Thietmar von Merseburg: Seite 196,222,300,476
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"Chronik"

1002
Der gottesfürchtige und demütige Herzog Hermann von Schwaben und Elsaß griff gegen HEINRICH zu den Waffen, verleitet von vielen, denen seine Milde zusagte. Dagegen wartete der kluge, kriegserfahrene Herzog Dietrich von Lothringen [14 von Ober-Lothringen 978-1026/27.] ruhig ab, für wen sich der größere und bessere Teil des Volkes entscheiden würde.
1002/1003
Während sich aber der König in Diedenhofen voller Wohlwollen bemühte, allen irgendwie Bedrängten Schutz zu gewähren, suchten Hermann und Dietrich [105 Herzog Hermann von Schwaben, Herzog Dietrich von Ober-Lothringen. Vorgehen des Königs gegen die KONRADINER (vgl. Anm. 83, Übergabe von St. Stephan-Straßberg an den Bischof fand hier statt.] das zu hintertreiben, waren sie doch nur dem Namen, nicht ihrem Verhalten nach Herzöge; doch umsonst; gar bald sollten sie sich dem Hort der Gerechtigkeit verdientermaßen unterliegen sehen. Der König ließ nämlich des Herzogs Burg Morsberg [106 Marimont bei Bensdorf (Lothringen).] niederreißen, weil es die Not des Volkes verlangte, und erließ ein strenges Verbot, sie jemals wieder aufzubauen.
1009/1011
Noch eine betrübliche Schandtat der beiden (Bischof Dietrich von Metz und sein Bruder Herzog Heinrich von Bayern) will ich berichten, die sie in Odernheim verübt haben. Der König hatte eine Versammlung in der Stadt Mainz abgehalten, an der sie teilnahmen. Als sie sich nun gar nicht so verantworten konnten, wie sie es sich gedacht hatten, kehrten sie voller Zorn heim, nachdem wenigstens ein vorläufiger Landfriede vereinbart worden war. Nichts Böses ahnend, zogen hinter ihnen Bischof Heimo von Verdun und Herzog Dietrich [186 von Ober-Lothringen, vgl. V, 3, dessen Haus gleichfalls Metz begehrte.] des gleichen Weges; da gerieten sie unversehens in einen Hinterhalt, und zahllose Männer wurden erschlagen; außer den Bischöfen entkamen nur wenige. Der Herzog wurde schwer verwundet; weil er mit ihnen befreundet war, führten sie ihn gefangen mit sich fort und hielten ihn lange Zeit in Haft. Später kam er durch Geiselstellung frei, ohne deshalb des Königs Huld zu verliren.
1018
Jetzt will ich wieder von unserem Kaiser erzählen, der bei der Rückkehr von seinem Unglückszuge nichts von all dem Versprochenen erhalten hatte und auch seinen Widersachern nur allzuwenig Schaden zufügen konnte. Herzog Dietrich [114 von Ober-Lothringen], sein trefflicher und getreuer Vasall, war von einem ihm und dem Caesar offensichtlich feindlich gesinnten Herrn Stephan aus dem Hinterhalt überfallen worden, als er getrennt von ihm heimziehen wollte; er blieb zwar siegreich, doch als seine Kriegsleute sich über die Beute hermachten, wurden sie erneut angegriffen und leider überwältigt; nur er und einige wenige konnten entkommen. Das war sein zweites derartiges Mißgeschuick [115 vgl. VI, 52]. Gebe Gott, daß er nicht zum drittenmale in Gefahr gerät!