Liutgard                                        Ostfränkische Königin
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840/50-17.11/30.11.885
            Aschaffenburg
 

Tochter des Herzogs Liudolf von Sachsen und der Oda, Tochter von Graf Billing
 

Schwennicke Detlev: Tafel 10
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

LIUTGARD
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    + 17. oder 30. XI 885

Begraben: Aschaffenburg

  oo vor 29. XI 874
       LUDWIG III. DER JÜNGERE 876 König von Ostfranken (KAROLINGER)
                 + 20. I 882



Glocker Wilfried: Seite 260
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"Die Verwandten der Ottonen"

II, 4 LIUTGARD
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* c 840/50, + 885 XI 17 (oder XI 30)

oo 866/67 Ludwig III. ("den Jüngeren"), Sohn König Ludwigs des Deutschen
                * 835, + 882 I 20

Liutgard ist als Gemahlin König Ludwigs III. des Jüngeren bezeugt bei Regino, während Widukind sie zur Gemahlin König Ludwigs des Kindes macht (möglicherweise absichtlich, um auf dise Weise den Übergang der Königsherrschaft an die LIUDOLFINGER zu legitimieren.)
Wir entnehmen aus Agius, Vita Hathumodae, dass die Ehe zwischen Liutgard und König Ludwig dem Jüngeren noch zu Lebzeiten der ersten Gandersheimer Äbtissin (+ 29.11.874) geschlossen wurde. Insofern ist das von Werner gegebene Heiratsjahr (876/77) zu berichtigen. Dümmler setzte das Jahr von Liutgards Eheschließung sogar schon auf 866/67 an. Wenn wir uns dieses erschlossene Heiratjahr der Liutgard vergegenwärtigen und mit einbeziehen, dass die Adligen Damen in der Regel bei ihrer Vermählung nicht älter als 20 Jahre gewesen sind, dürfen wir das Geburtsjahr Liutgards gegen Ende der vierziger Jahre des 9. Jahrhundert vermuten.
Todestag und Todesjahr überliefert der im 12. Jahrhundert arbeitende Annalista Saxo a. 885. Das Todesjahr ist zutreffend, da es auch in den Fuldaer Totenannalen bezeugt ist; doch wurde an Liutgards Begräbnisort Aschaffenburg offenbar der 17.11. als Todestag gefeiert: dieser lokalen Tradition ist wohl der Vorzug gegenüber den Angaben des Annalista Saxo zu geben.

Diwald Hellmut: Seite 114
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"Heinrich der Erste"

Von Liutgard wird in den Quellen eigens und etwas betreten vermerkt, dass es sich um eine erklärt herrschsüchtige Dame gehandelt haben soll. Sie lebte nach dem Hingang ihres Gemahls im Jahr 882 auf ihrem Witwensitz Aschaffenburg, dem Ort, an dem sie sich mit Ludwig dem Jüngeren vermählt hatte.

Mühlbacher Engelbert: Seite 370-374
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"Deutsche Geschichte unter den Karolingern"

879 wurden Boten an Ludwig entsandt, um ihn und dessen Gemahlin - Abt Gauzlin wußte wohl, weshalb er die ehrgeizige Frau einlud - zu entbieten, sie möchten eilig nach Metz kommen, wohin er ihnen seine Parteigänger zuführen werde. Gegen die Abtretung des westlichen Teil Lothringens ließ er sich von Gauzlins Gegnern zum Abzug bewegen. Er vereinigte damit das gesamte Lothringen in seiner Hand.
Ludwig durfte mit seinem Erfolg zufrieden sein: Seine Gemahlin war es nicht. Als er sie in Frankfurt begrüßte, empfing sie ihn mit Vorwürfen; wäre sie bei ihm gewesen, sagte ihm die herrschsüchtige Frau Liutgard - sie war eine Tochter des edlen Sachsen Liudolf, des Stammvaters der OTTONEN - so würde er nun im Besitz des ganzen westfränkischen Reiches sein. Bei ihr suchten auch Gauzlin und Konrad Zuflucht, sie führten bei ihr Klage, dass sie getäuscht und geopfert worden seien. Von ihr aufgestachelt, entschloß sich Ludwig zu einem neuen Krieg, der ihm das ganze, noch immer königlose W-Reich erobern sollte.
Während Ludwig noch in Regensburg weilte, stürzte sein einziger Sohn aus der Ehe mit Liutgard, noch ein Kind, aus dem Fenster der Pfalz Frankfurt und blieb mit gebrochenem Genick totliegen. Es war dies, da die Ehe des Schwaben-Königs KARL kinderlos war, der einzige eheliche Sproß des ostfränkischen Königshauses.
Kaum war die Jahreswende von 880 überschritten, noch im Winter rückte Ludwig, diesmal von seiner Gemahlin begleitet, mit einem Heer ins W-Reich, konnte aber nur die Bestätigung seines Besitzes in W-Lothringen erreichen.

