Walram von Jülich                        Erzbischof von Köln (1332-1349)
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um 1305/10-14.8.1349
                   Paris

Begraben: Köln, Domchor
 

Jüngerer Sohn des Grafen Gerhard V. von Jülich aus seiner 2. Ehe mit der Elisabeth von Brabant-Arschot, Tochter von Graf Gottfried
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 1988
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Walram von Jülich, Erzbischof von Köln 1332-1349
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* 1303/04, + 14. August 1349
                   Paris

Begraben: Köln, Domchor

Der Sohn Graf Gerhards V. und Bruder Wilhelms V. von Jülich, Doktor decretorum (Studium in Orleans und Paris, 1316-1330), Kanoniker und Thesaurar (1327/28) der Kölner Kirche, pflegte schon früh (1320/24) Kontakte zu Papst Johannes XXII., der seinen Kaplan (1328) im Januar 1332 gegen den Kandidaten des Domkapitels und französischen Königs mit dem Erzbistum Köln providierte. Walrams Erhebung veränderte die politische Kraäftekonstellation am Niederrhein grundlegend; die einstigen Gegner - Jülich und Kurköln - führte nun gemeinsam die in Koalitionen vereinigten niederrheinisch-niederändischen Fürsten an. Deren seit 1337 offenkundige antifranzösische Tendenz stürzte Walram, den Vasall und Bundesgenossen Franktreichs (1332), in einen Zwiespalt; um sein Erzstift vor einem drohenden Krieg zuschützen, wählte Walram von Jülich die allseits beargwöhnte Neutralität. Im zweiten großen Konflikt seiner Amtszeit, zwischen LUDWIG DEM BAYERN und dem Papsttum, bewies Walram von Jülich durch die Verweigerung der Anerkennun LUDWIGS (Regalienleihe) zwar Papsttreue, ließ aber in seinm politischen Handeln jede aktive Parteinahme vermissen. Von Unentschlossenheit und abwartender Haltung zeugt auch sein weiteres reichspolitisches Handeln (Kurverein von Rhense); seine Stimme für die Königswahl KARLS IV. (Juli 1346) ließ er sich mit politischen Konzessionen und Geld "geradezu abkaufen" (W. Janssen). Während er die administrative Erfassung seines Landes durch ein System von Ämtern erfolgreich vollendete, scheiterte Walrams Politik der Stärkung und Erweiterung der Kölner Rechte in Westfalen, die das Erzstift in eine Finanzkreise stürzte.

Quellen und Literatur:
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Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, V, bearbeitet W. Janssen, 1973 - G. Heyden, Walram, Erzbischof von Köln. Reichs- und Territorialpolitik, 1963 - W. Janssen, Walram von Jülich (Rheinische Lebensbilder, IV, 1970), 37-56 - L. Tewes. Die Amts- ud fandpolitik der Erzbischöfe vo Köln im Spätmittelalter, 1987, 52-79 - W. Janssen, Das Erzbistum Köln im späten Mittelalter 1191-1515, I, 1995 - E. Andre, Ein Königshof auf Reisen. Der Kontinentalaufenthalt Eduards III. vo England, 1996.