Barth Rüdiger E.: Seite 40,72,77,79,83-104,186
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"Der Herzog in Lotharingien im 10. Jahrhundert"

ANHANG ZU KAPITEL VI

OTTO COMES
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Otto von Verdun, + 944, Sohn Graf Rikwins. Der KONRADINER Otto, Bruder des späteren Königs KONRAD I. und Graf im Duiosburggau ist aus geographischen und politischen Gründen wohl auszuschließen; vgl. Rec. Ch. III, Seite 352.



Eine Urkunde Karls des Einfältigen aus dem Jahr 916 und zwei Diplome aus dem Jahr 919 erwähnen Giselbert ohne Titel [4 Rec. Ch. III, Seite 188, Nr. 84 v. 19.1.916 Reichsvers. Herstal betr. Bestätigung oder Übertragung der Abtei Süsteren - ehem. pippinisches Hauskloster - an Prüm. - Giselbert an dritter Stelle der weltlichen Großen nach Pfalzgraf Widricus und Graf Rikwin. Giselbert ohne Titel, jedoch vor seinem alten Rivalen Matfridus, ebenfalls ohne Titel, und vor zehn Grafen und siebzehn titellosen Großen. Anwesende: Rotgarius archiep. (Trier), Herimannus archiep. (Köln), Dado episc. (Verdun), Stephanus ep. (Lüttich), Widricus comes palatii (Stammveter des ersten Luxemburger Grafengeschlechts; Vater Graf Friedrichs I., + 916/19), Richwinus comes (Graf von Verdun, a. 935 von Boso ermordet; zweiter Gemahl Kunigundes, die in erster Ehe mit Widricus verheiratet war.), Gislebertus (Sohn des eben verstorbenen Reginar I.), Matfridus (Graf im Metzgau, Schwager Bischofs Dado, Vater von Berninus, Bischof von Verdun, Bruder von Richarius, Bischofs von Lüttich), Beringarius comes (Graf im Lommegau, Schwiegersohn Reginars I., Schwager Giselberts), Theodericus comes (Graf Dietrich I., Sohn des friesischen Grafen Gerulf), Reinherus comes (Graf Reginar II., Bruder Giselberts, Graf im Hennegau, + 932), Erleboldus comes (+ 921; Graf im Lommegau, Castriciusgau, Charpeigne, hatte eine Tochter Karls III. geheiratet), Ruodulfus comes (Sohn Reginars II., Bruder Reginars III., Neffe Giselberts, Graf im Haspengau, 958 mit Reginar III. verbannt), Otto comes (Otto von Verdun, + 944, Sohn des Grafen Richuinus, Graf von Verdun). Cunradus comes (Sohn des 902/03 gefallenen Eberhard, Graf im Niederlahngau, + 948), Walcherus comes (Bruder des Grafen Dietrich I.) und 17 titellose Edle.].
Im Chronicon Mediani monasterii finden wir als Laienäbnte des südöstlich von Nancy gelegenen Klosters Moyenmoutier nach Rikwin, dessen Söhne Otto und Bso, die als Grafen von Verdun beziehungsweise Burgund identifizierbar sind, auch einen Giselertus als Laienabt erwähnt. Graf Rikwin starb 923, sein Sohn Otto 944 und unser Giselbert 939, also eine Sequnz von Rikwin, Otto, Bso und Giselbert, Sohn Reginars I., ist nicht möglich.
Der gar nicht in sein geschildertes Verhaltensbild von 928 bis 939 passende Aufstand Giselberts 939 gegen OTTO I. im Bund mit Eberhard von Franken, Graf Otto voN Verdun, Issak Graf von Cambrai, Graf Dietrich von Holland und sekundiert vom westfränkischen König Ludwig Transmarinus war ein erneutes Zeichen seines Aktionismus.
Im Gegensatz zu den Führungspersönlichkeiten Süd-Lotharingiens, Otto von Verdun und Friedrich I. [194 Otto von Verdun: Wampach, Lux., Nr. 157, Seite 197f.; Chron. et Ch. Abbaye S. Mihiel Mett. II, Nr. 25, Seite 112, vom 20.7. 943-944.], finden wir keinen Beleg für eine den Grafen übergeordnete Gerichtsbarkeit Giselberts.
