Mohr Walter: Band I Seite 82-88/Band II Seite 21-47
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"Geschichte des Herzogtums Lothringen"

Gottfried war Mit-Herzog seines Vaters und nahm 1037 an der Schlacht bei Bar gegen den Grafen Odo von der Champagne teil.
Lothringen ist also ungeteilt geblieben. In diesem Zustand der Regelung eines Mit-Herzogs ist zu einem unbekannten Zeitpunkt eine Änderung eingetreten, die wir erst aus den Berichten über den Tod Gozelos im April 1044 erkennen können. Irgendwie hatte HEINRICH III. seine Meinung über Gottfried geändert und begünstigte jetzt dessen Bruder Gozelo, obwohl dieser zur Übernahme des Amtes kaum befähigt war. Ungewiß ist nur, in welchem Maße dieser Gozelo II. bevorzugt wurde, nämlich ob er das ganze Herzogtum Lothringen erhielt oder lediglich einen Teil, in dem man Nieder-Lothringen erblicken wollte. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass HEINRICH III. ganz Lothringen an Gozelo II. übertragen wollte, was noch durch die nachfolgenden Ereignisse erhärtet wird.
Gottfried hat sich, nach dem Bericht der Altaicher Annalen, dem Willen des Königs nicht fügen wollen, der ihm den von ihm verlangten Primat nicht übergeben wollte, wobei mit Primat offensichtlich die Herrschaft im ganzen Herzogtum Lothringen gemeint war. Wahrscheinlich faßte der König nach dem Tode Gozelos I. Ober- und Nieder-Lothringen wieder als die alte Einheit des lothringischen Herzogtums auf, über die er zu verfügen habe, während Gottfried seinerseits Anrecht aus seiner Stellung als Mit-Herzog seines Vaters im ganzen Herzogtum geltend machte. HEINRICH III. kam zum Entschluß eines Kompromisses in einer neuerlichen Teilung Lothringens zwischen Gottfried und Gozelo II.
Gottfried hat versucht, diese Entscheidung des Königs rückgängig zu machen. Er hat durch Bevollmächtigte und durch seine Freunde am Hofe weitere Verhandlungen führen lassen. Offensichtlich war der König sofort nach seiner Entscheidung zum Zug nach Ungarn aufgebrochen, so dass Gottfried die Verhandlungen nicht persönlich führen konnte. Er ließ alle möglichen Zusicherungen geben, wenn ihm nur beide Herzogtümer überlassen würden. Die neuerliche Entscheidung des Königs lautete dahin, Gottfried habe von seinen ursprünglichen Forderungen abzusehen und die Herrschaft mit seinem Bruder zu teilen. Gottfried wurde anscheinend von verschiedenen Seiten bearbeitet, sich der Entscheidung des Königs zu fügen, doch entschloß er sich zum bewaffneten Widerstand. Zu diesem Zwecke ging er ein Bündnis ein mit König Heinrich I. von Frankreich. Die Situation war dafür beim französischen König günstig, der wohl an eine Wiederaufnahme der Ansprüche auf Lothringen gedacht hat. Gottfried hat ihm wahrscheinlich die Huldigung für ganz Lothringen angeboten. Er hat außerdem seine Vasallen durch einen Eid gebunden, ihm für Jahre lang gegen jeden zu Hilfe zu ziehen. HEINRICH III. erfuhr von diesen Umtrieben und lud ihn vor einen Hoftag im September 1044 nach Aachen. Gottfried ist dort erschienen offensichtlich im Bewußtsein, dass ihm auf Grund seiner ehemaligen Erhebung zum Mit-Herzog ein Recht auf ganz Lothringen zustehe. Vermutlich glaubte er dabei, der König wisse von seinen Verhandlungen mit dem französischen König noch nichts.
Indessen entwickelte sich der Hoftag zum Gerichtstag über ihn. Nachdem die Tatsächlichkeit seiner hochverräterischen Beziehungen der Versammlung offen zutage lag, kamen die ihm in der Würde Gleichgestellten zu dem Urteil, er sei aller königlichen Benefizien für verlustig. Auffallend ist die Tatsache, dass Gottfried in Freiheit belassen wurde und Aachen wieder verlassen konnte [593 Jaerschkerski, Godfried 17 behauptet unter Berufung auf Ann. Altah. 1044, Gottfried sei zunächst gefangen gesetzt worden und habe nur gegen Gestellung seines Sohnes als Geisel die Freiheit wieder erhalten. Das ist indes eine Verwechslung mit Ann. Parchienses, die, dem Text Sigeberts folgend, hier einige spätere Ereignisse zum Jahre 1044 berichten. Dupreel, Godefroid 26 Anm. 5. Diesen Irrtum ist auch Glaesener, Rev. Hist. Eccl. 40,152 verfallen.].
