Hermann I.                                      Landgraf von Thüringen (1190-1217)
--------------                                      Pfalzgraf von Sachsen
um 1155-25.4.1217
              Gotha

Begraben: Katharinenkloster zu Eisenach
 

Jüngster Sohn des Landgrafen Ludwig II. der Eiserne von Thüringen aus dem Hause der LUDOWINGERund der Judith von Schwaben, Tochter von Herzog Friedrich II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 2162
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Hermann I., Landgraf von Thüringen
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* um 1155, + 25. April 1217 (in geistiger Umnachtung)
                    Gotha

Eltern:
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Landgraf Ludwig II. von Thüringen und Jutta, Tochter Herzog Friedrichs II. von Schwaben
Vater von HEINRICH RASPE

Im Schatten des regierenden Bruders Ludwig III. stehend, mit dem zusammen er als Anhänger FRIEDRICH BARBAROSSAS 1180 in die anderthalbjährige Gefangenschaft Heinrichs des Löwen geriet, wurde er 1181 mit der Pfalzgrafschaft Sachsen belehnt. Als sein Bruder 1190 ohne Erben starb, konnte er sich gegen die Absicht Kaiser HEINRICHS VI., die Landgrafschaft als erledigtes Lehen einzuziehen, als Nachfolger behaupten. Im deutschen Thronstreit wechselte Hermann I. in bedenkenloser Verfolgung seiner territorialen Interessen dreimal nacheinander zu OTTO IV. über, um schließlich an der Königswahl FRIEDRICHS II. 1211 mitzuwirken. Er ließ die Wartburg über Eisenach ausbauen und machte sie zu einem Mittelpunkt der höfischen Dichtung (historisch nicht faßbare literarische Überlieferung des "Sängerkrieges").

Literatur:
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ADB XII, s.v. - NDB VIII, 642 - Patze-Schlesinger, II, 1, 29-32; II, 2, 207ff.


Neue Deutsche Biographie: Band 8
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HERMANN I., Landgraf von Thüringen, Pfalzgraf von Sachsen
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* um 1155, + 25.4.1217
                   Gotha

Aus dem Geschlecht der LUDOWINGER.
Vater: Landgraf Ludwig II. von Thüringen (+ 1172)
Mutter: Jutta (+ 1191), Tochter des Herzogs Friedrich II. von Schwaben
Oheim: Kaiser FRIEDRICH I. (+ 1190), Vater Kaiser HEINRICHS VI. (+ 1197)

   um 1181
  1. oo Sophia, Tochter des Pfalzgrafen Friedrich von Sommerschenburg
                  -   1189/90

   um 1196
  2. oo Sophia, Tochter des Herzogs Otto I. von Bayern
                   -   1238

2 Töchter aus 1. Ehe:
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Jutta [1. oo Markgraf Dietrich von Meißen, + 1221, s. NDB III; 2. oo  Graf Poppo XIII. von Henneberg, + 1245]
Hedwig oo Graf Albrecht von Orlamünde, + 1227, s. ADB

4 Söhne und 2 Töchter aus 2. Ehe:
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u.a. Ludwig IV. von Thüringen (+ 1227)
HEINRICH RASPE (+ 1247) Gegen-König (s. NDB VIII)
Konrad (+ 1240), Hochmeister des Deutschen Ordens
Irmgard oo Fürst Heinrich I. von Anhalt, + 1251/52 s. ADB XI.
Agnes [1. oo Herzog Heinrich von Österreich, + 1228, 2. oo Herzog Albrecht I. von Sachsen, + 1261, s. NDB I]