Wir wollen uns nun Otto von Verdun widmen, der gemeinhin als von 940 bis 944 amtierender Herzog von Lothringen bezeichnet wird [1 Jean-Pol Evrard, Les comtes de Verdun au Xe et XIe siecles, in: Public. Sect. Hist. Institut G.-D. de Luxembourg 1981, Seite 154f.; H. Renn erwähnt Otto in: Die Ahnen und Geschwister des ersten Luxemburger Grafen Sigfrid, viermal beiläufig; keine Erwähnung ebd. in Renns Stammatfeln; Ders., in: Das Erste Luxemburger Grafenhaus (936-1136), keinerlei Erwähnung Ottos; M. Parisse, La noblesse larraine, keine Erwähnung in Gebnealogie der Nachkommen Kunegondes und Wigerichs; Ulrich Nonn, Pagus et comitatus, keinerlei Erwähnung Ottos trotz eingehender Auseionandersetzung mit den Ardennergrafen und deren Sippe; Dümmler, Otto der Große, nur gelegentlich Erwähnun; die hervorragende und detaillierte Auflistung der Nachkommen Karls des Großen von Braunfels und P.E. Schramm (Karl der Große Band 4) erwähnt Graf Rikwin und Ottos Stiefbrüder, Otto selbst nicht; Ann. Flodoard a. 944, Seite 91: Otho dux Lothariensium vita decessit; Cont. Regin. SS I, Seite 619, a 943 (!): Otto dux obiit, cui Chuonradus .. in ducatu successit; Wid. II, c. 33, SS III Seite 447, a. 943 (!): Defuncto autem Oddone, Lothariorum preside, ac regis nepote Heinrico, ducatus regionis conceditur Conrado.]. Otto von Verdun hingegen wurde von OTTO I. ernannt, und zwar als Beauftragter - in erster Linie - für außenpolitische und außenmilitärische Aufgaben. Die zweite Zäsur ist die - nach Ausklingen der MATFRIDINGER Führungsposition - zweite Schwerpunktverlagerung in Richtung Süden. DieArdennen im weitesten Sinne des geographischen Begriffs als Kerngebiet treten an die Stelle der ehedem reginarischen Kernlandschaft des Maas-Schelde-Raumes.
Die extreme Kargheit verläßlicher Belege für Otto von Verdun sei hier schon hervorgehoben. Wir finden Otto von Verdun nur in einem einzigen Königsdiplom, und zwar als Intervenient im Jahr 942
[2 D O I 52, S. 135 vom 17.11.942: OTTO schenkt Besitzungen an einen Volguin: per interventum fidelis nostris Ottonis ducis.]. Diese nur einmal feststellbare Intervenienz Ottos ist allerdings auch Ausdruck königlicher Polöitik.
Schon der allgemein akzeptierte Rang eines Grafen von Verdun entbehrt für Otto von Verdun eindeutiger Beweisunterlagen. Dass er bisweilen nur als comes figuriert, ohne geographische oder ethnische Bereichszuordnung, ist für das 10. Jahrhundert nicht außergewöhnlich. In der Literatur findet Otto von Verdun nur gelegentliche, beiläufige Erwähnung. Die Primärquellen sind sich sogar über Ottos Todesjahr nicht einig. Widukind und der Continuator Regionis schreiben 943. Flodoard geht von 944 aus. Die Verläßlichkeit der Annalen Flodoards erlauben, sich auf den Kleriker von Reims zu stützen.
Otto, Graf von Verdun, war Sohn und Nachfolger Rikwins, ebenfalls Graf von Verdun, von Meurisse im Jahr 1643 auch als Graf von Metz eingestuft. Rikwin war zweiter Gemahl der Gräfin Kunegonde, die in erster Ehe mit Graf Wigerich verehelicht war. Graf Wigerich und Graf Rikwin waren bedeutende Persönlichkeiten des südlotharingischen Raums. Otto von Verdun war Stiefsohn der in zweiten Ehe mit Graf Rikwin verehelichten Gräfin Kunegonde und Stiefbruder Friedrichs I. von Ober-Lothringen. Ottos Stiefmutter war Enkelin des westfränkischen Königs Ludwigs II. des Stammlers.