Wir müssen in der Folgezeit davon ausgehen, dass Gozelo II. Herzog von ganz Lothringen gewesen ist. Gottfried seinerseits begann jetzt einen rücksichtslosen Kampf gegen alle Anhänger des Königs. Dieser zog Ende des Jahres 1044 gegen ihn aus. Die Aktion geschah anscheinend im Raum der unteren Nahe [595 Hermann von Reichenau, Chron. 1044, berichtet, der Kaiser habe Gottfrieds Burg Beggelinheim genommen, was man mit Böckelheim übersetzen wollte. Bestritten durch Dupreel, Godefrois 20f. Vgl. Glaesener, Rev. Hist. Eccl. 40,153.]. Es konnte nichts entscheidendes ausgerichtet werden. Der König hat nach kurzer Zeit die Operationen eingestellt. Wodurch eigentlich Gottfried schließlich zur Unterwerfung gebracht wurde, läßt sich nicht deutlich erkennen. Es sind in den Berichten aus späterer Zeit Andeutungen erhalten, einige Geistliche hätten durch ihre Ermahnungen ihn zur Einkehr gebracht, doch scheint auch seine Lage so schlecht geworden zu sein, dass ihm nichts anderes mehr übrig blieb. Auf letzteres deutet auch der Ausgang dieser Unterwerfung im Juli 1045, bei der er nicht die königliche Gnade erfuhr, sondern in Haft gesetzt wurde [598 Hermann von Reichenau, Chron. 1045; Lambert von Hersfeld, Ann. 1045.].
Nicht als Folge des angeblichen Todes Gozelos II. hat HEINRICH III. auf einem Hoftage in Aachen am 18. Mai 1046 eine Neuordnung des lothringischen Gebietes vorgenommen, sondern weil ihn die Unfähigkeit Gozelos dazu zwang. Der unmittelbare Anlaß dazu kann auch noch darin gelegen haben, dass Graf Dietrich IV. von Holland sich in dieser Zeit Reichsgebiet aneignete [603 Es ist nicht sicher, ob es sich dabei um die Grafschaft Drenthe gehandelt hat. Steindorff, Jbb I, 293f. Hermann von Reichenau, Chron. 1046 deutet eher auf ein Gebiet in der Nähe von Vlaardingen.]. Der König mag es angesichts solcher Ereignisse für nötig erachtet haben, in Lothringen kräftigere Persönlichkeiten als Gegengewicht zu besitzen. So kam es, dass Gottfried aus der Haft entlassen wurde und das Herzogtum Ober-Lothringen übertragen erhielt [604 Deutlich charaktersiert in Ann. Altah. 1046: Gottefrido duci gratiam suae reconcilliationis dedit ac ducatium unum, cui patre vivente dominabatur. Die Aussage von Hermann von Reichenau, Chron. 1046, Gottfried habe sein Herzogtum zurückerhalten, darf nicht zu sehr gepreßt werden, etwa als habe er zuvor bereits Ober-Lothringen besessen. Hermann schreibt ja auch anschließend, Friedrich sei an Stelle Gozelos zum Herzog der Lothringer eingesetzt worden, was streng genommen, das ganze Lothringen bedeuten würde.]. Nach einer späteren Überlieferung soll er genötigt gewesen sein, dafür seinen Sohn als Geisel zu stellen [605 Sigebert, Chron. 1045. Seine Überlieferung, aus der er schöpfte, ist nicht bekannt. Übrigens sind zeitlich weit auseinanderliegende Ereignisse hier in einem Satz zusammengefaßt. Auch sagt er nichts von einer Übertragung Ober-Lothringens an Gottfried, worin er übrigens mit Lambert von Hersfeld, Ann. 1046 übereinstimmt, der auch nichts von einer Geiselstellung sagt.]. In Nieder-Lothringen wurde Graf Friedrich von Luxemburg wohl auch im Sinne einer Gegenwirkung gegen Gottfried, zumal Friedrichs Oheim Dietrich Bischof von Metz war, als Herzog eingesetzt [606 Vgl. Steindorff, Jbb I, 295.].
Während HEINRICH III. zur Kaiserkrönung in Italien weilte, entschloß sich Gottfried, wieder Anspruch auf ganz Lothringen zu erheben. Er fand dazu Verbündete im Grafen Dietrich IV. von Holland, der sich nicht mit seinem Mißerfolg kurz zuvor abfinden wollte, und im Grafen Balduin V. von Flandern.
Der Kaiser war über diese neue Entwicklung noch nicht unterrichtet, als er aus Italien zurückkehrte. Die Feindseligkeiten wurden im Juli 1047 durch den Grafen Dietrich begonnen und überraschten ihn. Der Angriff richtete sich gegen das Bistum Utrecht. Gottfried scheint mit seinen Zurüstungen zum damaligen Zeitpunkt noch nicht fertig gewesen zu sein, er sandte mehrmals beruhigende Versicherungen an den kaiserlichen Hof . Der Kaiser erkannte die wirkliche Sachlage immer noch nicht, er wandte sich im September 1047 gegen den Grafen Dietrich. Nach anfänglichen geringen Erfolgen mußte das Unternehmen jedoch aufgegeben werden.
