Lampert von Hersfeld: Seite 180,322,352
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"Annales/Annalen"
 

Das Jahr 1073.
 

Die von diesen Urhebern ausgegangene Erhebung zum Aufruhr ergriff in kurzem das ganze Volk Sachsens wie eine Raserei, so daß jede Würde, jeder Stand, jedes Alter, wenn es nur Kriegsdienste  zu thun geschickt war, mit einem Geiste, mit gleichem Willen laut  zu den Waffen riefen und eidlich versprachen, entweder fest entschlossen  zu sterben, oder die Freiheit ihres Volkes zu erstreiten. In dieser Verschwörung waren folgende Fürsten: Wezel, Erzbischof von Magadaburg, Bucco, Bischof von Halberstadt, Hecel, Bischof von Hildenesheim, Wernheri, Bischof von Merseburg, Eilbert, Bischof von  Minden, Immet, Bischof von Podelbrunn, Friderich, Bischof von Mimegardefurd, Benno, Bischof von Misine, Otto, vormals Herzog von Baiern, der Markgraf Uoto, der Markgraf Dedi und,  leidenschaftlicher und unversöhnlicher als alle Markgrafen, seine Gemahlin Adela; Egbert, der junge Markgraf der Thüringer, noch nicht  fähig, die Waffen zu tragen; der Pfalzgraf Friderich, der Graf Diederich, der Graf Adalbert, der Graf Otto, der Graf Counrad, der Graf Heinrich; dann eine gemischte Volksmenge von mehr als 60,000, welche zur Behauptung der Freiheit des Vaterlandes und  zum Schutze der Gesetze mit bereitwilligstem Herzen ihren Arm und  ihre Hülfe verhießen. Wahrhaft durch göttliche Fügung, sagten sie, sei ihnen Gelegenheit dargeboten, das Joch der ungerechtesten  Herrschaft von ihrem Nacken abzuschütteln. Noch war niemand zum Herzoge von Sachsen ernannt, weil, wie oben erwähnt ist, der Herzog Otto kurz zuvor die Welt verlassen hatte und sein Sohn Magnus, welchem das Herzogthum durch gesetzliche Nachfolge gebührte, nach seiner Unterwerfung noch im Schlosse Hartesburg verwahrt wurde. Und weil der König nach den Gütern desselben gierig trachtete, so glaubte man  er harre darauf, daß jener, von der Last der Leiden und von dem  Ueberdrusse der langen Gefangenschaft ermüdet, freiwillig sein Recht aufgeben  und gestatten würde, daß der König sein Herzogtum, wem er wollte, verliehe. Liemar, Erzbischof von Premen, Eppo, Bischof von Zeiz, und Benno, Bischof von Osenbruggen, wurden, weil sie dem gemeinsamen Beschlusse ihres Volkes nicht beitreten wollten, aus den Grenzen Sachsens vertrieben und begaben sich zum Könige, dem sie in der  ganzen Zeit dieses Krieges als unzertrennliche Gefährten anhingen.
 
Gegen den Anfang des August also, da die Verschwörung schon Reife und hinlängliche Stärke erlangt hatte, schicken sie Gesandte zu dem König, der damals seinen Sitz zu Goslar hatte, und verlangen,  daß ihnen der Feldzug, den er gegen die Polen veranstaltet, erlassen
 

Das Jahr 1075.
 

