Winzer, Hans-Joachim: Seite 59
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"Die Grafen von Katlenburg (999-1106)."

5. 1. DIETRICH II.
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Auf Dietrich I. folgte sein Sohn Dietrich II. [1 Annalista Saxo ad a. 1056. Seite 691.], der 1075 zum ersten Male von Lampert von Hersfeld als "comes de Cadalenburg" bezeichnet wird [2 Lampert von Hersfeld, Annalen ad a. 1075. Seite 322.]. Falls nicht sein Vater Dietrich I. gemeint ist, liegt in seiner Grafschaft im Rittigau der Ort 'Ascoluingerothe' [3 Reg. Hist. Westf. I Cod. dpl. Nr. 146. Seite 115.]. In einer verunechteten Urkunde HEINRICHS IV. von 1071 werden in der Grafschaft Dietrichs die Ortswüstung Besingen  [4 Vgl. zur Lage: Kühlborn, a.a.O. Seite 160.] und der nicht identifizierte Ort Plaparserode genannt [5 DH IV 245. Zu Plaparserode vgl.: D. Denecke, Methodische Untersuchungen zur historisch-geographischen Wegeforschung im Raum zwischen Solling und Harz. Göttingen 1969. Gött. Georgr. Abh. 54. Seite 332.]. Weiter wird Dietrich II. als Intervenient in einer Urkunde im Jahre 1082 erwähnt, wonach Erzbischof Siegfried von Mainz dem Kloster Hasungen den Hof Hofgeismar geschenkt hat [6 MUB I 362. Zur Frage der Echtheit der Urkunde vgl. W. Heinemeyer, Die Urkundenfälschungen des Klosters Hasungen. In: Archiv für Diplomatik 4. 1958. Seite 226ff.].
Dietrich II. ist der Gründer des St. Alexanderstifts zu Einbeck [7 Chron. Engelhusii. In: Script. rer. Brunsw. II Seite 1093. Sächs. Weltchronik. Kapitel 270. Seite 209. Vgl. auch Orig. Guelf. IV Seite 426f. Zur Literatur: G. Max, Geschichte des Fürstenthums Grubenhagen. Band 2. Hannover 1863. Seite 113. Schrader, Dynastenstämme Seite 67. Hoogeweg, a.a.O. Seite 31. Hüttebräuker, a.a.O. Seite 9. Harland, a.a.O. Band 1. Seite 19f. Klinkhardt, Geschichte des St. Alexanderstifts in Einbeck. In: Vaterländ. ARchiv 1834. Seite 29ff. H. Drawe, Der Klein-Archidiakonat Einbeck im Mittelalter. In: Einbecker Jahb. 26. 1964. Seite 26f. Vogt, a.a.O. Seite 56.Wittram, a.a.O. Seite 313. Dörries, a.a.O. Seite 15f. Ellissen, a.a.O. Seite 6. Scheibe, a.a.O. Seite 5.]. Über diese Eigenkirchengründung der Grafen von Katlenburg ist wenig bekannt, da weder eine Gründzungsurkunde noch eine Bestätigungsurkunde aus späterer Zeit vorliegt, aus der man die Gründungsvorlage erschlossen hatte [8 Vgl. Drawe, a.a.O. Seite 26.].
Eine bedeutsame Rolle hat Dietrich II. im sächsischen Aufstand gegen HEINRICH IV. gespielt. Dietrich II. nahm seit der Verschwörung der sächsischen Fürsten 1073 an der Aufstandsbewegung teil [9 Lampert von Hersfeld, Annalen ad a. 1073. Seite 178f.]. Er gehörte auch zu den sächsischen Fürsten, die im Oktober 1075 von HEINRICH IV. in Haft genommen. Nach der Bannung HEINRICHS IV. im Februar 1076 ließ Bischof Hermann von Metz Hermann Billung und Dietrich von Katlenburg frei, die ihm vom König zur Bewachung übergeben worden waren [2 Lampert von Hersfeld, Annalen ad a. 1076. Seite 352.]. Nach Sachsen zurückgekehrt, wiegelten sie die Sachsen erneut auf [3 Bruno, Sachsenkrieg cap. 84. Seite 322. Annalista Saxo ad a. 1076. Seite 710.]. Bei dem Versuch, mit seinem Vetter, Bischof Udo von Hildesheim und dessen Bruder Konrad von Reinhausen, auf die Seite HEINRICHS IV. überzutreten, ist er zusammen mit einem Verwandten von den aufgebrachten Sachsen am 21. Januar 1085 an ihrem Versammlungsort Berka erschlagen worden [4 Annalista Saxo ad a. 1085. Seite 722. Liber de unitate ecclesiae Conservanda. Seite 235. Ann. Magd. ad a. 1085. Seite 177. Ann. Ratisnonsium mai. frag. ad a. 1085. Seite 49. Schaten Lib. VII ad a. 1085.Seite 427. Bernoldi Chronicon ad a. 1085. Seite 442. Klinkhardt, a.a.O. Seite 30f. Harland, a.a.O. Band 1 Seite 21 und Dörries, a.a.O. Seite 15f geben fälschlicherweise als Todesdatum Dietrichs II. das Jahr 1089 an.].
Dietrich ist mit der BRUNONIN Gertrud von Braunschweig verheiratet gewesen [5 Annalista Saxo ad a. 1056. Seite 691.], die in zweiter Ehe mit Heinrich dem Fetten von Northeim und in dritter Ehe mit Heinrich von Eilenburg verheiratet gewesen ist [6 Annalista Saxo ad a. 1056. Seite 691. 1082. Seite 721. 1101. Seite 734. 1103. Seite 736. 1123. Seite 759. Vgl. Böttger, Brunonen Seite 688ff. Stammtafel Seite 673. E. Brandenburg, Die Nachkommen Karlsdes Großen. Frankfurt a.M. 1964 (Nachdruck). Genealogie und Landesgeschichte 10. Seite 20f.]. Wann die Ehe zwischen Dietrich II. und Gertrud geschlossen worden ist, läßt sich nicht genau feststellen. Lange ist der Absicht, daß die Ehe kurz vor 1085 geschossen worden ist. Die Ansicht Böttgers dürfte allein aus diesem Grunde schon zweifelhaft sein, wonach Dietrich II. von seinem Schwager Markgraf Ekbert II. für HEINRICH IV. gewonnen worden sei, aber dann von der sächsischen Partei, die dieses erfahren habe, eben 1085 erschlagen worden sei [1 Böttger, Brunonen Seite 688.]. Denn das Fragment der Regensburger Annnalen besagt, daß Dietrich II. durch Erzbischof Wezilo geworben worden ist, sich dem Kaiser zu unterwerfen [2 Ann. Ratisbonensium mai. frag. ad a. 1085. Seite 49. Meyer von Knonau, Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V. Band 4. Leipzig 1903 Seite 8f.]. Ekbert andererseits, der mehrmals die Fronten gewechselt hat, war zwar 1080 zu HEINRICH IV. übergetreten [3 Meyer von Knonau, a.a.O. Band 3 Seite 236], hatte sich aber seit 1082 wieder auf die Seite der Sachsen geschlagen und ist dort auch bis 1085 nachweisbar [4 Meyer von Knonau, a.a.O. Band 3, Seite 503 Anm. 48. Seite 504. Band 4. Seite 2.]. Jedenfalls ist Böttgers Ansicht zurückzuweisen.