Mohr Walter: Teil III Seite 32-34,36-43
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"Geschichte des Herzogtums Lothringen."

Matthaeus ist am 13. Mai 1176 gestorben. Es folgte ihm sein älterer Sohn Simon im Herzogtum, doch scheint vorerst die Herzogin-Witwe Bertha die Macht noch nicht aus den Händen gegeben zu haben. Aus der Art und Weise, wie mitunter schon in Urkunden von Matthaeus der Name des ältesten Sohnes zugunsten des jüngeren Friedrich verdrängt worden war, läßt sich schließen, daß die Herzogin gewillt war, diesen zu bevorzugen.
Aus diesem, soweit ersichtlichen Zwist zwischen Bertha und ihrem Sohn wollte man dann schließen, die Mutter habe in ihrem Ärger über die selbständige Regierung Simons ihren jüngeren Sohn Friedrich von Bitsch gegen seinen Bruder aufgestachelt.

Grundlage des Streites zwischen Simon und Friedrich war jedenfalls des letzteren Unzufriedenheit darüber, daß ihm nur die Herrschaft Bitsch zuteil geworden war. Wir finden ihn bereits im Jahre 1172, also noch zu Lebzeiten Herzog Matthaeus, als Herrn von Bitsch. Die Fehde zwischen den beiden Brüdern zog sich einige Jahre hin. Schließlich nahm sich Graf Philipp von Flandern einer Vermittlung an und brachte im Jahre 1179, das genaue Datum steht nicht fest, einen Vergleich zustande. Der Herzog vermehrte den Besitz seines Bruders und erklärte ihn zu seinem Erben, falls er ohne Nachkommen sterben werde. Unter den Besitzungen, die Friedrich zugewiesen wurden, wird auch das Gebiet zwischen Trier und Metz genannt, für das er dem Erzbischof von Trier die Huldigung zu leisten hatte. Das ist natürlich nur eine vage Formulierung, man kann sich nicht recht vorstellen, was alles unter dieses Gebiet fällt. Außerdem fragt man sich, ob Friedrich hier ein besonderes Interesse besaß, oder ob vielleicht irgendwelche Spekulationen seines Bruders im Hinblick auf den Erzbischof von Trier dabei im Spiel waren.
Jedenfalls ist von einem weiteren Gegensatz zwischen Simon und Friedrich nichts zu erkennen.
Es war verständlich, wenn man jetzt in Oberitalien dem Beispiel einer Reihe deutscher Fürsten folgte, die in Italien den Kontakt mit dem jungen König aufnahmen. So ist bei einer Fürstenversammlung in Borgo S. Donnino im April 1187 auch Friedrich von Bitsch erschienen. Allerdings ist nicht zu ersehen, ob er dort im Auftrage seiner Familie oder in eigener Sache weilte. In einigen, damals ausgestellten Urkunden HEINRICHS VI. wird nämlich Friedrich als Herzog von Bitsch tituliert. Selbstverständlich hat der König kein Herzogtum Bitsch aufgerichtet, der Titel besitzt die Bedeutung, daß Friedrich bereits als Nachfolger seines Bruders im Herzogtum Ober-Lothringen die königliche Anerkennung erhalten soll. Die Zielsetzung der Reise Friedrichs nach Italien könnte also darin gelegen haben, diese Anerkennung ausdrücklich zu erhalten. Weitere Einzelheiten sind uns über diesen Aufenthalt in Italien nicht überliefert, wir können daher nicht sagen, ob Friedrich erst mit HEINRICH VI. zusammen im Frühjahr 1188 zurückkehrte. Jedenfalls finden wir ihn mit Simon Anfang März 1188 in der Umgebung des Königs in Toul. Dabei zeigt sich eine gewisse Übereinstimmung der beiden Brüder, denn Simon erscheint in einer Urkunde des Königs als Herzog von Lothringen, neben ihm Friedrich als Herzog von Bitsch. Auch in der Folgezeit wirken beide noch zusammen, sie sind Zeugen in einer Urkunde des Propstes von St. Die im Juni 1188 und unterzeichneten gemeinsam mit dem jüngeren Friedrich von Bitsch eine Urkunde des Grafen Heinrich von Bar im Jahre 1189.
Immerhin sind es vielleicht neue Auseinandersetzungen mit Remiremont gewesen, die ihn bewogen im Mai 1194 HEINRICH VI. aufzusuchen, der vor seinem Aufbruch nach Italien auf dem Trifels weilte. Friedrich von Bitsch war offensichtlich nicht anwesend, was um so auffallender ist, als der Trifels nicht allzuweit von Bitsch entfernt liegt.
