CI.       JOHANNES


hieß auch der von KARL DEM GROSSEN zur Herrschaft über Istrien [1
R. CESSI, L'occupazione Seite 306ff., hält Johannes für einen dux von Friaul, und zwar für den Nachfolger Erichs. Der dux ille de Histria des Briefes KARLS DES GROSSEN (siehe unten Anm. 3) sei ein „facile scambio" etwa für dux Foroiuliensis, denn Istrien habe damals zum Dukat von Friaul gehört. Es ist aber fraglich, ob man die Klageworte des Paulinus von Aquileja um Erich von Friaul, in denen Pola/Istrien unter den trauernden Städten erwähnt wird, als genügenden Beweis für diese These annehmen darf.] eingesetzte dux. Daß er sein Amt nicht schon vor der Angliederung Istriens an das Franken-Reich innehatte, geht eindeutig aus dem Wortlaut unserer einzigen Quelle, einer undatierten Gerichtsurkunde aus der Zeit zwischen 801 und 810, hervor, in der es heißt, daß erst nach dem Ende der Griechen-Herrschaft Joannes devenit in ducatu [2 MANARESI, I placiti Seite 48, nr. 17 (= KANDLER, Codice dipl. Istriano, ad 804). LUDWIG DER FROMME bestätigte diese Übereinkunft, vgl. KANDLER, a.a.O. ad 815. - Der Nachricht des zwischen 1340 und 1350 schreibenden Venetianers Andrea Dandulo (MURATORI, Scriptorcs XII Seite 155) Provinciam quoque Istriae ab Imperio Constantinopolitano subtractat Joannes per Carolum dux ordinatus est, de quo primates et populi se gravatos sentientes Carolo querelam exponunt ..., ist kein eigener Quellenwert zuzuschreiben. An dieser Stelle schöpft das Chronicon des Andrea Dandulo aus der zitierten Urkunde.].
Diese Urkunde zeigt uns, daß Johannes seine istrischen Untergebenen sehr hart bedrückte und sehr eigenmächtig behandelte. Er verbot ihnen die
Nutzung des Waldes, indem er diesen zur öffentlichen Gewalt gehörig erklärte, behielt öffentliche Abgaben für seinen Unterhalt ein, siedelte Slawen, die ihm zinspflichtig waren, auf den Ländern der Istrier an, requirierte Zug- und Reitvieh, wandelte die aus der Zeit der Griechen-Herrschaft überkommene Verwaltungsordnung um, schaffte unter den Istriern den Rechtsstand der liberi und libertini ab, ließ diese cum servis Kriegs- und Frondienste leisten usw. Vor den missi Kaiser KARLS und König Pippins, dem Presbyter Izzo und den Grafen Cadolao und Aio, erhoben die Istrier Klage gegen ein solches Vorgehen. Der dux mußte eine Änderung seiner Maßnahmen zugestehen.
Das Herkommen des Johannes, - der wohl auch jener nicht namentlich genannte dux Histriac gewesen sein wird, der 791 am Avarenkrieg teilnahm und sich besonders auszeichnete [3
MG Epist. IV Seite 528 - Vgl. BM² nr. 315.], - kann aus dieser Gerichtsurkunde erschlossen werden. Wenn er nämlich die Verwaltung umordnete und an die Stelle der althergebrachten tribuni, domestici, vicarii und locoservatores seine centarchos (= centenarii) setzte, wenn er den Einheimischen den Geburtsstand der Freien nahm und diesen damit nur sich und seinen Leuten vorbehielt, und wenn er die requirierten Pferde auf in Franciam dimittit, aut per suos homines (= vassos) donat, endlich die Wiederherstellung der Ordnung secundum legem parentum vestrorum (nicht nostrorum) verspricht, so zeigt das deutlich, daß er sich selbst nicht zu den Romanen oder Langobarden, aus denen sich die Bevölkerung Istriens damals zusammensetzte, zählte, sondern bei seiner fränkischen Verwaltungsauffassung und bei seinen Beziehungen nach der Francia eher ein Franke gewesen sein wird [4 Auch P. PASCHINI spricht in seiner Storia del Friuli I Seite 161 bereits vom „duca franco Giovanni".]".