Hlawitschka, Eduard: Seite 188,223
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"Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte"

In Sachsen gelingt es während der Regierungsjahre Ludwigs des Kindes den dort seit den 70-er Jahren in höchstem Ansehen stehenden LIUDOLFINGERN, mit denen schon Ludwig der Jüngere durch seine Ehe mit Liutgard, der Tochter Liudolfs und Schwester Ottos des Erlauchten, in Verwandtschaft getreten war und aus deren Mitte ARNULF gerade erst Oda, die Tochter Otto des Erlauchten, zur Gemahlin für seinen Sohn Zwentibold vorgeschlagen hatte, sich endgültig als führende Familie zu etablieren.
Die in Creil Eingetroffenen seien darauf von beiden überredet worden, König Ludwig den Jüngeren von O-Franken, Ludwigs des Deutschen Sohn, den Gauzlin in ostfränkischer Gefangenschaft nach der Schlacht von Andernach (876) kennengelernt hätte und mit dem er fortan freundschaftlich verbunden geblieben wäre, in ihr Reich einzuladen; denn er würde ihnen allen mit Freigiebigkeit jene honores gewähren, die sie bislang nicht hatten erhalten können. Gersandte gingen nach Frankfurt ab. Ludwig wurde ersucht, eiligst an die W-Grenze nach Metz zu kommen, wohin ihm alle Bischöfe, Äbte und Edlen ihres Reiches entgegenkommen könnten. Ludwig der Jüngere war dazu sofort bereit, und ging auch auf eine weitere Bitte, bis nach Verdun vorzurücken, ein. In Verdun traf er dann - in der zweiten Maihälfte 879 - auf die Einladenden - aber nicht nur auf sie. Auch diejenigen Großen, die zu der Versammlung nach Meaux eingeladen hatten, waren ihrerseits nach Bekanntwerden der in Creil gefaßten Beschlüsse übereingekommen, Boten an Ludwig den Jüngeren zu schicken. Sie kamen zur gleichen Zeit in Verdun an, und zwar mit dem Anerbieten, ihre Großen würden ihm, Ludwig den Jüngeren, jenen Teil des ehemaligen Reiches Lothars II., der 870 im Vertrag von Meersen an KARL DEN KAHLEN gefallen war, überlassen, falls er nach Empfang dieses Gebietes in sein Reich zurückkherte und das sonstige Erbe Ludwigs des Stammlers dessen beiden Söhnen zugestehe. Ludwig der Jüngere ging auf das Anerbieten der letzteren ein und wies andererseits Abt Gauzlin, Graf Konrad und ihre Anhänger mit Schimpf und Schande davon. Ludwig der Jüngere selbst kehrte bald nach Frankfurt zurück, um sich für den Antritt des bayerischen Erbes seines todkranken Bruders Karlmann bereitzuhalten. Bei Liutgart, der Gemahlin Ludwigs des Jüngeren, fanden Abt Gauzlin und Graf Konrad jedoch mehr Gehör, sodaß Ludwig schließlich unter Liutgards Einfluß einen neuen Einmarsch ins W-Reich plante. Dieser Anfang 880 unternommen, scheiterte dann aber, als sich die Anhängerschaft Gauzlins rasch aufgelöst hatte.

Decker-Hauff Hansmartin: Seite 274
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"Die Ottonen und Schwaben"

Nichts liegt näher, als Liutgard, die Mutter der zwischen 883 und 885 geborenen Brüder Burkhard und Udalrich (deren Nachkommen später  Aschaffenburg besitzen), die seit 20.1.882 Witwe des Königs Ludwigs des Jüngeren war, einfach gleichzusetzen. Denn dann ist die Vererbung von Aschaffenburg an die schwäbischen Herzoge unkompliziert erklärt: Liutgard hatte aus ihrer ersten Ehe mit dem KAROLINGER Ludwig nur einen in frühester Kindheit wieder verstorbenen Sohn Ludwig und die als Nonne in Chiemsee bezeugte Tochter Hildegard, aus ihrer nun ab Spätsommer 882 anzusetzenden und bis Anfang 885 dauernden zweiten Ehe mit dem HUNFRIDINGER Burkhard aber zwei lange lebende Söhne, Burkhard I. und Udalrich. In Burkhards I. Sippenkreis befindet sich später Aschaffenburg. Der Schluß ist einfach: Liutgard, die Stammutter der BURKHARDINGER, war eine LIUDOLFINGERIN, nämlich Liutgard, die Schwester Ottos des Erlauchten und Witwe König Ludwigs des Jüngeren.

