Gerhard von Elsaß                          Herzog von Ober-Lothringen (1048-1070)
-----------------------                         Graf von Metz
um 1015/20-6.3.1070                     Vogt von Remiremont
                    Remiremont

Begraben: Remiremont

Jüngerer Sohn des Grafen Gerhard II. von Metz aus dem Hause CHATENOIS und der Gisela von Ober-Lothringen, Tochter von Herzog Dietrich I.

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1310
********************
Gerhard I., Herzog von Ober-Lothringen 1048-1070
--------------
     + 11. August 1070
      Remiremont

Begraben: Remiremont

Sohn des Grafen Gerhard II. und Gisela; Bruder (nach E. Hlawitschka, 1060) und Nachfolger Herzog Adalberts (1047-1048 gefallen im Kampf gegen Gottfried den Bärtigen)

  oo Hadwide, der Tradition nach aus dem Hause NAMUR

Gerhard I. wird oft als 'Gerhard von Chatenois' bezeichnet, nach seiner Stammburg, in deren Priorat auch seine Gemahlin Hadwide bestattet wurde. - Gerhard hatte die Vogtei zahlreicher großer Abteien inne, auf die er seine Herrschaft maßgeblich stützte (St. Peter in Metz, St. Martin bei Metz, Remiremont, Moyenmoutier, St-Evre de Toul). Wichtigste Maßnahme seiner Regierung war wohl die Gründung der beiden Burgen in Preny und Nancy, die er auf Domänen der Abtei St. Peter in Metz errichten ließ und die als Verbindungsglied zwischen seinen nördlichen (Bitsch, Bouzonville) und südlichen (oberes Maastal, Vogesen) Herrschaftsgebieten fungierten. Gegen Ende seines Lebens geriet Gerhardin Konflikt mit der lokalen Aristokratie und soll Gerüchten zufolge durch Gift gestorben sein. - Von seinen Kindern erhielt Dietrich II. die Herzogswürde, Gerhard wurde Graf von Vaudemont, Gisela Äbtissin von Remiremont.

Literatur:
-----------
E. Hlawitschka, Stud. zur Äbtissinnenreihe von Remiremont, 1966 - Ders. Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen, 1969 - G. Pouli, La maison ducale de Lorraine, 1968 - Hist. de Nancy, Toulouse, 1976.



Glocker Winfrid: Seite 343
**************
"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

VIII, 120 GERHARD
----------------------------
   + 1070 VIII 11

Graf im Elsassgau, 1048 Herzog von Ober-Lothringen

oo Hedwig
            + n 1067 am I 28

Die Belege zu Herzog Gerhard hat Parisse, Noblesse Band 2, S. 864, zusammengestellt. Freilich darf Hedwig, die Gemahlin Gerhards, nicht, wie Parisse dies tut, mit einer Tochter Graf Alberts I. von Namur namens Hedwig gleichgesetzt werden, wie sie die Genealogia S. Arnulfi c. 4, SS XXV 383 kennt, da es sich bei dieser Nachricht um eine Fehlinformation handelt; vgl. dazu Vanderkindere, Formation Band 2, S. 454, und Brandenburg IX, 73-74. Poull, Lorraine Heft 1, S. 8, vermutet, Gerhards Gemahlin sei lothringischer Herkunft gewesen.



Thiele, Andreas: Tafel 53
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

GERHARD (III.)
----------------------
    + 1070

Graf von Metz, im Elsaßgau und Vogt von Remiremont, 1048 Herzog von Ober-Lothringen-Nancy

Gerhard setzte sich gegen den Ex-Herzog Gottfried, den Mörder seines Bruders, nach und nach durch. Er wurde eine Stütze seiner Verwandten HEINRICH III. und HEINRICH IV. und wurde auch Vogt zu Metz, wo er ständig mit den Bischöfen aneinandergeriet. Er stand auch gegen die Bischöfe von Toul und Verdun und die weltlichen Großen in Lothringen und baute die herzoglichen Positionen aus.

  oo HEDWIG VON NAMUR (?)
 

wohl Tochter des Grafen Albert I.



Meyer von Knonau, Gerold: Band I Seite 372,445,459,563 n. 26/Band II Seite 35
***********************
"Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V."

