Schölkopf Ruth
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"Die sächsischen Grafen 919-1024"

8. Die Grafen von Haldensleben

Werfen wir einen Blick auf die Verteilung der Herrschaftsrechte im Nordthüring- und Derlingau in der Mitte des 10. Jahrhunderts, so springt ins Auge, wie dicht die Amtsbereiche verschiedener mächtiger Sippen hier beieinander lagen und wie vielseitig sich die Herrschaftssphären überschnitten. Gerade in seinem Gebiet wird augenfällig, wie wenig es berechtigt ist, großräumige Machtkomplexe in der Hand einer einzigen Familie als gegeben zu betrachten. Auf engstem Raume konzentrierten sich hier die Kerngebiete der WALBECKER, BRUNONEN, der RICDAG-Sippe und der Sippe des Markgrafen Gero, zu denen in der 2. Hälfe des 10. Jahrhunderts nachweisbar auch das Haus HALDENSLEBEN trat.
Ein Dipolm des Jahre 956 bezeugte im Nordthüringgau im Gebeit um Wanzleben einen Grafen Dietrich (Theodericus). Auch im Derlingau nahm Graf Dietrich Herrschaftsrechte wahr, wie aus der Urkunde von 966 hervorging. Graf Dietrich trat für einem sonst unbekannten Grafen Mamacho als Petent auf. Dietrich, der als fidelis noster bezeichnet wurde, übertrug nämlich seinen Besitz in Veltheim, Arnaldesheim (bei Hessen), Barnstorf, Küblingen, Achim, Seehausen, Dreileben, Althaldensleben und Vahldorf pro remedio anime sue dem Kloster in Magdeburg. Diesen Besitz empfing Mamacho vom König zu Lehen, da er auch zugleich in seiner Grafschaft lag. Wir erfassen hier also ausgedehnten Eigenbesitz Dietrichs, der seinen Schwerpunkt wohl um Althaldensleben - also im Gebiet nördlich von Magdeburg - hatte. Man nannte deshalb Dietrich und seine Familie später nach diesem Stammsitz in Haldensleben. Zwei Urkunden von 975 und 980 bestätigten, dass er Herrschaftsrechte im Nordthüring- und Derlingau ausübte. Nach dem Tode Geros des Großen (+ 965) wurde Dietrich mit einer markgräflichen Stellung in der sogenannten Nordmark betraut. Schon 968 führte er offiziell den Titel dux. In dem betreffenden Schreiben OTTOS DES GROSSEN aus Capua wurde er rangmäßig Herzog Hermann von Sachsen als dux gleichgestellt. Dietrich war der einzige unter den zahlreichen Nachfolgern Geros, der den Titel dux weiterführte. Daraus darf man jedoch nicht mit Böttger schließen, dass er auf Grund diese Titels ein unmittelbarer Nachfolger der LIUDOLFINGER war, da sonst keinem Grafen der herzogliche Titel zugestanden habe. Auch bei Thietmar hieß er gelegentlich dux. Der sächsische Annalist nannte ihn dux et marchio, wie auch Gero diesen Titel geführt hatte. Drei weitere Urkunden bezeichneten ihn als marchio. Dietrichs markgräfliche Befugnis erstreckte sich über den Gau der Heveller, wie die Urkunde von 981 erkennen läßt. Thietmar gibt uns einen weiteren Einblick in seine Tätigkeit. Im Jahre 953 begab er sich zusammen mit dem BILLUNGER Wichmann an der Spitze eines Heeres auf den Weg nach dem belagerten Mainz. Ehe sie jedoch ihren Bestimmungsort erreichten, wurden sie von den Aufständischen abgefangen. Dietrich widerstand eindeutig der Werbung des aufsässigen Königs-Sohnes Liudolf, der ihn für seine Sache zu gewinnen suchte, während Wichmann ins andere Lager überwechselte. Eingedenk dieser Haltung bezeichnete ihn der König als fidelis noster. Thietmar nannte ihn schon bei der Schilderung dieser Vorgänge dux, was mit seiner tatsächlichen Stellung in diesen Jahren nicht in Einklang zu bringen ist. Die Bezeichnung dux steht entweder im Sinne von "Heerführer" - wogegen spricht, dass Wichmann nur den comes-Titel führte - oder Thietmar gab ihn schon aus der Rückschau der Ereignisse. 