WILHELM                                  Deutscher König (1247-1256)
---------------                  als W. II. Graf von Holland (1234-1256)
1227
28.1.1256
Leyden bei Alkmaar

Begraben: Abtei Middelburg auf Walcheren  

Ältester Sohn des Grafen Florenz' IV. von Holland-Seeland (19.7.1234) aus dem Hause der DIETRICHE und der Mathilde von Brabant, Tochter von Herzog Heinrich I. dem Streitbaren (5.9.1235) und der Mathilde von Boulogne; Bruder von Gräfin Margarete von Henneberg (26.3.1277), Gräfin Adelheid von Avesnes-Hennegau, Erbin von Holland-Seeland (1284) und Graf Florenz dem Vogt von Holland (24.3.1258), Neffe von Graf Wilhelm von Holland ( 1238), Äbtissin Ada von Rijnsburg (1258), Bischof Otto III. von Utrecht ( 3.4.1249), Herzog Heinrich II. dem Großmütigen von Brabant (1.2.1248), der Römischen Kaiserin Maria von Brabant (nach 9.3.1260), Gräfin Margarete von Geldern (21.9.1231), Gräfin Adelheid von Boulogne ( 1261/78), Gräfin Mathilde von Holland ( 21.12.1267), Herrn Gottfried von Baucignes, Leeuwe und Gaesbeek (21.1.1253) und Herrin Elisabeth von Dienslaken, Erbin von Sprimont (23.10.1273), Enkel von Graf Wilhelm I. von Holland (4.2.1223) und der Adelheid von Geldern 

Lexikon des Mittelalters: Band IX Seite 126
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1. Wilhelm II., Graf von Holland, deutscher (Gegen-)König 1247-1256
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* 1228,
28. Januar 1256 bei Alkmaar

Begraben: Abtei Middelburg auf Walcheren

Ältester Sohn des Grafen Floris IV. von Holland-Seeland und der Gräfin Mathilde von Brabant

  oo 1252 Elisabeth, Tochter Herzog Ottos von Braunschweig (14. O.)

Sohn:
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Floris V.

