Otto                                                 Herzog von Lothringen (940-944)
-------                                               Graf von Verdun
    - Anfang 944
 

Sohn des Grafen Richwin von Verdun aus seiner 2. Ehe mit einer Sächsin (eventuell einer Tochter Herzog Ottos des Erlauchten von Sachsen)
 

Glocker Winfrid: Seite 267
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik."

III. 6. NNw bez. 932
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oo Wido (Thüringer)
 

Illegitime Tochter des Herzogs Otto der Erlauchte

Die außereheliche Tochter Herzog Ottos des Erlauchten war mit einem Thüringer namens Wido vermählt; sie ist im Bericht Widukinds I c. 38, S. 56, über die Ungarnkämpfe 932 bezeugt.
Eckhardt, Funde (2. Auflage) S. 60 ff. macht Richwin, Gemahl der Kunigunde, die wir als Mutter des Grafen Siegfried von Luxemburg und somit als Großmutter der Kaiserin Kunigunde kennen, zu einem unehelichen Sohn Herzog Ottos des Erlauchten, um auf diese Weise eine rätselhafte Angabe im Indiculus loricatorum (MGH Const. I, Nr. 463) zu erklären. Wir lesen dort: "Domnus Sicco, imperatorius frater, ducat XX." Dieser Sicco konnte bisher nicht überzeugend identifiziert werden. In der älteren Forschung dachte man bei Sicco an einen unehelichen Sohn OTTOS I., so Philipp Jaffe (in: MGH Const. I, S. 633, Anm. 4). Mathilde Uhlirz hielt dagegen Graf Siegfried von Luxemburg als einen besonderen Vertrauten und wohl auch Verwandten Kaiser OTTOS II. für den "imperatorius frater".
Eckhardt hingegen brachte zwei Argumente vor, mit denen er seine Thesen zur Filiation Richwins, des Gemahls Kunigundes, zu stützen suchte. Richwin hatte einen Sohn Otto, der 940 Herzog in Lothringen wurde. Es tritt also der Leitname "Otto" auf, den Eckhardt als Hinweis auf die OTTONEN wertet, und zudem, so Eckhardt weiter, müsse dieser Otto, Sohn Richwins, schon allein deshalb ein Verwandter OTTOS I. sein, weil dieser in der Anfangszeit seiner Regierung nur Verwandte mit dem Herzogsamt betraut habe. Gegen diese These ist nicht nur zu entgegnen, dass aus dem Vorkommen eines Leitnamens allein nicht auf Verwandtschaft geschlossen werden darf; zudem kann dieser Name zur Zeit der Geburt von Richwins Sohn (vor 925) noch nicht in dem Maße Leitname im sächsischen Königshaus gewesen sein, wie es dem modernen Betrachter scheint. Zu der These, König OTTO I. habe bereits in den Anfangsjahren seiner Regierungszeit die politische Absicht verfolgt, die eigene Herrschaft mit der Einsetzung von Verwandten besser abzusichern, vgl. im 1. Teil S. 69 f., wo gezeigt wird, dass König OTTO I. gerade in den bei dieser These in Frage stehenden Anfangsjahren seiner Regierung nicht so sehr auf mögliche Verwandtschaft geachtet hat, wenn es um die Neubesetzung des Amtes eines Markgrafen, Herzogs usw. ging. Und wie sollte auch der "Sachse" Richwin nach Ober-Lothringen gekommen sein? Die Zuweisung des zweiten Gemahls der Kunigunde zu den Söhnen Ottos des Erlauchten durch Eckhardt muß zurückgewiesen werden.



Nach dem Tode des Herzogs Giselbert wurde Otto vom deutschen König mit der Verwaltung Lothringens betraut, die er 940 an Heinrich, den Bruder OTTOS I., abtreten mußte. Dieser konnte sich nicht gegen die aufständischen Lothringer durchsetzen und so wurde im Herbst 940 Graf Otto, der mächtigste Mann in Oberlothringen, zum Herzog ernannt.