955 kämpfte Dietrich mit wenig Erfolg gegen die Slawen. Nicht mehr ganz zu erhellen sind die Beweggründe, die ihn 979 zusammen mit dem Erzbischof von Magdeburg zum Widersacher Geros von Alsleben werden ließen. Möglicherweise handelte es sich hierbei um den Austrag einer nachbarlichen Fehde; denn Alsleben, Geros Besitz, und Wanzleben und Seehausen, Dietrichs Eigentum, lagen nahe beieinander, so dass Möglichkeiten zu Reibereien gegeben war. Vielleicht waren die Gründe auch schwerwiegender und Dietrich wollte etwaige Ansprüche Geros von Alsleben auf die Nachfolge des großen Markgrafen endgültig beseitigen und seinem Hause die Machtstellung sichern. Dietrich erreichte jedenfalls sein Ziel. Am folgenschwersten zeigte sich seine Untüchtigkeit als Markgraf in dem großen Wendenaufstand von 983. Nach Thietmars Aussage gab die superbia des Markgrafen Anlaß dazu. Dieser Aufstand setzte die erst teilweise dem Christentum gewonnenen Slawen, die bisher tributpflichtig gewesen waren, wieder in den Besitz des Gebietes zwischen Elbe und Oder, das erst unter Gero erobert worden war. Selbst durch den Sieg der Deutschen in der Schlacht am Tanger als Antwort auf den Aufstand wurde das Land nicht wiedergewonnen. Wegen dieser Vorgänge, die hauptsächlich dem falschen Verhalten Dietrichs den Slawen gegenüber zur Last gelegt wurden, soll er seines Amtes enthoben worden sein. Adam von Bremen, der ihn marchio Slavorum nannte und seine ignavia als Ursache des Abfalles ansah, berichtete von seiner Absetzung. An einer zweiten Stelle führte er aus: Theodericus marchio, depulsus ab honore et ab omni hereditate sua, prebendarius apud Magdeburg vitam finivit, mala morte, ut dignus fuit. Gegen Dietrichs Unterkommen in Magdeburg erheben sich keine Bedenken, wir konnten seine engen Bindungen zu Magdeburg bereits nachweisen. Diese Ereignisse berichtete gleichfalls Helmhold. Er vermehrte den Katalog der schlechten Eigenschaften Dietrichs noch um die avaritia und crudelitas. Auch der sächsische Annalist erwähnte den Verlust seiner dignitas. Die Chronica principum Saxoniae schloß sich diesen Darstellungen an. Die Nachricht der Quedlinburger Annalen dagegen, die 985 den Tod eines Markgrafen Dietrich verzeichneten, dem sie die ehrenvolle Auszeichnung Thiedericus marchio praeclarus zuteil werden ließen, ist mit diesem schmachvollen Ende nicht zu vereinen. Auch die Annales Necrol. Fuld. brachten zum Jahre 985 den Tod eines Deiterih marchio. Sein Todestag läßt sich nicht mehr ganz genau feststellen. Das Lüneburger Totenbuch bringt zwar am 6. März, am 2. Juni und am 22. November die Nachricht vom Tode je eines Dietrich, die aber alle nur den comes-Titel führen. Durch die späte Überlieferung seiner Absetzung erhebt sich die Frage, ob es vielleicht zwei Markgrafen des selben Namens gab, was Hirsch zu beweisen suchte, indem er auf den abgesetzten Dietrich seinen gleichnamigen Sohn folgen ließ. Dagegen spricht, dass Thietmar als der nächststehende Berichterstatter keine Andeutung über Dietrichs Absetzung machte, sondern noch nach 983 einen Markgrafen Dietrich handelnd auftreten ließ, ohne ihn als Sohn des erstgenannten erkennen zu geben. Das ist insofern auffällig, als er die anderen Kinder des Markgrafen Dietrich erwähnte. Natürlich könnten bei Thietmar auch persönliche Gründe mitsprechen, die ihn bewogen, die Ereignisse diskret zu übergehen. Auf der anderen Seite erzählte er die wenig erfreulichen Szenen in seiner eigenen Familie. Die Frage, ob es zwei Markgrafen mit Namen Dietrich gab, von denen der zweite nach 983 im Amt gewesen könnte, ist wohl zu verneinen. Markgraf Dietrich hinterließ von einer unbekannten Gattin mehrere Kinder.
