Gottfried III. der Bärtige                 Herzog von Nieder-Lothringen (1065-1069)
------------------------------                 Herzog von Ober-Lothringen (1044-1047)
    -21.12.1069                                  Graf von Verdun
     Verdun                                        Markgraf von Tuszien (1054-1069)

Begraben: Verdun
 

Sohn des Herzogs Gozelo I. von Nieder-Lothringen
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 1601
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Gottfried III. der Bärtige
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     + 30. Dezember 1069
      Verdun

Begraben: Verdun, entsprechend den Traditionen seines Hauses

Herzog von Ober-Lothringen 1044-1046, Markgraf von Tuszien 1054-1069 und Herzog von Nieder-Lothringen

Sohn Gozelos I.

  1. oo Oda

Kinder:
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unter anderem Gottfried IV. der Bucklige
Ida (Mutter Gottfrieds von Bouillon)

  2. oo Beatrix von Tuszien

Nach dem Tod des Vaters wurde Gottfried III. von König HEINRICH III. als Herzog von Ober-Lothringen eingesetzt, sein Bruder Gozelo II. dagegen in Nieder-Lothringen (1044). Gottfried III. beanspruchte 1046, nach dem Tode Gozelos II., auch die niederlothringische Herzogswürde. Da HEINRICH III. dies verweigerte, erhob sich Gottfried III. der Bärtige gegen den König, zum Teil gestützt auf Heinrich I. von Frankreich.HEINRICH III. ernannte im Gegenzug Friedrich von Luxemburg zum Herzog von Nieder-Lothringen (1046-1065) und setzte Gottfried III. auch in Ober-Lothringen zugunsten Gerhards I. von Elsaß ab. Da Gottfried III. wegen des Gegensatzes zu HEINRICH III. keine Chance zur Durchsetzung seiner lothringischen Herrschaftsinteressen sah, ging er nach dem Tode seiner ersten, aus dem unteren Maasgebiet stammenden Gemahlin Oda nach Italien, heiratete dort 1054 in von HEINRICH III. nicht gebilligter Ehe seine Verwandte Beatrix, Tochter Friedrichs II. von Ober-Lothringen und Witwe von Bonifaz von Tuszien. Zehn Jahre lang hatte Gottfried III. der Bärtige eine erstrangige Position in Italien inne. Seine vom König nicht zu erschütternde Machtposition wurde noch gestärkt durch die Wahl seines Bruders Friedrich zum Papst (Stephan IX.) und durch die Heiraten seiner drei Schwestern mit dem lothringischen Pfalzgrafen, dem Grafen von Namur und dem Grafen von Löwen. Wiederholt wurde Gottfried III. ein Streben nach der Königs-, ja Kaiserkrone zugeschrieben. Nach HEINRICHS III. Tod (1056) bemühte sich Gottfried III., durch die Heirat seines Sohnes aus 1. Ehe, Gottfrieds IV. des Buckligen, mit seiner Stieftochter Mathilde von Tuszien, um Ausbau seiner Spitzenstellung. 1065 erlangte er vom jungen König HEINRICH IV. nach Friedrichs Tod das niederlothringische Herzogtum. In seinen letzten Jahren beschränkte er sich im wesentlichen auf sein Territorialfürstentum zwischen Schelde und Rhein, behielt aber gemeinsam mit seiner Frau auch die Herrschaft über Tuszien bei. Er erbaute die Burg Bouillon, wo er eine Münzstätte einrichtete. Aus Tuszien übernahm er die Praxis, seine Urkunden von eigenen Notaren anfertigen und mit dem herzoglichen Siegel versehen zu lassen.

Literatur:
-----------
E. Boshof, Lothringen, Frankreich und das Reich in der Regierungszeit Heinrichs III., RhVjbll 42, 1979, 63-127.



Brandenburg Erich: Tafel 33 Seite 67
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

X. 120. GOTTFRIED DER BUCKLIGE, Herzog von Ober-Lothringen 1044-1046
---------------------------------------------------              von Nieder-Lothringen 1065
* .., + 1069 24. XII.

Gemahlinnen:
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a) Doda

b) 1054 Beatrix, Tochter des Herzogs Friedrich II. von Ober-Lothringen (siehe X 25)
                    + 1076

Anmerkungen: Seite 157
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X. 114-124.

Dieckmann 15 ff.

120 Korrektur (Wolf): Gottfried (korrigiere): der Bärtige (nicht der Bucklige) (vgl. Lex. MA).



Glocker Winfrid: Seite 331
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

GOTTFRIED II. ("DER BÄRTIGE")
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    + 1069 XII 21

1026 Graf von Verdun
1044-1047 Herzog von Ober-Lothringen
1065 Herzog von Nieder-Lothringen

1. oo Doda
                + (?) am XII 21

1054
2. oo Beatrix, Tochter Herzog Friedrichs von Ober-Lothringen
               + 1076    und Witwe Markgraf Bonifaz I. von Tuszien

Vgl. Brandenburg X, 120 sowie Renn, Grafenhaus S. 41 ff.
Im Nekrolog des Klosters S. Vanne zu Verdun ist zum XII 21 eine "Domna Goda" genannt, die vermutlich mit der in der Vita der seligen Ida von Boulogne (AA SS April II, S. 141; auch in RHF Band 14, S. 113) bezeugten ersten Gemahlin Gottfrieds des Bärtigen namens Doda (Oda) zu identifizieren ist; so Bloch, Urkunden S. 149, Anm. 12, und diesem zustimmend Hübinger, Beziehungen S. 33,
Allgemein informiert über Herzog Gottfried den Bärtigen der Artikel von Kurt Reindel in NDB Band 6, S. 662.



