Dietrich III.                                    Graf von Katlenburg
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um 1075/80-12.8.1106
                     vor Köln
 

Einziger Sohn des Grafen Dietrich II. von Katlenburgund der Gertrud von Braunschweig, Tochter von Markgraf Ekbert I. von Meißen
 

Brandenburg Erich: Tafel 10 Seite 21
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"Die Nachkommen Karls des Großen."

XIII. 107 a. DIETRICH III., Graf von Katlenburg
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* ...., + 1106

Gemahlin:
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ADELE, Tochter des Kuno von Northeim, Graf von Beichlingen (siehe XII. 230.)
         +



Thiele, Andreas: Tafel 216
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I"

DIETRICH III.
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    + 1106

Dietrich III. folgte 1085 seinem ermordeten Vater unter der Vormundschaft der berühmten Mutter und stand durch sie auch im antikaiserlichen Lager. Er nahm unter anderem 1104 den kaiserlichen Parteigänger Burggraf Hermann von Sponheim-Magdeburg und auch dessen Neffen Probst Hartwig von Magdeburg gefangen. Da er erbenlos war, gründete er 1105 das Kloster Katlenburg. Auf einer kaiserlichen Strafexpedition gegen ihn begann die Rebellion König HEINRICHS V. gegen den Kaiser. Er war der letzte männliche Vertreter der Grafen von Katlenburg.

  oo ADELE VON NORTHEIM
                + 1123

Tochter des Grafen Kuno



Ekkehardi Chronica: Seite 244,280
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"Die Chronik des Ekkehards von Aura"

Kaiserchronik III

1106
Etwa Mitte Juni belagerte er mit 20.000 Kriegern Köln; aber da es mit Wällen und Vorwerken, zahltreichen Kriegern und jeder Art von Verteidigungswerk vorzüglich ausgestattet war, verlor er dort drei oder vier Wochen in fast nutzloser Anstrengung; nur die Jugend, wie es so geht, stieß ungeduldig wegen der Verzögerung bisweilen vor den mauern zusammen und jagte sich gegenseitig in blutigen Spiel in die Flucht oder tötetet einander. Dort erkrankte auch Graf Dietrich, der dem König treu ergeben war, und ging den Weg alles Irdischen; er war ein Mann aus vornehmemsten sächsischen Geschlecht, von überdurchschnittlicher Hingabe an die Religion und an die Verteidigung der Rechtgläubigkeit und auch nicht wenig gebildet.

Ekkehard III

1106
Etwa Mitte Juni [28 Vielmehr Anfang Juli.] belagerte König HEINRICH mit einem zahlreichen Heer, nämlich 20.000 Mann, Köln, aber da es, wie gesagt, auf jede Art sehr gut befestigt war, verlor er dort drei oder vier Wochen in fast nutzloser Anstrengung; nur die Jugend, wie es so geht, stieß ungeduldig wegen der Verzögerung bisweilen vor den Mauern zusammen und jagte sich gegenseitig in blutigem Spiel in die Flucht oder tötete einander. Dort erkrankte auch Graf Dietrich [29 Graf Dietrich II. von Katlenburg. Nach anderen Zeugnissen starb er erst in Aachen.], der dem König treu ergeben war, und ging den Weg allen irdischen; er war ein Mann aus vornehmstem sächsischen Geschlecht, von überdurchschnittlichlicher Hinagbe an die Religion und die Verteidigung der Rechtgläubigkeit und auch ein wenig gebildet.

Lange Karl-Heinz: Seite 139-141
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"Die Grafen von Northeim 950-1144"