Die Persönlichkeit Hermanns, dessen Jugend und Bildungsgang im Dunkel bleiben, tritt erstmalig zusammen mit seinem Bruder, dem Landgrafen Ludwig III., 1179 in den staufisch-welfischen Auseinandersetzungen politisch in Erscheinung. Ihre Parteinahme für FRIEDRICH BARBAROSSA büßten die beiden LUDOWINGER in welfischer Gefangenschaft, nach erfolgter Befreiung eröffneten sich ihnen mit dem Reichstag zu Erfurt 1181 um so günstigere Aussichten, als Ludwig wieder als Landgraf über den thüringischen und hessischen Besitz herrschte, Hermann mit der Pfalzgrafschaft Sachsen belehnt wurde. Mit dem Tode Ludwigs III. 1190, der keine männlichen Erben hinterließ, vereinte Hermann die landgräfliche und die pfalzgräfliche Gewalt und verfügte damit über die bedeutendste Territorialmacht im mitteldeutschen Raum, geriet aber in Gegensatz zur Reichsgewalt, die hier eine Erweiterung ihres Besitzes anstrebte. Der Versuch HEINRICHS VI., die Lehen der LUDOWINGER als erledigt einzuziehen, scheiterte zwar, doch mußte Hermann gewissen Gebietsabtretungen an das Reich zustimmen. So blieb sein Verhältnis zu HEINRICH VI. trotz aller Verständigung gespannt, das dann nach dem Tode des Kaisers 1197 zu seiner offenen Parteinahme für OTTO VON BRAUNSCHWEIG führte und Hermann den ersten territorialen Gewinn auf Kosten des Reiches einbrachte. Der Besitz der königlichen Städte Mühlhausen, Nordhausen und Saalfeld blieb dabei immer oberstes Ziel der landgräflichen Politik. Hermannkonnte sich ebensowenig wie seine Vorgänger infolge der Lage seines Territoriums einer Stellungnahme im staufisch-welfischen Gegensatz entziehen. Auf Grund seiner Stellung auch zu einem einflußreichen Parteigänger im Thronstreit geworden, vermochte er doch nicht durch ständiges Wechseln der Parteien seine eigenen politischen Absichten durchzusetzen. Hermann verlor nicht nur seinen anfangs erzielten territorialen Gewinn, die Verwüstungen Thüringens durch die ständigen Kriege ließen auch die im Lande ansässigen Grafen zu seinen Gegnern werden. Bei seinem Tode hatte er weder eine Vergrößerung seines Territoriums noch eine Stärkung der landgräflichen Gewalt erreicht. Die Wartburg, die Hermann ihren ersten Ausbau verdankt, wurde zu einem Zentrum höfischer Dichtung und zu einer Stätte ritterlich-weltfrohen Lebens. In seiner Umgebung sind Heinrich von Veldeke, Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide zu finden. Albrecht von Halberstadt und Herbert von Fritzlar haben in seinem Auftrag gedichtet. In der mittelhochdeutschen Dichtung vom Wartburgkrieg werden Hermann und der Dichterkreis seines Hofes literarisch verewigt. Es bleibt aber ungewiß, ob diesem sagenhaften Sängerwettstreit ein historisches Ereignis zugrunde liegt. Richard Wagner hat in dem Musikdrama "Tannhäuser und der Sängerkrieg" (1845) die Sage vom Wartburgkrieg mit der Tannhäusersage verbunden und die Welt um Hermann zu neuem Leben erweckt.

Literatur:
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ADB XII; E. Kirmse, Die Reichspol. H.s I., Landgf. v. Thüringen u. Pfalzgf v. Sachsen (1190-1217), in: Zs. f. thür. Gesch. NF 19, 1909, Seite 317-348, NF 20, 1911, S. 1-42; H. Eberhardt u. U. Heß, Die Wartburg, Qu. z. ihrer 900j. Gesch. im Staatsarchiv Weimar, in: Archivmitt. 17, 1967, S. 190-198; J. Mendels u. L. Spuler, Landgf. H. v. Th. u. s. Dichterschule, in: DtVjschr. 33, 1959, S. 361-388; H. Patze, Die Entstehung d. Landesherrschaft in Thüringen I, 1962; F. Meß, Heinrich v. Ofterdingen, Wartburgkrieg u. verwandte Dichtungen, 1963.



