Pribislav                                           Fürst der Heveller
-----------
    28.12.993
 

Sohn des Heveller-Fürsten Tugumir und einer sächsischen Grafen-Tochter
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Seite 202
********************
Pribislaw, Fürst der Heveller
------------

  oo Mathilde, Tochter Markgraf Dietrichs von Haldensleben

Mußte wohl nach dem großen Slavenaufstand von 983 seinen Sitz in Brandenburg aufgeben. Mit Unterstützung Kaiser OTTOS III. und Fürst Mieszkos I. von Polen, der mit Pribislaw verschwägert war, gelangte er um 991 wieder dorthin, ohne aber dauernde Herrschaft ausüben zu können. Vor dem Hintergrund der Kämpfe des Reiches mit den heidnischen Lutizen wurde die Brandenburg zum Brennpunkt gewalttätiger Auseinandersetzungen sächsischer Familien, der Heveller und der PIASTEN, in deren Verlauf Pribislaw bald nach 991 getötet wurde.

Quellen:
----------
Thietmar von Merseburg, Chronik, IV/64, ed. R. Holtzmann (MGH SRG NS IX, 1935)

Literatur:
-----------
H. Ludat, An Elbe und Oder um das Jahr 1000, 1971, 38ff., 49ff - Chr. Lübke, Regesten zur Geschichte der Slaven an Elbe und Oder, T. II, III, V [Ind.], 1985ff.


Ludat, Herbert: Seite 38-41,43
*************
"An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa."

