Heinrich II.                                    Graf im Liesgau
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    - nach 1007
 

Sohn des Grafen Lothar-Udo I. von Stade
 

Thiele, Andreas: Tafel 216
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

HEINRICH III.
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Heinrich wurde Graf im Liesgau und war 1002 Mitmörder des Thronkandidaten Markgraf Ekkehard I. von Meißen, wurde von Kaiser HEINRICH II. kaum bestraft, war bis 1007 Domherr in Hildesheim, stiftete das Sühnekloster Harsefeld mit und wurde nach 1007 noch oft als Zeuge genannt.



Görich Knut: Seite 157
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"Otto III. Romanus Saxonicus et Italicus."

Bekanntlich wurde Markgraf Ekkehard I. von Meißen am 9. Mai 1002 in der Königspfalz Pöhlde von den beiden Brüderpaaren Siegfried II. und Benno von Northeim sowie Heinrich und Udo von Katlenburg ermordet. Heinrich und Udo gelten als Söhne des um 994 im Kampf mit normannischen Piraten gefallenen Graf Luder-Udo von Stade. Dessen Schwester Kunigunde war die Frau von Liuthars Bruder Siegfried von Walbeck und die Mutter Thietmars von Merseburg; Thietmar nennt den KATLENBURGER Udo denn auch nepos meus. Markgraf Liuthar und Udos Bruder Heinrich könnten durch ihren gemeinsamen Haß auf Markgraf Ekkehard zusammengefunden haben: Heinrich wurde eines unbekannten Vergehens wegen auf Veranlassung Ekkehards und auf Befehl OTTOS III. mit Geiselhieben bestraft und trug sich deshalb laut Thietmar schon seit langem mit Rachegedanken. Von einer direkten Verbindung zwischen Liuthar und den Mördern berichtet Thietmar zwar nicht, aber dieses Schweigen wird sicher zurecht mit seiner Verwandtschaft zu den Mördern erklärt.

Lange Karl-Heinz: Seite 12-18
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"Die Grafen von Northeim 950-1144"