Dass Otto ein gemeinsamer leiblicher Nachkomme Graf Rikwins und dessen wenigstens zweiten Gemahlin ist auszuschließen. Rikwin heiratete Gräfin Kunegonde wahrscheinlich zwischen 916 und 919. Für das Jahr 923 berichtet Flodoard, dass Otto als Parteigänger HEINRICHS I. in des letzteren lotharingischen Auseinandersetzungen eingegriffen habe. Im Alter von vier oder sieben Jahren hätte Otto wohl kaum eine aktive Rolle in den lothringischen Wirren spielen können.
Woher stammt nun Otto von Verdun mütterlicherseits?
Heinz Renn [13 Renn (wie Anm. 1), Seite 25.] scheint es sich zu leicht zu machen, wenn er annimmt, dass Otto von Verdun ein Sohn der laut Regino von Prüm 883 wegen Ehebruch enthaupteten Ehefrau Rikwins war. Dass sie einen Sohn hinterlassen hätte, ist weder bei Regino noch sonstwo belegt. Es ist gleichermaßen unwahrscheinlich, dass Graf Rikwin von 883, dem Jahr der Enthauptung seiner damaligen Ehefrau, bis 916 beziehungsweise 919, also 33 beziehungsweise 36 Jahre wartete, um zum zweiten Male, nämlich die Witwe Graf Wigerichs zu ehelichen.
Wenn Otto der Sohn beider, Rikwins und seiner später enthaupteten Gattin war, muß er vor 883 beziehungsweise vor ihrer Enthauptung geboren worden sein. Wenn Otto von Verdun das Kind beider war, muß er demzufolge spätestens 882 gezeugt worden sein. Von der Voraussetzung ausgehend, dass Rikwin bei der Zeugung ungefähr 20 Jahre alt gewesen ist, hätte er Gräfin Kunegonde nach dem Tod ihres Gatten zwischen 916 und 919 im Alter von 54 bis 57 Jahren geehelicht, ein ansehnliches Alter für damalige Lebenskurven, geschweige denn für einen frischen Ehemann.
Eine kalendarische Vorverlegung der Zeugung Ottos und ein entsprechender Altersanstieg Rikwins zur Zeit seiner Verehelichung mit Kunegonde macht noch unwahrscheinlicher, dass Otto der Sohn der Enthaupteten war. Dass die Mutter eines gerade geborenen Stammhalters sich so eilends einem Ehebruch hingibt, ist ebenfalls unwahrscheinlich. Die Annahme liegt nahe, dass Otto der Sohn einer anderem zweiten Eheschließung Rikwins war, die Rikwin nach 883 einging.
Auffallend ist der Name Otto. Sowohl vorher wie nachher ist er in der ARDENNER-Sippe unbekannt. Der Namensgebung ist zu jener Zeit Bedeutung beizumessen. Im hohen Mittelalter tragen Neugeborene häufig den Namen naher Familienangehöriger. Der Name Otto hat sächsischen Klang, trägt doch der Vater HEINRICHS I. schon diesen Namen, ganz zu schweigen von HEINRICHS I. Nachfolgern. Wäre es so abwegig, sich vorzustellen, dass Rikwin in zweiter Ehe eine sächsische Edle ehelichte oder gar eine Angehörige der LIUDOLFINGER, also eine Verwandte des 836 geborenen und 912 verstorbenen Herzogs Otto I. von Sachsen? Mit dem sächsischen Verwandten Berengar als Oberhirte von Verdun und einem Herzog sächsischen und lotharingischen Blutes hätte OTTO I. den südlotharingischen Raum hervorragend abgesichert. Das wäre ein plausibler Grund für die Ernennung Ottos zum Dux.