Die drittälteste Tochter Kunos und Kunigundes trug den Namen ihrer Großmutter mütterlicherseits, der Adela von Löwen und heiratete in 1. Ehe den Grafen Dietrich III. von Katlenburg, den einzigen Sohn seines gleichnamigen Vaters und der Gertrud von Braunschweig. Ihre Altersverhältnisse lassen sich mit einiger Sicherheit bestimmen. Wir wissen, dass Dietrich vor seinem am 12. August 1106 in Aachen erfolgten Tode seine Stammburg Katlenburg in ein Kloster umwandelte. Eine Gründungsurkunde ist nicht erhalten, wohl aber ein auf den Namen Erzbischofs Ruthards von Mainz ausgestelltes Bestätigungsdiplom, das über den erwähnten Vorgang nähere Aufschlüsse gibt. Die zum 11. November 1105 datierte Urkunde ist zwar eine Fälschung aus der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts, beruht aber, wie es scheint, auf einer echten Ruthard-Urkunde und ist auch hinsichtlich des Rechtsinhalts kaum anzufechten. Da Dietrich noch als lebend bezeichnet wird, muß die echte Bestätigungsurkunde vor dem 12. August 1106 ausgestellt sein, und die Tatsache, dass sich der Graf als eifriger Anhänger HEINRICHS V. noch längere Zeit vor seinem Tode im königlichen Heerlager zu Aachen in dessen Gefolge befunden haben wird, läßt durchaus den Schluß zu, dass das neugegründete Kloster, wie die Urkunde Ruthards angibt, gegen Ende des Jahres 1105 im Beisein Dietrichs vom Mainzer Erzbischof in Katlenburg bestätigt wurde. Die eigentliche Gründung kann daher nur vor diesem Zeitpunkt liegen, muß aber nach dem Tode Kunos von Beichlingen (+ 1103, Ende) erfolgt sein, da die durch Adela dem Kloster tradierten Güter keine bloße Mitgift darstellen, sondern aus dem Erbgut ihres verstorbenen Vaters stammen. Als Zeitpunkt der Klostergründung ergeben sich mithin die Jahre 1104 bis 1105. Nimmt man hinzu, dass Adela ohne die Einwilligung ihrer Mutter die erwähnten Vergabungen vornahm und daher offenbar schon großjährig war, so wird man ihre Geburt um oder kurz nach 1090 und ihre Eheschließung nach 1100 anzusetzen haben. Die Ehe mit Dietrich blieb, wie bei der Jugend seiner Gemahlin nicht anders zu erwarten, kinderlos; damit starb das Geschlecht der Grafen von Katlenburg im Mannesstamm aus.

Fenske Lutz: Seite 144,150
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen.  "

An der Spitze der Laienzeugen wird Graf Heinrich, der Sohn Ottos von Northeim, aufgeführt gemeinsam mit seinem früh verstorbenen Sohn Otto und seiner Gattin Gertrud, der letzten BRUNONIN. Darauf folgen in der Zeugenreihe Graf Dietrich III. von Katlenburg, der Sohn Gertruds aus 1. Ehe, anschließend die beiden weiteren Söhne Ottos von Northeim, die Grafen Kuno von Beichlingen und Siegfried von Boyneburg.
Ebenso schwierig ist es, die damalige politische Stellung Graf Dietrichs III. von Katlenburg zu veranschaulichen. Sein Vater Dietrich II. hatte zur Gruppe der führenden Königsgegner in Sachsen gezählt, war aber 1085 beschuldigt worden, durch geheime Verhandlungen mit HEINRICH IV. einen Parteiwechsel vorzubereiten. Die Nennung seines Sohnes in der Spitzengruppe der Lippoldsberger Urkundenzeugen hebt Rang und Ansehen dieses Grafengeschlechtes hervor und bestätigen damit das Zeugnis, welches der Annalista Saxo noch um die Mitte des 12. Jahrhunderts den damals längst ausgestorbenen KATLENBURGERN ausstellte [Auch durch ein zeitgenössisches Quellenzeugnis Ekkehards von Aura, das Dietrich III.als vir utique nobilissima saxonum stirpe progenitus bezeichnet, wird seine Rangstellung innerhalb des sächsischen Hochadels unterstrichen.]. Bestimmte Hinweise in den Quellen lassen Voraussetzungen erkennbar werden, die es erlauben, Dietrich III. als Gegner HEINRICHS IV. anzusprechen. Die Aktion Dietrichs, der 1104 eine in bestimmter politischer Absicht an den kaiserlichen Hof reisende Abordnung der Magdeburger Kirche überfiel und gefangensetzte, war in ihren Tendenzen in eindeutiger Weise antikaiserlich und wurde vom Kaiser mit einem Feldzug zur Bestrafung des Grafen beantwortet, der aber dann infolge der Ereignisse von Fritzlar abgebrochen werden mußte. Mit diesem Gewaltakt hatte der Graf zugleich den streng kirchlich gesinnten Erzbischof Heinrich von Magdeburg unterstützt, dessen endgültiger Verdrängung aus seiner Diözese die Reise der Magdeburger Gesandtschaft gegolten hatte. Das allem Anschein nach von hoher Wertschätzung bestimmte Bild Graf Dietrichs III., welches der Überlieferung Ekkehards von Aura zu danken ist, beschreibt ihn als comes regi fidelissimus... virutique nobilissima Saxonum stirpe progenitus et tam omnigene religioni quam catholice defensioni non mediocriter deditus, literis etiam aliquantum instructus. Man wird deswegen in ihm nicht nur einen besonders treuen und zuverlässigen Parteigänger HEINRICHS V. sondern auch einen der kirchlichen Partei verbundenen, reformaufgeschlossenen Fürsten sehen dürfen [Eine gleichlautende Charakteristik Dietrichs befindet sich auch in der anonymen Kaiserchronik, die zur Quellengruppe um Frutoli von Michelsberg und Ekkehard von Aura gehört und die der um 1116 entstandenen dritten Rezension Ekkehards zeitlich vorausgeht, da der unbekannte Autor sein Werk um 1112/13 verfaßte.] Ekkehard erlebte die Zeit des Umsturzes 1105/06 in der Umgebung des jungen Königs, nachdem er wohl während des Aufenthaltes HEINRICHS V. in Bayern in dessen Dienste getreten war. So gesehen tritt in Graf Dietrich ein sächsischer Fürst in Erscheinung, bei dem sich persönliches Eintreten für die kirchliche Reformpartei und deren Repräsentanten mit einer Gegnerschaft zu HEINRICH IV. verbunden haben wird. Weil Ekkehard auch die Belagerung Kölns 1106 als Augenzeuge erlebte, ist seinem Bericht, dass Dietrich vor Köln im königlichen Heer, vermutlich infolge der sich unter den Belagerungstruppen ausbreitenden Seuche, den Tod fand, gegenüber der Überlieferung der Annales Patherbrunnenses der Vorzug zu geben, die den Tod des Grafen in Aachen melden.