Zunächst steht einmal fest, dass es in Brandenburg nach dem Liutizenaufstand Fürsten gegeben hat. Thietmar erwähnt in seinen Schilderungen der Kämpfe in Brandenburg zu Beginn der 990-er Jahre einen "gewissen" Prebislavus, der einen Bruder mit Namen Liudolf hatte, der Priester war. Pribislav selbst war mit Mathilda, einer Tochter des Markgrafen Dietrich von der Nordmark vermählt, das heißt also einer Schwester der zweiten Gemahlin Mieszkos I.  Dass es sich daher bei ihm um einen slavischen Fürsten, der selbstverständlich auch Christ gewesen war, gehandelt haben kann, ist deshalb schlechterdings nicht zu bezweifeln, auch wenn man die Eintragung im Nekrolog des Lüneburger Michaelsklosters nicht auf ihn beziehen darf.
Nun lassen die eingestreuten Berichte, in deren Zusammenhang Pribislav, Ludolf und Mathilda erwähnt werden, gewiß viel Raum für Spekulationen; ihre Stellung und Rolle in den dramatischen Ereignissen um Brandenburg läßt sich dennoch einigermaßen klar fixieren. Unweifelhaft muß es sich bei Pribislav und Mathilda um das Fürstenpaar der Heveller gehandelt haben, auch wenn Thietmar nichts davon erwähnt. Aber während er Dobromir als venerabilis senior einführt, verzichtet er hier auf jedes Beiwort, wie er überhaupt von allen Mitgliedern dieser Familie recht geringschätzig spricht, was fraglos auf seiner feindseligen Einstellung gegenüber dem Geschlecht Dietrichs von Haldensleben beruht, mit dem die WALBECKER damals in offener Feindschaft lebten.
Schon daraus ist evident, dass Pribislav der Fürst der Heveller gewesen ist, mit dem sich Dietrichs dritter Tochter Mathilda vermählte. Wann diese Hochzeit stattgefunden hat, wissen wir nicht, sicherlich aber vor 983; dass diese Ehe in erster Linie den Zweck gehabt haben dürfte, der Herrschaft, die Dietrich über seine Mark von der Burg Brandenburg ausübte, einen zusätzlichen Schein von Legitimität zu geben, ist wohl anzunehmen. Es kann sich darum einzig und allein nur um ein Glied der angesehenen Tugumir-Dynastie gehandelt haben, da ein Angehöriger eines anderen, fremden Geschlechts diese Aufgabe nicht hätte erfüllen können - nach allem, was wir über die Stellung der Fürstensippe bei den Slaven im allgemeinen und der Stellung der HEVELLER-Dynastie in ihrem Herrschaftsbereich speziell wissen - und darum auch nicht die Hand der Markgrafen-Tochter erhalten hätte. Wenn das zutrifft, haben wir in Pribislav wahrscheinlich einen Sohn des Tugumir und einen Bruder oder mindestens einen nahen Verwandten des Dobromir zu sehen. Denn nichts spricht gegen die Annahme, dass Tugumir unter Geros Aufsicht in seiner Stellung belassen wurde und Nachkommen hatte, da er wahrscheinlich bei der Einnahme Brandenburgs 929 höchstens ein Jüngling, vielleicht noch ein Knabe gewesen war, den HEINRICH als Geisel und Werkzeug seiner Politik zurückbehalten hatte.
Noch etwas anderes ist vielleicht bezeichnend: Als einmal im kritischen Jahr 955 sogar das Kerngebiet der Heveller durch das Vordringen der Wilzen bedroht erschien, ist auffälligerweise auch das Aufgebot der Böhmen an deren Bekämpfung beteiligt. Es scheint nur naheliegend, dieses bemerkenswerte Faktum mit dem politischen Interesse der PEMYSLIDEN zu erklären: Boleslav, der Sohn Drahomirs und ein Vetter Tugumirs, muß auch daran interessiert gewesen sein, die Stellung dieser Dynastie zu stützen.
Spätestens durch den siegreichen Feldzug von 991 müssen auch Pribislav und Mathilda nach Brandenburg zurückgeführt worden sein, sofern das nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt zwischen 985 und 987 geschehen war und der Feldzug lediglich der Festigung ihrer inzwischen durch Kizo gefährdeten Situation dienen sollte.
Damals, offenbar einige Zeit nach der zweiten Eroberung Brandenburgs im Sommer 993 durch Markgraf Ekkehard, also vermutlich erst 994 oder 995, war es bei Abwesenheit des Befehlshabers der Burg Kizo zu einem erneuten Herrschaftswechsel gekommen: Ein miles dieses Kizo ein Slave namens Bolilut, hatte sich zum Herrn der Burg gemacht und hielt die Witwe Pribislavs in strenger Haft, in der sie ihren Sohn gebären und aufziehen mußte; es gelang ihr nach den Worten Thietmars, später ihrem Elend zu entfliehen und als indigna, das heißt trotz ihrer Unwürdigkeit, Äbtissin im St. Laurentiuskloster in Magdeburg zu werden. Ihr Gemahl Pribislav war bereits vor der Geburt des Sohnes von einem sächsischen Brüderpaar, deren Namen Thietmar auch nennt, erschlagen worden. Wann und wo das geschehen war, ob in einer Privatfehde oder während eines Kriegszuges, darüber schweigt der Chronist. Aber dass es sich doch wohl um eine nicht unbedeutende Auseinandersetzung gehandelt haben muß, geht noch aus dem Zusatz Thietmars hervor, dass Pribislavs Bruder, der Priester Ludolf nämlich, das priesterliche Gewand abgelegt und den Kampf gegen die Unsrigen, das heißt die Deutschen, nicht ohne Erfolg geführt hat, bis er in Gefangenschaft OTTOS geriet und wieder in sein Priesteramt zurückversetzt werden konnte.
 
 
 
 

  oo Mathilde von Haldensleben, Tochter des Grafen Dietrich
            
 
 
 
 

Literatur:
----------
Eickhoff, Ekkehard, Theophanu und der König, Klett-Cotta Stuttgart 1996, Seite 226,456,471,476 - Ludat, Herbert: An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar 1995 Seite 38-41,43,47-51, 58,57,275,277-279,282,299,328,334,344,368,372,377,382 - Thietmar von Merseburg: Chronik Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 Seite 180 -