Mohr Walter: Band I Seite 21-22
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"Geschichte des Herzogtums Lothringen"

Allerdings fügte sich schon bald zu HEINRICHS I. Anhängern Graf Otto von Verdun, dem König Rudolf von Burgund insofern verhaßt sein mußte, als dessen Bruder Boso den Vater Ottos ermordet hatte.
Daneben stand eine Fehde zwischen dem Grafen Boso, dem Bruder des westfränkischen Königs, und dem Grafen Otto von Verdun. Im Jahre 925 leisteten Giselbert und Graf Otto von Verdun dem westfränkischen König Rudolf Huldigung.

Kienast Walter: Seite 324
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"Der Herzogstitel in Deutschland und Frankreich (9. bis 12. Jahrhundert)."

Otto, Sohn Richwins (941-944) wird nur einmal als dux genannt [87 942 Nov. 17, D O I. 52 Or.: O.is ducis.].

Hlawitschka, Eduard: Seite 71
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"Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Studien zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9.,10. und 11. Jahrhundert"

Ist doch durch die Vita Johanns von Gorze bekannt, daß Bernoin ein Bruder des Grafen Adalbert von Metz war [1 MG SS IV Seite 347 c. 38: (Adalbert), qui magnitudine, potentia ac ferocitate cum sui tum fratris Bernuni Virdunensis episcopi, acerrimae pariter mentis viri ... - Adalbert ist nicht ausdrücklich als comes Mettensis bezeugt, doch kennen wir eine ähnliche Bezeugung für seinen Vater. Außerdem lassen sich Adalberts Beziehungen zu Metz nachweisen. Am 15. März 942 unterzeichnete Adelbertus comes zum Beispiel die Urkunde des Bischofs Adalbero von metz über die Errichtung neuen religiösen leebns in Sankt Arnulf in Metz an erster Stelle nach Herzog Otto.; Gallia Christiana XIII, Instr. Seite 386 nr. 18, und A. Calmer, Histoire de Lorraine 1. Aufl. I Pr. Seite 349f., 2. Aufl. II Pr. Seite 188 ff.].
 
 
 
 

  oo N.N.
             -
 
 
 
 

Kinder:

  Irmgard
        -

  oo Robert I. Graf von Namur
               - vor 981
 
 
 
 

Literatur:
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Adalbert: Fortsetzung des Regino a 940 - Annalista Saxo: Reichschronik a. 942 - Barth Rüdiger E.: Der Herzog in Lothringen im 10. Jahrhundert, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1990, Seite 39,40, 72,77,79,83-104,105,106,111,118,120,123,126,129,133,137,139,140,145-147,158-160,164,167-173, 177,186,191 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 102, 267 - Hlawitschka, Eduard: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Studien zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9.,10. und 11. Jahrhundert, Saarbrücken 1969, Seite 71, 126-128 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 77,124, 126 - Kienast Walter: Der Herzogstitel in Deutschland und Frankreich (9. bis 12. Jahrhundert). R. Oldenbourg Verlag München - Wien 1968 Seite 324 - Köpke, Rudolf/Dümmler Ernst: Kaiser Otto der Große, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1962 Seite 86,107,126,127,129,131 - Mohr Walter: Geschichte des Herzogtums Lothringen. Verlag "Die Mitte" Saarbrücken 1974 Band I Seite 21-22,32 - Schwager, Helmut: Graf Heribert II. von Soissons. Verlag Michael Lassleben Kallmünz/Opf. 1994 Seite 6,66,186, 206/07,221,226/34,273,291,320,323,329,331-335 - Waitz, Georg: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter König Heinrich I., Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963 Seite 64,73,78,79 - Widukind von Corvey: Die Sachsengeschichte. Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stutggart 1981 Seite 101,141,147 - Wies Ernst W.: Otto der Große. Kämpfer und Beter. Bechtle Verlag Esslingen 1989 Seite 117 -