Nach dem Tode seines Vaters seit dem 19. Juli 1234 Graf von Holland, stand W
ilhelm II. unter der Vormundschaft seiner Onkel Wilhelm und Otto, Elekt von Utrecht, bis er 1239 die Leitung der Grafschaft übernahm, wobei sein Augenmerk insbesondere den aufblühenden Städten galt; so erhielten 1245/46 unter anderem Haarlem und Delft, 1254 Alkmaar sogenannte Keuren.
Nach dem Tode des ersten antistaufischenKönigs, des Thüringer Landgrafen Heinrich Raspe (72. H.), wurde W
ilhelm II. nach längerer Suche nach einem geeigneten Kandidaten auf Vorschlag seines Onkels, Herzog Heinrichs II. von Brabant (43. H.), am 3. Oktober 1247 in Worringen bei Köln von der päpstlichen Partei mit den Erzbischöfen von Köln, Mainz, Trier und Bremen und mit dem Brabanter Herzog als einzigem Laien an der Spitze zum König gewählt, eine Wahl, die sich als bedeutsamer Schritt auf dem Weg zur Konstituierung des nachmaligen Kurfürstenkollegs (Kurfürsten) erwies, hatten sich doch nach Auskunft Papst Innozenz' IV. diejenigen Fürsten, »denen die Wahl des Caesars zukommt«, auf diesen Kandidaten verständigt. Zu diesen »Vorwählern« zählten unzweifelhaft die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier.
Die Anfänge WILHELMS
II. als »Pfaffen-König« waren mühsam, Köln wurde erst nach Zugeständnissen gewonnen, Aachen öffnete sich erst nach halbjähriger Belagerung, an der Friesen als Kreuzfahrer beteiligt waren - so geschah die Krönung WILHELMS II. am rechten Ort durch den rechten Mann, aber nicht mit den rechten Insignien. Nur langsam konnte WILHELM II. seine Position am Niederrhein festigen; Zollprivilegien für Zisterzen und die Verpfändung von Reichsbesitz, so der Burg Nijmegen an den Grafen von Geldern, verstärkten den Zuzug, der freilich rheinaufwärts über Frankfurt als Mauer zum stauferfreundlichen Süden (Bayern, Pfalzgrafschaft und Bischofsstädte) nicht hinauskam.
Dies änderte sich nach dem Tode FRIEDRICHS II. 1250 und dem Abzug KONRADS IV. nach Italien 1251. Gestützt auf päpstlichen Zuspruch und geldliche Zuwendungen bei einem Besuch in Lyon Ostern 1251 griff
WILHELM II. nach Nordwest- und Mittel-Deutschland aus und gewann eine bedeutende Anhängerschaft durch seine Heirat mit der Tochter Herzog Ottos von Braunschweig, der in der sogenannten Braunschweiger Nachwahl wie auch die Brandenburger Markgrafen WILHELMS II. Erhebung zum König zustimmte. Städte wie Goslar, Lübeck, auch Bremen schlossen sich diesem Schritt an und empfingen oder erhielten erneut wichtige Zollprivilegien für den holländischen Wirtschaftsraum. Mit WILHELM II. erreichte das Königtum letztmals in Person die nördlichen Territorien des Reiches. Überlagert wurden diese politischen Fortschritte durch die lehnrechtliche Auseinandersetzungen WILHELMS II. mit der Gräfin Margarete von Flandern (17. M.) um versäumte bzw. erforderliche Mutung des Hennegaus (Reichs-Flandern) vom König bzw. West-Seelands als flandrisches Lehen durch den König (als Grafen von Holland). Militärische Verwicklungen, in die auch der Bruder des französischen Königs, Karl von Anjou, an der Seite der Gräfin eingriff, führten 1254 zu einem Waffenstillstand. Nach dem Tode WILHELMS II. folgte ein Friedensabkommen.
Hatten sich bereits 1252 Frankfurt und manche Städte und Burgen in der Wetterau dem König geöffnet, so war diesem ein bemerkenswerter Erfolg beschieden, als er sich im Februar 1255 als Reichsoberhaupt an die Spitze des sogenannten Rheinischen Bundes stellte, dem bald mehr als 70 Städte zwischen Basel und Köln angehörten, aber auch geistliche und weltliche Fürsten und Magnaten. Der König beanspruchte für sich und für den von ihm ernannten Hofrichter die Rolle des obersten Schiedsrichters und Rechtsbewahrers. Diese Allianz, eine Verbindung von Königtum und kommunaler Bewegung, hätte möglicherweise dauerhaft ein Gegengewicht gegen die althergebrachten feudalen Gewalten entwickeln und die Reichsverfassung auf ein neues, breiteres Fundament stellen können. Diese Wendung in seiner Politik hatte einen Bruch mit der geistlichen Partei, vor allem dem Erzbischof von Köln, zum Ergebnis, die sich mit Absetzungsplänen getragen haben soll. Insofern wird man das Königtum WILHELMS
II. VON HOLLAND durchaus positiver gewichten müssen als in Zeiten blinder STAUFER-Verehrung geschehen. Auch die Ausfertigung von nicht weniger als rund 400 Urkunden läßt seine politische Wirksamkeit erkennen, zumal in den unter seinem Vorsitz ergangenen Rechtssprüchen vielfältige Entwicklungen von Lehn- und Reichsrecht dokumentiert sind. Sein unerwartetes Ende fand der junge König als Landesherr auf einem Winterfeldzug gegen die West-Friesen.
D. Hägermann

Quellen und Literatur:
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ADB XLII, 622ff.
O. Hintze, Das Kgtm. W.s v. H., 1885
Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek 10, 1937, 1211
W. Reese, Die Niederlande und das Reich, 1, 1941, 268ff.
K.E. Demandt, Der Endkampf des stauf. Ks.hauses im Rhein-Main-Gebiet, HJL 7, 1957
J.G. Kruisheer, De oorkonden en de kanselarij van de graven van Holland, 2 Bde, 1971
D. Hägermann, Studien zum Urkk.wesen W.s v. H., 1977
Algemene Geschiedenis der Nederlanden, I-III, 1981-82
J. Kruisheer, Het ontstaan van de stadrechtsoorkonden van Haarlem, Delft en Alkmaar, 1985
Der Rhein. Städtebund v. 1254, 56: Kat. zur Landesausst. in Worms, hg. J. Mötsch, 1986
Urkk.reg. zur Tätigkeit des dt. Kg.s- und Hofgerichts bis 1451, bearb. J.F. Battenberg-B. Distelkamp u. a., 1987ff.
MGH DD XVIII, 1 (-1252), 1989.