1064
Das auf den 11. April fallende Osterfest feierte HEINRICH IV. auf dem Boden Nieder-Lothringens, zu Lüttich und darauf brachte der Hof Ende April und Anfang Mai wieder auf St. Suitberts Werth zu, welche Pfalz nun schon zum vierten Male als Aufenthaltsort diente. Eine größere Anzahl geistlicher und weltlicher Fürsten umgab hier den König, von jenen Anno, Siegfried, Adalbert, dann Erzbischof Eberhard von Trier, die Bischöfe Burchard von Halberstadt und Friedrich von Münster, und als Bittsteller Wilhelm von Utrecht, von diesen ganz insbesondere Herzog Gottfried, welcher hier seit längerer Frist zuerst wieder nachweislich in Deutschland auftrat, ferner die Herzoge Friedrich von Nieder-Lothringen und Gerhard von Ober-Lothringen.
1065
HEINRICH war bei diesem Anlasse von einer größeren Reihe geistlicher und weltlicher Herren umgeben, von welchen als Zustimmende Erzbischof Eberhard von Trier, die Bischöfe Adalbero von Metz und Theoderich von Verdun genannt werden, ferner als anwesend Erzbischof Adalbert, Bischof Ellinhard von Freising, Abt Widerad von Fulda, Gerhard, Herzog von Ober-Lothringen und dessen Sohn Theoderich. Ganz besonders ist aber hier auch voran als Fürbitterin die Verlobte des Königs, Bertha, erwähnt.
Das auf den 29. Juni fallende Fest St. Petrus und St. Paulus wurde durch HEINRICH IV. zu Trier begangen. Bei den urkundlich bezeugten, von dem König vollzogenen Rechtshandlungen trat die Fürbitte einer Anzahl anwesender geistlicher, wie weltlicher Fürsten nachweislich hervor. Von den Erzbischöfen erscheinen Anno und Adalbert, sowie Eberhard von Trier, vonnden Bischöfen Ellinhard von Freising und Theoderich von Verdun, ferner ohne Zweifel Hezilo von Hildesheim; Herzog Gerhard von Ober-Lothringen und Gottfried der Bärtige, dazu Markgraf Otto von Meißen sind weiter genannt.
1067
[Seite 563 26 Die Kaiserin Agnes ist außerdem noch am 11. April des Jahres in einer Urkunde des Herzogs Gerhard von Ober-Lothringen, aus der Sierk an der Mosel, über eine Schenkung an die Abtei Echternach, erwähnt.]
1070
In den Angelegenheiten des Reiches war Herzog Gerhard von Ober-Lothringen, welchen HEINRICH III. 1048 als dem zweiten Nachfolger nach Gottfrieds Absetzunge das Herzogtum übergeben hatte, nur sehr wenig hervorgetreten. Auf ihn folgte jetzt der Sohn Theoderich [58 Über Gerhard vgl. Steindorff, Heinrich III., Band II Seite 46-48; den Tod erwähnt Sigeb. Chron.: Gerardus dux Mosellanorum moritur ... Gerardo filius eius Deodericus... succedit (SS. VI 362). Aus einer viel späteren Quelle des 14. Jahrhunderts, Johann de Bayon, bringt Calmet, Histoire ecclesiastique et civile de Lorraine, Liv. XX. in dessen erstem Gerhard behandelnden Stücke (Nouv. Edit. II, 206-233) Andeutungen darüber (224), daß der Herzog, der wegen seines entschlossenen Wesens bei den hohen Herren des Landes verhaßt gewesen sei, nach einer Verschwörung derselben, infolge gewisser Anzeichen an Gift gestorben sei, und zwar in Remiremont, wo man ihn bestattet habe. In der schon Band I, Seite 563 in n. 26, erwähnten Urkunde Gerhards für Echternach von 1067, war des rogatus, dann der memoria ... uxoris meae Hadvidis filique nostri Theodoericigedacht; bereits 1065 erschien Theoderich neben dem Vater am Hofe (I. c., Seite 445.].

Mohr Walter: Band III Seite 16
***********
"Geschichte des Herzogtums Lothringen"