In der Folgezeit tritt die Nachfolgefrage in Ober-Lothringen etwas mehr in den Vordergrund. Als der Kaiser im Jahre 1196 wieder zum Zuge nach Italien aufbrach und dabei im Juni in Brumath im Elsaß weilte, erschien Friedrich von Bitsch an seinem Hofe, wird aber in der Zeugenliste einer kaiserlichen urkunde ohne irgendwelchen Titel lediglich als Friedrich von Bitsch und dazu in der Reihe der Grafen angeführt. Überraschenderweise findet sich noch einmal Friedrich in der kaiserlichen Umgebung Anfang Juli in Besancon. Auch er selbst nennt sich in dieser Zeit in seinen Urkunden nur einfach Herr von Bitsch. Man könnte fast meinen, daß er sich zu diesem Zeitpunkt in seiner Stellung nicht ganz sicher fühlte und deshalb Kontakt zum Kaiser suchte. Die Tatsache, daß er ihm bis nach Besancon nacheilte, dürfte darauf deuten, daß HEINRICH VI. eine eindeutige Stellungnahme zu dem Problem vermieden hat. Friedrichs Angelegenheit scheint sich aber dann doch wieder gefestigt zu haben. Das zeigt sich nach dem Tode HEINRICHS VI. Bei der jetzt in Deutschland erfolgenden Doppelwahl blieb Herzog Simon auf staufischer Seite. Unter den ein Schreiben an Papst Innocenz III. genannten Persönlichkeiten, die durch Schreiben oder Gesandte ihre Zustimmung erklärt hatten, wird auch der Herzog von Bitsch genannt. Simons Bruder erscheint also hier wieder in einer gefestigten Nachfolgestellung. Eine besondere Rolle werden indes die Ober-Lothringer bei den Auseinandersetzungen um die deutsche Thronfolge nicht gespielt haben.
Von dem älteren Friedrich von Bitsch ist in diesem Zusammenhang nicht mehr die Rede. Der jüngere spricht in einem Vertrage mit dem Grafen von Bar vielmehr von der Erwartung, mit Gottes Beistand das Herzogtum Lothringen zu erwerben, der Graf von Bar habe ihm versprochen, ihm bei der Wahrung seines Rechtes und seiner Erbes beizustehen unter Ausnahme dessen, was dem Grafen Matthaeus von Toul in Chatenois und Gondreville zustehe. Es fragt sich, ob aus diesen Faktoren eventuell ein Gegensatz zwischen Herzog Simon und seinem Bruder, dem älteren Friedrich von Bitsch, herauszulesen ist.
Die Lösung des Problems wurde denn auch so gesehen, als habe sich Herzog Simon in seinem Gegensatz zu seinem Bruder Friedrich auf den Grafen von Bar gestützt, der seinerseits gegen den älteren Friedrich vorgegangen sei, um den jüngeren, der sein Schwiegersohn war, das lothringische Erbe zu retten. Die wirkliche Situation ist indes ziemlich deutlich aus dem im November 1202 abgeschlossenen Vertrag zwischen dem jüngeren Friedrich und dem Grafen von Bar zu erkennen. Friedrich erklärte nämlich, er sei lange Zeit mit dem Grafen in Uneinigkeit gewesen wegen des Krieges, den dieser mit seinem Vater und seinen Brüdern geführt habe. Er hat also in diesem Konflikt auf seiten des Vaters gestanden.
Zur Erklärung bleibt dabei schließlich nur die Annahme eines freiwilligen Verzichts Simons auf die Herrschaft übrig. Vermutlich hat er sich im Konflikt zwischen den Häusern BITSCH und BAR zurückgehalten, er wollte aber wohl die Nachfolge des Hauses BITSCH in Ober-Lothringen nicht gefährden, und so hat er sich anscheinend von seinem Bruder distanziert und die Nachfolge seines Neffen direkt verfügt, von dem er annehmen konnte, er werde als Schwiegersohn des Grafen von Bar doch schließlich dessen Zustimmung zur Nachfolge in Ober-Lothringen erhalten. Der ältere Friedrich von Bitsch war wohl mit dieser Regelung nicht zufrieden, woraus sich der Umstand erklären ließe, daß er in einer Urkunde über einen schiedsrichterlichen Vergleich zwischen der Abtei St. Matthias in Trier un dem Ritter Egidius von Berg in der Zeugenliste als Herzog von Lothringen und Markgraf aufgeführt ist.
Jedenfalls finden wir nach dem Friedensschluß mit Bar auch den älteren Friedrich wieder in Eintracht mit seinem Bruder Simon. Man war in dieser zeit offensichtlich zu einer gründlichen Bereinigung der gesamtem Fragen geschritten, denn wir besitzen vom 1. Januar 1203 eine Erklärung Herzog Odos III. von Burgund, er verzichte auf alle Erbansprüche auf Ober-Lothringen, die er aus Verwandtschaft herleiten könnte. Aus dieser Urkunde läßt sich allerdings nicht ersehen, ob etwa eine Änderung in der Nachfolge eingetreten war, doch sieht es so aus, als habe sich der ältere Friedrich jetzt mit der direkten Nachfolge seines Sohnes nach Herzog Simon abgefunden, denn im Laufe des Jahres 1204 tritt der jüngere Friedrich sehr stark nach vorne. Lediglich eine Urkundes älteren Friedrich vom 30. Januar 1205 erinnert noch an dessen Existenz, wobei allerdings der Umstand, daß er sich Friedrich von Bitsch, Sohn des Herzogs Matthaeus, nennt, vielleicht die neue Stellung seines Sohnes nur unterstreicht. Weitere Nachweise für ihn sind uns nicht mehr erhalten, während sein Sohn wahrscheinlich im Juli 1205 am Hofe König PHILIPPS von Hagenau geweilt hat. Er wird dabei ohne jegliche Titulierung nur Friedrich der Jüngere von Bitsch genannt, doch könnte sein Aufenthalt am königlichen Hof darauf deuten, daß er jetzt allein die Geschäfte führte. Man hat deshalb den Tod seines Vaters in diese Zeit datieren wollen.