In diesem Zeitpunkt begannen Herzog Gottfried und Graf Balduin von Flandern den Krieg. Balduin hatte sich zuvor noch durch einen Gebietstausch das Wohlwollen des Grafen Hermann von Hennegau gesichert, dem er Valenciennes und die anschließende Grafschaft Chievres überließ. Der Angriff gegen den Kaiser führte bis zur kaiserlichen Pfalz Nimwegen, die zerstört wurde [618 Die Quellen bei Steindorff, Jbb II, 18.]. Gottfried hat sich anscheinend rasch ganz Nieder-Lothringens unterworfen. Dann wandte er sich gegen Verdun, um dessen Grafschaft er immer wieder gekämpft hatte. Die Stadt wurde bei dieser Aktion fast ganz zerstört, auch die Kathedrale fiel dem Brand zum Opfer. Allerdings hatte Gottfried die Vernichtung der Kirche nicht beabsichtigt, er hat deshalb versucht, durch Spenden diesen üblen Eindruck wieder auszugleichen. Bischof Dietrich von Verdun hat ihn damals als Graf von Verdun anerkennen müssen [621 Gottfrieds öffentliche Kirchenbuße wegen der Zerstörung der Kathedrale (Laurentii Gesta Epp. Vird., cap. 2) geschah erst zu Ende des Aufstandes, als er die Vermittlung des Bischofs von Verdun anrufen mußte. Dupreel, Godefroid 46 f. mit den entsprechenden Quellenbelegen in Abänderung Jaerschkerski, Godefroid 23 und Steindorff, Jbb II, 21. Dupreel stützt sich dabei auf eine Urkunde HEINRICHS IV. vom 14. Oktober 1062, MG DD H IV, Nr 92.].
Anschließend zog er gegen Lüttich. Dem dortigen Bischof Wazo gelang es trotz des Abfalls einiger seiner Vasallen, sich zu behaupten. Die Tatsache, dass es dann zu einem Vertrage zwischen ihm und Gottfried kam, läßt verschiedene Deutungen zu.
HEINRICH III. hat in Lothringen nicht eingegriffen. Er hat lediglich Gottfried das Herzogtum Ober-Lothringen entzogen und gab es an einen Adalbert, über dessen Person keine Klarheit herrscht.
Inzwischen war Adalbert, der neu ernannte Herzog von Ober-Lothringen, gegen Gottfrieds Besitzungen vorgegangen, wurde aber von diesem überrascht und fand im Kampf den Tod. Das Herzogtum Ober-Lothringen wurde noch im gleichen Jahre 1048 auf den Grafen Gerhard vom Elsaß übertragen. Er war mit vielen einflußreichen Familien im Elsaß und Lothringen verwandt, so dass er dem Kaiser als Gegenspieler Gottfried seine entsprechende Hilfe darstellen konnte. Die eigentlichen Aktionen begannen durch einen Angriff kaiserlicher Anhänger, wie der Bischöfe von Utrecht, Lüttich und Metz gegen den Grafen Dietrich von Holland, der in diesen Kämpfen fiel [632 Hermann von Reichenau, Chron. 1049, Jaerschkerski, Godfried 25 f. verlegt die entscheidende Schlacht mit den Ann. von Egmond nach Dordrecht, Steindorff, Jbb II, 66 mit Hermann von Reichenau in den Raum Vlaardingen.]. Darauf gelang es Gottfried, die Kaiserlichen wieder etwas aus Holland zu verdrängen, doch wurde er dann in einem Gefecht besiegt und konnte nur mit Not entkommen [633 Hermann von Reichenau, Chron. 1049, Jaerschkerski, Godfreid 26; Steindorff, Jbb II, 67.]. Die Entscheidung fiel durch die Exkommunikation, die Papst Leo IX., der an den kaiserlichen Hof gekommen war, über Gottfried und den Grafen Balduin von Flandern im Juli 1049 in Aachen aussprach, nachdem der Kaiser alle militärischen Vorbereitungen gegen die beiden getroffen hatte. Gottfried wollte es zu einer Auseinandersetzung mit der geistlichen Gewalt nicht kommen lassen und unterwarf sich [634
Hermann von Reichenau, Chron. 1049, Ann. Altah. 1049; Sigebert, Chron. 1049.]. Er wurde als Gefangener dem Erzbischof Eberhard von Trier zur Bewachung übergeben [635 Ann. Altah. 1049, Jaerschkerski, Godfried 26; Steindorff, Jbb II, 83 f. Graf Balduin hat den Kampf noch weiter geführt, die nach seiner Unterwerfung getroffenen Regelungen sind uns nicht bekannt.].