Als Erstgeborene wird in den Quedlinburger Annalen Oda genannt. Sie war zuerst Nonne in Calbe (an der Milde, Kr. Salzwedel). Dieses St. Laurentiuskloster war ihre Stiftung, wie aus der Urkunde Bischof Reinhards von Halberstadt hervorgeht. Es fiel 983 dem Wendenaufstand zum Opfer. Wahrscheinlich wurde es auf Eigenbesitz des Markgrafen errichtet, wofür die Nähe seines übrigen Allods spricht. Später wurde es nach Schöningen (Kr. Helmstedt) im Nordthüringgau verlegt, wo vermutlich ebenfalls Besitz des Markgrafen lag. Thietmar erzählte, dass Oda ihr Kloster verließ und nach Dobrawas Tode die zweite Gattin Herzog Misecos von Polen wurde. Sie übte guten Einfluß auf die deutsch-polnischen Beziehungen aus, indem sie dafür Sorge trug, dass sich das Christentum festigte und die deutschen Gefangenen nach Hause zurückkehrten. Oda schenkte ihrem Gatten drei Söhne: Miseco, Swentepule und Wlodoweius. Die Quedlinburger Annalen verzeichneten ihren Tod zum Jahre 1023 und nennen sie: Oda, religiosissima domina.
Die Reihenfolge der anderen Kinder liegt nicht fest.
Seine zweite Tochter hieß Mathilde. Thietmar führte aus, dass sie ebenfalls Nonne war, dann jedoch den Slawen Prebislaw heiratete. Sie erfuhr ein wechselvolles Schicksal. Aus unersichtlichen Gründen setzte sie der unrechtmäßige Befehlshaber Brandenburgs gefangen. Dort gebar sie ihren Sohn, den sie in Trauer aufzog. Ihr Gatte war schon vorher von zwei Brüdern Ugio und Uffico getötet worden. Seinen Todestag setzte Thietmar auf den 28. Januar. Er war wohl mit dem Prebislav frater noster identisch, der am 30. Januar im Lüneburger Totenbuch verzeichnet wurde. Prebislavs Bruder Liudolf war Kleriker. Als sein Rächer griff er zu den Waffen und mußte gewaltsam wieder in den geistlichen Stand zurückgeführt werden. Mathilde wurde später Äbtissin der Magdeburger Abtei, der sie bis zu ihrem Tode vorstand.
Eine dritte Tochter Dietrichs läßt sich durch die Quedlinburger Annalen nachweisen. 1020 zeigten sie den Tod einer Othelhulda, filia marchionis Thiedrici an. Sie war Nonne in Quedlinburg.
Thietmar und der sächsische Annalist bezeugten Thietburga als vierte Tochter des Markgrafen. Sie heiratete den WETTINER Dedi, der nach dem Tode des Grafen Bio von Merseburg vom König mit dessen Grafschaft belehnt wurde. Beider Sohn hieß Dietrich. Er übernahm nach der Ermordung seines Vaters Dedi im Jahre 1009 dessen Amtsstellung und gesamten Lehnbesitz. Anläßlich seiner Belehnung Weihnachten 1009 auf dem Hoftag in Pöhlde wurde als sein Oheim mütterlicherseits (avunculus) ein Bernhard genannt, der sich somit als Sohn des dux et marchio Dietrich erweist.