Thiele, Andreas: Tafel 9
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1"

WILHELM II.
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* 1227,
1256

1234 GRAF von HOLLAND-SEELAND-FRIESLAND

Wilhelm II. wurde bevormundet von Brabant und seinem Onkel, Bischof Otto I. von Utrecht und unterstützte im Flandern-Erbkrieg seinen Schwager Johann von Avesnes. Nach dem Tode von HEINRICH RASPE wählten am 3.10.1247 in Worringen niederrheinische Kirchenfürsten den Grafen Wilhelm von Holland zum Gegen-König ("Pfaffen-König"). Als König konnte sich WILHELM weder gegen FRIEDRICH II. noch gegen KONRAD IV. durchsetzen, obwohl ihm der Papst mit 30.000 Mark Silber ausstattete. Er belagerte Aachen ein halbes Jahr lang, ehe es sich ihm zur Krönung öffnete. Erst nach dem Abzug KONRADS IV. nach Italien konnte er sich schrittweise gegen die staufische Partei durchsetzen. Er besuchte 1251 Papst Innocenz IV. in Lyon und wurde von ihm anerkannt, die Kaiserkrönung in Aussicht gestellt. 1252 wurde er in einer Nachwahl der norddeutschen Fürsten bestätigt und seit dem Tode von König KONRAD IV. 1254 wurde er im Reich allgemein anerkannt. Er geriet bald gegen die Erzbischöfe von Mainz und Köln; gegen ersteren wegen Thüringen, wo die Erzbischöfe wichtige Positionen und Gebiete besaßen. Er unterstützte im Erbkrieg das Haus BRABANT gegen Hessen wegen seines Bündnisses mit dem Rheinischen Städtebund. WILHELM sollte zeitweise abgesetzt werden, wurde aber gestützt von Papst
Innocenz IV. und Alexander IV. Er schloss 1254 Frieden mit Karl I. von Anjou, der zeitweise Hennegau besaß, womit der Flandern-Erbkrieg endete. Im Februar 1256 erkannte er den Rheinischen Städtebund an. Er fiel in der Schlacht bei Alkmaar gegen die Friesen. Nach seinem Tode kam es zur Doppelwahl, die Zeit des sogenannten "Interregnums". Mit seinem Tode begann sich der französische Einfluss im Niederrheingebiet auszubreiten.

 1252
  oo ELISABETH VON BRAUNSCHWEIG 
           1266

Tochter des Herzogs Otto I. von Braunschweig-Lüneburg


Schwennicke Detlev: Tafel 19
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

ELISABETH

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    27. V 1266

Begraben: Middelburg

 Braunschweig 25. I 1252
  oo WILHELM II. 1234 Graf von Holland
          
bei Hoogwoude 28. I 1256

Begraben: 1262 Middelburg
1247 König


Die Zeit der Staufer: Band I Seite 39
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"Geschichte - Kunst - Kultur."

Nach dem frühen Tod HEINRICH RASPES war es für die päpstliche Partei in Deutschland nicht leicht, einen neuen Gegen-König gegen Kaiser FRIEDRICH II. zu finden. Unter den Reichsfürsten kam nur Herzog Heinrich II. von Brabant in Betracht, der jedoch die Königssucher schließlich auf seinen jungen Neffen, den Grafen Wilhelm von Holland, aufmerksam machte. Am 3. Oktober 1247 wählten die rheinischen Erzbischöfe den 19-jährigen Wilhelm in Worringen zum deutschen König; die Krönung fand am 1. November 1248 in Aachen statt, nachdem die Bürger ihm ein Jahr lang den Einzug in die Stadt verweigert hatten. In langsamen Kämpfen rheinaufwärts gewann WILHELM die Herrschaft in Deutschland, konnte sich aber erst durchsetzen, als bald nach dem Tode FRIEDRICHS II. König KONRAD IV. zur Wahrung seiner italienischen Erbansprüche Deutschland verlassen hatte.

