Beatrix und Adalbero – Kärntner Herzöge und Salier

Josef Heinzelmann, Kirchweg 1, 55430 Oberwesel-Langscheid,
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Durch indirekte Quellen ist das Ehepaar Adalbero von Kärnten und Beatrix als solches belegt. Adalbero, zunächst Markgraf in der Kärntner Mark, gehört zu den sogenannten „EPPENSTEINERN“ (Vgl. Tafel 1). [1 Die Bezeichnung ist anachronistisch, sie begegnet erstmals nach dem Aussterben der Familie. Zu ihr gibt es eine methodisch vorzügliche Arbeit: Karl-Engelhardt Klaar, Die Herrschaft der Eppensteiner in Kärnten (Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 61), 1966. Vorausgestellt sind Regesten mit wertvollen Quellen- und Literaturangaben und eigenen Kommentaren zu den einzelnen Zeugnissen, auf die ich im folgenden Bezug nehme, wenn Klaar nicht nach Seitenzahlen, sondern nach Nummern zitiert wird. Vgl. auch Franz Tyroller, Genealogie des altbayerischen Adels im Hochmittelalter, Tafel 6, Die Eppensteiner, in: Wilhelm Wegener, Geneaolgische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte, 1962–69, S. 108 ff.] Er war vermutlich ein Sohn, gewiss naher Verwandter des Amtsvorgängers Marchwart und dessen Frau Hadamut, einer „EBERSBERGERIN“ und als seine Brüder sind Eberhart und Ernst sicher belegt. Er erscheint erstmals gleich in seinem Amt im Jahre 1000, wird 1012 Herzog von Kärnten, wird 1035 unter dramatischen Umständen als Herzog abgesetzt und verbannt und stirbt 1039 November 28. [2 Klaar, Eppensteiner… (wie Anm. 1) Nr. 21–38] Quellenmäßig belegt hatte er zwei 1039 mündige Söhne, Marchwart („von Viehbach“, Vogt von Aquileja) und Adalbero (1053 bis zu seinem Tod 1057 Bischof von Bamberg).
Bisher hielt man Adalberos Frau Beatrix [3 Ihre Zugehörigkeit ist genau genommen nur durch einen Eintrag im Bamberger Domnekrolog zu sichern: Beatrix mater Adalberonis episcopi Babenbergensis obiit zu Februar 23. (Regesten der Bischöfe und des Domkapitels von Bamberg (bearb. Frhr. v. Guttenberg) (VGesFränkG, 6,2), 1932/1963, 1 Nr. 263.] für eine Tochter des Herzogs Hermann II. Die Behauptung lässt sich auf 1841 datieren. [4 Christoph Friedrich Stälin, Wirtembergische Geschichte, 1, S. 471 und 473.] Bis auf Gerd Wunder haben sich viele Genealogen und Historiker dieser Vermutung angeschlossen. [5 Ich teile die Vorbehalte, nicht aber den Lösungsvorschlag von Gerd Wunder, Beiträge zur Genealogie schwäbischer Herzogshäuser, 1. Herzogin Beatrix von Kärnten, in: ZWürttLG 31 (1972), S. 1 ff.) – Peter Hilsch, Regenbach und die Schenkung der Kaiserin Gisela, ZWürttLG 42 (1983), S. 52ff., hier S. 58, bringt neben haltlosen Argumenten gegen Wunder die berechtigte Frage: Wie wären dann die EPPENSTEINER mit den SALIERN verwandt? Ich beantworte sie. – Klaar, Eppensteiner (wie Anm. 1), Nr. 21, referiert zurückhaltend „…sieht man in ihr heute allgemein … die Schwester der Kaiserin Gisela…“ Später geht er vorbehaltlos davon aus, z. B. S. 86. Leider tut dies auch der sonst so umsichtige Herwig Wolfram, Konrad II. 990–1039. Kaiser dreier Reiche, 2000, vgl. das Register S. 450.] Die meisten freilich haben sie einfach als Tatsache übernommen. Jackman z. B. umging früher jede Diskussion: „…source evidence is sufficiently clear that for brevity’s sake a demonstration is here dispensed with.“ [6 Donald C. Jackman, The Konradiner. A Study in Genealogical Methodology (Ius commune 47), 1990, S. 134, Anm. 220] Eine Beatrix als Tochter Hermanns II., bzw. Adalbero als dessen Schwiegersohn wird indes von keiner Quelle belegt oder nahegelegt, ist aber auch nicht auszuschließen, denn von Hermann II. weiß man, dass er drei Töchter hatte, von denen aber nur zwei, Mathilde und Gisela, belegt sind.

