Gerberga                                       Äbtissin von Frauenchiemsee
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Tochter des Herzogs Heinrich II. von Bayern und der Gisela von Burgund, Tochter von König Konrad; vielleicht Schwester Kaiser HEINRICHS II.
 

Glocker Winfrid: Seite 306
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

VI, 36 GERBERGA
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Die Äbtissin Gerberga des Klosters Frauenchiemsee ist in einem verunechten Diplom Kaiser HEINRICHS IV. (D H IV. 302 von 1077) genannt.
Hirsch, Bd. 1, S. 123, Anm. 2, und Riezler, Geschichte Bd. I/2, S. 11, Anm. 1, lehnten diese Angabe ab, da wir aus keiner anderen Quelle von dieser Schwester Kaiser HEINRICHS II. wissen; freilich galt das D HIV. 302 vor dem Erscheinen der Diplomata-Ausgabe als schlichtweg gefälscht, während es durch v. Gladiss teilweise rehabilitiert und nur noch als verunechtet eingestuft wird.
Zu Gerberga vgl. nun auch Volkert-Zoepfl, Regesten der Bischöfe von Augsburg Bd. 1, Nr. 217.



Hirsch, Siegfried: Band I Seite 123
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"Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich II."

[2 Das Interesse dieses Hauses an den Frauenklöstern erklärte sich noch mehr, wenn sich nachweisen ließe, daß eine Schwester Heinrichs des Zänkers, des Namens Eilika, Äbtissin von Niedernburg zu Passau, und eine Tochter desselben Herzogs, also eine Schwester unseres Königs, die Gerberga geheißen, Äbtissin von Frauenwörth-Chiemsee geworden. Beides sagt Aventin lib. V. a.a.O. p. 641. Allerdings verraten die vier Schenkungsurkunden für die erstere Abtei, sämtlich aus dem April 1010 ein besonderes Interesse; Äbtissin Heilika wird darin dilecta, cara genannt, und ihr devotum obsequium gerühmt; aber die sonst in solchen Fällen nicht gesparte Bezeugung der Verwandtschaft fehlt. - Gerberga führt sich letztlich auf ein im höchsten Grade verdächtiges (Tassilo kommt als rex darin vor) nur aus einer Abschrift des 14. Jh. bekanntes Diplom HEINRICHS IV. von 1077 für Abtei Chiemsee (mit Recht nicht bei Böhmer; abgedr. M.B. II 445, veergleiche dazu XXXI 1, 360) zurück, wonach "Heinricus sororem suam Gervirgam constituit abbatissam ob loci nobilitatem et religionem". Die hier auch als Äbtissin genannte Irmingard, Tochter Ludwigs des Deutschen, die von den Genealogen unbekannt geblieben ist, läßt sich (vergleiche Uffermanns Note SS. I. 51) aus Annales Alamannici Cont. Sangall. prim. a. 866 beweisen und braucht nicht auf Verwechslung mit Hildegard, Tochter Ludwigs des Jüngeren, die im Juni 895 durch ARNULF zu Chiemsee eingesperrt ward (Ann. Alam. SS I. 53; Ann. Fuld. Regin. zu 894) zu beruhen. Das ließe auf eine gewisse Sachkunde bei dem Schreiber der Urkunde schließen; allein bei dem Mangel aller anderen Nachrichten über diese Schwester des Königs wagen wir dennoch nicht, ihm zu folgen.]

Hlawitschka, Eduard: Seite 164
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"Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands"

[227 Dabei stößt man darauf, daß Kaiser HEINRICH II. mit großer Sicherheit eine Schwester Brigida und möglicherweise auch eine Schwester Gerberga hatte. Andererseits wissen wir durch eine spät überlieferte und streckenweise verunechtete Urkunde HEINRICHS IV. vom Ende 1077 (MG D H IV,302),  dass ein König HEINRICH ehedem suam sororem Gerwirgam im Nonnenkloster Chiemsee constituit abbatissam ob loci nobilitatem et religionem, wobei allerdings ganz ungesichert bleibt, ob nicht dieser Urkundenteil verfälscht ist und Gerberganur eine Erfindung des Fälschers darstellte.
 
 
 
 

Literatur:
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Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 306 - Hirsch, Siegfried: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich II., Verlag von Duncker & Humblot Berlin 1864 Band I Seite 123 - Hlawitschka, Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987 Seite 164 -