LXV. ERICH,
der tüchtige Verwalter der Mark
Friaul [1
Er wird bald dux
Foroiulensis bald comes genannt.
Vgl. dazu A.
HOFMEISTER, Markgrafen Seite 266 ff., der schon sehr ausführlich
über
Erich gehandelt hat und dazu
auch alle erhaltenen Nennungen verwendete;
weiterhin J. R. BRUCE, Two neglected paladines of Charlemagne: Erich of
Friuli and Gerold of Bavaria.] in der kurzen
Zeitspanne
von
795 bis 799, war zu seiner Zeit eine der angesehensten
Persönlichkeiten. Als er 799
bei der Seestadt Tharsatica (=
Torsalto
bei Fiume) durch einen Hinterhalt der kroatischen Bevölkerung den
Tod
fand, klagte nicht nur tiefbewegt sein ihm durch gute Zusummenarbeit
lieb gewordener Freund
Patriarch Paulinus von Aquileja,
der damals in Friaul
residierte, cs beklagte dies auch ALCUIN in Trostbriefen an
König KARL DEN GROSSEN und an Erzbischof Arn von Salzburg; es
verzeichnen
seinen Tod auch die Reichsannalen, die Annales Maximiniani,
Regino von Prüm und andere, ja in Friaul wurde sodann sein
Andenken gar
bis ins 13. und 14. Jahrhundert bewahrt. - De genere fuisset
Alemannorum, nobili stirpe genitus, sagt noch 1249 eine Urkunde
über
Erichs Herkunft, und Paulinus nennt in seinem Klagelied
Straßburg, die
urbs dives Argentea,... barbara
lingua Stratiburgus, als den Ort, de
cuius confinio est oriundus.
Er kommt aus edlem Geschlecht, - nobile
germine natus claroque de sanguine.
Bewährt hat er sich zum ersten Male - soviel wir erkennen
können - 795
im Kampf gegen die durch inneren Zwiespalt geschwächten Awaren;
seine
Leute eroberten zusammen mit dem Slawen
Wonomyr den Hringus und
erbeuteten dort große von den Awaren-Fürsten seit alten
Zeiten
aufgespeicherte Schätze; und diese übersandte Erich an KARL DEN GROSSEN
nach Aachen. 797 konnte er erneute Siege über die feindlichen
Nachbarn
im Osten melden. 796 scheint er mit Konig
Pippin, der in
diesem Jahr
einen großangelegten Feldzug gegen die Awaren unternommen hatte,
selbst
nach Aachen gekommen zu sein und dort weitere Kostbarkeiten aus dem
Awarenschatz abgeliefert zu haben. Enge Freundschaft verband ihn mit
Alcuin, den er bei dieser Reise
nach der Heimat nördlich der Alpen
besuchte.
Erichs Macht erstreckte sich
über Friaul, Aquileja, Cormons,
Osoppo,
Ceneda, Pola und Sirmium, wie man aus dem Klagelied des Paulinus
entnehmen kann, das heißt also über die Mark Friaul, Istrien
und die
Grafschaft Ceneda. Ob er früher einmal Graf von Asti und Albenga
war,
wie CIBRARIO [2
L. CIBRARIO, De'conti d'Asti ne' secoli IX, X c XI. Seite 291-300. Vgl.
auch G. BARELLI, Il primo conto conosciuto della reggione Saluzzese
Seite
21 ff., der auf Grund einer in Caraglio gefundenen Inschrift, in der
ein Evols
innocens filius cometis Hirice genannt wird, und in
Zusammenhang mit den Versen des PAULINUS Erich zum ersten bekannten
Grafen des Gebietes von Saluzzo macht] aus den
Worten Astensis humus ploret et
Albenganus herauslesen zu können vermeint, kann infolge der
Quellenarmut nicht entschieden werden.
Mit Erich hat der Stamm der
Alemannen eine seiner edelsten Gestalten
für die Italienpolitik KARLS DES GROSSEN
gegeben.
.