Gertrud Anna von Hohenberg        Deutsche Königin
------------------------------------        Gräfin von Habsburg
um 1225-16.2.1281
Schwaben Wien
 

Älteste Tochter des Grafen Burchard III. von Hohenberg und der Mechthild von Tübingen, Tochter von Pfalzgraf Rudolf II
 

Reifenscheid Richard: Seite 14,19
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"Die Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I."

KÖNIG RUDOLF I.
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* 1.5.1218, + 15.7.1291
Schloß Limburg Speyer

  1. oo um 1253 im Elsaß
          GERTRUD ANNA, GRÄFIN VON HOHENBERG
          * um 1225, + 16.2.1281
          in Schwaben Wien

Eltern: Burchard III., Graf von Hohenberg, aus dem Geschlecht der Grafen von Zollern-Hohberg in Schwaben

Grabstätte: Heute unter der Hauptapsis der Stiftskirche St. Paul in Lavanttal/Kärnten, ursprünglich im Münster zu Basel, dann in St. Blasien im Schwarzwald. Nach sder Säkularisation des Klosters von 1806/ß7 wurden auch die sterbelcihen Überreste von 15 HABSBURGERN der ersten bis vierten Generation nach St. Paul gebracht.

RUDOLF VON HABSBURG, persönlich fromm, klug und zielstrebig in allem, was er sich vornahm, gewann durch seine bescheiden und betont schlichte Art die Gunst des Volkes. 1253 hatte er die Gräfin Gertrud Anna von Hohenberg aus dem Geschlecht der Grafen von Zollern-Hohenberg in Schwaben geheiratet. Nach der Krönung RUDOLFS in Aachen nahm sie den Namen "Königin Anna" an. Sie wurde die königs- und kaiserreichste Ahnfrau der Weltgeschichte. Als sie im Alter von 56 Jahren starb, wurde sie am 20.3.1281 im Beisein ihres königlichen Gemahls mit königlichen Ehren ihrem Wunsch entsprechend im Dom zu Basel beigesetzt. Später wurden ihre Gebeine nach St. Blasien im Schwarzwald gebracht. Nach der Säkularisation der Abtei St. Blasien brachten die Mönche ihren Leichnam 1807 nach St. Paul im Lavanttal in Kärnten, wo die Königin in der Stiftskirche ihre endgültige Ruhestätte fand.

Franzl Johann: Seite 60,201-204
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"Rudolf I. Der erste Habsburger auf dem deutschen Thron."