Man wird wohl annehmen dürfen, daß Gottfried auf der Synode von Aachen im Oktober 1049 die Huld des Kaisers und damit seine Freiheit zurückerhielt. Das wird nun erhärtet durch eine Schenkung einer Dame Bertha an die Kirche von Utrecht, in deren Datierung zum Jahre 1050 die Anwesenheit Gottfrieds erwähnt wird [145 Steindorff, Ernst, Jahrbücher des deutschen Reichs unter Heinrich III., Leipzig 1887, Band II, 107 Anm. 5; Dupreel, Godefr. le B. 60 Anm. 1 lehnt von der Formulierung Actum ... sub presentia Godefridi ducis, filii Gozelini ducis ... anno ab intercarnatione domini 1050, indictione 3, Iuna 19, regnante glorioso imperatore Heinrico, duce Godefrido die zweite Nennung Gottfrieds ab, sie sei durch Irrtum aus der vorhergehenden entstanden, an dieser Stelle müßte duce Friderico gelesen werden. Ernst, Limbourg II, 90f. möchte aus der Titulierung Gottfrieds und Friedrichs als Herzögen in einem Diplom HEINRICHS IV. vom Jahre 1064 auf eine Art Aufteilung Nieder-Lothringens zwischen beiden nach der Aussöhnung Gottfrieds mit dem Kaiser schließen. Die einfache Anwendung des Titel dux berechtigt dazu nicht. Der Titel kann unabhängig von der Funktuion aufgefaßt worden sein, womit er Gottfried bei der Aussöhnung wieder zugekommen wäre, eben ohne eine Funktion.].
Politisch gesehen, ist er allerdings jetzt in Lothringen ausgeschaltet, bleibt jedoch immer deutlich fühlbar im Hintergrund der lothringischen Entwicklung als der kommende Mann stehen.
Der Kaiser wandte sich indes nicht an Herzog Friedrich, sondern beauftragte Gottfried mit der Verteidigung gegen Balduin von Flandern, indem er gleichzeitig verfügte, ihm die Besitzungen, die er vom Erzbischof von Köln zu Lehen gehalten hatte, zurückzugeben. Wie diese Aktion verlief, ist uns nicht überliefert worden, jedenfalls blieben die Probleme im Hennegau weiter bestehen.
Zu Weihnachten 1051 finden wir Gottfried auf einem Hoftag in Goslar. Der Kaiser war gerade von seinem erfolglosen Zug gegen Ungarn zurückgekehrt. Anscheinend wollte er sich jetzt mit den Verhältnissen in Nieder-Lothringen befassen was die Anwesenheit Gottfrieds erklärt. Auf diesem Hoftag kam es zur Verurteilung  von Manichäern, die anscheinend von Gottfried ergriffen worden waren, und deren Hinrichtung nach ihrer Verurteilung ihm üertragen wurde.
Indessen hat er schon bald die Rolle wieder gewechselt und eine Politik eingeschlagen, die sich gegen den Kaiser richtete. Er begab sich nämlich nach Italien und heiratete dort Beatrix, die Witwe des Markgrafen Bonifaz von der Toscana.
Folgt man aber nun doch dem Text Lamperts, dann ergeben sich einige weitere Schwierigkeiten. Gottfried hätte also danach in Italien geweilt, als am 15. August 1051 der Kaiser ihn zum Verteidiger des Hennegaues bestimmte [163 Zur Datierung Steindorff, Jbb II, 154.]. Läßt sich demnach ein so früher Aufenthalt in Italien wohl kaum aufrecht erhalten, so ergibt sich anschließend an seine Anwesenheit in Goslar zu Weihnachten 1051 bis zu seiner Heirat mit Beatrix eine große Lücke ohne Nachrichten über ihn. Allerdings tritt auch hierbei wieder ein Unsicherheitsfaktor auf, denn diese Heirat, die von uns ins Jahr 1054 datiert wird, kann schon früher stattgefunden haben [166 Vgl. Steindorff, Jbb II, 272 Anm. 3.]. In dieser Hinsicht finden wir bei Laurentius von Lüttich die ziemlich präzise Angabe, Gottfried, der nach Italien gelangt sei, habe an der Beisetzung des Markgrafen Bonifaz teilgenommen und dann dessen Witwe geheiratet. Die zeitgenössischen Quellen lassen sich nur so deuten, daß Gottfried erst nach dem Tode des Markgrafen nach Italien gekommen sei.
Bonifaz' Witwe Beatrix hatte einen schweren Stand gegenüber der Reichsgewalt, als sie die Nachfolge in der Markgrafschaft Toscana erstrebte, da ihr verstorbener Gemahl nicht durchaus das Vertrauen des Kaisers besessen hatte. Sie schickte deshalb die Bischöfe Wido von Volterra und Arnald von Arezzo zu Verhandlungen nach Deutschland. Der Kaiser zeigte sich in der Hauptfrage unzugänglich, suchte aber durch freigebige Gewährungen auf Kosten der markgräflichen Gewalt an die beiden Bischöfe diese für seine Seite zu gewinnen. In dieser Lage hat sich wohl für Gottfried der entscheidende Anknüpfungspunkt gezeigt. Bei einem Einsatz für die Ansprüche von Beatrix und ihrer Kinder konnte er sich eine mächtige Stellung in Mittelitalien verschaffen. Die Markgräfin war ja mit ihm verwandt, er konnte damit rechnen, daß sie seine Hilfe annahmen werde. Um sich aber nun seinerseits Ansprüche in Mittelitalien zu verschaffen, mußte er den Weg der Eheschließung gehen. Für Beatrix konnten die gleichen Überlegungen zugunsten einer Verbindung mit ihm sprechen.
