Pribislav-Heinrich                            König der Heveller
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um 1080 1150
 

Sohn des Heveller-Fürsten N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Seite 202
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Pribislav-Heinrich
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um 1080 1150

Fürst in der Brandenburg und im umliegenden Land der Heveller, um 1080-1150, folgte 1127 seinem ermordeten christlichen Vorgänger Meinfried (comes Slavorum) als rechtmäßiger Erbe. Pribislaw-Heinrichs zweiter Name (wie auch der seiner Gemahlin Petrissa) zeigt den Übertritt zum Christentum an, den die meisten seiner Untertanen nicht vollzogen. Pribislav-Heinrich, der sich an die ostsächsischen Großen anlehnte, drängte aber die 'Götzendiener' zurück. Diese für die Zeit typische Zwischenstellung kommt auch in Pribislav-Heinrichs Rang zum Ausdruck: Er führte den Königstitel und besaß Herrschaftszeichen (diadema regni sui). Die Erhöhung verdankte er offenbar der Einbindung in die 'Ostpolitik' LOTHARS III. Da Pribislav-Heinrichs Münzen eine Fahnenlanze zeigen, hatte er ein Fahnenlehen des Reiches inne; doch bleibt seine rechtliche Stellung zum Reich unklar. Eine Vereinbarung mit dem deutschen König (KONRAD III.?) muß ihm gestattet haben, sein Reich Albrecht dem Bären zu vererben und dessen Sohn Otto die Zauche (Land südlich der Havel) als Patengeschenk zu übertragen. Dies widerspricht dem Lehnsrecht, zumal die Brandenburg als Reichsburg galt und die umliegende Nordmark 1134 als Lehen an Albrecht gekommen war. Pribislav-Heinrichs enge Bindung an den Markgrafen von Brandenburg bewahrten sein regnum 1147 vor dem Wendenkreuzzug: Am Vorabend des Zuges legte das Herrscherpaar in der Leitzkauer Peters-Kirche (südöstlich Magdeburg, provisorischer Brandenburger Bischofssitz) seine Krone nieder, eine symbolische Auftragung des Landes an den Apostelfürsten. Nach Pribislav-Heinrichs Tod ermöglichte Petrissa, sicher consors regni, Albrechts Erbfolge, wodurch er Heveller-Staat zur slavischen Wurzel der entstehenden Mark Brandenburg wurde.

Quellen:
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Heinrici de Antwerpe tractatus de urbe Brandenburg, ed. G. Sello, Jber. des Altmärk. Vereins für vaterländ. Gesch. und Industrie zu Salzwedel, Abt. für Gesch. 22, 1888

Literatur:
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H.-D. Kahl, Slawen und Deutsche in der brandenburg. Geschichte des 12. Jahrhunderts, 1964 - E. Bohm, Albrecht d. Bär, Wibald von Stablo und die Anfänge der Mark Brandenburg, JGMODtl 33 1984, 62-91.


Literatur:
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Assing Helmut: Brandenburg, Anhalt und Thüringen im Mittelalter. Askanier und Ludowinger beim Aufbau fürstlicher Territorialherrschaften. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1997 Seite 49,64-66,68,103,107,139-141,143-145,147-153,155-158,160,165-170,172,174-176 - Heinemann, Otto von: Albrecht der Bär. Eine quellenmäßige Darstellung seines Lebens. Kulturstiftung Bernburg 2001 - Ludat, Herbert: An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar Köln Wien 1995, Seite 58,275,386 - Partenheimer Lutz: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2001 Seite 11,36,40,43,46,50-52,56,65,80,83,86,100,105,111-113,133,167,189,192,220,223,226,229,232,234,255,278,282,290-291,308 -