XXXVIII.    BALDERICH


folgte 819 dem Markgrafen Cadolah in der Verwaltung der Mark Friaul nach. Noch im gleichen Jahre schlug er ein Heer des aufständischen Slowenen-Fürsten Liudewit, den Cadolah nicht niederzuringen vermocht hatte, zurück [1
Ann. regni Franc. ad 819, Seite 151; Vita Hludov. c. 32, MG SS II Seite 624.]. Nachdem um die Jahreswende in Aachen die Entsendung von 3 Heeren gegen Liudewit beschlossen worden war, die Aufständischen gegen diese Truppen aber eine offene Feldschlacht vermieden und sich auf Gebirgsfestungen zurückzogen und die drei Heeressäulen nach Verwüstung des Landes bereits auf dem Rückmarsch waren, ergaben sich die an der Save wohnenden Kramet und der aufständische Teil der Karantanen an Balderich [2 Ann. regni Franc. ad 820, Seite 153; Vita Hludov. c. 33, Seite 625.], der demnach ein Heer geführt haben muß. Drei neue Heere sollten im Sommer des nächsten Jahres abermals das Land der Aufständischen verwüsten; einem Kampf entzogen sich die Feinde wiederum [3 Ann. regni Franc. ad 821, Seite 154/56.]. Erst als 822 ein starkes Aufgebot von Italien aus vorrückte - geführt wahrscheinlich wiederum von Balderich, dem Markgrafen von Friaul -, mußte Liudewit die Eroberung seiner festen Plätze fürchten. Er floh zu den Serben, wo er 823 mit List getötet wurde; die Nachricht traf gerade bei einer Reichsversammlung im Juni 823 in Frankfurt ein, als neue Maßnahmen zur Niederwerfung des Aufstandes beschlossen werden sollten [4 Ann. regni Franc. ad 822 und 823, Seite 158 und 161.].
Für das Jahr 824 wird Balderich nur in einer Urkunde LUDWIGS DES FROMMEN für den Patriarchen Maxentius von Aquileja bezeugt [5
MÜHLBACHER, Unedierte Diplome aus Aquileja Seite 283, nr. 5(= MÜHLBACHER-LOSCHI, Diplomi inediti Seite 22, nr. 5): LUDWIG DER FROMME schenkt der Kirche von Aquileja Besitz zu Muzzana in Friaul und Cilli in Sclavinien, wie ihn bisher Kadola et postea Baldricus fidelis nostri Maxentio patriarche beneficiaverunt.]. - 826 ging am kaiserlichen Hof das Gerücht um, der Bulgaren-König sei von einem seiner optimates getötet oder vertrieben worden. Da LUDWIG bei der Verhandlung mit einem Boten dieses Königs Klarheit über die Lage im Bulgarenlande haben wollte, wurde der Pfalzgraf Bertricus ad Baldericum et Geroldum [6 Ann. rcgn. Franc. ad 826, Seite 169.] comites et Avarici limitis custodes in Carantanorum provinciam abgesandt. Doch auch hier an der Grenze war nichts Sicheres zu erfahren [7 Vgl. E. DÜMMLER, Über die südöstlichen Marken Seite 19 und A. HOFMEISTER, Markgrafen Seite 275.]. Im Juni des Jahres kamen Baldricus vero et Geroldus comites ac Pannonici limites praefecti persönlich nach Ingelheim [8 Ann. regn. Franc ad 826, Seite 170; Vita Hludov. c. 40, MG SS II Seite 629; Ann. Fuldens. ad 826, Seite 24.]. Da Baldrich hier noch nichts von Kriegsvorbereitungen der Bulgaren zu berichten wußte und in der Folge auch keine Vorsorgemaßnahnmn einleitete, dafür aber im nächsten Jahr vom Angriff der Bulgaren und in Pannonien sitzenden Slawen überrascht wurde, enthob ihn LUDWIG im Februar 828 seines Amtes. Die Mark Friaul wurde unter vier Grafen aufgeteilt [9 Ann. regn. Franc. ad 827, Seite 173 und ad 828, Seite 174; Vita Hludov. c. 42, Seite 631; BM² nr. 844a.].
Damit hören die Nachrichten über Balderich auf. Stellt man aber noch fest, daß er bereits im Jahre 815 als legatus imperatoris an den Kämpfen gegen die Dänen an der Lider teilnahm [10
Ann. rcgn. Franc. ad. 815, Seite 142.], dann kann er - obwohl über sein Herkommen nirgendwo etwas überliefert ist - als ein reichsfränkischer Edler, nicht aber als Langobarde oder Romane angesehen werden.