In diesem Zusammenhanmg ist es etwas merkwürdig, daß wir uns aus dem Juni des Jahres 1052 drei Urkunden Kaiser HEINRICHS III. besitzen, die für die Lombardei Gesetze erließen gegen Mord, gegen Heirat von Verwandten und gegen Mißachtung der kaiserlichen Autorität. Im allgemeinen sind ja solche Gesetze Reaktionen gegen bestimmte, eingetretene Übelstände gewesen. Von dieser Seite her ließen sie sich erklären als Maßnahmen der kaiserlichen Politik nach der Ermordung des Grafen Bonifaz, nach der Verheiratung von dessen Witwe mit ihrem Verwandten Gottfried und deren Mißachtung der oberlehnsherrlichen Gewalt des Kaisers, da sie ihre Heirat ohne dessen Zustimmung eingingen.
Daneben wäre vielleicht eine Notiz der Chronik des Hubertusklosters in den Ardennen zu beachten, in der es heißt, Gottfried habe kurz vor seinem Tode eine Verfügung zitiert, durch die seine Ehe mit Beatrix ehedem getrennt gewesen sei, wonach er zur Bereinigung dieser Schuld die Gründung eines Klosters gelobt habe [177 recensuit es ordine, videlicet ex edicto Alexandri papae separatum se esse a marchissa Beatrice, et pro eiusdem separationis conditione structurum se congregationem monachorum de communibus possessionibus utriusque deo devovisse, Chron. s. Hub. Andag. cap. 23. Der Text wird auf die angegebene Weise aufzutrennen sein. Die Erwähnung Alexanders ist als erklärender Zusatz zu dem Wort ordo zu sehen. Die im vorigen Text erwähnte päpstliche Bestätigung war vielleicht ein dem Autor vorliegendes Privileg Alexanders, ohne daß das in Wirklichkeit der Fall war. Vgl. Dupreel, Godefr. le B. 126 ff., der daran anknüpfend die These einer Ermorung Markgraf Bonifaz auf Veranlassung Gottfrieds aufstellt, um dessen Ehe mit Beatrix zu ermöglichen. Andererseits wurde dieses Gelöbnis in Verbindung gebracht mit Vorwürfen Petrus Damianis in Ep. VII, 10 gegen den Herzog wegen einer Unterredung mit dem Gegen-Papst Honorius II. Dieser rhetorisch aufgebaute Aufruf, sich schuldig zu bekennen, kann indes nicht Ansatzpunkt einer vom Papst ausgesprochenen Ehetrennung sein, wie das Jung, Rudolph, Herzog Gottfried der Bärtige unter Heinrich IV., Marburg 1884 Seite 62 ff; Meyer von Knonau, Gerold, Jahrbücher des deutschen Reichs unter Heinrich IV. und Heinrich V., Berlin 1890-1909, Ban I, 602 f glauben. Die These ist übrigens schon von Gfrörer, Papst Gregor II, 262f. aufgestellt worden. Zurückweisung dieser Kombinierung durch Dupreel, weil kein Verhältnis zwischen Schuld und Strafe bestehe und solche Delikte im allgemeinen mit anderen Strafen belegt werden.]. Bei der Trennung einer Ehe ist in erster Linie an zu nahe Verwandtschaft zu denken. Da ja Gottfried und Beatrix miteinander verwandt waren, ist also nicht ausgeschlossen, daß der Kaiser bei Papst Viktor II. aus diesem Grunde die Trennung ihrer Ehe betrieben hat, um dadurch Gottfrieds Wirken in Italien ein Ende zu setzen. Die nach dessen Worten von päpstlicher Seite tatsächlich ausgesprochene Ehetrennung kann nur von kurzer Dauer gewesen sein. Ihre Aufhebung ist wohl nicht mit dem Vorgehen des Kaisers gegen Gottfried und der anschließenden Aussöhnung zwischen ihnen verbunden, denn so etwas ist auch nicht andeutungsweise zu erkennen. Vielmehr läßt sich ein anderer Vorgang vermuten. Wir besitzen einen Brief von Petrus Damiani an Beatrix, in dem er von einer durch Gottfried und Beatrix gelobten Enthaltsamkeit in der Ehe spricht. Auf diesem Wege konnte natürlich ein Einwand wegen zu naher Verwandtschaft aufgehoben werden.
Die Altaicher Annalen berichten etwas genauer, Gottfried sei schon bald durch eine Volksverschwörung aus Italien vertrieben worden. Gottfried begab sich nach Nieder-Lothringen und verbündete sich wieder mit dem Grafen von Flandern.
Die Altaicher Annalen schreiben dazu, die Verschworenen hätten sich mit mehreren anderen abgesprochen, die zuvor öffentliche Feinde gewesen wären. Es ist nicht ausgeschlossen, daß unter den also Charakterisierten sich auch Gottfried befand. Somit könnte der Kaiser sich der Person Beatrix versichert haben, um ein Druckmittel gegen Gottfried zu besitzen.
