Annalen von Magdeburg:
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Die Jahre 1106 und 1107.

 
1106 [1105]. Heinrich, des Kaisers Heinrich Sohn, begann zu regieren bei Lebzeiten seines Vaters. Jener wollte aber Sachsen wegen einiger Anhänger der katholischen Kirche mit gewappneter Hand angreifen, konnte es aber nicht, weil sein Sohn ihn verabscheute, wie auch alle Gläubigen, weil er
als gebannt von den Päpsten Gregor, Urban und Paschalis verkündigt wurde. Auf dieser Heerfahrt aber, durch welche er in Sachsen einzudringen gedachte, entfloh der Sohn bei Nacht mit wenigen Begleitern aus dem Heere. Durch diese Schmach aufgereizt kehrte der Vater unverrichteter Sache heim. Er aber kam nach Schwaben und wurde durch den römischen Legaten, nämlich dem Bischof Gebehard von Constanz, vom Banne gelöst und in den mütterlichen Schooß der Kirche wieder  aufgenommen. Nachdem er also dort die kirchlichen Angelegenheiten sehr verständig geordnet hatte, kam er mit dem römischen Legaten nach Baiern und Sachsen, setzte die Eindringlinge durch das Sendgericht ab, die übrigen Anhänger des Erzketzers aber suspendirte er vom Amt und zwang sie, sich der Entscheidung des Herren Papstes zu unterwerfen. Der Erzbischof Rothard von Mainz wird wieder auf seinem Stuhle eingesetzt. Heinrich der Magadaburger Erzbischof wurde von Gevehard, dem Bischofe der Konstanzer Kirche, welcher ein Legat des Papstes war, und von den Suffraganen der Magadaburger Kirche geweiht. Der Schwabenherzog Friderich, welcher eine Tochter des Kaisers Heinrich geheirathet hatte, starb.
 
1107 [1106] König Heinrich feierte das Weihnachtsfest zu Mainz und hielt dort einen Reichstag über die Angelegenheiten. Nach der Berathung mit den Fürsten stellte er dem Reichstage seinen Vater vor und drang mit vielen Rathschlägen und Bitten in denselben. Endlich gestand er, daß er mit den Banden des apostolischen Bannfluches behaftet sei. Nachdem er aber diese Beichte vollendet hatte, gab er dem Könige des Himmels und dem apostolischen Legaten so wie den  anwesenden Fürsten die Lanze und die Krone nebst den übrigen  Zierden der königlichen Würde zurück und gelobte die Schwellen der Apostel zu besuchen, auch sich fest und dauernd den Geboten des Herrn Papstes zu fügen. Und obgleich er das gethan, erlangte er doch keineswegs von seinem Sohne den Frieden, denn außer anderen Streitigkeiten machten sich Einige auf, um mit den Waffen sich der Stadt Lüttich zu bemächtigen, wo der Vater damals, des Reiches schon entsetzt, sich aufhielt. Die Anhänger des Vaters aber, dadurch gereizt, brachen aus ihren Wohnsitzen hervor und warfen sich plötzlich auf dieselben.
Diese wandten den Rücken und in einem reißenden Strome ging eine sehr große Menge von ihnen zu Grunde. - Ein Komet ließ sich sehen. - In demselben Jahre begann Markgraf Ludeger mit Beinamen Udo, als er eine Zusammenkunft mit Herzog Magnus und dem Bremer Bischofe hielt, plötzlich an heftiger Krankheit zu leiden. Als diese zunahm, wurde er an einen Ort Namens Rossevelden gebracht und endete daselbst sein Leben. Seinem Bruder Rudolf ist die Mark acht Jahre lang vom Könige Heinrich überlassen worden, damit er den Sohn desselben Namens Heinrich aufziehe. Gebehard der
Hirsunger Abt starb und für ihn wurde Bruno eingesetzt. Es  starb Herzog Magnus, dessen Herzogthum Graf Lutger erhielt. Heinrich der Jüngere [V] belagert Köln zum Schaden des Vaters. Inzwischen stirbt sein Vater Kaiser Heinrich in Lüttich am 7. August und wird in Speier begraben.  Thiederich Graf von Kathalanburg starb.