Winzer, Hans-Joachim: Seite 2,63-66
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"Die Grafen von Katlenburg (999-1106)."

So findet sich die Bezeichnung "comes de Cadalenburg" zum ersten Male in Jahre 1075 [1 Lampert von Hersfeld, Annalen ad a. 1075, Seite 322.]. Sie läßt sich dann in mehreren anderen Quellen nachweisen [2 Brunos Sachsenkrieg cap. 84. Seite 322/24. Ann. Magd. ad a. 1106. Seite 181. Ann. Steterb. ad a. 1107. Seite 203. Chronicon Luneburgicum. In: Ann. Palidenses ad a. 1106. Seite 74.]. In den Quellen taucht auch die Bezeichnung "comes Theodericus de Embike" auf [3 Ann. Hild. ad a. 1105. Seite 110. Chronica Regia Coloniensis ad a. 1106. Seite 44. Annalista Saxo ad a. 1106. Seite 744. Ann. Patherbr. ad a. 1106. Seite 115.]. Auch wird Dietrich III. von Katlenburg einfach als "Theodericus comes de Saxonia" bezeichnet [4 Ann. Hild. ad a. 1104. Seite 107. Ann. Patherbr. ad a. 1104. Seite 108. Annalista Saxo ad a. 1104. Seite 738.].

7. 1. DIETRICH III.
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Mit Dietrich III., Sohn Dietrichs II. und der Gertrud, starben die Grafen von Katlenburg schon 1106 aus [1 Annalista Saxo ad a. 1056. Seite 691. Ekkehardi Chronicon ad a. 1106. Seite 236. ]. Beim Tode seines Vaters ist Dietrich III. wahrscheinlich noch unmündig gewesen [2 Lange, Diss. Seite 113.]. Lange vermutet, daß Gertrud nach dem Tode ihres Mannes 1085 das katlenburgische Erbe für ihren minderjährigen Sohn verwaltete [3 Lange, Diss. Seite 113.]. Als Dietrich den Zehnt von Gottsbüren zur Ausstattung des Klosters Lippoldsberg dem Mainzer Erzbischof zurückgab, muß er mündig gewesen sein; die gefälschte Urkunde wird auf die Jahre 1089-1093 angesetzt [4 MUB I Nr. 384. Itemque decimam Gundesburc redditam mihi a comite Dioderico.]. Dietrich III. steht als Zeuge in einer weiteren Lippoldsberger Urkunde, in der die Nonnen geloben, die Hirsauer Regel zu halten [5 MUB I Nr. 405.]. Er steht in dieser Urkunde, die zwischen 1095 und 1102 angesetzt wird, nach seinem Stiefvater Heinrich dem Fetten von Northeim, dessen Sohn Otto, seiner Mutter Gertrud und vor den jüngeren Brüdern Heinrichs des Fetten. Dietrich wird weiterhin in einer Urkunde aus dem Jahre 1097 als Zeuge genannt [6 DH IV 457.], sodann wahrscheinlich in einer Urkunde Bischof Udos von Hildesheim aus dem Jahre 1103 [7 UB HH I Nr. 158. Anders Uslar-Gleichen, Winzenburg Seite 102f.].
Im Herbst 1104 setzte sich Dietrich III. in starken Widerspruch zu Kaiser HEINRICH IV., als er eine Magdeburger Gesandtschaft an HEINRICH IV. überfiel und gefangennahm [1 Annalista Saxo ad a. 1104. Seite 738f. Ann. Hild. ad a. 1104. Seite 107. Gesta Archiep. Magd. c. 23. Seite 408. Ann. Patherbr. ad a. 1104.Seite 108.]. In dieser Abordnung befanden sich der von HEINRICH IV. als Erzbischof in Aussicht genommene Propst Hartwig und der Burggraf Hermann [2 Vgl. Meyer von Knonau, a.a.O., Band 5. Seite 201ff. Uslar-Gleichen, Winzenburg Seite 41f. Schrader, Dynastenstämme Seite 136.]. Daß diese Aktion Dietrichs III. Sanktionen HEINRICHS IV. nach sich ziehen mußten, ist einleuchtend. HEIRICH IV. begab sich auch mit einem Heer nach Fritzlar, wo er im Dezember anzutreffen ist [3 Annalista Saxo ad a. 1104. Seite 739. Ann. Hild. ad a.1104. Seite 107. Vgl. Meyer von Knonau, a.a.O. Band 5. Seite 203.]. In dieser Situation hat sich am 12. Dezember 1104 [4 Ann. Hild. ad a.1104. Seite 107.] HEINRICH V. von seinem Vater abgewandt und ist auf die Seite seiner Gegner übergetreten [5 Vita Heinrici IV. Imperatoris 9. Seite 442. Annalista Saxo ad a.1104. Seite 739]. HEINRICH IV. brach daraufhin den Kriegszug gegen Dietrich III. ab.
In diesem Zusammenhang wird Dietrich vom Annalista Saxo als "Theodericus comes Saxonicus, imperatoris propinquus" bezeichnet [6 Annalista Saxo ad a.1104. Seite 738.]. Diese Verwandtschaft läuft über Dietrichs Mutter Gertrud. Sie rührt her aus der Ehe der Gisela mit Bruno von Braunschweig, die in einer weiteren Ehe mit Kaiser KONRAD II. vermählt war [7 Vgl. M.Wenger, Die "consanguinei regum" der deutschen Kaiserzeit. Phil. Diss. Freiburg 1945. Seite 37. Seite 100f.].

     Gisela   2. oo Bruno von Braunschweig
                  3. oo Kaiser KONRAD II.

            --2-------------------------------------------3---
         Liudolf                                                 HEINRICH III.

