Grafen von Lauffen
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Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1756
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Lauffen, Grafen von
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Eine Familie mit den Leitnamen Poppo und Heinrich errichtete vermutlich um die Wende vom 11. zum 12. Jh. bei dem am Neckar gelegenen ehemaligen fränkischen Königshof Lauffen (Baden-Württemberg, Kreis Heilbronn) eine Burg, nach der er sich fortan nannte, wie erstmals 1127 sichtbar wird, als ein Konrad, Sohn "comitis Bopponis de Luofo", erscheint. Brüder dieses Grafen Poppo von Lauffen waren "Heinricus de castro quod Loufe dicitur" und Erzbischof Bruno von Trier (1102-1124). Mit einiger Wahrscheinlichkeit dürfte die Familie auf jenen Poppo zurückgehen, der 1012 als Graf im Lobdegau fungierte. Den "comitatum in pago Lobedengouue situm" hatte HEINRICH II. 1011 der Würzburger Kirche geschenkt, gleichwohl handelt Graf Poppo 1012 im Auftrag des Königs. Weitere Nachrichten aus dem 11. Jh. lassen überdies Herrschaftsrechte in der Wingarteiba, im Kocher- und Maulachgau, Im Remstalgau sowie im Elsenz-, Kraichgau (Bretten) und Enzgau erkennen. Zu Beginn des 12. Jh. gründeten sie unter Hirsauer Einfluß des Klosters Odenehim im Kraichgau. Die Aktivitäten der Grafen von Lauffen verlagerten sich im 12. Jh. immer stärker in das untere Neckargebiet, wo sie die Burgen Hornberg, Eberbach und Dilsberg besaßen und sich auf dem Wege zur Territorialherrschaft befanden. Mit dem Tod Graf Poppos von Lauffen kurz nach 1212 erlosch die Familie im Mannesstamm. Um ihre Herrschaftsrechte und ihren Besitz kam es zur Auseinandersetzung, die besonders den STAUFERN bedeutenden Gewinn verschaffte.

Literatur:
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H. Bauer, Die Gf.en v. L., Württ. Franken 7, 1865-1867, 467-488 - F. Trautz, das untere Neckarland im frühen MA, 1953, 81-83 - H. Schwarzmaier, Die Regiswindis-Tradition von L., ZGO 131, 1983, 163-198 - U. Uffelmann, Der Dilsberg im MA, 1985, 11-33 - H. Schwarzmaier, Gesch. der Stadt Eberbach a. N., 1986, 30-54.
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Paul Friedrich Stälin: Seite 419
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"Geschichte Württembergs"

Ohne Zweifel ältere Glieder der gräflichen Familie, welche sich in der Folge nach der Burg Lauffen nannte, hinsichtlich ihrer Geschichte im einzelnen übrigens manche Dunkelheiten bietet, sind die Grafen Poppo und Heinrich, welche im 11. Jahrhundert (1012) als Grafen des Lobden- und Kraichgaues und wohl auch einiger benachbarter Gaue erwähnt werden. Als 1. "Graf von Lauffen" aber erscheint der Graf Poppo des Öhringer Stiftungsbriefes vom Jahre 1037, wohl derselbe Poppo, welcher im Jahre 1027 zugleich mit seinem auch sonst genannten Bruder Heinrich vorkommt. Als Sohn eines Grafen Arnold von Lauffen spielte eine bedeutende Rolle auch in der Reichsgeschichte der ausgezeichnete Trierer Erzbischof Bruno (1102-1124), gegen das Jahr 1122 Stifter des Klosters Odenheim im Kraichgau, dessen Vogtei seiner Familie bis zu deren Aussterben verblieb. Weiterhin erscheinen die Grafen Poppo III. bei König KONRAD III. und Poppo IV. bei Kaiser FRIEDRICH I., Kaiser HEINRICH VI., König PHILIPP, Kaiser OTTO IV., und noch im Jahre 1212 bei Kaiser FRIEDRICH II. Nach dem spätestens im Jahre 1219 erfolgten Tode des letzterwähnten Grafen fiel die Stadt Lauffen mit den anderen reichslehenbaren Teilen seines Besitzes dem Reiche anheim und wurde von Kaiser FRIEDRICH II. zwischen 1212 und 1220 an Markgraf Hermann V. von Baden verpfändet, während die Weiber sich vererbenden Teile des Familiengutes auf die Tochtermänner Poppos: Gerhard von Schauenburg (zwischen Heidelberg und Schriesheim) und Konrad von Dürne übergingen.
Der Besitz der Familie scheint sich vorzugsweise auf nunmehr badisches Gebiet, zum Beispiel Feste Dillsburg, Odenheim, erstreckt zu haben, doch wird solcher auch im nunmehrigen Württemberg außer der Stammburg aufgeführt zu Großgartach und Untereisenheim, Massenbachhausen, Weiler, Kaltenwesten, Poppenweiler.