Lüpke Siegfried:
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"Die Markgrafen der Sächsischen Ostmarken in der Zeit von Gero bis zum Beginn des Investiturstreites (940-1075)"

In der Nordmark ist zuerst Markgraf Dietrich (965-985) nachweisbar. Urkunden bezeugen seine markgräfliche Stellung für den Nordthüringgau, Derlingau und den Gau Hevellon. Zu dieser Zeit erscheint im Derlingau und Nordthüringgau auch ein Graf Mamaco und im Gau Moraziani, der unter dem großen Gero zur Mark gehörte, ein anderer Gero. Über ihr Verhältnis zum Markgrafen erfährt man nichts. Vielleicht darf man Dietrich noch den Gau Moraziani zuschreiben, da er zur Mark Geros gehörte und auch Dietrichs Sohn Bernhard untersteht. Schon zu Geros Zeit wird Dietrich einige Male als einfacher Graf erwähnt. 953 war er gemeinsam mit dem jüngeren Wichmann, einem Neffen Hermann Billungs, als Führer eines sächsischen Aufgebotes zur Belagerung von Mainz berufen worden. An der Grenze Frankens aber wurden sie von den Aufständischen in eine verlassene Burg gedrängt, ihnen aber die Rückkehr nach Sachsen gestattet. Bei dieser Gelegenheit wohl versuchte Liudolf die Gegner mit großen Versprechungen für sich zu gewinnen. Während Wichmann der Versuchung nicht widerstehen konnte, blieb Dietrichkönigstreu. Ebensowenig Glück wie bei dieser Unternehmung hatte Dietrich 955 bei einem Angriff auf eine slawische Festung, der nach anfänglichem Erfolg mit schmählicher Flucht endete. Nach Geros Tode scheint er trotz dieser Mißerfolge, vielleicht wegen seiner königstreuen Haltung, unter den Nachfolgern des großen Markgrafen die hervorragendste Stellung eingenommen zu haben. Das kann man aus dem Titel "dux" schließen, der einzig auf ihn übergegangen ist. Auch erscheint er - wie früher Gero - dem Herzog Hermann ganz gleichgestellt. Das kommt besonders in dem Schreiben OTTOS DES GROSSEN aus Capua an die sächsischen Fürsten, das uns Widukind mitgeteilt hat, zum Ausdruck. Trotz dieser Auszeichnung ist er aber nicht der tüchtigste unter Geros Nachfolgern gewesen, wie seine verschiedenen Mißerfolge deutlich zeigen. Auch das bedeutendste Ereignis, das aus seiner Markverwaltung berichtet wird, war ein Mißgeschick: der Wendenaufstand von 983, durch den der  größte Teil der Eroberungen Geros zwischen Elbe und Oder wieder verloren ging. Es war das größte Unglück jener Zeit, das die gesamten deutschen Ostmarken betraf. Wenn wir einer Bemerkung Thietmars glauben dürfen, hatte Dietrich den Anlaß zu dieser Empörung gegeben. Der kurz darauf folgende Sieg an der Tanger stellte lediglich die deutsche Waffenehre wieder her, ohne das verlorene Land zurück zu gewinnen. Nach einigen allerdings etwas jüngeren Quellen ist Dietrich auf Grund dieser Mißerfolge seines Amtes enthoben worden und eines elenden Todes gestorben. Sein Sohn Dietrich soll ihm in der Markgrafschaft gefolgt sein. Man wird diese Berichte indessen als unglaubwürdig ablehnen müssen, da Dietrich nach OTTOS II. Tode unter den Vorkämpfern für die Nachfolge von dessen Sohne zu finden ist.