Die Braut, die RUDOLF zum Traualtar führte, soll ein "schönes und holdseliges Fräulein" gewesen sein. Ungefähr 15 Jahre war Gertrud von Hohenberg alt, als man sie mit dem um 20 Jahre älteren Grafen von Habsburg vermählte. Das junge Mädchen war vorher nicht gefragt worden, ob ihm der um so viel ältere Freier denn auch gefiel. Es spielten ja Liebe und Zuneigung bei solchen Verbindungen eine weit geringere Rolle als die Mitgift der Braut oder die Morgengabe des Bräutigams. Dennoch war die Ehe glücklich, wovon ein Dutzend Kinder zeugen, die im Verlauf von gut 20 Jahren zur Welt kamen.
Am 16. Februar 1281 starb in Wien Königin Anna nach kurzer, heftiger Krankheit. Der Schmerz über den Verlust ihrer Tochter Clementia, hieß es, sei die Ursache gewesen. Die Königin kann noch nicht alt gewesen sein, um die 40 Jahre vielleicht, doch ihre Kraft war erschöpft. Fast ein Dutzend Kinder hatte sie zur Welt gebracht, bei einigen war sie auch an der Bahre gestanden und hatte sie zur letzten Ruhe gebettet. Brav hat (Gertrud-)Anna ihre Pflicht als Frau und Mutter erfüllt. Mehr wurde von ihr nicht verlangt. Gerne, so weiß man, hätte sie ihren Sohn Hartmann als Schwiegersohn des Königs von England gesehen, doch die Politik hatte diesen Wunsch verhindert. Politik war Königin Annas Sache nicht. Soweit man heute die Dinge sehen kann, hat sie sich nie in die Geschäfte ihres Mannes eingemischt, sie kannte die Grenzen, die ihr von der strengen Gesellschaftsordnung ihrer Zeit gesetzt waren, in der auch vornehme Frauen im öffentlichen Leben eine nur recht bescheidene Rolle spielten. Was sie im stillen Gemach mit ihrem Gatten besprach, entzieht sich unserer Kenntnis. Höhen und Tiefen seines Königsamtes hat sie hautnah miterlebt. 1275 war sie dabei, als RUDOLF VON HABSBURG mit dem Papst wegen der Kaiserkrönung verhandelte und hat das Jahr darauf mit eigenen Augen mit ansehen müssen, wie die Züricher den Vertreter ihres Gemahls aufs gröbste beschimpften und mit Maulschellen traktierten. Den Dominikanerorden liebte sie über alle Maßen und wünschte über die Lebensumstände der frommen Brüder genau informiert zu werden. In Colmar bestand sie einmal darauf, die für Ordensfremde streng verbotenen Zellen der Mönche zu inspizieren. Die Patres, schwankend zwischen dem Gebot der Ordensregel und dem beharrlichen Wunsche einer neugierigen Majestät, entschieden pragmatisch und erlaubten der Königin den Zutritt. Bisweilen konnte sie auch recht unbescheiden sein, die fromme Frau. 1.000 Felle oder Pelze hatte sie von König RUDOLF gefordert, als dieser im Herbst 1278 sich auf dem Feldzug in Böhmen befand. Die 1.000 Felle könne er jetzt nicht liefern, beschied ihr ein wenig barsch der Gemahl, im übrigen möge sie sich an Gozo von Krems wenden, der werde schon das Nötige besorgen.
Ein paar flüchtige Details, und doch beinahe alles, was man über Königin Annas Leben weiß, das sie still und unauffällig führte. Desto besser aber sind wir über ihr Begräbnis informiert. Der Tod einer Königin ist ja kein alltägliches Ereignis und fordert die Aufmerksamkeit der Geschichtsschreiber heraus. Als ihre Grabstätte hatte sie das Baseler Münster ausgewählt, um zu sühnen, was ihr Gemahl dieser Kirche und deren Bischöfen angetan hatte. König RUDOLF respektierte diesen letzten Wunsch seiner Gemahlin, doch die Überführung von Wien nach Basel war keine einfache Sache. Ausführlich und nicht ohne Interesse schildert der Chronist von Colmar die Vorbereitungen für Königin Annas letzten Weg. Ihrem Leichnam wurden die Eingeweide entnommen, die Bauchhöhle wurde mit Sand und Asche gefüllt, das Gesicht einbalsamiert. Dann übergab man den Körper mit einem Wachstuch und hüllte ihn in prächtige seidene Gewänder. Eine goldene Kette zierte das verschleierte Haupt. Dann legte man die tote Königin in den Sarg, der aus Buchenholz gefertigt war, ihre Arme waren über die Brust gekreuzt. So sah der König seine Gemahlin zum letzten Male, ehe der Sarg mit eisernen Bändern verschlossen wurde. Wie er von ihr Abschied nahm verschweigen die Quellen.
Er konnte sie nicht begleiten auf ihrer letzten Reise, die Geschäfte hielten ihn in Wien zurück, noch war das Werk nicht vollendet, das er sich vorgenommen hatte. Seinem wichtigsten Vertrauensmann, Heinrich von Isny, erteilte er den Auftrag, für ein würdiges Begräbnis zu sorgen. 40 Pferde waren dem Leichenwagen vorgespannt, je zwei Dominikaner und Minoriten begleiteten den düsteren Zug, der am 20. März 1281 in Basel anlangte. Angeblich 1.200 Kleriker erwarteten dort die tote Königin und holten sie ein in feierlicher Prozession, Fackeln in den Händen. Drei Bischöfe zelebrierten das Totenamt, bei dem der Sarg senkrecht aufgestellt wurde und der Deckel geöffnet war, damit alle Anwesenden die hohe Verstorbene noch einmal sehen konnte. Unter dem Wehklagen vieler wurde dann die sterbliche Hülle Königin Annas im Chor des Münsters beigesetzt.
Der mächtige Deckel der Tumba hat sich erhalten. Lebensgroß ruht dort die Königin, in roten Sandstein gehauen, an der Seite ihres Söhnchens Karl, das ihr im Tod voranging und ebenfalls im Baseler Münster bestattet worden war.
 
 
 

 um 1253
  oo 1. RUDOLF I. VON HABSBURG König des Deutschen Reiches
          1.5.1218-15.7.1291
 
 
 
 

Kinder:

  Mathilde
  um 1253-23.12.1304
  Rheinfelden München

24.10.1273
  oo 3. Ludwig II. der Strenge Herzog von Bayern
          13.4.1229-3.2.1294

  ALBRECHT I. Deutscher König
  nach 1255-1.5.1308

  Katharina
  um 1256 oder 1265-4.4.1282
  Rheinfelden       Landshut

um 1279
  oo Otto III. Herzog von Nieder-Bayern
      11.2.1261-9.9.1312

  Agnes Gertrud
  um 1257-11.10.1322
  Rheinfelden Wittenberg

 1273
  oo Albrecht II. Herzog von Sachsen-Wittenberg
       um 1250-25.8.1298

  Hedwig
  um 1259- um 1303
  Rheinfelden Brandenburg

 1279
  oo Otto IV. Markgraf von Brandenburg
     um 1238-27.11.1309

  Clementia
  um 1262- nach 7.2.1293
  Rheinfelden Neapel

1281
  oo Karl I. Martell von Anjou König von Ungarn
      September 1271-12.8.1295
      Neapel         Stuhlweißenburg

  Hartmann Graf von Habsburg
  um 1263-20.12.1281 ertrunken
  Rheinfelden

  Rudolf II.  Herzog von Österreich
  um 1270-10.5.1290
  Rheinfelden Prag

  Jutta (Guta)
  13.3.1271-18.6.1297
  Rheinfelden Prag

24.1.1285
  oo 1. Wenzel II. König von Böhmen
          17.9.1271-21.6.1305

  Karl Graf von Habsburg
  14.2.1276-16.8.1276
  Rheinfelden Rheinfelden
 
 
 

Literatur:
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Die Zähringer. Schweizer Vorträge und neue Forschungen. Hg. von Karl Schmid; Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1990, Seite 127,265,303 - Franzl, Johann: Rudolf I. Der erste Habsburger auf dem deutschen Thron, Verlag Styria 1986, Seite 60,97,104,118,168,177,184,200,204,225 - Reifenscheid, Richard: Die Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I. Verlag Styria Graz Wien Köln, 1982, Seite 14,19, 339 -