Sophie                                           Äbtissin von Gandersheim (1002-1039)
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Sommer/Herbst 975-27./30./31.1.1039

Begraben: Gandersheim
 

Älteste Tochter des Kaisers OTTO II. DER ROTE und der Theophanu von Byzanz, Tochter von Konstantin Kleros
 

Glocker Winfrid: Seite 295
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

VI, 6 SOPHIE
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* 975 Hochsommer/Herbst, + 1039 I 27/30/31,

989 X 18 Kanonissin in Gandersheim, 1002 Äbtissin von Stift Gandersheim, 1011 (?) auch von Stift Essen

Sophie ist uns als Tochter Kaiser OTTOS II. bezeugt durch D O II. 201 von 979 IX 27, als Tochter der Theophanu bei Thietmar IV c. 10, S. 142, und als Schwester der Äbtissin Adelheid von Quedlinburg in den Annales Quedlinburgenses a. 999, SS III 76.
Zum Zeitpunkt der Geburt Sophies vgl. Perst, Reihenfolge S. 234 f.
Die Belege zum Sterbejahr und die unterschiedlichen Angeben zum Todestag hat Bresslau Jbb. Konrad II. Bd. 2, S. 133, Anm. 2, zusammengestellt.
Zur Weihe Sophies als Kanonissin in Gandersheim, dem Zeitpunkt dieser Weihe sowie allgemein zu ihrer Person, vgl. Perst, Sophie passim.



Hlawitschka; Eduard: Seite 154
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"Kaiser Otto II." in: Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern.

DIE NACHKOMMEN KAISER OTTOS II.

1. SOPHIE
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* Hochsommer/Herbst 975
+ 27.1.1039

Grabstätte: in Gandersheim

seit 989 Kanonissin in Gandersheim
seit 1002 Äbtissin des Stiftes Gandersheim
ab 1011 (?) auch von Stift Essen



Schwennicke Detlev: Tafel 10
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

SOPHIA
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* IX 975, + 27./31. I 1039

989 Can., 1001 Electa, 1002 Äbtissin von Gandersheim, um 1012 auch Äbtissin von Essen



Black-Veldtrup Mechthild: Seite 167,168,239
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"Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien."

Zur Absicherung seiner Schwester Sophia, der Äbtissin von Gandersheim, schenkte OTTO III. anläßlich seiner Mündigkeitserklärung im Sommer 994 das Gut Eschwege, das vorher zum Dotalgut seiner Mutter Theophanu gehört hatte.
Am 27. Oktober 979 erhielt die Kaiserin den Ort Belkecke verbrieft; am selben Tag stellte OTTO II.auf Theophanus Intervention dem Stift Gandersheim eine Schenkungsurkunde aus, die ausdrücklich als Anlaß für diese Schenkung die Übergabe einer Tochter des Kaiserpaares, Sophia, an das Stift zur Erziehung nennt.

Althoff Gerd: Seite 57,73
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"Otto III."