Mit drei gewichtigen Argumenten wurde die bisherige Annahme begründet:
Erstens dass Beatrix ihrem Mann Adalbero den Anspruch auf das Herzogtum Kärnten in die Ehe gebracht hätte.
Zweitens dass ein Sohn der Beatrix, Bischof Adalbero von Bamberg, vom selben Hermann dem Lahmen, der uns über die tresque filias Hermanns II. informiert, consobrinus Kaiser HEINRICHS III. genannt wird.
Drittens (eher eine Folgerung) meint man, dass es bei einer 1019 bei Ulm ausgetragenen Schlacht zwischen dem SALIER Konrad dem Jüngeren (Sohn der Mathilde), unterstützt von seinem Cousin Konrad dem Älteren (dem späteren König, dritter Gatte der Gisela) und Herzog Adalbero um das Erbe von Herzog Hermann II. gegangen sein könnte.
Eine bessere Erklärung für diese kämpferische Auseinandersetzung bringe ich später. Das zweite Argument ist richtig, bei der angenommenen Filiation wäre consobrinus sogar im damals engsten Wortsinn angewendet; aber die Bezeichnung zwingt nicht dazu, Beatrix als Schwester von Kaiserin Gisela anzusehen. Es gibt eine bessere Folgerung.
Das erste Argument ist gleichfalls richtig, der Schluss daraus gleichfalls falsch. Auf keinen Fall dürfte Adalbero von Eppenstein, bloß weil er Schwippschwager des 1011 verstorbenen SALIERS Konrad I. gewesen wäre, dessen Herzogtum Kärnten bekommen haben, ohne Berücksichtigung von Konrads minderjährigem Sohn (nach dem Tode seines Vaters des Herzogtums privatus [7 Herim. Aug. chron. ad a. 1012, ed. Pertz, 119, ed. Buchner S. 658; ebd. zu 1030 die Parallelstelle, dass Herzog Ernst von Schwaben ducatu privatur (S. 121, bzw. 664). Während Ernst sich Ernsthaftes hatte zuschulden kommen lassen, kann man sich dies bei dem unmündigen Konrad d. J. nicht vorstellen. Die Gemeinsamkeit der Stellen liegt darin, dass das Folgerecht negiert wurde. Vgl. auch 1077: Bertolfum quoque de Zaringin ducatu Carantinorum privavit et Liutoldo Genuensi dedit (Casus monasterii Petrishusensis, 2, 31, ed. Abel-Weiland, MG SS 20, hier S. 645. S. auch Klaar, Eppensteiner (wie Anm. 1), Nr. 56..]) und von Konrad „dem Älteren“, dem Brudersohn von Konrad I.
Vorgebracht wurden auch weitere Begründungen: „Ein unmündiger Herzog war in dem Grenzgebiet nicht tragbar…“ Schon der nächste Satz des sonst so überzeugenden Tilmann Schmidt [8 T. Schmidt, Kaiser Konrads II. Jugend und Familie, in: Geschichtsschreibung und geistiges Leben im Mittelalter. Festschrift für Heinz Löwe zum 65. Geburtstag, hrsg. von K. Hauck und H. Mordek, 1978, S. 312–324, hier S. 318f.] zeigt den inneren Widerspruch: „Dem im Lande nicht ein einziges Mal nachweisbaren Konrad I. folgte Adalbero von Eppenstein, bisher einer der mächtigsten Fürsten Kärntens.“ Wenn der Vorgänger (genauer: die Vorgänger) nicht ins Land kommen musste, musste es da der Sohn, ob mündig oder nicht? Wie mächtig Adalbero in Kärnten war, wage ich nicht zu beurteilen. Immerhin unterstellt Schmidt kein Folgerecht über Beatrix.
Jackman behauptet, dass Adalbero das Amt seiner Verwandtschaft mit dem Kaiserhaus, also mit HEINRICHII. und Kunigunde, verdankte. Wie kann man so ein Argument vorbringen!? Bei der von ihm mitgetragenen Filiation der Beatrix stünde dem Kaiser der Mann einer Cousine genealogisch doch genauso „nahe“ wie Konrad der Jüngere, der Sohn von deren Schwester. Zu Kaiser KONRAD II. wäre Adalbero als Schwager der Kaiserin Gisela gewiss nicht „näher“ verwandt als Konrad II., denn der war Cousin des Kaisers selber und wäre dazu noch Cousin der Kaiserin. Bleiben wir bei der Situation von 1011: Beatrix stand HEINRICHII. nicht näher als der junge Konrad. Dagegen ist für Adalbero selber Verwandtschaft mit HEINRICH II. durchaus möglich, ja wahrscheinlich. [9 Er erscheint in der ersten Liste der Klosterbesitzdiebe von Tegernsee, was nach Hans Constantin Faußner, Die Frühzeit der Babenberger in Bayern und Herkunft der Wittelsbacher. Ein Kapitel bayerisch-österreichischer Geschichte aus rechtshistorischer Sicht (Studien zur Rechts-, Wirtschafts und Kulturgeschichte 15), 1990, S. 23ff. heißt, dass er wie HEINRICH II. von Herzog Arnulf abstammt. Hierzu Klaar, Eppensteiner (wie Anm. 1), Nr. 29. Die genaue Filiation ist umstritten, was an der Tatsache nichts ändert. – Einen (weiteren) Zusammenhang deuten die liudolfingischen Namen von Adalberos Mutter Hadamut und deren Mutter Liutgart an.] Schon als Herzog hatte sich dieser zweimal für umfangreiche Schenkungen OTTOS III. an Adalbero verwendet. [10 MG D O III, Nr. 355 und Nr. 370. Vgl. Klaar, Eppensteiner (wie Anm. 1), Nr. 21f.] Dem ist hier nicht nachzugehen.
Schwach sind auch die Leitnamenindizien. Jackman betont Namenvererbung in den Enkeln von Adalbero und Beatrix, Herzog Liutold und seinem jüngsten Bruder, Bischof Hermann, die auf die „schwäbischen KONRADINER“ zurückgingen. Liutold kann dafür nicht herhalten, und Heinrich für den drittältesten Sohn ist ein gewichtigerer Leitnamen als Hermann für den jüngsten. Tyroller benützt den Namen Liutolt, um eine fragwürdige Filiation für Markwarts Frau Liutbirg zu erschließen.