Wies, Ernst W.: Seite 222,224
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"Kaiser Heinrich IV. Canossa und der Kampf um die Weltherrschaft"

Am 30. November 1104 unternahm der Kaiser einen bewaffneten Zug nach Sachsen gegen Graf Dietrich von Katlenburg. Dieser hatte eine magdeburgische Gesandtschaft, die wegen der Neubesetzung des Magdeburger Erzbistums zum Kaiser unterwegs war, gefangengesetzt.
Wie betroffen Kaiser HEINRICH IV. vom Verrat seines Sohnes war, zeigt sich daran, daß er seinen Kriegszug gegen Graf Dietrich von Katlenburg abbrach und nach Mainz zurückkehrte.
 
 
 
 

   oo 1. Adela von Northeim, Tochter des Grafen Kuno
   x       um 1090-   1123

     2. oo Helperich von Plötzkau
                     -   1118
 
 
 
 

Literatur:
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Annalen von Hildesheim ad a. 1104,1105 - Annalen von Magdeburg ad a.1106 - Annalista Saxo: Reichschronik Seite 67,70,111,113,114,126 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 10 Seite 21/Tafel 26 Seite 52 - Brüsch, Tania: Die Brunonen, ihre Grafschaften und die sächsische Geschichte. Herrschaftsbildung und Adelsbewußtsein im 11. Jahrhundert. Matthiesen Verlag Husum 2000 Seite 27, 40 - Ekkehardi Chronica: Die Chronik des Ekkehards von Aura Seite 244,280 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 90 A. 351,144,150,159 A. 324,210,214,334 - Hlawitschka Eduard: Die familiären Vwerbindungen der Brunonen. in: Auxilia historica: Festschrift für Peter Acht zum 90. Geburtstag. Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 132 München 2001 - Lange, Karl-Heinz: Die Grafen von Northeim (950-1144). Politische Stellung, Genealogie und Herrschaftsbereich. Beiträge zur Geschichte des sächsischen Adels im Hochmittelalter Dissertation Kiel 1958 Seite 139-141 - Partenheimer Lutz: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2001 Seite 209 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 216 - Wies, Ernst W.: Kaiser Heinrich IV. Canossa und der Kampf um die Weltherrschaft, Bechtle Esslingen 1996, Seite 222,224 - Winzer, Hans-Joachim: Die Grafen von Katlenburg (999-1106). Dissertation Göttingen 1974 Seite 2,63-66 -