Bernhard erhielt damals Werners Mark und dessen Amtslehen. Es ist auffällig, dass Thietmar Bernhard nicht als Sohn Dietrichs erwähnt. So wiederholte sich hier ein merkwürdiger Vorgang: auf Dietrich (+ 985) folgte Lothar von Walbeck in der markgräflichen Stellung. An die Stelle seines abgesetzten Sohnes Werner trat nun Dietrichs Sohn, so dass nachträglich die Sohnesfolge wieder aufgegriffen wurde. Es läßt sich nicht nachweisen, ob Bernhard 985 beim Tode seines Vaters noch zu jung war, um die gefahrvolle Lage in den Marken zu meistern. Da im allgemeinen die Unmündigkeit des Sohnes keinen Grund für die Nichtbelehnung darstellte, sprachen wohl andere Gründe mit. Bernhard trat 1010 urkundlich auf. Er führte durchgängig den Titel marchio oder auch marchicomes und marchisus. 1010 wurde die Übertragung seines Besitzes in Schierstedt (Kr. Aschersleben) an den König rechtskräftig gemacht. 1011 amtierte Werner im Gau Mrozani. Bemerkenswert ist, dass dieser Gau noch 975 Gero von Alsleben unterstanden hatte. Möglicherweise hatte schon Dietrich diesen Herrschaftsbereich nach Geros Enthauptung an sich gebracht, was vielleicht sogar das Ziel gegen Gero gewesen war. Eine Urkunde aus dem Jahre 1013 beweist, dass auch die Gaue Osterwalde und Belsheim seiner Gerichtshoheit unterstanden. In ihnen wurden die Orte Lagendorf (Kr. Salzwedel), Belsheim, Briest (Kr. Stendal), Elversdorf und Stendal namhaft gemacht. Hinzu trat eine Grafschaft im Nordthüringgau in der Gegend von Salbke. Bis in das Jahr 1044 können wir die Tätigkeit eines Markgrafen Bernhard verfolgen, wobei offen bleibt, ob es sich vielleicht um zwei Markgrafen gleichen Namens - etwa Vater und Sohn - handelte. Diese Frage kann aus Mangel an zuverlässigen Quellen nicht eindeutig entschieden werden.
Einen wichtigen Hinweis gibt uns eine Urkunde aus dem Jahre 1036, die den Ort Salbke im Nordthüringgau in der Grafschaft des marchi-comes Bernhard erwähnte, der aus königlichem Besitz an das Kloster in Quedlinburg überging. Salbke ist durch eine Erwähnung Thietmars bekannt. Er erzählte, dass ein geistlicher Mitbruder Bernhard, der ihm carnis propinquitate consanguineus war, seinen Lehnbesitz zu Salbke vom König um treuer Dienste willen in freies Eigentum umgewandelt erhielt. Thietmar setzte Bernhards (Bernarius) Todestag, der sein Mitbruder in Magdeburg war, auf den 17. Mai. Wir würden Bernhard gern auf Grund seines Namens, der Lage seines Lehnbesitzes und seiner Beziehung zu Magdeburg der Familie der Markgrafen von Haldensleben angliedern. Andererseits besteht wenig Veranlassung, ihn als Mitglied des Hauses WALBECK zu betrachten.
Es ist auffällig, dass der Name Dietrich bei den Kindern des Markgrafen Lothar auftritt, der Nachfolger des Markgrafen Dietrich von Haldensleben wurde. Über die Verwandtschaft beider Familien liegt kein direktes Quellenzeugnis vor. Sie ist nicht ganz von der Hand zu weisen, zumal wenn man bedenkt, dass Walbeck und Haldensleben keine 20 km weit voneinander entfernt lagen, so dass eine Geschlechterverbindung wünschenswert war. Schließlich müssen wir uns bewußt bleiben, längst nicht alle Mitglieder dieser fast immer kinderreichen Familien erfaßt zu haben.
Kehren wir noch einmal zu Markgraf Bernhard zurück. Er wurde 1014 beauftragt, Werner von Walbeck vor das königliche Gericht zu laden. Sein Erscheinen trug kaum dazu bei, freundschaftliche Gefühle zwischen beiden Häusern zu erwecken, deren Beziehungen ohnehin durch die Übertragung der Markgrafschaft von Werner auf Bernhard sehr gespannt waren. Bernhard soll sich sogar mit dem Gedanken getragen haben, Werner gegen Übertragung der Elbinsel Parey (westlich von Genthin) durch den König zu ermorden, falls man Thietmars Bericht überhaupt Glauben schenken kann. Erst 1017 fand die offizielle Versöhnung zwischen beiden Familien statt.