Beatrix eine Salierin?

Alle Indizien, die consobrinus-Frage, die Enkelnamen Heinrich und Liutold und das Folgerecht im Herzogtum Kärnten deuten in eine andere und dieselbe Richtung: Adalberos ihm sein Folgerecht im Herzogsamt vermittelnde Frau Beatrix war eine Tochter oder Enkelin Herzog Ottos „von Worms“, und nicht Schwägerin, sondern Schwester (oder Nichte) von Herzog Konrad I. Da die Heirat von Adalbero und Beatrix nach den Belegen nur „wohl vor 1019“ datiert werden kann, kann Adalbero mit Amtsantritt als Markgraf, also spätestens 1000, oder auch im Zusammenhang mit der Herzogsernennung als bereits mindestens 30-jähriger, also wohl Witwer, kurz vor 1011 oder gar – zur „Rechtfertigung“ – kurz danach geheiratet haben. Im ersten Fall wäre seine Braut eine Tochter Ottos, im zweiten eine Tochter von Ottos Sohn Heinrich, also Schwester des späteren Kaisers KONRAD II. In den nächsten Generationen werden EPPENSTEINER auffällig oft als Verwandte salischer Herrscher bezeichnet. [11Klaar, Eppensteiner (wie Anm. 1), Nr. 50 Lampert von Hersfeld spricht von Markwart  als propinquus (HEINRICHS IV.) bei einem Gerücht über dessen Einsetzung (1072/73) als Herzog. – Nr. 75 (1093 Mai 12) HEINRICHS IV. Bezeichnung des Patriarchen Ulrich als dilectissimi consanguinei nostri. – Nr. 90 (1114 01 17) HEINRICHS V. Bezeichnung Heinrici ducis Karinthie dilectissimi nepotis nostri…] Dass dies noch 1114 geschah, lässt vermuten, dass die Verwandtschaft eine Generation näher liegt, Herzog Adalbero also in Beatrix eine Tochter des SALIERS Heinrich geheiratet hat. Darauf weist auch der bevorzugte Namen Heinrich hin.
Ob Beatrix nun Tochter oder Enkelin Ottos von Worms war, es wird deutlich, warum ihr Sohn Markwart in Kärnten ein St. Lambrecht geweihtes Kloster gründete, wie es einst Herzog Otto nicht nur in der Diözese Speyer getan, sondern auch in Kärnten versucht hatte. Markwart und sein Sohn, Herzog Heinrich, knüpften offensichtlich daran an. „Die Rückschau auf die Vorgeschichte der vom Grafen Markwart begonnenen Gründung zeigt, wie wichtig ihm und seiner Familie das Festhalten an der von dem SALIER Herzog Otto in Kärnten eingeführten Verehrung des hl. Lambert sein musste. Ein Familienkloster schlechthin… hätte sich leichter einrichten lassen. Hier ging es zugleich um den Anspruch, in der Tradition des salischen Herzogtums in Kärnten zu stehen, welche, verbunden mit der alten Machtstellung der Eppensteiner, die Grundlage ihrer Herzogsherrschaft abgeben sollte.“ [12 Klaar, Eppensteiner (wie Anm. 1), S. 128ff.]
Dass 1004 beim Tode Herzog Ottos „von Worms“ als Herzog von Kärnten nicht Konrad d. Ä. gefolgt war, rührt aus dem nach salischem Recht nicht praktizierbaren Eintrittsrecht vaterloser Enkel bei Vorhandensein eines Sohnes des Erblassers, nicht aus seiner Unmündigkeit, deren Ende sowieso gerade eingetreten war oder die in wenigen Wochen abgelaufen wäre. [13 T. Schmidt (s. Anm. 8) betont auch, dass Konrad nicht Allodial-Erbe Ottos von Worms war wegen des fehlenden Eintrittsrechts (dem ein Testament oder eine Designation à la Udo vom Rheingau abgeholfen hätte, wie ich in unserem Zusammenhang ergänzen möchte).] Sein Vater Heinrich, als ältester Sohn der natürlich erste Erbe, war gestorben, daher trat der zweite Sohn Ottos, eben Konrad I., an seine Stelle und wurde Herzog. [14 Vgl. Stefan Weinfurter, Herrschaftslegitimation und Königsautorität im Wandel, in: Stefan Weinfurter (Hrsg.), Die Salier und das Reich, 1, 1992, hier S. 63f.] Nach dessen Tod 1011 war Konrad der Ältere wohl Vormund seines unmündigen Cousins, des jüngeren Konrad, und an zweiter Stelle nach diesem folgeberechtigt, was HEINRICH II. bei seinen Vorbehalten gegen die beiden (die schon damals seine potentiellen Thronfolger waren) den Vorwand gab, als scheinbaren Kompromiss den angeheirateten Onkel beider (oder Schwager des einen) zu ernennen, der ihm besonders verbunden war und fortan erst recht blieb.