Althoff, Gerd: Seite 225
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

In dieser Argumentationskette werden die LIUDOLFINGER, das hat die Forschung bisher nicht klar genug gesehen, als die rechtmäßigen Erben der KAROLINGER ausgegeben, denn Otto der Erlauchte, so wird argumentiert, war beim Tode König Ludwigs (des Kindes) der nächste Verwandte der Königin-Witwe Liutgard, seiner Schwester. Nun sind diese Angaben Widukinds falsch, denn Liutgard war mit Ludwig dem Jüngeren und nicht mit Ludwig dem Kind verheiratet. Es fragt sich jedoch, ob es gennügte, Widukind in posivistischer Weise einen Fehler anzulasten, oder ob nicht vielmehr festzustellen ist, daß Widukind an dieser Stelle die genealogischen Angaben bewußt veränderte, um so den Anspruch der OTTONEN auf die Königswürde zu untermauern. Dies läßt sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behaupten. Angesichts der genauen Kenntnis, die man in der ottonischen Familie auf Grund des Totengedenkens von den vorübergehenden Generationen hatte, scheint ein 'Versehen' ausgeschlossen. So ist denn auch bei Hroswith von Gandersheim die Verwandtschaft durchaus richtig dargestellt. Auch in einer Urkunde OTTOS DES GROSSEN für Gandersheim vom 21. April 956 wird die Heirat Liudgards mit Ludwig dem Jüngeren erwähnt und es ist kein Zweifel möglich, daß man diesen durchaus von Ludwig dem Kind zu unterscheiden wußte.
 
 
 
 

 876/77
  oo Ludwig III. der Jüngere König des Ostfränkischen Reiches
       um 835-20.1.882
 
 
 
 

Kinder:

  Ludwig
  um 877- November 879

  Hildegard
  878/81- nach 895
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff, Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung, Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 27,159,225 - Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000, Seite 20,24 - Annalista Saxo: Reichschronik a. 885 -
Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite 17, 23 - Deutsche Geschichte Band 1 Von den Anfängen bis zur Ausbildung des Feudalismus Mitte des 11. Jahrhunderts. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1982, Seite 358 - Diwald Helmut: Heinrich der Erste. Die Gründung des Deutschen Reiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH, Bergisch Gladbach 1987 Seite 114 - Dümmler Ernst: Die Chronik des Abtes Regino von Prüm. Verlag der Dykschen Buchhandlung Leipzig Seite 73 - Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band II Seite 63,118,120-122,131,166 - Eickhoff Ekkehard: Theophanu und der König. Otto III. und seine Welt. Klett-Cotta Stuttgart 1996, Seite 138 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 59 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 18,69 - Glocker, Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik, Böhlau Verlag Köln Wien 1989, Seite 260 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968, Seite 188,223 - Hlawitschka, Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 26,34,85 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971, Seite 37 - Hrosvit von Gandersheim - Konecny Silvia: Die Frauen des karolingischen Königshauses. Die politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert. Dissertation der Universität Wien 1976, Seite 140 - Mühlbacher Engelbert: Deutsche Geschichte unter den Karolingern. Phaidon Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion - Regino Chronik. Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte Band VII Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1969 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992, Seite 167 - Schmid Karl: Reich und Kirche vor dem Investiturstreit. Gerd Tellenabch zum 80. Geburtstag. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1985, Seite 52 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990, Seite 65,71,75,113 - Schulze, Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 127,129,136,138 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 10 - Werner Karl Ferdinand: Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8. Generation) Band IV in: Braunfels Wolfgang: Karl der Große Lebenswerk und Nachleben. Verlag L. Schwann Düsseldorf - Widukind von Corvey: Die Sachsengeschichte. Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stutggart 1981, Seite 53 - Wies, Ernst W.: Otto der Große, Bechtle Esslingen 1989, Seite 40 -