Brandenburg Erich: Tafel 13 Seite 27
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"Die Nachkommen Karls des Großen."

XIV. 263. HERMANN I., Landgraf von Thüringen 1190
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* ca.1160, + 1217 25.IV.

Gemahlinnen:
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a) ca. 1182
SOPHIE VON ...
        + 1189/90

b) 1196
SOPHIE, Tochter des Herzogs Otto I. von Bayern (siehe  XIV. 719.)
         + 1238 10.VII.



Schwennicke Detlev: Tafel 145
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

HERMANN I.
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* 1155, + 25.IV. 1217 in geistiger Umnachtung
              Burg Friedenstein bei Gotha

Begraben: Eisenach Katharinenkloster

1181 Pfalzgraf von SACHSEN
1190 Landgraf von THÜRINGEN

  I. oo SOPHIE "DE AUSTRIA"
                    + 1189

Begraben: Reinhardsbbrunn

Witwe von Heinrich Graf von Wettin

  II. oo SOPHIE VON WITTELSBACH
                     + 10.VII.1238

Begraben:  Eisenach Katharinenkloster

Tochter von Otto I. Herzog von Bayern



Thiele, Andreas: Tafel 179
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

HERMANN I.
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* um 1155, + 1217

Sohn des Landgrafen Ludwig II. von Thüringen-Hessen

Hermann unterstützte seinen Bruder Ludwig III. gegen Heinrich den Löwen und geriet am 14.5.1180 gemeinsam mit seinem Bruder in der Schlacht bei Weißensee in dessen Gefangenschaft. Er nahm danach am Reichskrieg gegen Heinrich den Löwen teil, wurde 1181 durch seinen Bruder Pfalzgraf von Sachsen, erhielt Gudensberg, nahm mit dem Bruder am 3. Kreuzzug teil und war 1190 an der Gründung des Deutschen Ritterordens vor Akkon beteiligt. Er widersetzte sich nach dem Tode seines Bruders 1190-1191 allen Versuchen Kaiser HEINRICHS VI., Thüringen als dem Reich heimgefallen einzuziehen und folgte als Landgraf von Thüringen. Er nahm 1192-1193 an der Reichsrebellion gegen HEINRICH VI. teil, unterstützte danach dessen Erbreichpläne und hielt sich 1196-1198 in Sizilien und Palästina auf. Er stand 1198 im deutschen Thronkrieg zuerst auf welfischer Seite, wählte OTTO IV. VON BRAUNSCHWEIG mit und wechselte in der Folgezeit mehrmals die Fronten und vermehrte durch Schenkungen von beiden Seiten dadurch den Besitz seines Hauses beträchtlich. Er nutzte mit Böhmen den deutschen Thronkrieg am schamlosesten aus und machte durch seine schwankende Haltung Thüringen zum Kriegsschauplatz, das wiederholt verwüstet wurde. In mehreren Fehden unterstützte er Dietrich den Bedrängten gegen seinen Bruder Albrecht. Er baute die Wartburg aus und machte sie zum Mittelpunkt des höfischen Lebens und Rittertums (1207 sogenannter "Sängerkrieg") und stritt besonders mit den Erzbischöfen von Mainz um die Vormacht in Thüringen-Hessen, besonders um Eichsfeld, Erfurt und Amöneburg und behauptete eine landgräfliche Vormachtstellung. Er gehörte zu den Fürsten, die auf Empfehlung Innocenz' III., im September 1211 den jungen STAUFER FRIEDRICH II. zum König wählten. Er erwarb unter anderem Mühlhausen, Soden-Allendorf, Saalfeld, Homberg/Efze, Nordhausen und Spangenberg und baute den Naumbuger Dom aus.

