaiserlichem Gewahrsam auf der Burg Hammerstein, und Ludwig selbst wurde fast drei Jahre von HEINRICH V. gefangen gehalten.
Schon recht früh finden sich in den Quellen Hinweise auf die gegen HEINRICH V. gerichtete Tätigkeit des Grafen, der zu den Initiatoren der sächsischen Fürstenkoalition vom Jahr 1112/13 zählte. Bereits in seinem Schreiben vom Dezember 1112, in dem er die Gefangennahme Erzbischof Adalberts von Mainz rechtfertigte, führte der Kaiser an, dass dieser Ludwig und Wiprecht von Groitzsch zur Empörung gegen ihn veranlaßt habe. Mit Wiprecht und dem rheinischen Pfalzgrafen Siegfried aus dem Geschlecht der Grafen von Ballenstedt traf Ludwig bald darauf im März 1113 zu einer Unterredung zusammen, deren konspirativer Charakter offensichtlich ist. Bei dieser Zusammenkunft entging er nur knapp der Gefangennahme durch Hoyer von Mansfeld. Jedoch zwangen ihn die Verhältnisse, sich noch im August des gleichen Jahres in Dortmund dem Kaiser auszuliefern. Ludwig blieb einige Zeit Gefangener HEINRICHS V. Gegen die Abtretung der Wartburg wurde er freigelassen, aber bald danach anläßlich der Hochzeitsfeierlichkeiten des Kaisers im Januar 1114 erneut festgenommen. Erst im September 1116 erlangte Ludwig die Freiheit wieder, mußte jedoch 8 Geiseln stellen. Ob sich Graf Ludwig darauf von neuem den aufständischen sächsischen Fürsten angeschlossen hat, läßt sich mit Sicherheit nicht erkennen. Zwar berichtet das Chronicon Gozecnse, er habe nun gemeinsam mit seinen Söhnen gegen den Kaiser gekämpft, jedoch ist die Nachricht zu allgemein gehalten, als dass man ihr konkrete Anhaltspunkte entnehmen könnte. Es haben allerdings in diesen Jahren noch Kämpfe auf sächsischem Boden stattgefunden.Erst 1121 söhnte sich HEINRICH V. mit den sächsischen Fürsten auf dem Reichstag von Würzburg aus. Wahrscheinlich hat Ludwig damals die thüringische Burg Eckartsberga als Reichslehen erhalten.
Diese beiden politischen Hauptorientierungen, von denen sich Graf Ludwig in den ersten zwei Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts leiten ließ, führten ihn zunächst an die Seite des jungen Königs und machten ihn später zu dessen erbittertem Gegner. Sein Verhalten zeigt darin Übereinstimmung mit dem politischen Handeln des überwiegenden Teils der führenden Schicht des ostsächsischen Adels. Nachdem König HEINRICH im Spätjahr 1104 von seinem Vater abgefallen war, ließen die ostsächsischen Fürsten bald darauf ihre Bereitschaft erkennen, mit dem Rebellen, der sich nach Bayern gewandt hatte, in Verbindung zu treten, indem sie an ihn die Aufforderung richteten, nach Sachsen zu kommen. An der Kontaktaufnahme zu dem aufständischen Kaisersohn scheint Ludwig persönlichen Anteil gehabt zu haben. Wenn auch das darüber unterrichtende brieflich überlieferte Quellenzeugnis, das diese Schlußfolgerung nahelegt, wegen unterschiedlichen Namensangaben keine letzten Zweifel ausschließende Gewißheit vermitteln kann, so ist doch durch andere Quellen die Stellung Ludwigs in den Anfangsjahren HEINRICHS V. klar umrissen. Ähnlich anderen sächsischen Großen, wie den Grafen Hermann I. von Winzenburg oder Wiprecht von Groitzsch, unterhielt Ludwig gute Beziehungen zum Hof und bestätigte sich auch im Königsdienst. Genügend Hinweise geben Auskunft, dass er zuvor in scharfem Gegensatz und strikter Ablehnung zum salischen Königtum gestanden hatte. Reinhardsbrunn, die Stiftung Ludwigs, darf als antikaiserliches, geistiges Oppositionszentrum und Treffpunkt verschiedener Kaisergegner aus dem Lager der reformkirchlichen Partei angesehen werden, wie sie an diesem Ort durch Repräsentanten der kirchlichen Widerstandsbewegung wie Herrand von Halberstadt, Abt Giselbert und später auch in Erzbischof Ruthard von Mainz sichtbar werden. Gerade in den ersten Jahren des 12. Jahrhunderts lassen sich Verbindungen Ludwigs zu dem fern von Mainz residierenden und in seiner Amtsgewalt auf den thüringisch-ostsächsischen Teil seiner Diözese beschränkten Erzbischof feststellen. Ludwig nahm an dem Adelstreffen von Lippoldsberg teil, dessen Initiator Ruthard gewesen sein dürfte und findet sich auch als Urkundenzeuge des Erzbischofs in den Jahren 1103 und 1104.