Als Graf von Verdun dürfte Otto wohl auch Vogt oder Obervogt des Verduner Bistums gewesen sein. Gleichsam als Pfand gegen Herrschaftsansprüche Reginars II., Bruder des 939 umgekommenen Giselbert, und zur geiselähnlichen und langfristigen Konsolidierung der Stellung Ottos von Verdun wurde diesem Giselberts junger Sohn Heinrich, Neffe OTTOS DES GROSSEN, übergeben. Das frühe Hinscheiden beider, Heinrichs und Ottos, konnte nicht erahnt werden.
Otto von Verdun verstarb schon 944 [25 Siehe Anm. 1].
Dass sich der König für Otto von Verdun entschied, ist zunächst doppelt verwunderlich, hatte doch derselbe Otto ebenfalls 939 an Giselberts Aufstand gegen OTTO DEN GROSSEN partizipiert und bestand doch gerade bei Otto von Verdun die Gefahr, dass OTTOS I. Betonung reichszentraler Dominanz, wie bei den Aufständischen von 939, als königliche Rechtsmißachtung des gewohnheitsrechtlichen consensus vom Hochadel als zeitgemäße Begründung des ebenfalls zeitgemäßen Widerstandsrechts verwandt würde. Dieses Risiko erschien noch größer dadurch, dass Graf Ottos Stiefbrüder teilweise ebenfalls in die Rebellion von 939 verwickelt waren.
Gesamtpolitischen Sachzwängen verdankte Otto von Verdun seine Ernennung zum politischen Bevollmächtigten und custos der lotharingischen Westgrenze. Schon an dieser sei vermerkt, dass Flodoard zum Jahr 940 Otto von Verdun nicht erwähnt.
Man kann sich natürlich die Frage vorlegen, warum der deutsche König gerade Otto von Verdun zum dux ernannte und nicht ein anderes Mitglied dieser zahlreichen und einflußreichen Sippe, zum Beispiel dessen Stiefbruder Graf Siegfried von Luxemburg oder Graf Friedrich, den späteren sogenannten Herzog oder Unterherzog von Ober-Lothringen. Wenn wir von der wohl richtigen Annahme ausgehen, dass Otto wie sein Vater Graf von Verdun war, dürfte die Erklärung unter anderem in der an der Westgrenze des Reichs strategisch bedeutenden Lage Verduns liegen.
Die Annalen Flodoards erwähnen zum Jahr 940 wohl die Übertragung des lothringischen Herzogtums an den Bruder OTTOS DES GROSSEN, nicht jedoch dessen Absetzung im selben Jahr. Erstaunlicherweise und im Gegensatz zum Continuator Reginonis und zu Widukind findet Otto von Verdun erst seit 942 bei Flodoard Erwähnung, und zwar als Herzog der Lothringer, während Widukind für das Jahr 939 ausschließlich Otto als Herzog kennt und Heinrich überhaupt nicht erwähnt.
Die Rücknahme der großen Königsabteien St. Servatius bei Maastricht, St. Maximin bei Trier, das Kloster Echternach und das Doppelkloster Stablo-Malmedy aus der Laiengewalt unterstreicht die gestärkte Stellung des deutschen Königs. Sie bedeutet gleichzeitig eine erhebliche Schmälerung des wirtschaftlichen und logistischen Potentials Ottos von Verdun im Vergleich zu seinem Vorgänger Giselbert. Es spricht alles für einen weitgehenden Verlust ehemals giselbertschen, bedeutenden wirtschaftlichen und machtpolitischen Reservoirs im Norden und für eine südlich gerichtete Schwerpunktverlagerung.
Militärisch und außenpolitisch war Lotharingien an die Person Ottos von Verdun gebunden. Der innerlotharingische Einflußbereich hingegen war vornehmlich in der südlichen Region verwurzelt. Von einem Versuch eigenständiger Besetzung von Bischofssitzen ist bei Otto von Verdun keine Rede, wiederum im Gegensatz zu Giselbert. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Giselbert gibt uns auch die Archäologie keinen numismatischen Hinweis, ob er das Recht der Münzprägung besaß oder es faktisch ausübte.