  1. oo um 1182
          SOFIE VON SOMMERSCHENBURG
                    +

Tochter und Erbin des Pfalzgrafen Friedrich II. von Sachsen, Witwe des Grafen Heinrich I. von Wettin

  2. oo 1196
          SOFIE VON BAYERN
                   + 1238

Tochter des Herzogs Otto I. von Bayern



    1181
  1. oo 2. Sophie von Sommerschenburg, Tochter des Pfalzgrafen Friedrich
                       -   1189/90

        1. oo Heinrich I. Graf von Wettin
                       -30.8.1181

    1196
  2. oo Sophie von Bayern, Tochter des Herzogs Otto I.
          1171-10.7.1238
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Jutta
  um 1182-6.8.1235

    1194
  1. oo Dietrich III. Markgraf von Meißen
           um 1164-17.2.1221

   3.1.1223
  2. oo Poppo VII. Graf von Henneberg
                   -21.3.1245

  Hedwig
          -   1247

 1211
  oo Albrecht II. Graf von Weimar-Orlamünde
             -

2. Ehe

  Ludwig IV.
  28.10.1200-11.9.1227

  HEINRICH RASPE
  1201-16.2.1247

  Konrad Hochmeister des Deutschen Ritterordens
  um 1206/07-24.7.1240

  Hermann
  1202-31.12.1216

  Irmgard
  um 1196- um 1244

 1211
  oo Heinrich I. Graf von Anhalt
              -   1252

  Agnes
  um 1205- vor 1247

 29.11.1225
  1. oo Heinrich der Gottlose Prinz von Babenberg
          1208-29.11.1228

    1229
  2. oo 2. Albrecht I. Herzog von Sachsen
                      -8.11.1261
 
 
 
 

Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 13 Seite 27 - Chronik von St. Peter zu Erfurt - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 84,112,113,169,172,176 - Csendes Peter: Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht. Primus Verlag 2003 Seite 25,39,52,77,85, 87,91,94,106,119,130,137,141,143,147,162,179,185,188,193,197 - DEUTSCHE FÜRSTEN DES MITTELALTERS. Fünfundzwanzig Lebensbilder. Edition Leipzig 1995 Seite 34,43,182,276-291 - Hucker Bernd Ulrich: Otto IV. Der wiederentdeckte Kaiser. insel taschenbuch 2557 2003 - Patze, Hans: Die Entstehung der Landesherrschaft Thüringen, Böhlau Verlag Köln/Graz 1962 Seite 245-247,249-262 - Patze, Hans/Schlesinger, Walter: Geschichte Thüringens, Böhlau Verlag Köln/Graz 1967 Seite 29-32 - Pätzold Stefan: Die frühen Wettiner. Adelsfamilie und Hausüberlieferung bis 1221, Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1997, Seite 57-59,62,68,70-72,75,78,103,148,252,288,293,322,329 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 237,239,241,246 - Schwarz, Hilmar: Die Ludowinger Aufstieg und Fall des ersten thüringischen Landgrafengeschlechts, Wartburg-Stiftung 1993 Seite 45-56 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 145 - Stürner, Wolfgang: Friedrich II. Teil 1: Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194-1220, Primus-Verlag Darmstadt 1997, Seite 130,152,218 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 179 - Toeche, Theodor: Kaiser Heinrich VI. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1965, Seite 166,237,238,245,279,282,295,389,390,393,414,415,441,442,443 - Wies, Ernst W.: Friedrich II. von Hohenstaufen. Messias oder Antichrist, Bechtle Esslingen 1998, Seite 28,42,66,71, 136 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 1. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 7,60,63,132,133, 134,140,142,146,149,152,181,202,238,255,266,267,268,270,275,283,284,286,287-292,294,295,301, 314,326-328,365,392,398,425,444,462,471,500,518 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 101,102,104,109,112,123,147,148,151,157,251,269-276,279,281,300, 305-309,333,347,348,356,389,444-446,500,501 -