Den Ereignissen des Jahres 1002 verdanken wir die erste ausführliche Kunde von den Familienverhältnissen Siegfrieds I. und der Rolle seiner Söhne beim Regierungsantritt HEINRICHS II. Thietmar, unsere Hauptquelle, berichtet ausführlich von einer zu Frohse/Elbe stattgefundenen Versammlung sächsischer, HEINRICH II. günstig gesonnener Großer, auf der der thüringische Markgraf Ekkehard vergeblich versuchte, für seine Ansprüche auf den Thron Anhänger zu gewinnen. Sein Hauptgegner scheint Graf Lothar von Walbeck gewesen zu sein, der seinen Forderungen aufs schärfste entgegentrat. Nachdem sich Ekkehard als ungeladener Gast in Werla den Haß der beiden Schwestern OTTOS III., Sophie und Adelheid, zugezogen hatte, begab er sich über Hildesheim nach Paderborn, wo ihm jedoch mitgeteilt wurde, dass sein mit Herzog Hermann II. von Schwaben, einem weiteren Thronbewerber, in Duisburg geplantes Zusammentreffen nicht stattfinden könne. Auf seinem Rückweg von Paderborn berührte er auch Northeim, die curtis des Grafen Siegfried I. Hier eröffnete ihm "domna Ethelind cometissa, euod Sigifrith et Benno, senioris suimet filii, cum confratibus Heinrico et Udone aliisoue suis se nace sua tractarent insidiis, supoliciter efflagitens, ut aut ibi usque in crastinum maneret seu alio diverteret." Da jedoch der Markgraf seine Reise nicht verzögern wollte, brach er unverzüglich nach Pöhlde auf, wo in der Nacht des Verhängnis über ihn hereinbrach: die Verschwörer überfielen Ekkehard und sein Gefolge, und ihn selbst traf aus der Hand des jungen Siegfried II. von Northeim der tödliche Lanzenstoß. Auch in den Parallelquellen erscheint Siegfried als der eigentliche Mörder Ekkehards; man darf ihn deshalb als das Haupt der Verschwörung ansprechen, ohne die Mittäterschaft seines Bruders Benno und der "confratres" Heinrich und Udo zu unterschätzen. Halten wir nach der Schilderung der Mordtat inne, um die Genealogie zu ordnen. Die Angabe Thietmars, dass Siegfried I. zwei Söhne, nämlich Siegfried II. und Benno, hatte, wird vom Annalisto Saxo bestätigt und insofern erweitert, als er uns auch die Mutter der Brüder mit Namen Mathilde nennt. Daraus folgt, dass die von Thietmar erwähnte Ethilinde zumindest seit Ende April 1002, wahrscheinlich aber viel früher, Siegfrieds I. zweite Gemahlin gewesen ist. Über Mathilde und Ethilinde haben sich keinerlei Nachrichten erhalten. Zum Verständnis des Mordes von Pöhlde ist es weiterhin erforderlich, die Herkunft der bei Thietmar genannten confratres Heinrich und Udo und ihr Verhältnis zu den NORTHEIMER Brüdern zu klären. Der Annalista Saxo bezeichnet beide als KATLENBURGER, ohne jedoch ihre Herkunft anzugeben. Die Ansicht  Wedekinds, der in ihnen die Söhne des im Liesgau bis 995 nachweisbaren Grafen Sigebert sah, fand eine schnelle Entgegnung durch Schrader, der, verleitet durch die Bezeichnung "confratres" bei Thietmar, die beiden KATLENBURGERals "Mitbrüder" Siegfrieds II. und Bennos von Northeim und Söhne aus Siegfrieds I. 2. Ehe mit Ethilinde betrachtete. Die damit behauptete Abstammung der Grafen von Katlenburg von denen von Northeim fand zunächst allgemein Zustimmung, bis Kurze in seiner Thietmarausgabe diesen Irrtum Schraders richtigstellte und "confratres" mit "Brüder" übersetzt wissen wollte. Die These Schraders erfuhr dann durch Uslar-Gleichen ihre endgültige Widerlegung. Seinen stichhaltigen Argumenten kann man noch hinzufügen, dass bei Ansetzung der KATLENBURGER als Seitenverwandte der NORTHEIMER im Sinne Schraders die um das Jahr 1100 geschlossene Ehe zwischen Dietrich III. von Katlenburg und Adela, der Tochter Kunos von Beichlingen und Enkelin Ottos von Northeim, eine Verwandtenehe im 4. Grade gewesen wäre. Die Tatsache aber, dass diese Ehe vollzogen wurde, spricht deutlich gegen Schraders These. Eine Verwandtschaft beider Geschlechter ist nach alledem vor der eben erwähnten Ehe nicht nachweisbar. Einen Schritt weiter führt die Behauptung Uslar-Gleichens, dass die Grafen Heinrich und Udo von Katlenburg als Söhne des Grafen Luder-Udo I. von Stade anzusehen seien, eine These, die neuerdings von Hucke durch die Kombinierung zweier Thietmarstellen quellenmäßig unterbaut wurde. Damit darf die Abstammung der Grafen von Katlenburg von den Grafen von Stade als sicher gelten.
Nach diesen Voruntersuchungen wollen wir die Frage nach den Motiven des Mordes von Pöhlde, soweit sich aus den spärlichen Andeutungen der Quellen ein Bild gewinnen läßt, zu beantworten suchen. Man wird nicht fehlgehen, wenn man annimmt, dass die Bestrebungen Lothars von Walbeck, des Hauptgegners Ekkehards, der Thronfolge HEINRICHS II. gegolten haben. Durch den Nachweis, dass die Grafen von Katlenburg Abkömmlinge der Grafen von Stade sind, wird ferner deutlich, dass Heinrichund Udo an der Mordtat als die Verwandten und Helfershelfer Lothars von Walbeck Anteil nahmen, waren sie doch Neffen von Lothars Schwägerin, der STADERIN Kunigunde. Diese Umstände haben offenbar Thietmar, den Sohn der Kunigunde, veranlaßt, die eigentlichen Hintergründe der Bluttat zu verschweigen. Da dieselbe jedoch nicht im Auftrage HEINRICHS II. geschah, werden soweit erkennbar, die Familienstreitigkeiten zwischen Lothar von Walbeck und Ekkehard, über die uns Thietmar ausführlich berichtet, und die gegen die ehrgeizigen Pläne des Rivalen gerichtete Eifersucht Lothars zumindest den äußeren Anlaß zum Mord gegeben haben. Die weiteren von Thietmar aus zweiter Quelle als Beweggründe genannten Umstände, die auf Anstiften Ekkehards erfolgte Peitschung Heinrichs von Katlenburg und die Dienstfertigkeit der Mörder den beleidigten Schwestern OTTOS III. gegenüber, treffen jedenfalls nicht den Kern der Sache und dürften nur eine sekundäre Rolle gespielt haben. Man ist daher unwillkürlich geneigt, nach tieferen Ursachen zu fragen. Vielleicht kennzeichnet der Mord von Pöhlde ein durch die oben erwähnten Familienhändel bedingtes Wiederaufleben des alten zwischen STADERN und BILLUNGERN bestehenden Spannungsverhältnisses, mit denen die beiden Kontrahenten, Lothar und Ekkehard, versippt waren.
Es bleibt nun noch die Frage zu beantworten, was die Brüder Siegfried II. und Benno von Northeim bewogen hat, sich an den Mord von Pöhlde zu beteiligen. Die von Uslar-Gleichen aufgestellte These von der Abkunft der NORTHEIMER von den Grafen von Stade würde, vorausgesetzt, dass sie überzeugend wäre, auch dafür eine eindeutige Erklärung geben können. Die Rolle der NORTHEIMER Brüder im Jahre 1002 ließe sich dann durch ihre Verwandtschaft mit Heinrich und Udo von Katlenburg als Abkömmlinge der Grafen von Stade verständlich machen. Prüfen wir daher die These Uslar-Gleichen auf ihre Stichhaltigkeit.
 
 
 
 

Literatur:
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Annalista Saxo: Reichschronik Seite 69,72 - Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Band 1- Band 6, Mundus Verlag 2000 - Görich Knut: Otto III. Romanus Saxonicus et Italicus. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995 Seite 157 - Lange, Karl-Heinz: Die Grafen von Northeim (950-1144). Politische Stellung, Genealogie und Herrschaftsbereich. Beiträge zur Geschichte des sächsischen Adels im Hochmittelalter Dissertation Kiel 1958  Seite 12-18 - Rupp, Gabriele: Die Ekkehardiner, Markgrafen von Meißen, und ihre Beziehungen zum Reich und zu den Piasten, Peter Lang GmbH Frankfurt am Main 1996 Seite 81-86 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 216 - Thietmar von Merseburg: Chronik Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 Seite 198,200 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1999, Seite 52 - Winzer, Hans-Joachim: Die Grafen von Katlenburg (999-1106). Dissertation Göttingen 1974 Seite 33-41 -