Erst seit 942 wird der dux Otto militärisch und außenpolitisch als "aktiv an der Westpolitik beteiligt" erwähnt, sei es 942 als Befehlshaber eines deutschen Hilfskontingents, als aktive Hilfe für Hugo von Franzien und Heribert von Vermandois gegen Ludwig IV., sei es 942 als Unterhändler eines dreimonatigen Waffenstillstandes im Auftrag des deutschen Herrschers, sei es 942 als Empfänger westfränkischer Geiseln zu deren Weiterleitung an OTTO DEN GROSSEN, sei als Vorbereiter und Vermittler einer 942 in Vouziers an der Aisne oder Vise an der Maas im Oktober 942 geschlossenen Aussöhnung zwischen dem westfränkischen König und dem deutschen Herrscher einerseits und Hugo von Franzien und Heribert von Vermandois andererseits, sei es 943 zusammen mit seinem Stiefbruder Adalbero I. von Metz, wiederum als Vermittler und Unterhändler.
Es ist nun auffallend, dass die einzigen Urkunden, die Otto von Verdun den Kurztitel dux einräumen, 942 datieren. Noch am 3. Juni 940 bleibt Otto von Verdun sogar in einem die Abtei St. Maximin betreffenden Diplom unerwähnt. Es fällt auf, dass in erstaunlicher Zeitparallelität der Zeitgenosse und zuverlässige Chronist Flodoard von Herzog Otto erst seit 942 berichtet. Es fällt ebenfalls auf, dass Ottos außenmilitärische und außenpolitische Tätigkeit gleichermaßen 942 einsetzt. Es drängt sich daher die starke Vermutung auf, dass Otto erst seit 942 dukale Funktionen übernahm, und nicht schon 940 wie allgemein in der Literatur angenommen.
Wir fassen als wesentliche Erkenntnisse zusamemn:
1. Beauftragung Ottos als Amts-Herzog mit Aufgaben jenseits der Westgrenze statt Anerkennung eines dukalen Tatbestandes.
2. Dank Ottos direkter und indirekter Hausmacht raumpolitische Schwerpunktverlagerung in Richtung Süden, wobei der Terminus "raumpolitisch" nicht im Sinne moderner Planungslenkung verstanden werden soll. Diese südliche Radizierung einer beschränkten Herzogsgewalt korrespondierte mit dem reichspolitischen Leitmotiv, keine vereinende, gesamtlotharingische, in einer Person konzentrierte, die Reichseinheit gefährende herzogliche Macht an der Westgrenze des Reiches zuzulassen.
3. Otto von Verdun wird erst 942 dux, nicht schon 940. Das Ende der binnenlotharingischen Dominanz der reginarschen Sippe erlaubte dem König, das lotharingische Herzogtum vorübergehend unbesetzt zu lassen. Eine lotharingische Führungsvakanz gab es auch nach dem Ableben des Erzbischofs Bruns und ´nach dem Tod Ottos, Sohn Herzog Karls, zwischen 965 und 977 und von 1005 bis 1012.
4. Die reixchspolitische Einstufung Lotharingiens als westliches Glacis des Reichs verdeutlicht sich durch die Beauftragung Ottos von Verdun mit außenpolitischen und außenmilitärischen Missionen als ihm vom Kömnig vergebener, grenzsichernder und wesentlicher Bestandteil seiner Funktionen.
5. Auch Otto von Verdun hat den geographischen Raum nicht durchdrungen. Ungeachtet der vorher erörterten, wahrscheinlichen Zielsetzungen seines politischen Konzeptes fehlten ihm die geographisch-politischen Voraussetzungen für eine dem deutschen Könihtum wohl unerwünschten Ausfüllung der nach 939 entstandenen innerlothringischen Machtlücke.
6. Der raumherrschaftliche Schwerpunkt verlagerte sich erneut vo Norden in den Süden. Statt der bei den lotharingischen Führungspersönlichkeiten bisher üblich gewesenen politisch-geographischen Gemengelage des sie umgebenden Adels wiese, wenn auchnoch nur in Schattierungen, urkundlich erkannbare oberlotharingische Adelsgruppierungen auf eine Tendenz zu südlotharingischer Absonderung.