Nach Darstellung der Vita Bernwardi war im Jahre 987 die Schwester OTTOS III., Sophie, nicht damit zufrieden, den Nonnenschleier vom eigentlich zuständigen Hildesheimer Bischof Osdag zu empfangen. Sie wandte sich an Willigis, den Mainzer Erzbischof, der ihr versprach, sie als Nonne einzukleiden "ohne viel zu überlegen, wie sehr er dadurch altes kanonisches Recht verletzte". Nach der Hildesheimer Darstellung kannte das anmaßende Verhalten des Willigis keine Grenzen: Er bat nicht, wie üblich, um Erlaubnis zur Einreise in den Hildesheimer Sprengel, sondern befahl seinem Hildesheimer frater und coepiscopus, zur Einkleidung der Gandersheimer Nonnen nach Gandersheim zu kommen. Von diesem vorsichtig unter vier Augen zur Rede gestellt, gab er "mit drohendem Blick gereizt" zur Antwort, daß Gandersheim zu seinem Sprengel gehöre. Der Hildesheimer Bischof ließ sich durch diese Zurechtweisung jedoch nicht einschüchtern und scheute nicht davor zurück, an genau dem Tag die Auseinandersetzung fortzuführen, der für die Weihe der Nonnen festgelegt war. Dies geschah im Beisein des königlichen Kindes OTTO III. und seiner Mutter Theophanu sowie mehrerer Bischöfe und Fürsten. Es gelang nicht, die Auseinandersetzung beizulegen; vielmehr ließ der Hildesheimer Bischof seinen Bischofsstuhl neben dem Altar aufstellen, um so sein Recht als Diözesan-Bischof zu verteidigen. Und er hatte damit Erfolg. Die Hildesheimer urteilten hierzu: "Fast alle waren ihm wohlgesinnt, da ihnen die anmaßende Art des Erzbischofs mißfiel, auch wenn sie es aus Furcht vor ihm nicht offen zeigten".
Kürzlich wurde wieder darauf hingewiesen, dass OTTO III. bereits am 6. Juli des Jahres 994 eine Urkunde ausstellte, deren Inhalt darauf hindeute, daß er sich bereits zu diesem Zeitpunkt als mündig ansah. Er schenkte nämlich seiner Schwester Sophiedas Gut Eschwege, und zwar, wie in der Urkunde ausdrücklich gesagt wird, auf Grund der Intervention seiner Mutter Theophanuan ihrem Todestag (15. Juni 991). Nun kann man den mehrjährigen Zeitraum zwischen Intervention und Vollzug der Schenkung dahingehend interpretieren, daß OTTO III. erst 994 in der Lage gewesen sei, das Verlangte rechtlich bindend umzusetzen. Zwingend ist eine solche Interpretation jedoch nicht. Eine Fülle anderer Schenkungen hatte OTTO ja - unter anderem auch für seine Schwester Sophie - in den Jahren beurkundet, als er mit Sicherheit noch minderjährig war. Es ist also nicht recht einsichtig, warum er ausgerechnet mit der Schenkung von Eschwege so lange gewartet haben soll, bis er mündig geworden war. Die Bitte der Theophanu könnte nach dem Wortlaut der Urkunde überdies - wie schon die Herausgeber anmerkten - ganz allgemein so verstanden werden, er solle der des Vaters und der Mutter beraubten Schwester seine sustentatio gewähren. Und an diese Bitte erinnerte er, als er die Schenkung an die Schwester vollzog.
In jedem Fall aber kann die von Thietmar angesprochene Verweisung der Großmutter nicht in das zeitliche Umfeld des Beginns der Selbständigkeit fallen, denn wir sehen OTTO III. gerade im Spätjahr 994 in häufigem Kontakt mit ihr - und mit anderen weiblichen Verwandten, der Schwester Sophie und der Tante Mathilde: So intervenierte Sophiein Sohlingen zugunsten des Klerikers Burkhard, des späteren Bischofs von Worms, und bekam dort selbst eine weitere Schenkung. Ende November erhielt OTTOSTante Mathilde, die Äbtissin von Quedlinburg, auf Intervention der Kaiserin Adelheid in Bruchsal ein Marktprivileg. In Erstein dagegen, wo OTTO mit seiner Schwester und Großmutter Weihnachten feierte, stattete er durch mehrere Schenkungen das Kloster Selz, die Gründung der Kaiserin Adelheid, reich aus.

