LXXII. G E B A H A R D
von Treviso
Von ihm wissen wir nicht viel mehr als das, was ein Mönch des
Klosters
Reichenau zwischen 822 und 838 in den Miracula S. Genesii
aufgezeichnet hat [1
MGSS XV,1 Seite 169ff.]. Danach hatte Graf Gebahard bei Treviso ein
Kloster
errichten lassen. Zu dessen Ausstattung mit Reliquien - und zwar denen
der Heiligen Genesius und Eugenius - hatte er zwei Geistliche zum
Patriarchen von Jerusalem abgesandt, wo diese zugleich mit der
Gesandtschaft KARLS
DES GROSSEN an Harun al Raschid
ankamen.
Während
aber diese Gesandtschaft erst nach vierjähriger Abwesenheit im
Juni 801
nach Italien zurückkam, war der überlebende der beiden Boten
Gebahards
mit seinem Schatz bereits einige Zeit vorher in Rom gelandet. Damals -
um 800 - war aber Gebahard
bereits verstorben, so daß sich der
gerade
in Rom weilende Graf Scrot von
Florenz, dessen Heimat das Land
bei
Schienen am Ausgang des Bodensees war, zuerst dieses Boten und der
Reliquien annahm, für seine Hilfsbereitschaft schließlich
aber einen
Teil der Genesius-Reliquien einforderte. Der Hauptteil der Reliquien
wurde nach Treviso gebracht, wo Gebahards
Witwe Albegunda darauf der
Stiftung ihres Mannes alle ihre Güter schenkte. Zu Anfang des 10.
Jahrhunderts wurden die Heiligenleiber nach Nonantola, dem die
Gebahard-Stiftung unterstellt worden war, überführt [2 MG SS XXX, 2
Seite 986ff. (= UGHELLI, Italia sacra V Seite 491-495). Die
Übertragung fand unter Abt Peter
III. von Nonantola (907-910,
vgl.
TIRABOSCHI, Nonantola I Seite 392) statt. - Der bei MURATORI,
Antiqu.
Italiac V Seite 675 abgedruckten Randschrift, die auch die
Gründungsgeschichte des Gebahard-Klostcrs in Treviso wiedergibt,
ist
kein eigener Quellenwert beizumessen, da sie einen erst im 17.
lahrhundcrt auf Grund der Urkundenbestände und sonstigen
Nachrichten
zusammengestellten Abtskatalog darstellt. Fehler können bei
Beachtung
der bei TIRABOSCHI, Nonantola II, gedruckten Originalurkunden rasch
in übergroßer Zahl gefunden werden, so daß der
historische Wert der
sonstigen nicht mehr kontrollierbaren Angaben sehr gering ist. Die
Rückkunft der Gesandtschaft an Harun al Raschid
ist auf 801
datierbar durch Ann. regni Franc. ad 801, Seite 116. - Zu Scrot von
Florenz vgl. oben Seite 39,
Anm. 65. ].
Graf Gebahard muß -
beachtet man die Nachricht der Annales Einhardi, wonach in den
Städten, die 776 zum aufständischen Herzog Hrodgaud von Friaul abgefallen
waren, comites Francorum
eingesetzt wurden [3
Auch Treviso hatte sich dem Aufstand angeschlossen; dazu vgl. Skizze
Stabilinus.]
- in den Gebieten nördlich der Alpen beheimatet gewesen sein.