Mühlbacher Josef: Seite 89-91
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"Lebenswege und Schicksale staufischer Frauen"

Nun trat Heinrich II. neuerdings als Mitbewerber um die deutsche Krone auf, schlug dann aber den ihm nahe verwandten 19-jährigen Grafen Wilhelm von Holland vor. Dessen Mutter war eine Schwester Heinrichs II., Maria, deren erster Gemahl OTTO IV. 1218 gestorben war. Mit WILHELM VON HOLLAND wurde nach HEINRICH RASPE ein zweiter Verwandter der BRABANTER und STAUFER Gegen-König FRIEDRICHS II. Bei WILHELMS Wahl 1248 war Heinrich II. zugegen. WILHELM VON HOLLAND hielt sich nur durch die großen geldlichen Zuwendungen des Papstes über Wasser.
Nun meldete sich auch wieder die Feindschaft der WELFEN gegen die STAUFER. WILHELM VON HOLLAND bekam Elisabeth, eine Tochter Herzog Ottos von Braunschweig, zur Frau. Während des Beilagers in Braunschweig am 25. Januar 1252 geriet das Brautbett durch eine umgefallene Kerze in Brand. Die Verwilderung der Sitten auch in den Kreisen des Adels machte sich bemerkbar. Als WILHELMS Gemahlin von Trifels nach Worms reisen wollte, wurde sie von dem Raubritter Hermann von Ritberg solange in Odernheim gefangengehalten, bis sie ihm alle Kleinodien ausgehändigt hatte. Der Erzbischof von Köln, ein Gegner WILHELMS VON HOLLAND, ließ das Haus in Neuß, indem der König wohnte, anzünden, damit der König darin verbrenne. Als der König am 28. Januar 1256 mit seiner schweren Rüstung in der Gegend des Berkmeeres durchs Eis brach, wurde er von den ihm feindlichen Frieden erschlagen.
 
 
 
 

25.1.1252
   oo Elisabeth von Braunschweig, Tochter des Herzogs Otto I.
        um 123527.5.1266
 
 
 
 

Kinder:

  Florenz V.
  1254 27.6.1296

  Mechthild
        
 
 
 
 

Literatur:
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Die Zähringer. Schweizer Vorträge und neue Forschungen. Hg. von Karl Schmid; Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1990, Seite 42,240-244 - Die Zeit der Staufer. Geschichte - Kunst - Kultur. (Hg.) Reiner Haussherr. Katalog der Ausstellung Stuttgart 1977 Band I-IV - Engel, Evamaria: Wilhelm von Holland, in Deutsche Könige und Kaiser des Mittelalters, Urania-Verlag 1988, Seite 231-239 - Engels, Odilo: Die Staufer. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1972, Seite 155,156,158 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 215-217,221 - Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Band 1- Band 6, Mundus Verlag 2000 - Jaeckel, Gerhard: Die deutschen Kaiser. Die Lebensgeschichten sämtlicher Monarchen von Karl dem Großen bis Wilhelm II., Weltbild Verlag Augsburg, Seite 100 - Leo Heinrich: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten, Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 684-696 - Mühlbacher, Josef: Lebensweg und Schicksale der staufischen Frauen, Bechtle Verlag Esslingen 1977 - Pleticha, Heinrich: Deutsche Geschichte in 12 Bänden. Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH/Lexikothek Verlag GmbH, Gütersloh 1982 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 38,284,285 - Schulze Hans K: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 19 - Stürner Wolfgang: Friedrich II. Teil 2 Der Kaiser 1220-1250 Primus Verlag Darmstadt, 2000 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 9 - Wies, Ernst W.: Friedrich II. von Hohenstaufen. Messias oder Antichrist, Bechtle Esslingen 1998, Seite 90,119,156 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 384,467 -