Darauf deutet auch, dass Konrad der Ältere, der ja auch bei der Königswahl 1024 das agnatische „Haus“ hochhielt, in der Schlacht bei Ulm 1019 auf der Seite Konrads d. J. stand. Dabei gilt diese Schlacht immer als ein Kampf um schwäbisches Erbe. Doch „aus dem oberschwäbischen Erbe ist Beatrix nicht verdrängt.“ [15 Dieter Mertens, Vom Rhein zur Rems, in: Die Salier und das Reich 1: Salier, Adel und Reichsverfassung, hrsg. Stefan Weinfurter u. Mitarbeit v. H. Kluger, 1992, hier S. 226, 230 und 232. Dort auch: „Besitzgeschichtliche Rekonstruktionsversuche… können sogar anscheinend mühelos von der Prämisse ausgehen, Adalberos Gattin Beatrix sei gar nicht unter die Töchter Hermanns II. und der Gerberga zu zählen.“ Andere Indizien für die Filiation wurden bisher nicht behauptet…] Wenn Gisela 1033 einen Teil von Regenbach an Würzburg schenkt, steht zwar der Sohn ihrer verstorbenen Schwester Mathilde, Konrad d. J., Zeuge, nicht aber der Mann der noch lebenden Beatrix, ihrer angeblichen Schwester. Und wenn Konrad der Ältere als König 1035 veteris existente causa odii [16 Ein Wormser (!) Kleriker an seinen Wormser Bischof Azecho, der selber in genealogischer Nähe zu den SALIERN gestanden haben dürfte. (Die ältere Wormser Briefsammlung (ed. Walther Bulst), (MG, Die Briefe der deutschen Kaiserzeit, 3), 1949, S. 49ff., Nr. 27).] Adalbero als Herzog absetzt, kann dieser alte Groll am einfachsten mit der Vergabe des Herzogtums 1011 erklärt werden und wäre 1019 zum ersten Male manifest geworden. [17 Wolfram, Konrad II.… s. Anm. 5, S. 102 ff., aber auch 78, 80, 84, 91f. Ob man die Stelle nun als Fortbestehen oder als (Wieder-)„Hervortreten der Ursache alten Hasses“ auslegt (hierzu Klaar, Eppensteiner (wie Anm. 1), S. 91f.), man darf nicht nur bis 1019 zurückgehen, als der Hass (für uns zum erstenmal) hervortrat, sondern zur eigentlichen Ursache, den Geschehnissen von 1011.] (Es ist dies in einem Brief an den Wormser Bischof festgehalten, der sich natürlich mit den Zwisten im SALIER-Haus bestens auskennt.) Gleichwohl sind die Eppensteiner fast durchgehend Anhänger des Königshauses.
Jackman erregt meinen Zweifel schon mit der allen Erfahrungen widersprechenden Behauptung, dass Adalberos Frau ihren Namen Beatrix von einer angeheirateten Tante bekommen habe. Den Namen kann freilich auch ich nicht stringent ableiten. [18 Ich glaube nicht, wie Christian Settipani an mehreren Stellen meint, dass es sich um eine hypokoristische Form von Bertrada handelt.] Da Kaiser HEINRICH III. eine Schwester und eine (die erste!) Tochter Beatrix hatte, habe ich immerhin eine mögliche Herleitung anzubieten. Diese jüngeren Beatrix’ können ihren Namen entweder von seiten der (Groß-)Mutter Gisela oder des (Groß-)Vaters Kaiser KONRAD hergeleitet haben. Wir kennen Giselas Verwandtschaft besser als die KONRADS, und finden auch dort den Namen einmal, bei der (Groß?-)Nichte Giselas, Beatrice („von Canossa“). Die aber trug ihren Namen nicht nach einer Vorfahrin ihrer (Groß-)Mutter Mathilde, sondern nach ihrer oberlothringischen Urgroßmutter von Vatersseite Beatrix, einer französischen Königsschwester (Tochter Hugos des Großen). Es besteht demnach kein Grund, Beatrix als einen Leitnamen der konradinischen Herzogsfamilie von Schwaben anzusehen, in der er sonst nicht belegt ist. Er kann, wenn auch nicht zweifelsfrei, den SALIERN zugeordnet werden, zu denen er entweder durch Herzog Ottos Frau Jutta gebracht worden war, die genealogisch noch immer ein leerer Schatten ist, oder durch die aus Lothringen stammende Adelheid, wenn diese die Mutter war. [19 Vgl. Eduard Hlawitschka, Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Untersuchungen zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9., 10. und 11 Jahrhundert (VKommSaarlLdesG-Volksforschg. 4), 1969.]
