Reginar I. Langhals                         Graf von Hennegau
------------------------                        Herzog von Lothringen (900-911)
850-25.8.915/19.1.916
       Pfalz Meersen

Sohn des Grafen Giselbert II. vom Maasgau und der von ihm entführten Irmgard (Irmintrud), Tochter von Kaiser LOTHAR I.
 

Brandenburg Erich: Tafel 31 Seite 63
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

V. 24. REGINAR I. LANGHALS, Graf im Hennegau
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* ca. 850, + nach 915 25. VIII., vor 916 19. I.

Gemahlin:
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Alberada
       + nach 916.

Anmerkungen: Seite 156
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V. 24.-25.

Knetsch 11 f.



Thiele, Andreas: Tafel 16
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

REGINAR I. "LANGHALS"
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    + 915

Reginar I. folgte den Vater, 1. Graf von Hennegau, von La Hesbaye usw.; Laienabt von Echternach, Stablo und Malmedy; Vogt von St. Servais/Maastricht unsd St. Maximinn; kämpfte erfolgreich gegen die Normannen mit den ROBERTINERN und half dem robertinischen König Odo von Frankreich, zeitweise auch auch wichtiger Berater des KAROLINGERS König Zwentibold von Lothringen; fiel von beiden ab, unterstützte König Karl III. von Frankreich und ließ Zwentibold 900 ermorden (siehe Karolinger III), führte seitdem den Titel Herzog, zeitweise auch Pfalzgraf von Lothringen und verdrängte dort die KONRADINER. 911 anerkannte er nicht König KONRAD I. und blieb französischer Vasall.

  1. oo (unsicher/möglich)
           IRMTRUD VON FRANKREICH

Tochter König Ludwigs II., Schwester Karls III.

  2. oo ALBERADA N.
                     + nach 919

915 energische Regentin für die Söhne



Reginar I., Spross eines edlen Geschlechts, folgte dem Vater als erster Graf von Hennegau, Graf von La Hesbaye, Laienabt von Echternach, Stablo und Malmedy, Vogt von St. Servais/Maastricht und St. Maximilian und war damit der mächtigste Mann in Lothringen. Er hatte die starke Stellung seines Vaters im Gebiet der mittleren Maas geerbt. Nach den Einfällen der Normannen, durch die hier die Grafschaftsverwaltung weitgehend zertrümmert worden war, hatte sich ihm die Möglichkeit geboten, im Gebiet zwischen Maas und Schelde seine Macht auszubauen. Er kämpfte erfolgreich mit den ROBERTINERN gegen die Normannen und half dem robertinischen König Odo von Frankreich. Er war mit Zwentibold zuerst im Jahre 895 auf jenem sonst misslungenen Eroberungszuge ins Westreich in nähere Verbindung getreten und hatte sich, von König Karl abfallend, ihm angeschlossen. Voller List und Verschlagenheit, zugleich tapfer und kriegerisch, wusste Reginar sich das unbedingte Zutrauen des jungen Königs und den ersten Platz in seinem Rate zu erwerben. Von der königlichen Huld getragen und unterstützt, breitete er seinen Machtbereich gewaltig aus: er verwaltete eine Grafschaft im Haspengau am linken Ufer der Maas; in Gemeinschaft mit dem Bischofe Franko von Lüttich bestand er an der Küste manchen Strauß gegen die normannischen Eindringlinge. Als Laienabt bezog er seit etwa 897 die Einkünfte des Klosters Echternach im Trierer Sprengel und desgleichen erschlich er von Zwentibold den Besitz der St. Servatius-Abtei zu Maastricht, welche Kaiser ARNULF dem Erzbischof Ratbod geschenkt hatte. Aus dieser glänzenden und einflussreichen Stellung wurde Reginar Anfang des Jahres 898 jählings herabgestürzt: Zwentibolds Zorn entbrannte so heftig gegen den bisherigen Vertrauten, dass er ihm nicht nur alle in Lothringen gelegenen Lehen, sondern auch alle seine Eigengüter absprach und ihm den Befehl erteilte, binnen 14 Tagen sein Reich zu verlassen. Reginar verband sich sogleich mit dem ebenfalls abgesetzten Grafen Odakar und anderen Missvergnügten, die das gleiche Los getroffen hatte. Mit Weib und Kind und allem ihrem Hausrat warfen sie sich in einen sehr festen Ort zweifelhafter Lage, Durofostum oder Durfos, am Ufer der Maas und verschanzten sich daselbst. Der König rückte mit einem schnell gesammelten Heere gegen sie ins Feld, aber er konnte Durfos nicht erobern, weil die Sümpfe und Überschwemmungen der Maas den Ort unzugänglich machten. Sobald die Belagerung aufgehoben war, begab er sich zum westfränkischen König Karl, leistete ihm den Treueid und forderte ihn zu einem Einfall in Lothringen auf. Karl besetzte zwar die Kaiserstadt Aachen und begab sich dann nach Nimwegen, musste aber beim Herannahen Zwentibolds in sein Reich zurückkehren, da auf beiden Seiten unter den Vasallen die Lust zum Kampfe fehlte. Wie die übrigen lothringischen Großen erkannte er jedoch nach dem Tode Kaiser ARNULFS dessen Sohn Ludwig das Kind als seinen Oberherrn an. Nach dem Tode Zwentibolds führte er den Titel eines Herzogs, war zeitweise auch Pfalzgraf von Lothringen und verdrängte dort die KONRADINER. Als mächtigster Feudalherr Lothringens lud er zusammen mit anderen Großen 911 den KAROLINGER Karl den Einfältigen zum Kommen ein, der ihre Huldigung empfing. Bereits 912 erhielt er von diesem das Kloster St. Maximin in Trier, das vorher dem KONRADINER Eberhard gehört hatte. Neben dem Kloster St. Maximin in Trier besaß Reginar in Ober-Lothringen schon seit der Zeit König Zwentibolds die Abtei Echternach. Weiter nördlich in den Ardennen gehörte ihm seit den ersten Regierungsjahren Ludwigs des Kindes die beiden eng verbundenen Klöster Stablo und Malmedy. Ein besonders wichtiger Besitz für Reginar war wegen seiner strategischen Lage das St.-Servatius-Stift in Maastricht, das er seit der Zeit Zwentibolds in den Händen hatte. Vermutlich verfügte er auch über das Kloster St. Chevremont. Die genannten Königsklöster, denen Reginar als Laienabt vorstand, bedeuteten mit ihren ausgedehnten Besitzungen eine wesentliche Stütze seiner Stellung. Der Schwerpunkt von Reginars Macht lag aber im Raum zwischen mittlerer Maas und Schelde, besonders im Hennegau und Hasbengau. Der Lommatschgau war zwar an seinen Schwiegersohn gefallen, doch gehörte er immer noch zu Reginars Einflussbereich. Reginar verfügte auch über das Königsgut in seinem Gebiet.
 