Während der Abwesenheit des Kaisers in Italien hören wir endlich auch etwas von Herzog Friedrich von Nieder-Lothringen. Er trat aktiv an der Scheldegrenze auf und besetzte die Stadt Antwerpen. Inzwischen war Gottfried erschienen und zog nun mit Graf Balduin von Flandern und dessen gleichnamigem Sohn gegen Antwerpen aus. Der Angriff wurde zu Lande und auf der Schelde ausgeführt, doch erhielt Herzog Friedrich Unterstützung aus Lothringen, so daß die Belagerer ihre Aktion aufgeben mußten. Gottfried hat indes nicht auf seiten des Grafen Baduin ausgeharrt. Er dürfte sich noch im gleichen Jahre 1055 den aus Italien zurückkehrenden Kaiser unterworfen haben. Wir hören vorerst nichts von mehr von ihm, ob er sich damals auf die Burg Bouillon zurückgezogen hat, bleibt ungewiß. Nicht ganz gesichert ist es, daß er dann im Juni 1056 auf dem Hoftage, den der Kaiser in Trier abhielt, anwesend gewesen wäre. Die Urkunde, die neben den Herzögen Gerhard von Ober-Lothringen und Friedrich von Nieder-Lothringen nennt, ist eine allerdings auf einer echten Urkunde beruhenden Fälschung. Die Tatsache der Aussöhnung Gottfrieds mit dem Kaiser wird jedenfalls auch von Bonizo von Sutri bestätigt, lediglich verlegt er den Vorgang in die Zeit unmittelbar vor des Kaisers Tod. Bedeutsam erscheint es noch, daß Bonizo eigens betont, auch Beatrix und Mathilde seien Gottfried zurückgegeben worden, weil das so aussieht, als habe HEINRICH III. sich mit dessen Rolle in Italien abgefunden.
Es waren Große Lothringens, die die Regentschaft der Kaiserin Agnes stützen wollten, wobei vor allem die Erzbischöfe von Köln und Trier und Herzog Gottfried genannt werden, die in Andernach zu Besprechungen zusammenkamen. Einzelheiten sind uns dazu nicht überliefert, doch sehen wir Gottfried jetzt mitten in den Angelegenheiten des Reiches stehen.
Auch Gottfried war auf dem Hoftag in Köln anwesend, aber wohl kaum wird über seine Stellung verhandelt worden sein. Da er bei anderer Gelegenheit in einer Quelle als Patrizius der Stadt Rom, in einer weiteren als römischer Bannerträger bezeichnet wird, wurde angenommen, ihm sei in Köln die Statthalterschaft des Königs in Rom übertragen worden. Gottfried ist anschließend mit seiner Gemahlin und deren Tochter Mathilde zu Beginn des Jahres 1057 nach Italien gegangen, möglicherweise in Begleitung Papst Viktor II. Über seine Stellung herrscht nicht ganz Klarheit, aber faktisch beruhte jetzt auf ihm die Wahrung der dortigen Reichsinteressen.
Mit der Wahl seines Bruders Friedrich zum Papst eröffnete sich für ihn eine Erweiterung seiner Tätigkeit, wobei er gleichfalls eine bedeutende Vergrößerung seines Machtgebietes erhielt. In Mittelitalien hatten einige Gebiete unter unmittelbatrer Verwaltung des verstorbenen Papstes als Reichslehen gestanden, um ihm seine Arbeit als Statthalter der Reichsinteressen zu ermöglichen.  Sie wurden jetzt von Gottfried übernommen, er erhielt dadurch das Herzogtum Spoleto und die Markgrafschaft Camerino, einen Teil der Pentapolis und einen Streifen an der Adriaküste. Durch seinen Bruder, den neuen Papst, eröffnete sich ihm in Rom ein entsprechender Einfluß.
Als Hildebrand nun zurückkehrte, ging er nicht nach Rom, sondern nach Florenz zu Gottfried. Dort wurden die nötigen Gegenmaßnahmen beraten, und nach vorheriger Verständigung mit dem deutschen Hofe wurde Bischof Gerhard von Florenz zum neuen Papst erhoben. Gottfried hat ihn nach Rom geleitet, wo Gerhard sich durchsetzen konnte und als Nikolaus II. den päpstlichen Thron bestieg. Die Tatsache der vorherigen Befragung des deutschen Hofes deutet vielleicht darauf, daß Gottfried sich nach dem Tode seines Bruders etwas unsicher fühlte und anscheinend nicht allein auf die Reformpartei bauen wollte, ihm war offensichtlich am Rückhalt in Deutschland gelegen.
Aber dann fällt es auf, daß im Mai 1060 Gottfried nach Deutschland reiste, wo er eine längere Zeit verblieb [227 Über angebliche Pläne, Gottfried die Herrschaft über Italien und eventuell die Kaiserkrone zu verschaffen bei Leoni, Chron. mon. Casin. II, 97 vgl. Jung, Herzog Gottfried 32f.; Meyer von Knonau, Jbb I, 80f.; Davidsohn, Florenz I, 208; Dupreel, Godefr. le B. 81. Das ist wohl ausschließlich Gerüchtemacherei gewesen.].