Ob Beatrix „von Kärnten“ überhaupt die erste Frau Adalberos war, ist nicht bewiesen, der Zeitpunkt der Heirat ist bekanntlich unbekannt. Auch die Schenkung von 1025 Mai 12 betrifft möglicherweise nicht sie, denn die Bezeichnung matrona wird meist nur Witwen gegeben. [20 Centum mansos (gemeint sind sicher Königshufen) schenkt der König cuidam matronae Beatrici. Es werden Intervenienten genannt (die Königin Gisela und Erzbischof Aribo von Mainz), aber kein Ehemann, der für Beatrix als deren Muntherr das Geschenk entgegennimmt. (MG D K II Nr. 34; Klaar, Eppensteiner (wie Anm. 1), Nr. 32)] Es fällt jedenfalls auf, dass eine Frau ohne Nennung ihres lebenden Mannes eine so große Schenkung (100 Königshufen) erhält. Wenn sie eine Tante des Königs/Kaisers war, versteht man das, und auch, dass sie selber 1035 bei der Absetzung Adalberos nicht mitbestraft wurde. [21Für diesen mehrfach vorgebrachten Umstand fand ich allerdings nirgends einen Beleg.] Selbst die enge Verbindung zwischen Herzog und Kaiserssohn, die damals KONRAD II. so in Rage brachte, gewänne glaubhafte Kontur, wenn es sich um einen angeheirateten Großonkel des jungen Königs handelte, wie überhaupt die ganzen Peripetien zwischen „SALIERN“ und „EPPENSTEINERN“ Farbe annähmen, wenn es sich um innerfamiliäre Auseinandersetzungen handeln sollte. [22 „Vom September 1027 bis zum September 1028 scheint Adalbero sich der vollen Gunst des Kaisers erfreut und eine Art Vorrangstellung unter den Herzögen eingenommen zu haben. Dann verschwindet er plötzlich und vollständig aus den Quellen, und sein Name begegnet erst im Zusammenhang mit seiner Absetzung wieder.“ (Heidrich Ingrid, Die Absetzung Herzog Adalberos von Kärnten durch Kaiser Konrad II., in: Historisches Jahrbuch 91 (1971), Seite 70-94).] Selbst die einmal behauptete Thronkandidatur Liutolts bekäme dann Sinn. [23  (1090) …defunctus est Liudolfus dux Carentinorum, cum et ipse appeteret regnum contra imperatorem Henrichum (Liber de unitate ecclesiae conservanda, c. 35, ed. Schwenkenbecher, MG SS rer. Germ. 39, S. 115 bzw. 263; 66b.) Lutolds Bruder Heinrich ist erst ab 1093 und nach Abtretung umfangreicher Güter und Ämter (Daugendorf, Vogtei Aquileja, Mark Krain) als Herzog genannt. Dazwischen verwaltete nach Klaar HEINRICHIV. das Herzogtum selber, vielleicht war sein Misstrauen gegenüber den Kärntner Verwandten gerechtfertigt.]
Über die Abfolge und Verwandtschaft der Herzöge von Kärnten bis 1122 s. Tafel 2. Zwischen 1047 und 1055 fehlt mangels Verwandtschafts-Beweis der 10., Welf, dann folgt der HEZELINIDE Konrad und dessen Schwiegersohn Berthold v. Zähringen. Dieses Konrads Mutter wurde von Hlawitschka als Schwester Kaiser KONRADSII. wahrscheinlich gemacht. [24 Eduard Hlawitschka, Die „Verwandtenehe“ des Gegenkönigs Hermann von Salm und seiner Frau Sophie. Ein Beitrag zu den Familienbeziehungen der rheinischen Ezzonen/Hezeliniden und des Grafenhauses von Formbach/Vornbach, in: Bayern. Vom Stamm zum Staat. FS f. Andreas Kraus z. 80. Geburtstag, hrsg. v. Konrad Ackermann et alii, 1, 2002, S. 19–51. Schon Kimpen u. a. hatten in ihr eine SALIERIN, nämlich eine Tochter von Herzog Konrad I. gesehen.]