Des  andern Tages nahm der König seinen Sitz mitten auf  der Ebene eines weit ausgedehnten freien Feldes, an einem Orte, welcher Spiraha genannt wird, nachdem er das ganze Heer zu diesem Schauspiele feierlich entboten hatte; ein sehr weiter Raum  wurde zwischen den dichtgedrängten Schaaren leer gelassen, wo jene,  wenn sie herankämen, vom ganzen Heere gesehen werden könnten.  Nun werden der Ordnung nach hereingeführt zuerst die Fürsten  Sachsens und Thüringens, Wezil, Erzbischof von Magadaburg,  Bucco, Bischof von Halberstat, Otto, vormaliger Herzog von BaiernMagnus, Herzog von Sachsen, der Graf Heriman, sein Oheim, der Pfalzgraf Friderich, der Graf Diederich von Cadalenburg, Adalbert, Graf von Thüringen, Ruodeger, Sizzo, Berenger, Bern,  Grafen, und hierauf alle Freigeborenen, welche durch Glanz des Geschlechts oder Reichthums einigermaßen im Volke hervorragten, und sie unterwarfen sich, der Uebereinkunft gemäß, ohne irgend  einen Vorbehalt dem Könige. Der König übergab sie einzeln seinen Fürsten zur Verwahrung, bis über sie durch gemeinschaftliche Berathung entschieden würde; und bald hierauf brach er den Bund,  achtete nicht alle Bande des Eides, wodurch er sich verpflichtet hatte, und ließ sie in Gallien, Schwaben, Baiern, in Italien und Burgund hierhin und dorthin an verschiedene Orte bringen. Ihre Lehen vertheilte er ebenfalls unter seine Ritter, deren Hülfe er sich vornehmlich im sächsischen Kriege bedient hatte. Er verweilte noch einige Tage in Thüringen, stellte das Schloß auf dem Asenberg wieder  her und legte Besatzung hinein, um zu verhüten daß nicht nach seinem Abzuge durch den Wankelmuth der unbeständigen Menge Unruhen erregt werden möchten. Außerdem setzte er allen Freigeborenen, welche entweder zufällig abwesend waren, oder aus Furcht sich zurückgezogen hatten, einen Tag, vor dem sie zur Unterwerfung sich zu stellen hätten, oder als Reichsfeinde von allen, denen das  öffentliche Wohl am Herzen liege, mit Feuer und Schwert verfolgt  werden sollten. Und so kehrte er nach Beurlaubung seines Heeres  als Sieger zurück und feierte das Fest des heiligen Martin zu Worms.
 

Das Jahr 1076.
 

Um  die nämliche Zeit kamen Ruodolf, Herzog von Schwaben, Welf, Herzog von Baiern, Berhtold, Herzog der Carentiner, Adalbero, Bischof von Wirciburg, Heriman, Bischof von Metz,  und mehrere andere Fürsten zusammen und beriethen sich mit  einander, was bei den großen Uebelständen, wodurch der Staat beunruhigt wurde, zu thun sei; der König bleibe nach dem sächsischen Kriege derselbe, der er gewesen; er habe nichts von seinem Leichtsinn, seiner Grausamkeit, von dem Umgange und der Vertraulichkeit mit den schlechtesten Menschen geändert; nur dazu habe sein so  glänzender Sieg wider die Sachsen gedient, daß er über ihrer aller Blut Recht und Gewalt erlangt habe, und zum Verderben aller  Rechtschaffenen, zur Ausführung jeder Schandthat, auf die sein Sinn  verfalle, mit ungestrafter Frechheit wüthe; ihnen bleibe von nun an keine Hoffnung, kein Schutz übrig, wenn sie etwa, wie es ja den Menschen leicht begegne, ihn beleidigen sollten, da er gegen die, welche sich ihm unterworfen, wider seinen Eid und das Wort der Fürsten so Abscheuliches und Grausames verübt habe. Denn diese Sache hatte nicht nur jene, sondern auch alle übrigen Fürsten des Reichs heftig erregt, und am meisten diejenigen, auf deren Rath die sächsischen Fürsten sich in die Gefahr begeben hatten. Daher  bildete sich eine nicht unbedeutende Verschwörung, die von Tag zu Tag mehr und mehr anwuchs, da besonders der Umstand allen Kühnheit, und Zuversicht verlieh, daß häufige Boten aus Italien täglich hinterbrachten, der König sei von dem römischen Papste in den Bann gethan. Dadurch ermutigt, erlaubten der Bischof von Metz [2 Hermann gab Hermann Billung und Dietrich von Katlenburg frei.] und mehrere andere einigen der sächsischen Fürsten, welche sie von dem König zur Verwahrung übernommen hatten, ohne Wissen des Königs frei in ihre Heimat zurückzukehren.