In diesem Zeitpunkt müssen die Verschwörer um Erzbischof Anno von Köln mit ihren Planungen bereits zu Ende gekommen sein. Sie hielten sich von der Erhebung des Gegen-Papstes fern. Eigentlich wäre es Aufgabe Herzog Gottfrieds gewesen, diesen, vom deutschen Hof erhobenen Papst nach Rom zu bringen, er trat jedoch in der Papstfrage vorerst nicht in Erscheinung. Seine Gemahlin Beatrix hat bezeichnenderweise Honorius II. zunächst mit Erfolg den Weg nach Rom verwehrt.
Am Staatstreich des Erzbischofs Anno vom April 1062 hat Gottfried, der ja auf seiten Annos stand, persönlich nicht teilgenommen [249 Meyer von Knonau, Jbb I, 278. Die entgegenstehende Nachricht von Benzo, Ad Heinr. imp. II, 15, daß beide zusammen den jungen König entführt hätten, ist durch Benzos Gegnerschaft gegen Gottfried bedingt, dem auch diese Untat zugeschrieben werden sollte. Gfrörer, Papst Gregor II, 7 geht von einem Aufstand Gottfrieds in Deutschland aus, weil eine Urkunde in der Signierung von Gottfried in Verdun spricht, indes ist sie ohne Datierung, Lindner, Forschungen 6, 509 Anm. 1. Gfrörers Hinweis auf die Notiz des Iocundus über die Andernacher Zusammenkunft als Stütze für Benzo ergibt keienswegs einen Beweis für Gottfrieds Aufenthalt in Deutschland im Jahre 1062.]. Vermutlich war er schon vorher nach Italien gegangen, um dort alle, im Interesse der Verschworenen liegenden Vorbereitungen zu treffen [250 Wenn Gottfried Anfang Mai auf Grund eines Anfang April geschehenen Staatsstreiches in Deutschland vor Rom stand, reicht die Zeit für eine Beteiligung am Staatsstreich und das anschließende Sammeln eines Heeres in Italien nicht aus. Hierzu die ewtas merkwürdige Formulierung Ann. Altah. 1062: supervenit huic perturbationi dux Gotefridus, qui dudum post mortem imperatoris in Italiam fuerant reversus et, connubio iunctus vioduae Bonifacii, maximus habebatur in illis partibus. Diese Nachricht ignoriert gänzlich Gottfrieds Aufenthalt in Deutschland und ist vielleicht Teil eines Berichtes aus Italien, den die Altaicher Annalen unverändert übernommen haben. Haller; Papsttum II², 339 nimmt sogar an, Anno habe zur Zurücknahme der früheren Verfügungendes deutschen ofes in der römischen Frage Gottfried nach italien gesandt.].
Gottfried begab sich dann zusammen mit Bevollmächtigten der beiden Päpste wieder nach Deutschland. Die Verhandlungen fanden im Oktober 1062 auf einer Reichsversammlung in Augsburg statt.
Aber Gottfried besaß offensichtlich nicht die Streitkräfte, um Honorius Truppen wirksam bekämpfen zu können, der schließlich doch, wahrscheinlich Juni 1063, vor Rom gelangte. Gottfried war nichts anderes übrig geblieben, als die Normannen zum Eingreifen aufzufordern. Aber auch sie konnten sich nicht durchsetzen, und der Herzog sah sich genötigt, doch noch einmal nach Rom zu kommen, wo sein Eingreifen auch die Normannen in die Stadt zurückbrachte.
Wie lange Gottfried in Rom verweilte, ist nicht zu ersehen, er dürfte im Frühjahr 1064 wieder in Deutschland gewesen sein. Vielleicht war er jetzt von seinen niederlothringischen Besitzungen in Anspruch genommen, denn er tritt für die Folgezeit etwas in den Hintergund.
Akerdings tritt nun wieder Gottfried stark in den Vordergrund, denn er fungierte bei der Schwertleite des Königs in Worms asl Schildträger. Das dokumentiert immerhin eine angesehene Stellung am Hofe, woraus wohl ersichtlich ist, daß der Stimmungsumschwung gegen Anno ihn nicht in entscheidendem Sinne getroffen hatte. Dieser nahm übrigens auch an den Beratungen in Worms teil, die zu dem Beschluß eines Romzuges zu Pfingsten führten. Anschließend war Gottfried in Mainz nicht mahr am Hofe.
Obwohl Herzog Gottfried in dieses Zwischenspiel einbezogen war, hat er sich offensichtlich nicht verdrängen lassen. Wir können ihn im Juni 1065 am königlichen Hofe in Trier feststellen.