Erbe und Erben in Schwaben

Bleibt die Frage nach dem schwäbischen Erbe. Bekannt ist nur Daugendorf (Touwondorf) bei Riedlingen. Es war von dux Heinricus de Carinthia filius domini Marquardi in die Hand des Kaisers gegeben worden und dieser vergab 1093 Mai 12 [25 MG D H IV Nr. 431; Klaar, Eppensteiner (wie Anm. 1), Nr. 75.] 30 Mansen an das Kloster St. Gallen (wo Heinrichs Bruder Ulrich Abt war). Die Besitztransaktion ist typisch für Reichslehen, die von den Inhabern an kirchliche Institute gegeben werden. [26 Hans Constantin Faußner, Die Verfügungsgewalt des deutschen Königs über weltliches Reichsgut im Hochmittelalter, in: DA 29, S. 345–449.] Dass es sich um ein Allod handelt, gar ein von Herzog Hermann II. ererbtes, ist daher mehr als unwahrscheinlich. Für ein Lehen iure hereditario ist der Übergang an eine Töchterlinie eher die Ausnahme.
Eine noch undeutlichere Besitzfolge gibt es am Hohentwiel. Der Berg und seine Burg waren wohl schon 1079 im Besitz von Bertholf von Zähringen (Sohn des Titular-Herzogs von Kärnten…) „1086 entrissen die EPPENSTEINER“ – in der Person des Abtes Ulrich von St. Gallen, der anscheinend als Privatmann handelte –„den ZÄHRINGERN nicht nur den Twiel, sondern auch Besitz um den Bussen und Wittislingen… Einem gewissen Adelbero wurde die Anwartschaft auf den Twiel zugesichert… Adelbero nahm seinen Wohnsitz in Singen, von wo aus seine Söhne nach Eintreten des Erbfalles im Jahre 1122 den Twiel in Besitz nahmen.“ [27 Hans Jänichen, Die Herren von Singen und Twiel und die Geschichte des Hohentwiel von 1086 bis um 1150, in: Hohentwiel. Bilder aus der Geschichte des Berges, Hrsg.d. Herbert Berner, 21957, S. 136–147. Dazu ebd. Karl Schmid, Burg Twiel als Herrensitz (12. bis 15. Jahrhundert), hier S. 150. Dass Adelheid, die Witwe RUDOLFS VON RHEINFELDEN, 1079 auf dem Hohentwiel starb, heißt nicht, dass Burg und Berg rheinfeldisch waren. Sie kann sehr wohl bei ihrem Schwiegersohn Zuflucht gefunden haben.] Offensichtlich gehörte dieser Adelbero (belegt 1087–1102) irgendwie zu den EPPENSTEINERN, seine Söhne sind Adelbero und Eberhard (ab spätestens 1132 de Tuielo), sowie wahrscheinlich auch Heinrich „von Twiel“, den Abt Ulrich zu seinem Nachfolger designierte, der sich aber nicht durchsetzen konnte. Zu deren Verwandten gehören wohl auch die Miterben am Bussen, Graf Markward von Altshausen, Stammvater der Veringer Grafen, dessen Sohn Ulrich Abt von St. Gallen wurde, und Markwards Bruder Wolfrad, Graf von Treffen in Kärnten, Vater eines weiteren Ulrich, Patriarch von Aquileja (1161–1182). [28 Hans Jänichen, Zur Genealogie der älteren Grafen von Veringen, in: ZWürttLG 27 (1968), S. 29.] Dass es sich hier um sehr nahe Verwandte der EPPENSTEINER handelt, geht schon aus den Namen hervor. Eine genaue Einordnung wage ich nicht. Der erste Adalbero kann bestenfalls ein vierter weltlicher Sohn von Marchwart sein, nur aus grafischen Gründen steht er in der Geschwisterreihe der Tafel 1 vorne.
Die Vorgänge legen verwandtschaftliche Zusammenhänge und Erbstreitigkeiten zwischen den ZÄHRINGERN und den EPPENSTEINERN nahe, und sind vielleicht im Zusammenhang mit dem Übergang des Herzogtums Kärnten zu sehen: HEINRICH IV. hatte 1077 den ZÄHRINGER Berthold abgesetzt und Liutolt zum Herzog gemacht. Auf keinen Fall geht es um Erbe von Herzog Hermann II. [29 Gerd Tellenbach, Kritische Studien zur großfränkischen und alemannischen Adelsgeschichte, in: JbWürttLG 15 (1956), S. 169–190, hier S. 178: „Die Miterbenschaft Hermanns II. am Hohentwiel ist kein Argument mehr, da sie ja als illusorisch nachgewiesen wurde“.]

