Wolf Armin: Seite 13,22-24,26
**********
"Zur Königswahl Heinrichs II. im Jahre 1002. Verwandtschaftliche Bedingungen des Königswahlrechts." in: Genealogisches Jahrbuch Band 42

Jedenfalls hielt die Fundatio von Brauweiler die Nachfolge Heinrichs von Baiern "für illegitim", indem sie diesen als regni invasor bezeichnete [37 Fundatio Brunwil. cap. 11 (MGH SS 14, 131). Lewald 1979 (wie Anm. 27) Seite 128.]. Verbündet mit zwei Luxemburger Brüdern schlug Ezzo 1011 bei Odernheim den für den König kämpfenden Herzog Dietrich von Ober-Lothringen vernichtend.
Welchen Anteil nahmen die übrigen Königsverwandten an der Königswahl von 1002? Im gleichen Grade mit dem verstorbenen Kaiser verwandt wie der tatsächlich gewählte Heinrich von Baiern waren auch die beiden Herzöge von Nieder- und Ober-Lothringen: Otto und Dietrich [82 Nachweise über die Abstammung von König HEINRICH I. bzw. KARL DEM GROSSEN bei Erich Brandenburg, Die Nachkommen Karls des Großen, Leipzig 1935, Karl Ferdinand Werner, Die Nachkommen Karls des Großen (1. und 8. Generation), in: Karl der Große, Band IV, hg. von W. Braunfels und P.e. Schramm, Düsseldorf 1967, und bei Winfried Glocker, Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik, Köln 1989: Otto von Nieder-Lothringen (Brandenburg VIII 65, Werner VIII 89; Glocker VI 27). Dietrich von Ober-Lothringen (Brandenburg VIII 77; Werner VIII 66; Glocker VI 39)]. Beide waren mit OTTO III. aber im Frauenstamm, also nur cognatisch, HEINRICH II. dagegen im reinen Mannesstamm verwandt.
Er befand sich im Februar/März 1002 in Polling unter den Begleitern des Leichnams OTTOS III. Er gehörte somit zu denen, die Heinrichs Kandidatur zunächst ablehnten und erklärten, sich dem anschließen zu wollen, dem der bessere und größere Teil des ganzen Volkes zuneigte [84 Thietmar IV 50 (Seite 188-191), Graff, Regesta Imperii II 4, 1971, Nr. 1483gg. Schlesinger 1972 (wie Anm. 10) Seite 5.]. Als Herzog von Nieder-Lothringen gehörte er gewiß zu den primatibus Luithariorum, die HEINRICH II. am 8. September in Aachen als neuen König anerkannten und auf den KARLS-Thron erhoben [85 Thietmar V 20 (Seite 245), Hirsch, Jahrbücher (wie Anm. 29) I, Seite 228. Vgl. Graff, Regesta Imperii 4, Nr. 1504a.].
Dasselbe ist auch von dem Herzog von Ober-Lothringen anzunehmen, dem - ungefähr 27-jährigen - Herzog Dietrich (Theoderich). Er hatte zunächst abgewartet, wem sich die pars populi maior et melior zuneigte [86 Thietmar V 3 (Seite 222f.).]. Von vornherein verzichtet hatte also offenbar auch er nicht [87 Schlesinger 1972 (wie Anm. 10) Seite 5. ]. Dietrich stammte über seine Mutter Beatrix und deren Mutter Hathui/Hadwig von König HEINRICH I. ab. Außerdem war er über seine väterliche Großmutter Kunigunde ein Nachkomme KARLS DES GROSSEN [88 Werner 1967 (wie Anm. 82) III 66.].
Nach der Auffassung des Biographen Kaiser HEINRICHS habe Dietrich gewußt, daß HEINRICH Erbe im Reich sei (in regno esse sciens heredum), und habe nicht gewollt, etwas (damit ist ja wohl eine eigene Kandidatur gemeint) anzufangen, was er nicht beenden könne [89 Adalbold, Vita Heinrici imp. cap. 5: Theodericus quoque Heinricum ducem in regno esse sciens herdem, noluit incipere quod non posset finire. (MGH SS 4, 685).].
Zu Anfang des Jahres 1003 sehen wir Dietrich in Gegnerschaft zum König. Verbündet mit Hermann von Schwaben versuchte er, ein generale colloquium des Königs in Diedenhofen zu verhindern. Der zur Partei des Königs gehörende Thietmar verhöhnt die beiden als "nur noch dem Namen nach, nicht mehr wirklich Herzöge" (solo nomine duces, sed non re) [90 Thietmar V 27 (Seite 253). ]. Herzog Dietrich muß jedoch wieder zur Partei des Königs übergegangen sein; denn er unterstützte auf einer vom König geleiteten Synode den Beschluß über die Ungültigkeit des SALIERS Konrad mit Mathilde von Schwaben (Diedenhofen Januar 1003 oder Aachen April 1005) [91 Vita Adalberonis cap. 18 (MGH SS 4, 664). Vgl. oben Anm. 55.].
Zusammenfassend ergibt sich aus den bisherigen Beobachtungen: Die deutschen Repräsentanten der Tochterstämme der OTTONEN - das heißt der auf die vier verheirateten Töchter des Kaiserhauses Mathilde (Liudolf das Kind), Liudgart (Otto von Worms), Gerberga (Otto von Nieder-Lothringen) und Hadwig (Dietrich von Ober-Lothringen) zurückzuführenden Häuser - spielten neben dem damals noch lebenden Mannesstamm der OTTONEN bei der Königswahl als Königskandidaten oder Königswähler eine wichtige Rolle.