Mit dem Tode Herzog Friedrichs von Nieder-Lothringen sah Gottfried der Bärtige die Gelegenheit gekommen, seine alten pläne auf Lothringen wieder aufznehmen, zumal der Verstorbene keine männlichen Nachkommen besaß. Er begab sich Mitte Oktober 1065 an den Hof, der damals in Goslar weilte [286 Über den Termin vgl. Jung, Herzog Gottfried 54 Anm. 2. Dupreel, Godefr. la B. 109 will schließen, Gottfried habe bei der Nachricht von Friedrichs Tode den Hof verlassen, um seine Besitzergreifung Lothringens vorzubereiten, und sei dann wieder an den Hof gereist. Ein Verlassen des Hofes ist jedoch unwahrscheinlich, weil ja hier die Vergabe eines Herzogtums lag, er wird deshalb zu diesem Zeitpunkt nicht dort geweilt haben.]. Da dort ohne weiteres seine Einweisung in das Herzogtum erfolgte, wird wohl die Annahme berechtigt sein, sie sei ihm schon früher zugesagt worden. Gottfrieds Ansprüche auf Nieder-Lothringen müssen demnach so gesichert gewesen sein, daß Adalbert von Bremen nichts dagegen unternehmen konnte.
So kann der Zug Gottfrieds gegen die Normannen nicht als ein Versuch gewertet werden, sich beim König wieder in Gunst zu setzen. Vielmehr steht dieses Unternehmen ganz auf sich selbst, möglicherweise war Gottfrieds Reise nach Italien eben durch die Normannengefahr bedingt. Gottfried ist vorläufig in Italien geblieben [310 Einzelheiten Jung, Herzog Gottfried 62ff.; Meyer von Knonau, Jbb I,. 600 f.; Dupreel, Godefr. le B. 123ff.]. Wenig später erkrankte er ernstlich und kehrte auf Anraten der Ärzte nach Lothringen zurück, weil man sich von dieser Veränderung eine eventuelle Besserung des Leidens versprach. Er nahm seinen Wohnsitz auf der Burg Bouillon. Seine Gemahlin Beatrix hat ihn zusammen mit seinem gleichnamigen Sohn aus erster Ehe begleitet.
Die Chronik von St. Hubert berichtet hierzu, der Herzog habe dem Abt eine Beichte abgelegt und ihm im Beisein seines Sohnes sein Schwert überreicht als Zeichen seines Verzichts auf den weltlichen Ritterstand. Kurz danach habe er sich in die Peterskirche von Bouillon bringen lassen, wohin ihm der Abt, der jüngere Gottfried und die anwesenden Großen gefolgt seien. Hier habe er das vom Markgrafen Bonifaz stammende Reliquienkästchen herbeibringen lassen und erzählt, wie ehedem seine Ehe mit Beatrix getrennt worden sei, worauf er zur Bereinigung der Schuld die Gründung eines Klosters gelobt habe. Wegen seiner augenblicklichen Krankheit habe er den Abt gebeten, die Durchführung dieses Gelübdes zu übernehmen. Danach sollte die Kirche St. Peter in Bouillon in ein Kloster einbezogen werden, das mit Gütern auszustatten sei, die bis zu diesem Zeitpunkt als Soldgüter an herzogliche Vasallen ausgegeben wären. Gegen diesen Plan hätten dann des Herzogs Sohn und die Vasallen sofort Einwendungen erhoben. Angesichts dieser Haltung hätte darauf der Abt den Herzog gebeten, Abstand von der Klostergründung zu nehmen, Gottfried habe aber seinen Sohn mit strengen Worten dazu gebracht, in die Gründungspläne einzustimmen, und beide hätten dann gemeinsam den Abtinständig gebeten, die Aufgabe zu übernehmen.
Das Reliquienkästchen des Bonifaz scheint die Rolle gespielt zu haben, Gottfrieds Gemahlin Beatrix, als frühere Gemahlin des Markgrafen Bonifaz, und deren Tochter Mathilde auf die Klostergründung zu verpflichten.
Gegen Ende des Jahres ließ sich der kranke Gottfried nach Verdun bringen, weil der dort begraben sein wollte. Der Abt von St. Hubert ist ihm auch hierhin gefolgt, vermutlich in der Furcht, der Sohn könnte den sterbenden Vater wieder umstimmen. Allen Vorstellungen des Abtes antwortete der jüngere Gottfried lediglich, es sei mit der Ausführung des Gelübdes bis nach dem Tode seines Vaters zu warten. Der alte Herzog ist in den letzten Tagen des Jahres 1069, wahrscheinlich am 24. Dezember, gestorben [313 Jung, Herzog Gottfried 65 ff.]. Er ist ein überaus geachteter Mann gewesen. In Bertholds Ananlen wird ihm ein Nachruf höchster Anerkennung gewidmet, besonders hervorgehoben werdens ein Religiosität und seine Freigebigkeit gegenüber den Armen und der Kirche.
Gottfried hatte für die Aufrechterhaltung der Kontinuität seiner Politik bereits gesorgt. Sein Sohn aus erster Ehe, Gottfried der Bucklige, der ja sein Erbe in Nieder-Lothringen war, war wahrscheinlich seit Anfang 1057 verlobt mit des Herzogs Stieftochter Mathilde aus der ersten Ehe seiner Gemahlin Beatrix, der Erbin der Toscana [318 Zum Datum der Verlobung vgl. Dieckmann, Friedrich, Gottfried der Bucklige Herzog von Niederlothringen und Gemahl Mathildens von Canossa, Diss. Erlangen 1885, Seite 9 ff.]. Vermutlich war vor dem Tode des alten Herzogs die Vermählung der beiden bereits vollzogen worden.