Weitere Seitenverwandte

Weitere Eppensteinische Seitenverwandte, die höchstwahrscheinlich auch von Herzog Adalbero und Beatrix abstammen, lassen sich aus den Urkunden ohne genauen Anschluss eruieren. Zuvor müssen wir alle Töchter, mit denen Tyroller seine EPPENSTEINER-Tafel auffüllt, und einen Ulrich, Bruder Adalberos, als bestenfalls nur vermutet streichen. So bleiben nur Söhne und Enkel, nicht eine einzige Nachkommin der Beatrix, die ihren Namen anscheinend nicht weitergab.
Heinricus de Houerdorf (Heinrich von Hofendorf, Lks. Rottenburg a. d. Laaber) steht als erster nichtfürstlicher Intervenient in der Schenkungsurkunde für Daugendorf, ist also offensichtlich ein Erbberechtigter. 1096 steht sein Sohn (Covnrat filius Heinrici de Houators) an prominenter Stelle bei der Gründung von St. Lambrecht Zeuge.
Heinrich könnte gemeint sein in einem Eintrag ins St. Galler Gedenkbuch, wohl aus der Zeit von Abt Ulrich (1077–1121): Marchwart, Liutpirch, Marchwart, Liutolt, Heinrihc, Hereman, Hereman, Heinrihc, Friderihc, Ruodpret. [30 Liber confraternitatum sancti Galli, ed. Piper, MG Libri confratern., Sp. 219. Klaar, Eppensteiner (wie Anm. 1), Nr. 40c.] Man erkennt unschwer die Eltern und vier der fünf Brüder der letzten Generation (es fehlt der einschreibende Abt, für dessen Memoria längst gesorgt war und nichts geopfert werden musste). Die letzten vier Namen stehen gewiss für nahe Verwandte. In Heinrich kann man den von Hofendorf erkennen. Anschließen könnte man ihn als einen jüngeren Bruder(ssohn) Marchwarts, in dessen Generation sonst Namensgut der Mutterlinie nicht erscheint. Man kann ihn schwerlich als einen Sohn des noch vor dem Vater verstorbenen Marchwart ansehen, weil er 1096 schon einen zeugnisfähigen Sohn hat; Marchwart war allerdings 1065 schon erwachsen. Dass die Hofendorfer identisch sind mit den (Grafen) von Roning, setzt Tyroller voraus. [31 Tyroller, Tafel 28 Hofendorf – Roning – Paring …, in: Wegener, Tafeln… (wie Anm. 1) , S. 332 ff.]
Ob in der St. Galler Litanei Friedrich der (wie es sonst scheint, früh verstorbene) Bruderssohn von Herzog Adalbero ist, muss ich gleichfalls offenlassen. [32 Zu ihm Klaar, Eppensteiner (wie Anm. 1), Nr. 47.] Das Erscheinen eines zweiten Hermann, der wohl so ähnlich wie Heinrich einzureihen ist, gibt natürlich auch diesem Namen eponymisches Gewicht. Könnte es sich um einen Bruder der Liutbirg handeln?