Bernhard leistete in den Slawenkriegen nichts Hervorragendes. Dafür lag ihm der Kleinkrieg mehr. 1016 ging er kriegerisch gegen den Erzbischof von Magdeburg vor. Er mußte seine Kampflust teuer mit seiner Ehre bezahlen. Der König zwang ihn nämlich, sich 1017 barfuß vom Bann lösen zu lassen, den der Erzbischof über ihn verhängt hatte, und Besserung zu versprechen. Außer dem Ehrverlust hatte er einen Schaden von 500 Pfund Silber zu tragen. 1018 fand eine erneute Versöhnung zwischen Bernhard und dem Erzbischof statt. Die Aussprache beider kam in Wanzleben zustande, das schon einmal im Zusammenhang mit diesem Hause erwähnt wurde. Hier muß also Eigengut der Familie gelegen haben. Von Bernhards markgräflicher Tätigkeit ist nur bekannt, dass er 1017 zusammen mit den Großen des Reichs vergeblich an der Mulde Herzog Boleslaw von Polen aufforderte, zu Unterhandlungen zu erscheinen. Mit dem Abbrechen von Thietmars Chronik versiegen die Nachrichten über ihn, so dass wir über sein weiteres Leben nicht unterrichtet sind. Auch über seine Familienangelegenheiten ist nichts genaues bekannt.
Die Magdeburger Annalen erwähnen 1018 den Tod einer Thietburg, die als Tochter des Markgrafen Bernhard und pia conversa bezeichnen. Der Name Thietburg paßt gut in diese Familie. Markgraf Dietrich hatte auch eine Tochter gleichen Namens. Auffällig ist dagegen, dass die Sächsische Weltchronik unter den Kindern des Markgrafen diese Tochter nicht aufführte. Sie erwähnte nur Wilhelm, Konrad, Oda und als illegitimen Sohn Otto. Da die Zuverlässigkeit der Chronik nicht allzu groß ist, kann man aus dem Übergehen der Thietburg kaum die Berechtigung ableiten, in den Zeitraum von 1009-1044 zwei Markgrafen amtieren zu lassen, von denen der erste Vater der Thietburg und der zweite der der übrigen Kinder wäre.
Gerne würden wir noch tiefer in die Anfänge des Hauses HALDENSLEBEN hineinleuchten. Das ist am ehesten vom Ende aus möglich, wenn man die charakteristischen Familiennamen kennt und Eigentumsverhältnisse sowie Lage des Herrschaftsbereiches überblicken kann. Der Name Dietrich begegnete, wie schon Sabine Krüger nachwies, bei den vornehmsten sächsischen Geschlechtern. So ist beispielsweise schon im 8. Jahrhundert ein Theodericus überliefert, dem die Hochseeburg unterstellt war. Die Sippe des Markgrafen Dietrich von Haldensleben hatte nachweisbar Besitz im Hassegau. Der Name Dietrich tauchte auch bei den Nachkommen Herzog Widukinds auf, bei denen ihn der Vater der Königin Mathilde trug. Sie selber wurde wahrscheinlich nach ihrer Großmutter väterlicherseits benannt, deren Geschlecht nicht mehr zu ermitteln ist. Es ist sicher kein Zufall, wenn die beiden Namen Dietrich und Mathilde auch für das Haus HALDENSLEBEN charakteristisch sind. Es ist ferner zu erwägen, dass eine Schwester der Königin Mathilde - Frideruna mit Namen - mit dem BILLUNGER Wichmann vermählt war. Wir trafen Wichmann und Dietrich gemeinsam bei kriegerischen Unternehmen. Schließlich setzte sich der Name Bernhard für mehrere Generationen bei beiden Geschlechtern durch. Vielleicht dürfen wir in jenen Legaten Bernhard, dem um 929 die Provinz der Redarier unterstellt war, in Zusammenhang mit Dietrichs Haus bringen. Zeitlich gesehen könnte Dietrich sein Sohn sein. Ferner fällt ins Gewicht, dass sich die markgräfliche Stellung Dietrichs ungefähr über dasselbe Gebiet erstreckte. Eine Klärung der Verwandtschaftsbeziehungen ist im einzelnen nicht mehr möglich. Wahrscheinlich haben sich diese Familien in irgendeiner Generation miteinander versippt. Fest steht, dass das Haus HALDENSLEBEN zu den ältesten und angesehensten Familien zählte.
Die Kernpunkte ihres Allods lagen um Althaldensleben, Wanzleben und Salbke. Auch im Umkreis ihrere Eigenklöster ist mit einer besonderen Dichte ihres Besitzes zu rechnen, also um Calbe, Schöningen und Königslutter, das nach der Chronica ducum de Brunswick ebenfalls ihre Stiftung war.