Thiele, Andreas: Tafel 52
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

GOTTFRIED II. "DER BÄRTIGE"
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    + 1069

Gottfried war Mitregent seines Vaters und hoffte nach dessen Tode auf das ungeteilte Erbe. Er wurde nur Herzog von Ober-Lothringen und Vogt von St. Vanne. Er erhob sich gegen diese Maßnahme und wurde 1044/45 von Kaiser HEINRICH III. inhaftiert. Er wurde zu einem Führer des hochadligen  Widerstandes gegen die Politik des Königs, rebellierte 1046-1049 erneut, verbündet mit Balduin von Flandern und Dietrich IV. von Holland und wurde von HEINRICH III. zur Unterwerfung gezwungen. Er verlor das Herzogtum und alle Lehen und wurde bis 1051 auf dem Giebichenstein in Haft gehalten. Ober-Lothringen kam an Graf Adalbert von Elsaß, den Gottfried 1048 erschlug. Er bekam etliche Lehen vom Erzbischof von Köln und wurde durch seine gegen den Willen des Kaisers geschlossene Ehe mit der reichbegüterten Beatrix, der Witwe des Markgrafen Bonifaz, Markgraf von Tuszien-Canossa. Damit gewann Gottfried eine neue Machtbasis, beherrschte das Papsttum und setzte seinen Kampf gegen den Kaiser fort. 1055 vom Kaiser zur Flucht über die Alpen gezwungen, söhnte sich dieser 1056 mit Gottfried aus. Er erhielt allen Allodialbesitz zurück und war damit mächtigster Graf in Lothringen. Gottfried beeinflußte mit dem Bruder entscheidend die Entwicklung in der Kirche, vereinigte 1057 das Herzogtum Spoleto mit seinem Besitz, während sein Bruder als Stephan IX. den päpstlichen Stuhl bestieg. Er förderte 1058 die Wahl von Papst Nikolaus II. und 1059 dessen Wahldekret zur Bildung des Kardinalskollegiums, womit die Loslösung von kaiserlicher Beeinflußung eingeleitet wurde. Er war seit 1056 auch Graf von Ancona und Pisa und kaiserlicher Statthalter in N-Italien. 1062 war er an der Entführung HEINRICHS IV. in Kaiserswerth beteiligt und erhielt 1065 das Herzogtum Nieder-Lothringen. Er verhinderte 1066 einen geplanten Romzug Kaiser HEINRICHS IV., stand gegen die expandierenden Normannen in S-Italien, führte 1066 entscheidend den Sturz des Regenten Erzbischof Adalbert von Bremen herbei und geriet auch schroff gegen Erzbischof Anno von Köln wegen seiner Lehen. Er hat als damals einflußreichster Reichsfürst die weitere Entwicklung entscheidend beeinflußt.

  1. oo DODA N.

  2. oo BEATRIX VON OBERLOTHRINGEN,
 

Tochter des Herzogs Friedrich II. und Witwe des Markgrafen Bonifaz von Canossa-Tuszien



   um 1020
  1. oo Doda
                   -
    1054
  2. oo 2. Beatrix von Ober-Lothringen, Tochter des Herzogs Friedrich II.
               nach 1025-18.4.1076
                                  Pisa

        1. oo Bonifaz Markgraf von Canossa-Tuszien
                 um 985-6.5.1052
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Gottfried IV. der Bucklige
  ca 1040-26.2.1076

  Ida
  1040-13.4.1113

  oo Eustach II. Graf von Boulogne
              -   1080

  Wiltrudis
         -   1093

  oo Adalbert II. Graf von Calw
      um 1025/30-22.9.1099
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Adam von Bremen: Hamburgische Kirchengeschichte. in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters Band XI Seite 334,366,384 - Black-Veldtrup, Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien, Böhlau Verlag Köln 1995, Seite 14,188,191,195,317,327 - Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 97-272 - Boshoff, Egon: Lothringen, Frankreich und das Reich in der Regierungszeit Heinrichs III. in: Rheinische Vierteljahresblätter 42 (1978), Seite 63-127 - Boshof, Egon: Heinrich IV. Herrscher an einer Zeitwende, Muster-Schmitt Verlag Göttingen 1979 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 33 Seite 67,157 - Bühler, Heinz: Adel, Klöster und Burgherren im alten Herzogtum Schwaben. Gesammelte Aufsätze. Anton H. Konrad Verlag 1997 Seite 888,894/95 - Bünemann, Richard: Robert Guiskard 1015-1085. Ein Normanne erobert Süditalien. Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln 1997 Seite 27,34 - DEUTSCHE FÜRSTEN DES MITTELALTERS. Fünfundzwanzig Lebensbilder. Edition Leipzig 1995 Seite 143 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 164,245,258,263,265,383,388, 391,395, 398-402,406,409,412-414, 420,423,431,439,442-444,447,449,461-464,467,470,486,490,532/ Band II Seite 6,9,312,330,386/Band III Seite 268,303,305,317,320,323,506 - Fumagalli Vito: Mathilde von Canossa. Verlag Klaus Wagenbach Berlin 1998 - Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Mundus Verlag 2000 Band 3 Seite 25-690 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 331 - Goez, Elke: Beatrix von Canossa und Tuszien. Eine Untersuchung zur Geschichte des 11. 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