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     Ekbert I.      Bruno                                   HEINRICH IV.
 

     ---+--------------
   Ekbert II.         Gertrud oo Dietrich III.

                                        ---
                                   Dietrich III.



Im Jahre 1106 läßt sich Dietrich III. im Gefolge HEINRICHS V. feststellen, der gegen seinen Vater zog. Die im Heere HEINRICHS V. vor Köln ausgebrochene Seuche begleitete das Heer weiterhin und vor Aachen wurde am 12. August 1106 Dietrich III. von Katlenburg von der Seuche hingerafft, fünf Tage nach dem Tode HEINRICHS IV. [8 Annalista Saxo ad a. 1106. Seite 743f. Ann. Magd. ad a. 1106. Seite 181. Chronica regia Coloniensis ad a. 1106. Seite 44. Ekkehardi Chronicon ad a.1106. Seite 236. Chronicon Luneburgicum ad a. 1106. Seite 74. Fälschlicherweise zu 1105 stellen die Ann. Hild. Seite 110 den Tod Dietrichs. Die Ann. Steterb. stellen den Tod falsch zu 1107. Seite 203. Diese letzte Quelle hat R. Schölkopf, a.a.O. Seite 127 benutzt.]. Zwar verlegt Ekkehard den Tod Dietrichs III. in das Lager vor Köln [9 Ekkehardi Chronicon ad a. 1106. Seite 236. Vgl. Meyervon Knonau, a.a.O. Band 5. Seite 310 Anm. 60.], doch haben der Annalista Saxo und die Paderborner Annalen ausdrücklich Aachen hervorgehoben [10 Annalista Saxo ad a. 1106. Seite 744. Ann. Patherbr. ad a. 1106. Seite 115.]. Ekkehard rühmt Graf Dietrich als "regi fidelissimus, infirmitate pressus, ... vir utique nobilissima Saxonum stirpe progenitus, et tam omnigenae religioni quamcatholicae defensioni non mediocriter deitus, litteris etiam aliquantum instructus" [1 Ekkehardi Chronicon ad a.1106. Seite 236.].
Dietrich III. wird bei seiner Todesnachricht mehrmals "de Embike" genannt [2 Chronicon Regia Coloninesis ad a.1106. Seite 44. Annalista Saxo ad a. 1106. Seite 744. Ann. Hild. ad a.1105. Seite 110.]. Andere Quellen halten an "de Kathalanburg" fest [3 Ann. Magd. ad a. 1106. Seite 181. Ann. Steterb. ad a. 1107. Seite 203. Chronicon Luneburgicum ad a.1106. Seite 74.]. Die Nennung nach Einbeck zeigt die Bedeutung dieses Ortes für die Grafen von Katlenburg und ist möglicherweise ein Reflex auf die Abmachung zwischen KONRAD II. und Udo von Katlenburg.
Dietrich III., der kinderlos starb [4 Der Annalista Saxo schreibt ad a.1056. Seite 691: ... Teodericum, qui sine liberis obiit.], gründete mit seiner Frau 1104/05 das Kloster Katlenburg [5 Vgl. Schrader, Dynastenstämme Seite 135. Lange, Herrschaftsbereich Seite 65. Vogt, a.a.O. Seite 56. Hucke, a.a.O. Seite 218. Hoogeweg, a.a.O. Seite 73f. Max, a.a.O. Band 2 Seite135ff. Hennecke/Krumwieder, Die mittelalterlichen Kirchen- und Altarpatrozinien Niedersachsens. Göttingen 1960. Studien zur Kirchengeschichte Niedersachsens 11. Seite 158.], wobei die Burg niedergelegt wurde [1 Die gefälschte Gründungsurkunde ist auf den 11. November 1105 datiert. MUB I Nr. 424.]. Diese Kinderlosigkeit wurde von verschiedenen Forschern als Grund für die Gründung des Klosters durch Dietrich III. angenommen [2 Zum Beispeil: Schrader, Dynastenstämme Seite 134f. Havemann, a.a.O. Seite 306. So schon Leuckfeld, Antiquitates Katelenburgenses. Leipzig/Wolfenbüttel 1713. Seite 15f.], doch ist diese Annahme wohl zu vordergründig [3 Beide Ehepartner waren beim Tode Dietrichs wahrscheinlich noch recht jung; ihre Ehe ist wahrscheinlich um 1100 anzusetzen. So waren durchaus noch Kinder zu erwarten.].
Dietrich III. ist mit Adela, der drittältesten Tochter Kunos und Kunigundes von Beichlingen, verheiratet gewesen, also einer Enkelin Ottos von Northeim [4 Annalista Saxo ad a.1103. Seite 737. ad a.1118. Seite 755. Ann. Peg. ad a.1110. Seite 249. MUB I Nr. 424. Vgl. Lange, Diss. Seite 139ff.]. Nach Lange ist Adela um 1090 geboren worden und hat um 1100 Dietrich III. geheiratet [5 Lange, Diss. Seite 140.]. Die kurze Ehe mit Dietrich blieb kinderlos, wie es nicht anders bei der Jugendlichkeit der Adela zu erwarten war [6 Vgl. Lange Diss. Seite 140.].
Adela, die Mitbegründerin des Katlenburger Klosters, hat dem Kloster Besitztümer größeren Umfangs tradiert, die kaum aus einer Mitgift allein stammen können, sondern aus dem Erbgut ihres verstorbenen Vaters sein müssen [7 Vgl. Schrader, Dynastenstämme Seite 135. Lange, Diss. Seite 140.]. Denn der Hof in Harsefeld, der zur Schenkung der Adela gehört, wird in den Stader Annalen ausdrücklich als Erbe Kunos bezeichnet [8 Annalen Stadenses ad a. 1105. Seite 318.].