Zum Abschluss und zum Ende der Eppensteiner

Meine Behauptung, Beatrix von Kärnten stamme aus dem salischen Hause, bleibt ohne endgültigen Beweis wie die bisherige Ansicht. Aber sie ist sehr viel plausibler. Die Argumente habe ich im Indikativ aufgeführt, es sind tatsächliche Indizien. Aber ein Indizienbeweis ist immer einer zweiter Klasse, weil man die einzelnen, nicht eineindeutigen Argumente verschieden bewerten kann.
Wenn wir übrigens die „Leitnamen“ betrachten, so sieht es auf den ersten und zweiten Blick so aus, als ob die salischen (Heinrich, Konrad, evtl. Liutold) bei den „EPPENSTEINERN“ erst in der Enkelgeneration erscheinen, bei Kindern, die nach dem Aufstieg der Verwandten zum Königtum geboren wurden. Bei unserem bruchstückhaften Wissen und der Kindersterblichkeit kann das auch anders erklärt werden, es passt aber gut in die Beobachtung, dass die Eltern aus einem begrenzten Fonds von Erbnamen den ihnen jeweils wichtigsten wählten.
Wie ich für die EPPENSTEINER ein Folgerecht im Herzogsamt nachweisen konnte, dürfte gleiches auch für die ihnen folgenden SPANHEIMER gelten. Ob Namen durch Patenschaft vergeben wurden oder (wie ich fest anehme) nicht, Ämter wurden es keinesfalls: Der SPANHEIMER Heinrich kann nicht Herzog geworden sein, weil er Patenkind seines Vorgängers Heinrich „von Eppenstein“ war. Auch die Namensgleichheit hat wohl andere Gründe als Patenschaft, die erstmals von humanistischen Geschichtsschreibern nahegelegt wurde. [33 Klaar, Eppensteiner (wie Anm. 1), Nr. 69.] Außerdem sieht es sehr danach aus, dass in Schwaben noch agnatische Folgeberechtigte aus Seitenlinien lebten.

Tafel 1: Die Eppensteiner

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   Hadamut oo   Marchwart                   Rudker                         Richgard, † 1013
                          Markgraf, † ?1000      985/991 Mkgf.              oo Ulrich v. Ebersberg
                  ¿ | ?
            -----------------------------------------
     Eberhard                   Ernst              Adalbero  oo Beatrix
fratres ducis ca. 1039 (Klaar Nr. 41a)       † 1039
                                                             1000 Mkgf, 1011–1035 Herzog

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Friedrich, Gf.                  Liutbirg oo Marchwart                                    Adalbero
                                                                † 1077                               1053–†1057 Bf. Bamberg
 

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¿Adalbero?      Markward            Liutold            Heinrich                   Ulrich                     Hermann
„von Singen    1077†            Hz. Kärnten 1077 1093 Hz. Kärnten Abt. St. Gallen, 1085 ks. Bf. Passau
 oder --------                          † 1090 Mai 12       † 1122 Dez 4       Patriarch Aquileja 1085–†1087
       ¿Adalbero?                    2 x oo                     3 x oo,                  † 1121 April 2
 

Tafel 2: Die Herzöge von Kärnten (Bezifferung nach der Tafel in Monumenta Ducatus Carinthiae).
 

Hermann II.     oo Gerberga                                       5Otto   oo Jutta
Hz. Schwaben   |    von Burgund                         Hz. Kärnten |
                          |                                                                      |
    --------------------------                       ------------------------------------------
Gisela                      Mathilde I. oo 6 Konrad I.          Heinrich                Beatrix oo 7Adalbero
III. oo                                          |                                 |                                          |
Kg. Konrad II.                          ----                     -----------------                    -------------------
                                        8Konrad II.               X         Konrad II.     Bf. Adalbero      Markwart
s. rechts                                                             |                    |      consobrini                      |
                                                                        ---                 ---                 -------------------------
                                                                 11Konrad    9Heinrich III.   13Liutold            14Heinrich
                                                                         |
                        12Berthold I. v. Zähringen oo Richwara

Tafel 2b: Das Tableau wird noch überzeugender, setzt man Beatrix als Schwester von Konrad II. ein. Eingesetzt sind auch die salischen Beatrix’ und Heinrich IV., der möglicherweise zwischen Liutold und Heinrich das Herzogtum 3 Jahre in seiner Hand behielt.

Hermann II           oo         Gerberga                                5Otto        oo  Jutta
Hz. Schwaben         |           von Burgund                       Hz. Kärnten |
                                |                                                                           |
     -----------------------------                      ----------------------------------------------
Gisela          X          Mathilde I. oo 6Konrad I.                                              Heinrich
III.oo                                            |                                                                      |
Kg. Konrad II.                          ----                ---------------------------------------------
                                           8Konrad II.        X          Konrad II.                        Beatrix oo 7Adalbero
s. rechts                                                         |                |                                   |
                                                                    ----  ----------------------                  -----------------------
                                                         11Konrad  Beatrix  9Heinrich III. consobrini Adalbero Markwart
                                                                   |                           Ks.                            |
                                                                   |                            |                                |
                                                                 ---     ---------------------                   -------------------
        12Berthold I. v. Zähringen oo Richwara   Beatrix   ¿13a?Heinr. IV.  13Liutold  14Heinrich