Twellenkamp, Markus: Band I Seite 480,482,484
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"Das Haus der Luxemburger", in: Die Salier und das Reich

Wohl im Vertrauen auf die die hohe Position seiner Schwester hat Dietrich, ein weiterer Bruder der Königin, den Metzer Bischofsstuhl usurpiert, nachdem Bischof Adalbero II. im Dezember 1005 gestorben war. Adalbero war der Bruder des Herzogs Dietrich von Ober-Lothringen [32 Vgl. Renn, Luxemburger (wie Anm. 1) Seite 88-89.] und scheint von HEINRICH II. die Zusicherung bekommen zu haben, daß sein Neffe, der zu diesem Zeitpunkt erst fünfjärige Sohn des Ober-Lothringer Herzogs, nach dem Tod Adalberos den Metzer Bischofsstuhl übernehemn könne [33 S. Hirsch, Jahrbücher des Deutschen Reichs unter Heinrich II., Band 2, Berlin 1864, Seite 200-209; Renn, Luxemburger (wie Anm. 1), Seite 88-89; vgl. auch zu den folgenden Ereignissen der Moselfehde: Hirsch, Jahrbücher Heinrichs II., Band 2, Seite 280-284,310-311; F.-R. Erkens, Fürstliche Opposition in ottonisch-salischer Zeit. Überlegungen zum Problem der Krise des frühmittelalterlichen deutschen Reiches, in: Archiv für Kulturgeschichte 64, 1982, Seite 349-352; E. Boshoff, Ottonen- und frühe Salierzeit (919-1056), in: Rheinische Geschichte, hg. v. F. Petri und G. Droege, Band 1,3, Düsseldorf 1983, Seite 30-33, und W. Mohr, Geschichte des Herzogtums Lothringen, Band 1: Geschichte des Herzogtums Groß-Lothringen (900-1048), Saarbrücken 1974, Seite 72-73.].
Der außerhalb des engeren Familienkreises stehende Herzog Dietrich von Ober-Lothringen [43 Dietrich von Ober-Lothringen war ein Sohn Herzog Friedrichs von Ober-Lothringen, des Bruders (bzw. Sohnes) von Graf Siegfried; vgl. Renn, Luxemburger (wie Anm 1) Seite 47-48.], der im Jahre 1005/06 versucht hatte, seinen Sohn zum Bischof von Metz zu erheben und dabei von Kunigundes Bruder Dietrich ausgespielt worden war, hatte zusammen mit den Bischöfen von Toul und Verdun an einem Hoftag des Königs teilgenommen und wurde auf dem Heinmweg bei Odernheim unweit von Mainz überfallen und für längere Zeit in Gefangenschaft gehalten [44 Hirsch, Jahrbücher Heinrichs II., Band 2 (wie Anm. 33), Seite 310-311; Renn, Luxemburger (wie Anm. 1), Seite 94-95.].
Ebenso wie bei Thietmar von Merseburg wird auch in der 'Fundatio monasterii Brunwilarensis' der Herzog von Ober-Lothringen als Hauptopfer dargestellt, die Bischöfe von Toul und Verdun werden nicht einmal erwähnt [48 Thietmar chronicon (wie Anm. 40), lib. 6, cap. 52, Seite 338-340; Fundatio monasterii Brunwilarensis, MGH SS 14, Seite 132, Zeile 19: Theodericus, cuius tunc super Mosellam ducatus vigebat ...; ebd., Zeile 33: ipse dux cum suis quam plurimis captus. Auch in den Annales Quedlinburgenses ad. a. 1011, MGH SS 3, Seite 80 Zeile 42, wird nur Dietrich von Ober-Lothringen als Opfer genannt: Heinrico et caeteris, capto Theidrico duce patruele suo, ebenso wie in der Chronik Hermanns, Herimanni Augiensis, chronicon ad. a. 1011, MGH SS 5, Seite 119, Zeile 18ff.: Theodericus ... et quibusdam Lotharingis captus et abductus est.]. Der sehr großes Aufsehen [49 Der Überfall von Odernheim schlug sich nach dem Zeugnis der Fundatio monasterii Brunwilarensis auch in einem weit verbreiteten Sprichwort nieder (MGH SS 14, Seite 132 Zeile 35ff.): usque hodie in proverbio amicis optare soleant: quantenus eis numquam Odernheim adventare contingat.] erregende Überfall von Odernheim wird aber trotz der in einigen Punkten von den anderen Quellen abweichenden Darstellung in der 'Fundatio monasterii Brunswilarensis' in erster Linie als wohlgeplante Racheaktion der LUXEMBURGER gegen ihren Verwandten aufzufassen sein, denn Dietrich von Ober-Lothringen unterstützte nach wie vor HEINRICH II. und war nicht auf die Seite der Oppositionspartei um die Verwandten Kunigundes übergewechselt.
Kunigunde überreichte KONRAD II. während der Wahlzeremonie die ihr von HEINRICH II. ausgehändigten Reichsinsignien und tat damit ihr Einvernehmen zur Wahl des SALIERS kund. Friedrich von Ober-Lothringen, der Sohn des bei Odernheim gefangengenommen Dietrich, hat im Bund mit Erzbischof Pilgrim von Köln und Herzog Gozelo von Nieder-Lothringen Konrad den Jüngeren favorisiert [57 Nach H. Bresslau, Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II., Band 1, Leipzig 1879, Seite 17-24, 31-37, seiner Wipo-Ausgabe, Seite 19, Anm. 3, und Hirsch, Jahrbücher Heinrichs II., Band 3 (wie Anm. 50), Seite 356-358, kam diese Frontenbildung hauptsächlich durch kirchenpolitische Spannungen zustande. Von M. Lintzel, Zur Wahl Konrads II., in: Festrschrift E.E. Stengel, Münster/Köln 1952, Seite 290-291 (wiederabgedruckt in: Ders., Ausgewählte Schriften, Band 2, Berlin 1961, Seite 421-430), ist diese Sichtweise stark angewzeifelt worden; vgl. auch Appelt, Regesta Imperii 3, 1,1 (wie Anm. 54), Nr. m, Seite 9-10, und U. reuling, Die Kur in Deutschland und Frankreich (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte Band 64), Göttingen 1979, Seite 19,21-23, 27. Als Motiv für den Widerstand Frriedrichs kommt wohl seine Verwandtschaft mit Konrad dem Jüngeren in Frage: seine Frau Mathilde, Tochter des Herzogs Hermann II. von Schwaben, war in erster Ehe mit Konrad von Kärnten verheiratet, der Herzog von Ober-Lothringen war also der Stiefvater Konrads des Jüngeren; vgl. Renn, Luxemburger (wie Anm. 1), Seite 48-49.]. Sie zogen von dem Wahlort ab [58 UQB, Nr. 235; R. Schmidt, Königsumritt und Huldigung in ottonisch-salischer Zeit, in: Vorträge und Forschungen Band 6, Konstanz/Stuttgart 1961 Seite 168-170; Renn, Luxemburger (wie Anm. 1), Seite 40; Mohr, Herzogtum Lothringen, Band 1 (wie Anm. 33), Seite 75-76.] und blieben noch bis Weihnachten 1025 in Opposition zu KONRAD II.