Über die Parteinahme des 1075 vermutlich noch sehr jungen Ludwig lassen sich höchstens Spekulationen anstellen. Anläßlich zweier Gelegenheiten erwähnt Brun einen sonst nicht näher gekennzeichneten Ludwig, der allerdings durch diese Quelle als Anhänger HEINRICHS IV. ausgewiesen wird. So hatte er um die Mitte der 70-er Jahre die Witwe des Herzogs Ordulf von Sachsen, Gertrud, in seine Gewalt gebracht, die er HEINRICH IV. auslieferte. Nach seiner Niederlage bei Flarchheim 1080 wurde der König von einem Ludwig, der mit dem zuvor erwähnten personengleich sein dürfte, auf verborgenen Nebenwegen über den Thüringer Wald geführt. Bei der wenig genauen Beschreibung dieser Person müßte ihre Identifizierung mit dem Grafen Ludwig allerdings reine Vermutung bleiben; sie würde außerdem einen später erfolgten Parteiwechsel des Grafen voraussetzen, dessen Motive keine durch Quellenaussagen begründete Erklärung finden könnten. Denn es unbestreitbar, dass Ludwig von der Zeit an, in der über ihn annähernd gesicherte Nachrichten vorliegen, als entschiedener Gegner HEINRICHS IV. in Erscheinung tritt. Natürlich ist es nicht unmöglich, dass es sich bei dem Fluchthelfer des Königs im Jahre 1080 auch um den Vater des Grafen, Ludwig dem Bärtigen, gehandelt haben könnte.
Die reichsfürstliche Geltung Ludwigs wird in den Anfangsjahren HEINRICHS V. deutlich. Das Königtum ging aus dem Investiturstreit geschwächt. Graf Ludwig gehörte zu den Fürsten, die in dieser Zeit ihre Stellung zeitweilig im Bündnis mit dem Königtum, zeitweilig im Kampf gegen dieses, behaupteten und ausbauten. Gerade durch die Parteinahme gegen HEINRICH V. von 1112 an auf der Seite des sächsischen Hochadels, in dessen Kreis Ludwig durch den raschen Aufstieg seines Geschlechts, wohl nicht zuletzt durch seine Heirat mit der Witwe Friedrichs III. von Goseck, Adelheid, aus dem Geschlecht der Grafen von Stade, Aufnahme gefunden hatte, konnte er die einmal errungene Position ausweiten. Als LOTHAR III. im Jahre 1131 den Sohn Ludwigs des Springers, Ludwig I., zum Landgrafen von Thüringen erhob, wurde dem Rang, den das Geschlecht der LUDOWINGER unter den thüringisch-sächsischen Großen inzwischen einnahm, auch äußerlich sichtbarer Ausdruck verliehen.