Noch im gleichen Jahre 1048 übertrug der Kaiser das Herzogtum Ober-Lothringen an Gerhard, einen Verwandten Adalberts, möglicherweise bei seinem Aufenthalt in Straßburg. Die Wahl des Kaisers war wohl deshalb auf ihn gefallen, weil er eine weitverzweigte Verwandtschaft im Elsaß und in Lothringen besaß, so dass es ihm möglich sein konnte, ein Gegengewicht gegen die Macht Gottfrieds zu bilden. Für die künftige Entwicklung Ober-Lothringens war es von Bedeutung, dass Gerhard gerade im Elsaß begütert war und anscheinend damals auch schon die Vogtei über Leberau an der Verbindung von Schlettstadt nach St. Die besaß, wodurch die Orientierung eines Teils der lothringischen Politik nach den Vogesen und dem Elsaß bedingt wurde.
Mit der Ernennung Gerhards tritt Ober-Lothringen sehr stark in den Hintergrund der allgemeinen Ereignisse. Wir wissen nicht, ob und inwieweit der Herzog sich an den militärischen Operationen gegen Gottfried in Nieder-Lothringen beteiligte [70 Digot, Augustin, Histoire de Lorraine, 2e ed. Nancy 1880, I, 289, Jean de Bayon folgend, spricht von Gefangennahme Gerhards.]. Festzustellen ist, dass er sich in den anschließenden Jahren in der Umgebung Papst Leos IX. aufhielt, als dieser in Deutschland weilte und eine wichtige Rolle bei der Bezwingung Gottfrieds spielte. Gerhard war auch vermutlich auf dem Hoftage in Trier im Juni 1056 anwesend, auf dem HEINRICH III. sich mit Gottfried aussöhnte [72 Er ist als anwesend genannt in einer Urkunde HEINRICHS III. aus dieser Zeit, verunechtete im Jahre 1116, also nicht ohne weiteres ein Beweisstück, MG DD H III. Nr. 372 B.]. Dann wird es wieder still um ihn. Wir finden ihn erst im April 1064 unter HEINRICH IV. erneut am königlichen Hof in Lüttich [73 Meyer von Knonau, Gerold, Jahrbücher des deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V., Berlin 1890-1909, I, 32.]. Selbstverständlich war er dann im folgenden Jahre im Juni wieder in der Umgebung des Königs, als dieser in Toul weilte [74 Duvernoy, Catal. Nr. 6. Meyer von Knonau, Jbb I, 459. Vgl. auch MG DD H V. Nr. 156 wohl in Verbindung mit Toul unter Nennung der Zustimmung des Herzogs zu einem Privileg für St. Gangulph in Toul.]. Im gleichen Jahre ist er als Intervenient für Privilegien des Königs in St. Maximin in Trier verzeichnet, als der König dort ausstellte [75 MG DD H IV. Nr. 158; Altlux. UB I, Nr. 288,289.]. Diese wenigen Daten lassen sich aus seiner Tätigkeit heraus arbeiten, sie bestätigen das Bild, dass er in den Reichsangelegenheiten praktisch keine Rolle gespielt hat. Wir erfahren noch, er sei gegen Ende seines Lebens in engere Beziehungen zum Kloster Echternach getreten, dem er eine Stiftung zu einem Jahrgedächtnis vermachte [76 Mittelrheinisches Urkundenbuch I, Nr. 366.]. Er ist etwa Mitte April 1070 gestorben [77 Sigebert, Chron. 1070. Jean de Bayon in S. Chron. läßt ihn vergiftet werden, weil er den Großen des Landes verhaßt gewesen sei. Vgl. Calmet, Hist. Lorr.II², 224; Meyer von Knonau, Jbb. II, 35 Anm. 38. Jean de Bayon ist auf jeden Fall keine zuverlässige Quelle.].
 
 
 
 

  oo Hedwig von Namur, Tochter des Grafen Albert I.
              -28.1. nach 1067
 
 
 
 

Kinder:

  Dietrich II.
        -23.1.1115

  Gerhard I. Graf von Vaudemont
         - vor 1118

  Gisela II. Äbtissin von Remiremont
        -21.2.1114
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Boshof Egon: Die Salier, Verlag W. Kohlhammer Suttgart Berlin Köln 1987 Seite 105 - Boshoff, Egon: Lothringen, Frankreich und das Reich in der Regierungszeit Heinrichs III. in: Rheinische Vierteljahresblätter 42 (1978), Seite 63-127 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 177,187,258 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 343 - Hlawitschka, Eduard: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Studien zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9.,10. und 11. Jahrhundert, Saarbrücken 1969, Seite 79-82,84,86,89-91,117,122, 126,130,132,135,138,141,146,151-153,172,178 - Hlawitschka, Eduard: Studien zur Äbtissinnenreihe von Remiremont (7.-13. Jh.), Saarbrücken 1963, Seite 60,62,64-67,69-75,144 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 117-119 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V., Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 Band I Seite 372, 445,459,563 n. 26/Band II Seite 35/Band V Seite 381 - Mohr Walter: Geschichte des Herzogtums Lothringen. Geschichte des Herzogtums Groß-Lothringen (900-1048) Verlag "Die Mitte" Saarbrücken 1974 Band III Seite 16 - Steindorff, Ernst: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich III., Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963 Band II Seite 24,46,55 N.4,341,495 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 53 - Wipos Leben Konrads II. -