Giesebrecht Wilhelm von: Seite 33,109,140,184,185,210
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"Geschichte der deutschen Kaiserzeit."

Mit dem Anfang des Jahres 1003 eilte HEINRICH, von Herzog Hermann begleitet, nach Ober-Lothringen, dem einzigen deutschen Lande, das ihn noch nicht als König gesehen hatte. Herzog Dietrich, der Sohn der klugen Beatrix, hatte sich während der Thronstreitigkeiten zuwartend gehalten, war aber endlich auch der herrschenden Stimmung gefolgte und hatte dem König gehuldigt. Zu dem allgemeinen Landtage, den der König auf die Mitte Janaur in Diedenhofen berufen hatte, stellte sich der Herzog mit den Großen des Landes ein. Mit Ernst und Strenge trat der König auf und suchte auf alle Beschwerden Abhilfe zu schaffen. Herzog Dietrich befahl er, seine feste Burg Mulsberg abzubrechen, und verbot ihm, sie jemals wieder aufzubauen. Der Herzog machte Schwierigkeiten, aber wurde bald hierin wie in anderem inne daß er dem "Urheber des Rechts" zu weichen habe.
Anfang des Monats Juli 1011 begab er sich nach Mainz, wohin er einen Reichstag berufen hatte, auf dem er die Streitigkeiten mit seinen Schwägern endlich auszutragen hoffte. Dahin kam es auf dem Reichtage nicht, doch wurde abermals ein längerer Waffenstillstand geschlossen, den die LÜTZELBURGER freilich schlecht genug hielten. Als der Herzog Dietrich von Ober-Lothringen, der Bischof Haimo von Verdun und anderer Bischof von Mainz fortritten, wurden sie plötzlich bei Odernheim von den Lützelburger Brüdern Heinrich und Dietrich mit ihrem Anhange, in dem sich auch Pfalzgraf Ehrenfried und dessen Bruder Hezelin befanden, aus dem Hinterhalt überfallen und unter ihrem Gefolge ein gewaltiges Blutbad angerichtet. Nur mit genauer Not entkamen die Bischöfe, während Herzog Dietrich schwer verwundet in Gefangenschaft geriet und das Leben lediglich seiner Verwandtschaft und früheren Freundschaft mit den LÜTZELBURGERN dankte. Er wurde nach Tomberg, einer Burg des Pfalzgrafen, gebracht und erst nach längerer Zeit gegen Geiseln in Freiheit gesetzt. Dieser Streich der Schwäger des Königs, fast unter seinen Augen ausgeführt, bewegte alle Gemüter; noch lange nachher erzählte man sich davon, und im Sprichwort wünschten sich Freunde, sie möchten nie nach Odernheim kommen.
In den letzten Tagen des August 1018 traten die Deutschen den Rückzug an, auf dem Herzog Dietrich von Ober-Lothringen von eFnem burgundischen Heere überfallen wurde und nur mit genauer Not den Feinden entkam; es fehlte wenig darn, daß sich sein Unfall von Odernheim wiederholte.
Gegen Graf Odo von der Champagne erhob König Robert die schwersten Klagen, und nicht minder hatte sich der Kaiser selbst zu beschweren, da Odo mit dem Herzog Dietrich von Ober-Lothringen, wahrscheinlich infolge des burgundischen Kriegs, in Fehde stand. Der Kaiser begab sich Ivois nach Verdun, wo er die den Grafen Odo vor sich beschied, der sich in Gegenwart der Gesandten König Roberts gegen die wider ihn erhobenen Klagen verteidigte. Odo mußte zugleich mit Herzog Dietrich sich aussöhnen und die wiederrechtlich erbauten Burgen niederreißen.
Nirgends schien KONRADS Gegenwart dringender erforderlich als in Lothringen. Besonders zeigte sich Gozelo tätig; mit den Bischöfen des Landes verhandelte er zu Köln, Nymwegen, Verdun, Utrecht und Lüttich und gewann von den meisten das Versprechen, nur unter seiner Zustimmung dem neuen König zu huldigen. Dasselbe gelobte ihnen Graf Reginar von Hennegau, der alten Feindschaft seines Hauses vergessend; dasselbe viele andere lothrische Herren, und selbst der alte Herzog Dietrich von Ober-Lothringen ging gegen ihn eidliche Verpflichtungen ein.