 
 

  1. oo Ermentrude, Tochter Ludwigs II. des Stammlers
                 -

  2. oo Alberada
                 - nach 919

        915 energische Regentin für die Söhne
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Kunigunde
         -

  1. oo Wigerich Pfalzgraf von Lothringen
                   - um 912

  um 920
  2. oo Richwin Graf von Verdun
                  -15.11.924 ermordet

2. Ehe

  Giselbert
  880/95-2.10.939

  Reginar II.
  um 895- nach 932

  Tochter Erbin des Lommatschgaus
         -

  oo Berengar Graf von Namur
              - um 940   Großneffe BERENGARS I.
 
 
 
 

Literatur:
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Annalen von St. Vaast - Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite 24,27,35 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998  Tafel 31 Seite 63 - Dümmler Ernst: Die Chronik des Abtes Regino von Prüm. Verlag der Dykschen Buchhandlung Leipzig, Seite 110,112 - Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Seite 409,464-468,471-501, 519,542,544,548, 568-570,577,84,628 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 30 - Hlawitschka Eduard: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Untersuchungen zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9., 10. und 11. Jahrhundert. Kommissionsverlag: Minerva-Verlag Thinnes  Nolte OHG Saarbrücken 1969 Seite 154 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968 Seite 163,172-180,188-190,192-196,198, 201-204,217 - Hlawitschka Eduard: Stirps Regia. Forschungen zum Königtum und Führungsschichten im frühen Mittelalter. Ausgewählte Aufsätze. Festgabe zu seinem 60. Geburtstag. Verlag Peter Lang Frankfurt am Main - Bern - New York - Paris Seite 134,256,363,378,383,385,389,411,560 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 43,59,74,80,242 - Mohr Walter: Geschichte des Herzogtums Lothringen. Verlag "Die Mitte" Saarbrücken 1974 Seite 12-17 - Mühlbacher Engelbert: Deutsche Geschichte unter den Karolingern. Phaidon Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion Seite 443 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 425,439,451,525-527,574,605,616,631-633 - Renn, Heinz: Das erste Luxemburger Grafenhaus, Bonn 1941 Seite 11-12 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991 Seite 271,292 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992 Seite 194,197-201 - Stein, Friedrich: Geschichte des Königs Konrad I. von Franken und seines Hauses, Nördlingen 1872 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 16 - Werner Karl Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1995 Seite 476,480,484,522 -