Annalista Saxo: Seite 32
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Reichschronik
 

Das Jahr 983.

 
[Der Kaiser hielt in Verona einen Reichstag und Heinrich der Jüngere, Bertolds Sohn, wurde von der Verbannung befreit und zum Herzoge von Baiern eingesetzt,] während Heinrich, des Kaisers Vetter, noch in Gefangenschaft blieb. [Des Kaisers Sohn Otto III wird von allen zum Herrn erwählt.] Nachdem nun auch der Reichstag und die Zusammenkunft mit den Sachsen, Sueven, Lothariern, Baiern und Italienern und die Begegnung mit anderen durch Abstammung, Sprache und Kleidung sehr verschiedenen Völkern zu Verona ruhmreichst abgehalten worden, kehrt derselbe erhabene Kaiser nach Rom zurück und setzte mit geziemender Ehre einen Herrn Papst über die römische Kirche.  - Der Paderborner Bischof Folkmar starb.
 
Dedo, der Sohn Teoderichs, eines Mannes von besonderer Freiheit, hatte einen Bruder Friderich, einen sehr klugen Menschen. - Seine Nachkommen waren unter den Fürsten Sachsens, wie im Einzelnen später erzählt werden soll, edle Blüthen. Jetzt wollen wir zu unserer Aufgabe zurückkehren. -
 
Wegen der Zerstörung der Kirchen in Brandenburg und Havelberg verlor der Herzog und Markgraf Teoderich, welcher der Vertheidiger jener Gebiete war, seine Würde und Lothar von Waldbike empfing vom Kaiser die Mark. [Als der Kaiser nach Rom gekommen war, während seine ehrwürdige Mutter in der Stadt Papia zurückblieb, wird er schwer krank und  wie er sein Ende nahen fühlte, theilte er all sein Geld in vier Theile, einen für die Kirchen, den zweiten für die Armen, den dritten] für seine Mutter und seine einzige Schwester zum Beweise der Liebe, welche er ihnen schuldete, den vierten für die Ritter, welche Leben und Heimat der Liebe zu ihm und dem Gehorsam nachgesetzt hatten.
 
Als diesen [Otto II] sein Oheim, der Kölner Erzbischof Bruno, welcher ihn von der ersten Kindheit an erzog, mit großer Strenge im Zaume hielt, hat der Knabe etwas gar nicht Knabenhaftes vollführt. Denn während der Bischof in einer Nacht die nächtlichen Horen hielt, legte jener einen in der Stadt gestorbenen Knaben in sein eigenes Bett und bedeckte ihn mit seinem eigenen Kleide, als sei er selbst gestorben; dann ging er fort und machte sich aus dem Staube. Wie nun der Bischof bei der Rückkehr nach dem Bette seines Neffen sah und den Leichnam fand, glaubte er, daß jener heimgegangen sei, und verfiel vor übergroßem Schmerze in Hüftweh. Inzwischen kommt der Knabe, den Alle beweinten, lebendig herbei und antwortete auf die Frage des Bischofs, warum er ihn so  getäuscht habe: "Nicht besser konnte ich mich für die zu große Schmach der Schläge rächen."