Sophie war in frühester Kindheit der Äbtissin Gerberga von Gandersheim, der Schwester Heinrichs des Zänkers, zur Erziehung übergeben worden. Im Jahre 989 wurde sie in Gandersheim als Nonne eingekleidet. Allerdings scheint die Erziehung auf die junge Prinzessin nicht im Sinne christlicher Demut eingewirkt zu haben, denn sie zeigte schon in diesem jugendlichen Alter ein stark ausgeprägtes Selbstbewußtsein und ließ die stolze, herrische Art ahnen, die ihrer Persönlichkeit später eigen wurde. Die Quellen berichten, daß sie in ihrem Hochmut den Nonnenschleier nicht aus den Händen Osdags von Hildesheim, des zuständigen Bischofs empfangen wollte, sondern darauf bestand, daß Erzbischof Willigis von Mainz, der Träger des Palliums, selbst die Weihe vornehme. Auch wenn wir die ausgesprochene Frühreife der Jugend jener Zeit bedenken, so ist es doch unwahrscheinlich, daß dieses junge Mädchen aus eigenem Antrieb so entscheidend in die kirchliche Organisation eingegriffen hat. Erzbischof Willigis entsprach dem Wunsche der jungen Prinzessin, der ihm die Möglichkeit bot, seine Diözesanrechte über das Kloster Gandersheim auszudehnen. Zu ihrem Bruder OTTO III. scheint die junge, lebhafte und offenbar sehr anziehende Prinzessin ein besonders gutes Verhältnis gehabt zu haben, denn schon am 10. August 990 empfing sie auf Fürbitte ihrer Mutter noch eine persönliche Schenkung ihres Bruders von solchem Umfang, daß ihr nun genügend Mittel für eine standesgemäße Lebensführung in Gandersheim zur Verfügung standen. Der König gab ihr aus seinem Besitz 60 Hufen, zur Hälfte im Liesgau, zur Hälfte im Lochengau an beiden Seiten der oberen Leine gelegen. Prinzessin Sophie nahm im September 994 am Reichstag von Sohlingen teil und gewann in der Folgezeit auch starken politischen Einfluß auf ihren Bruder. Die lebenslustige und geldgierige Sophie ließ sich nach dem Tode des Bischofs Rothard von Cambrai (+ 18.8.995) bestechen und setzte sich für dafür ein, daß Ascelin von Dronghem, der Bastard des Grafen Balduin von Flandern, sein Nachfolger werden sollte. Sophiebegleitete ihren Bruder auf seinem ersten Italienzug (996) und reiste in der Folgezeit immer mit dem Hof mit. Im Jahre 997 wurde sie plötzlich in ihr Klosterleben zurückverwiesen. Nie wieder wurde ihre Anwesenheit am Hofe ihres Bruders erwähnt und es muß ein Zerwürfnis schwerster Natur gewesen sein, das ihn bewogen hat, sich von seiner dilectissima soror, wie sie noch in einer Urkunde vom 1. Oktober des Jahres 997 genannt wurde, zu trennen. Möglich ist, daß der Streit um das Kloster zwischen Erzbischof Willigis von Mainz und Bischof Bernward von Hildesheim ihre Beziehungen zum Kaiser getrübt hatten. Sophie ist dem Kaiser, soweit uns Nachrichten vorliegen, nur einmal noch auf der Fahrt nach Gnesen begegnet, dann scheint sie in ihr Kloster zurückgekehrt sein.
 
 
 

Literatur:
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Black-Veldtrup Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1995 Seite 167,168, 239 - Bresslau, Harry: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II. 3 Bände Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1879 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 103/Band II Seite 471,479,482/Band III Seite 10 - Eickhoff Ekkehard: Theophanu und der König. Otto III. und seine Welt. Klett-Cotta Stuttgart 1996 Seite 164,365,400,447, 477,483,489,493,498,504 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 80,81,233 - Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Band 1- Band 6, Mundus Verlag 2000 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 206-211,295 - Hirsch, Siegfried: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich II. 1. bis 3. Band, Verlag von Duncker & Humblot Berlin 1864 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 24,37,72 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 - Rupp, Gabriele: Die Ekkehardiner, Markgrafen von Meißen, und ihre Beziehungen zum Reich und zu den Piasten, Peter Lang GmbH Frankfurt am Main 1996 - Schneidmüller, Bernd/ Weinfurter Stefan/Hg.): Otto III. - Heinrich II. Eine Wende?, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997, Seite 44,367,381 - Schneidmüller Bernd/Weinfurter Stefan (Hrsg.): Ottonische Neuanfänge. Symposium zur Ausstellung "Otto der Große, Magdeburg und Europa" Verlag Philipp von Zabern Mainz 2001 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 10 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 - Thietmar von Merseburg: Chronik. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Seite 126,196,200,212 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Puset Regensburg 1999, Seite 51,263 -